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Waldbaden und Entschleunigen in Aachen

Aachener Wald, Lousberg, Müschpark und die alten Stadtparks

Grünflächen zum Entschleunigen in Aachen: Aachener Wald, Lousberg, Müschpark, Von-Halfern-Park, Kurpark und Elisengarten, dazu was Waldbaden bewirken soll.

Lebensart2010er2010
Eintrag vom 9. Sept. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Jeden Mittwoch machen sich am Adamshäuschen im Aachener Wald Pilger auf den Weg nach Moresnet-Chapelle, jenseits der belgischen Grenze. Die Prozessionen gibt es seit 1829, und der Andrang war so groß, dass am Ziel 1831 eine Kapelle, 1880 eine Wallfahrtskirche und einige Jahre später ein Kloster entstanden. Heute ist der mit Wegkreuzen gesäumte Pfad auch Teil des Jakobswegs. Man muss kein Pilger sein, um ihn zu gehen. Wer in Aachen langsamer werden will, findet dafür erstaunlich viele Orte, vom großen Stadtwald bis zu kleinen Gärten mitten in der Innenstadt.

Waldbaden im Aachener Wald

Der Aachener Wald beginnt knapp vier Kilometer südlich des Zentrums und ist mit rund 2.357 Hektar das wichtigste Naherholungsgebiet der Stadt. Über 100 Kilometer markierte Wege führen hindurch, einige grenzüberschreitend, und am Waldrand liegen mehrere Stauweiher, die ein eigenes Ausflugsziel sind. Im Wald selbst stößt man auf Boden- und Naturdenkmäler und Gedenkkreuze, die an Ereignisse aus der wechselvollen Geschichte der Gegend erinnern.

Für das, was viele hier ohnehin tun, gibt es seit einigen Jahren ein Modewort: Waldbaden. Der Begriff übersetzt das japanische Shinrin Yoku, das die japanische Forstbehörde 1982 prägte, um Menschen zu Aufenthalten im Wald zu bewegen. Der Immunologe Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio hat in Studien untersucht, wie sich Waldaufenthalte auf Stresshormone und Immunzellen auswirken. Der österreichische Biologe Clemens Arvay machte das Thema im deutschsprachigen Raum mit seinem Buch „Der Biophilia-Effekt“ bekannt und forderte, die Medizin solle den Menschen als „Naturwesen“ betrachten, das untrennbar mit seiner Umwelt verbunden ist.

Waldbaden heißt nicht Wandern mit Tempo. Es geht ums Stehenbleiben, ums Hinhören, ums langsame Atmen. Wenn du das ausprobieren willst, reicht eine Stunde ohne Ziel und ohne Handy im Aachener Wald.

Die Hausberge: Lousberg, Müschpark und Salvatorberg

Der Lousberg am Nordrand der Altstadt ist mit 264 Metern die markanteste Erhebung Aachens. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gestaltete ihn der Gartenkünstler Maximilian Friedrich Weyhe zu einem Wald- und Bergpark, heute ist er großenteils bewaldet, auf dem Plateau steht ein zusammenhängendes Eibenwäldchen. 2009 kam der Park des ehemaligen Klosters St. Raphael hinzu. Wer oben ist, kann im Drehturm Belvedere, einem Wasserturm mit drehbarem Café, Kaffee trinken und die Stadt langsam an sich vorbeiziehen lassen.

Um den Berg rankt sich eine Sage. Der Teufel, so heißt es, wollte Aachen unter einem Sack Sand begraben, weil man ihn beim Bau des Doms betrogen hatte. Unterwegs fragte er eine Marktfrau nach dem Weg, und die zeigte ihm ihre durchgelaufenen Schuhe: So weit sei es noch. Der Teufel gab entnervt auf, ließ den Sand fallen, und daraus wurde der Lousberg.

Am Nordfuß des Lousbergs liegt der Müschpark, rund elf Hektar groß, angelegt zwischen 1803 und 1814 für Wilhelm Körfgen, den Generalsekretär der französischen Verwaltung. Seit 2010 steht er als Gartendenkmal unter Schutz, sieben Bäume zusätzlich als Naturdenkmal: Roteichen und Rotahorn, ein nordamerikanischer Mammutbaum, Buchen mit einer Blutbuche, Eiben und eine etwa 200 Jahre alte Esskastanie. Zugänge gibt es an der Ecke Purweider Weg und Strüver Weg sowie über die Buchenallee vom Lousberg herab.

Der Salvatorberg ist mit 229 Metern der mittlere der drei Hausberge. Seinen Namen hat er von der Salvatorkapelle aus dem 9. Jahrhundert und dem späteren Kloster. Weil er lange Wallfahrtsort war, baute die Stadt die Zugangswege aus und errichtete 1175 das Neutor. Ende des 19. Jahrhunderts ließ Gartendirektor Heinrich Grube die Parkflächen des Lousbergs über den Salvatorberg erweitern, sodass ein Grünzug entstand, der bis zu Weyhes Alleenring und zum Stadtgarten reicht.

Stadtgarten und Kurpark am Wingertsberg

Den Stadtgarten entwarf 1852 Peter Joseph Lenné, der berühmteste preußische Gartenarchitekt seiner Zeit. In seiner Mitte erhebt sich der Wingertsberg, mit 193 Metern der niedrigste Hausberg. Viele Bäume sind älter als die meisten Häuser ringsum: drei Esskastanien von etwa 1800 westlich des Tennisplatzes, ein Ginkgo und ein Riesenmammutbaum von 1880 im früheren Botanischen Garten, ein Spitzahorn von 1915 auf dem Wingertsberg. Vor dem Neuen Kurhaus führt eine doppelte Lindenallee auf ein Wasserbecken mit Fontäne zu, am Eingang stehen zwei Hänge-Silberlinden aus dem Jahr 1853.

Die vielen kleinen Becken und Fischteiche sind eine Anspielung auf Aachens Geschichte als Bäderstadt. Die Carolus Thermen liegen gleich nebenan, und wer nach dem Spaziergang ins warme Thermalwasser steigt, hat das Aachener Entschleunigungsprogramm ziemlich komplett absolviert.

Baumsammlungen im Süden: Von-Halfern-Park und Kaiser-Friedrich-Park

Der Von-Halfern-Park an der Lütticher Straße, der B 264 Richtung Kelmis, geht übergangslos in den Stadtwald über. Angelegt wurde er als englischer Landschaftsgarten von Friedrich von Halfern, einem Burtscheider Tuchfabrikanten und Bankdirektor, der in seiner Freizeit ein anerkannter Dendrologe war. Er ließ seltene Bäume aus Nordamerika, Europa und Asien kommen, bis es mehr als 80 Laub- und 50 Nadelbaumarten waren, darunter Amberbäume, Araukarien, Engelmann-Fichten, Urweltmammutbäume und Libanon-Zedern. Sogar die Weltenesche Yggdrasil aus der nordischen Mythologie wollte er nachbilden, was nicht ganz gelang.

1902 riss ein Sturm viele Bäume um. Von Halfern pflanzte sie nicht nach, sondern ließ lichte Waldwiesen für Spaziergänge und Picknicks anlegen. Nach Jahren des Verfalls, auch während des Zweiten Weltkriegs, pflegt das Stadtgartenamt den Park seit 1950 wieder; die meisten der teils über 150 Jahre alten Bäume sind heute Naturdenkmäler.

Seine überzähligen Bäume verkaufte von Halfern an die Stadt, die sie im Kaiser-Friedrich-Park pflanzte, benannt nach dem 1888 verstorbenen Kaiser Friedrich III. Dort stehen heute eine Silberweide und ein Kuchenbaum von 1904, ein Schnurbaum und ein Silberahorn von 1907. Der Paubach fließt über eine künstliche Kaskade in den Park, am Eingang Goethestraße stehen zwei Torpfeiler vom abgerissenen Zollhaus Königstor des Architekten Adam Franz Friedrich Leydel, und vom Aussichtsrondell am Hangeweiher sieht man auf das Wasser.

Elisengarten und Westpark mitten in der Stadt

Nicht jede Pause braucht Wald. Der Elisengarten hinter dem Elisenbrunnen ist klein, aber von Straßen umgeben, die schon im Mittelalter Namen hatten: die Hartmannstraße, 1279 als „platea harduni“ erwähnt, und die Ursulinerstraße, 1137 genannt und damit die älteste namentlich bekannte Straße Aachens. Seit 2009 fällt eine Rasentreppe zum Brunnen hin ab, und eine archäologische Vitrine des Aachener Büros kadawittfeldarchitektur zeigt einen Ausschnitt der Ausgrabungen unter dem Garten.

Der Westpark zwischen Gartenstraße, Welkenrather Straße und Vaalser Straße war früher ein Tierpark. Geblieben ist davon nur ein Weiher am Ausgang zur Lochnerstraße, Anfang 2010 mussten 19 große Bäume wegen Pilzbefalls gefällt werden.

Wer mehr solcher Orte sucht, findet sie in „Glücksorte in Aachen. Fahr hin und werd glücklich“ von Uschi Ronnenberg, im September 2019 bei Droste erschienen. Die Grafikerin und Texterin, als Schulkind aus dem Ruhrgebiet nach Aachen gezogen, stellt 80 Orte vor, vom Reitturnier bis zum Euregiozoo. Ihr fehlt an der Stadt nach eigener Aussage nur eines: ein großes Wasser.

Fragen zu Waldbaden und Entschleunigen in Aachen

Wo kann man in Aachen Waldbaden?

Am naheliegendsten im Aachener Wald, der südlich des Stadtzentrums beginnt, rund 2.357 Hektar groß ist und über 100 Kilometer markierte Wege hat, teils bis nach Belgien und in die Niederlande. Waldcharakter haben auch der Lousberg mit seinem Eibenwäldchen und der Von-Halfern-Park am Rand des Stadtwalds.

Wie hoch ist der Lousberg?

264 Meter. Er ist der höchste der drei Aachener Hausberge, vor dem Salvatorberg mit 229 und dem Wingertsberg im Stadtgarten mit 193 Metern. Den Park auf dem Lousberg gestaltete Maximilian Friedrich Weyhe zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Welcher Aachener Park hat die seltensten Bäume?

Der Von-Halfern-Park an der Lütticher Straße. Der Tuchfabrikant und Hobby-Dendrologe Friedrich von Halfern ließ dort mehr als 80 Laub- und 50 Nadelbaumarten pflanzen, darunter Araukarien, Libanon-Zedern und Urweltmammutbäume. Überzählige Bäume verkaufte er an die Stadt, die sie im Kaiser-Friedrich-Park setzte.

Was ist Waldbaden?

Die deutsche Übersetzung des japanischen Begriffs Shinrin Yoku, den die japanische Forstbehörde 1982 prägte. Gemeint ist ein langsamer, bewusster Aufenthalt im Wald, oft mit Atemübungen oder Meditation, der Stress abbauen soll.

Seit wann steht der Müschpark unter Denkmalschutz?

Seit 2010. Der rund elf Hektar große Park am Nordfuß des Lousbergs wurde als Gartendenkmal eingetragen, sieben markante Bäume, darunter ein Mammutbaum und eine etwa 200 Jahre alte Esskastanie, zusätzlich als Naturdenkmal.

Gibt es ein Buch über schöne Orte in Aachen?

„Glücksorte in Aachen. Fahr hin und werd glücklich“ von Uschi Ronnenberg stellt 80 Orte in der Stadt vor, vom Reitturnier bis zum Euregiozoo. Es erschien im September 2019 im Droste Verlag und hat 168 Seiten.