Zum Inhalt
VinTageBuch
Illustration: Bühne mit Mikrofonen, E-Gitarre, Flügel, Schlagzeug und Saxofon im Scheinwerferlicht

Die 100 größten Musiker aller Zeiten – die komplette Liste und das Ranking der erfolgreichsten Interpreten

Die 100 größten Musiker aller Zeiten als Liste mit Ranking: von den Beatles bis Talking Heads, mit Verkaufszahlen, prägenden Alben und den Streitfällen.

Musik2010er2010
Eintrag vom 23. Okt. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Die Suche nach den Namen hinter dem Etikett „erfolgreichste Musiker aller Zeiten“ führt zuerst zu drei Adressen: The Beatles mit über 600 Millionen verkauften Tonträgern, Elvis Presley mit über 500 Millionen und Michael Jackson mit über 400 Millionen. Danach franst das Bild aus. Ab Platz vier hängt jede Reihenfolge davon ab, was gezählt wird – verkaufte Alben, Einfluss auf spätere Generationen, Jahre auf der Bühne oder Auszeichnungen im Regal.

Die 100 größten Musiker aller Zeiten in dieser Liste folgen in ihrer Reihenfolge der Rangliste, die das US-Magazin Rolling Stone 2004 unter dem Titel „The Immortals“ veröffentlicht und 2011 überarbeitet hat. Sie ist bis heute die meistzitierte Musiker Liste ihrer Art, und sie ist angreifbar: fast ausschließlich englischsprachige Interpreten, mit Carlos Santana auf Platz 90 ein einziger Musiker aus Lateinamerika, keine Jazz-Größe, kein Act aus Deutschland, Frankreich oder Japan.

Genau deshalb steht neben jedem Namen ein belegbarer Fakt statt eines Superlativs. Wo eine Verkaufszahl weltweit gesichert ist, wird sie genannt. Wo sie umstritten ist, steht das prägende Album mit Erscheinungsjahr, das Genre oder die Auszeichnung, die den Rang begründet.

Der Rest ist Streit, und der gehört dazu.

Vier Kriterien stehen im Hintergrund jeder Platzierung: verkaufte Tonträger (die einzige Größe, die sich in Zahlen fassen lässt), Einfluss (wer hat wen hörbar geprägt), Bühnenjahre (wie lange trägt eine Karriere) und Auszeichnungen (Grammys, die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, in einem Fall sogar der Literaturnobelpreis). Wie die vier gegeneinander gewichtet werden, erklärt der nächste Abschnitt. Wenn du nur die Platzierungen sehen willst, spring direkt zum Block mit Platz 1 bis 10. Weitere Alben, Interpreten und Jahrzehnte-Übersichten sammelt die Rubrik Musik.

Wie das Ranking der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten entsteht

Ein Ranking nach einem einzigen Kriterium wäre einfach. Nach verkauften Tonträgern hießen die ersten drei Beatles, Elvis, Michael Jackson, und dahinter kämen Elton John, Madonna, Led Zeppelin und Queen in einer Reihenfolge, über die sich Plattenfirmen und Statistiker seit Jahrzehnten nicht einig sind. Verkaufszahlen melden die Labels selbst, sie umfassen mal Singles, mal nur Alben, mal Streams in umgerechneten Einheiten, und die Zahl für einen Künstler wie Elvis Presley schwankt je nach Quelle zwischen 500 Millionen und mehr als einer Milliarde. Drei Quellen, drei Antworten auf die Frage nach dem Etikett „erfolgreichste Musiker aller Zeiten“, und keine davon ist falsch, weil jede etwas anderes zählt.

Verkaufte Tonträger

Deshalb gilt hier eine strenge Regel: Genannt werden nur Größenordnungen, die in mehreren voneinander unabhängigen Quellen übereinstimmen. Über 600 Millionen für die Beatles, über 500 Millionen für Elvis Presley, über 400 Millionen für Michael Jackson. Bei Led Zeppelin, Queen, Elton John, Madonna oder Pink Floyd liegen die gemeldeten Zahlen zu weit auseinander, darum steht bei ihnen das Album, das die Karriere trägt: „Led Zeppelin IV“ von 1971, „A Night at the Opera“ von 1975, „Goodbye Yellow Brick Road“ von 1973, „Like a Prayer“ von 1989, „The Dark Side of the Moon“ von 1973.

Ein einzelnes Album kann dabei mehr wiegen als eine ganze Diskografie. „Thriller“ von 1982 gilt als das meistverkaufte Album der Musikgeschichte, und „Their Greatest Hits (1971–1975)“ der Eagles wechselt sich mit ihm seit Jahren an der Spitze der US-Verkaufsstatistik ab. Ohne diese beiden Platten stünden Michael Jackson und die Eagles im Ranking der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten deutlich weiter hinten.

Einfluss

Einfluss lässt sich nicht zählen, aber hören. Die Velvet Underground haben mit ihrem Debüt von 1967 kaum Platten verkauft, und trotzdem stehen sie auf Platz 19, weil ohne sie weder Punk noch Indie-Rock in ihrer heutigen Form existieren würden. Ähnlich Bo Diddley: Der nach ihm benannte Rhythmus aus dem Jahr 1955 taucht bei Buddy Holly, den Rolling Stones, den Smiths und U2 wieder auf. Chuck Berry auf Platz 5 hat mit „Johnny B. Goode“ von 1958 das Gitarrenintro geschrieben, das jeder Rock-Gitarrist der folgenden 60 Jahre irgendwann nachgespielt hat.

Das Kriterium erklärt, warum Blues- und Soul-Namen wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Sam Cooke oder Otis Redding so weit vorne liegen, obwohl ihre Verkaufszahlen gegen jede Stadionband der 80er verschwinden.

Bühnenjahre

Die Rolling Stones stehen seit 1962 auf der Bühne. Bob Dylan tourt seit 1988 praktisch ohne Pause unter dem Namen „Never Ending Tour“. Tina Turner hat mit „Private Dancer“ 1984 im Alter von 44 Jahren die erfolgreichste Phase ihrer Karriere begonnen. Bühnenjahre belohnen Ausdauer und Wandlungsfähigkeit, aber sie bestrafen niemanden für ein kurzes Leben: Buddy Holly (gestorben 1959 mit 22), Otis Redding (1967 mit 26) und Jimi Hendrix (1970 mit 27) haben in wenigen Jahren mehr verändert als andere in fünf Jahrzehnten.

Auszeichnungen

Grammys sind die sichtbarste Währung und zugleich die unzuverlässigste. Led Zeppelin haben zu aktiven Zeiten keinen einzigen gewonnen. Schwerer wiegt die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland, weil sie frühestens 25 Jahre nach der ersten Veröffentlichung möglich ist und damit Nachhaltigkeit belegt. Aretha Franklin war 1987 die erste Frau, die aufgenommen wurde. Und ein Sonderfall: Bob Dylan erhielt 2016 den Nobelpreis für Literatur, als bislang einziger Songwriter.

Erst aus allen vier Kriterien zusammen ergibt sich die Reihenfolge, in der die 100 größten Musiker aller Zeiten hier stehen. Wer die Liste anders sortieren will, findet am Ende der Seite die Streitfälle, an denen sich jede Reihenfolge messen lassen muss.

Platz 1–10: die Spitze der Liste

Die ersten zehn Plätze belegen Interpreten, deren Durchbruch zwischen 1954 und 1967 lag. Acht von ihnen stammen aus den USA, zwei aus Großbritannien, und fünf der zehn haben ihre Wurzeln in Rhythm and Blues, Gospel oder Soul. Auffällig ist, wer fehlt: kein Act der 70er, keiner der 80er. Die Spitze des Rankings gehört der Gründergeneration.

  1. The Beatles\

    Über 600 Millionen verkaufte Tonträger, mehr als jeder andere Act. Zwischen dem Debüt „Please Please Me“ 1963 und der Trennung 1970 liegen nur sieben Jahre, und „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von 1967 gilt bis heute als das Album, mit dem die Popmusik erwachsen wurde.

  2. Bob Dylan
    Mit „Highway 61 Revisited“ von 1965 brachte er die Elektrik in den Folk und die Literatur in den Rock. 2016 erhielt er als bisher einziger Songwriter den Nobelpreis für Literatur. Seine „Never Ending Tour“ läuft seit 1988.

  3. Elvis Presley
    Über 500 Millionen verkaufte Tonträger, der erste Weltstar des Rock ’n’ Roll. „Heartbreak Hotel“ von 1956 war seine erste Nummer eins in den USA. Sein Fernseh-Comeback von 1968 gilt als eine der besten Musikshows, die je gesendet wurden.

  4. The Rolling Stones
    Seit 1962 aktiv, die langlebigste Rockband der Welt. „Exile on Main St.“ von 1972 steht in fast jeder Liste der besten Alben aller Zeiten. Blues-Wurzeln, die bis heute jedes Konzert prägen.

  5. Chuck Berry
    „Johnny B. Goode“ von 1958 enthält das Gitarrenintro, das der Rock ’n’ Roll seither nachspielt. Keith Richards und John Lennon nannten ihn als direkten Einfluss. Sein Duckwalk ist die älteste Bühnenpose des Genres.

  6. Jimi Hendrix
    „Are You Experienced“ von 1967 definierte die E-Gitarre als Soloinstrument neu. Sein Woodstock-Auftritt 1969 mit „The Star-Spangled Banner“ ist eine der meistzitierten Aufnahmen des Jahrzehnts. Er starb 1970 mit 27 Jahren nach nur vier Jahren im Rampenlicht.

  7. James Brown
    Der „Godfather of Soul“ und Erfinder des Funk. „Live at the Apollo“ von 1963 gilt als eines der wichtigsten Live-Alben der Soul-Geschichte, und kaum ein Künstler wurde im Hip-Hop häufiger gesampelt.

  8. Little Richard
    „Tutti Frutti“ von 1955 ist der Urknall des Rock ’n’ Roll, mit einem Schrei statt einer Melodie als Auftakt. Paul McCartney, Otis Redding und Prince übernahmen seinen Gesangsstil.

  9. Aretha Franklin
    Die „Queen of Soul“, 1987 als erste Frau in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. „Respect“ von 1967, im Original von Otis Redding, wurde in ihrer Fassung zur Hymne der Bürgerrechts- und der Frauenbewegung.

  10. Ray Charles
    Er verband Gospel, Blues und Jazz zu dem, was danach Soul hieß. „What’d I Say“ von 1959 und „Georgia on My Mind“ von 1960 bleiben seine Marken; der Bundesstaat Georgia machte das Lied 1979 zu seiner offiziellen Hymne.

Platz 11–25: Reggae, Motown und der Blues aus Chicago

Der zweite Block ist der vielfältigste der Liste. Hier stehen der einzige Reggae-Künstler, zwei Motown-Stimmen, zwei Blues-Männer aus Chicago und die beiden Bands, die den Hard Rock und den Stadionrock der 80er erfunden haben. Zwischen Platz 11 und 25 liegt auch die größte Spanne an Verkaufszahlen: Muddy Waters und Bo Diddley haben zusammen weniger Platten verkauft als U2 mit einem einzigen Album. Dass beide trotzdem vor U2 stehen, ist kein Fehler der Liste, sondern ihre These. Ohne „Rollin’ Stone“ von 1950 hätte die Band auf Platz 4 keinen Namen, ohne den Bo-Diddley-Beat fehlte „Not Fade Away“ von Buddy Holly, und damit die erste Single, mit der die Rolling Stones 1964 in die US-Charts kamen.

Zwei Einträge in diesem Block gehören Musikern, die vor ihrem 30. Geburtstag gestorben sind, Buddy Holly mit 22 und Otis Redding mit 26. Sam Cooke war 33. Alle drei haben in weniger als einem Jahrzehnt Karriere ein Werk hinterlassen, das die Liste über Bands mit vierzig Bühnenjahren stellt. Das Kriterium Bühnenjahre ist hier ausgesetzt, und die Reihenfolge zeigt, wie stark Einfluss im Zweifel wiegt.

  1. Bob Marley\

    Der einzige Reggae-Künstler in der Liste und der erste Weltstar aus einem Entwicklungsland. „Exodus“ von 1977 entstand im Londoner Exil nach einem Attentat auf ihn in Kingston; die Compilation „Legend“ von 1984 ist das meistverkaufte Reggae-Album aller Zeiten.

  2. The Beach Boys
    „Pet Sounds“ von 1966 war Brian Wilsons Antwort auf „Rubber Soul“ und die Vorlage für „Sgt. Pepper“. Kalifornischer Surf-Pop, der zur Studiokunst wurde.

  3. Buddy Holly
    Zwischen „That’ll Be the Day“ 1957 und dem Flugzeugabsturz im Februar 1959 lagen nur anderthalb Jahre. Die Besetzung seiner Crickets, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, wurde zum Standard jeder Rockband.

  4. Led Zeppelin
    „Led Zeppelin IV“ von 1971 mit „Stairway to Heaven“ gehört zu den meistverkauften Alben der Rockgeschichte. Die Band setzte den Hard Rock auf ein Blues-Fundament und löste sich 1980 nach dem Tod von Schlagzeuger John Bonham auf.

  5. Stevie Wonder
    „Songs in the Key of Life“ von 1976 krönte eine Serie von Alben, die Soul, Funk und Synthesizer verschmolzen. Mit elf Jahren bei Motown unter Vertrag, mit 13 der jüngste Interpret mit einer Nummer eins in den USA.

  6. Sam Cooke
    Vom Gospel-Sänger zum Erfinder des Soul-Pop. „A Change Is Gonna Come“, 1964 aufgenommen und kurz nach seinem Tod im Dezember desselben Jahres als Single veröffentlicht, wurde zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung.

  7. Muddy Waters
    Er brachte den Delta-Blues nach Chicago und verstärkte ihn. „Hoochie Coochie Man“ von 1954 und „Rollin’ Stone“ von 1950 lieferten einer britischen Band ihren Namen.

  8. Marvin Gaye
    „What’s Going On“ von 1971 war das erste Konzeptalbum bei Motown und das erste, auf dem ein Soul-Sänger über Krieg, Umwelt und Armut sang. 1984 wurde er von seinem Vater erschossen.

  9. The Velvet Underground
    „The Velvet Underground & Nico“ von 1967 verkaufte sich zunächst kaum, gilt aber als Gründungsdokument von Punk, Noise und Indie-Rock. Brian Eno wird der Satz zugeschrieben, jeder der wenigen Käufer habe eine Band gegründet.

  10. Bo Diddley
    Der nach ihm benannte „Bo Diddley Beat“ aus dem Jahr 1955 ist ein Rhythmus, den Buddy Holly, die Rolling Stones und U2 übernommen haben. Seine rechteckigen Gitarren baute er selbst.

  11. Otis Redding
    „(Sittin’ On) The Dock of the Bay“ wurde 1968 posthum die erste Nummer eins seiner Karriere; er war im Dezember 1967 mit 26 Jahren bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Sein Auftritt beim Monterey Pop Festival 1967 machte den Südstaaten-Soul einem weißen Rockpublikum bekannt.

  12. U2
    „The Joshua Tree“ von 1987 machte die Band aus Dublin zur größten Rockband der 80er. Mit 22 Grammys hält U2 den Rekord unter allen Bands.

  13. Bruce Springsteen
    „Born to Run“ von 1975 rettete seinen Plattenvertrag, „Born in the U.S.A.“ von 1984 brachte sieben Top-10-Singles aus einem einzigen Album. Konzerte von drei Stunden sind bei ihm die Regel.

  14. Jerry Lee Lewis
    „Great Balls of Fire“ von 1957 und ein Klavier, das er mit Fäusten und Füßen bearbeitete. Der wildeste Bühnenkünstler der ersten Rock-’n’-Roll-Generation.

  15. Fats Domino
    „Blueberry Hill“ von 1956 und der rollende Piano-Stil aus New Orleans. In den 50ern verkaufte er mehr Platten als jeder andere Rock-’n’-Roll-Künstler außer Elvis.

Platz 26–50: von den Ramones bis The Band

Ab hier beginnen die Streitfälle, und der sichtbarste steht auf Platz 35. Michael Jackson, mit über 400 Millionen verkauften Tonträgern die Nummer drei der Verkaufsstatistik, liegt hinter den Ramones, hinter Nirvana und hinter Johnny Cash. Madonna folgt direkt dahinter. Wer den Wert eines Musikers an Tonträgern misst, wird diesen Block für falsch halten. Wer ihn an dem misst, was danach kam, sieht in den Ramones von 1976 den Bauplan für dreißig Jahre Gitarrenmusik.

Der Block enthält außerdem die ersten beiden Hip-Hop-Einträge der Liste, Public Enemy auf 44 und Run-DMC auf 48, und mit Patti Smith auf 47 die erste Frau seit Aretha Franklin auf Platz 9. Dazwischen liegen 37 Plätze. Dass Prince auf 27 und Michael Jackson auf 35 acht Plätze trennen, obwohl beide 1958 geboren wurden, beide aus dem Mittleren Westen stammen und 1984 mit „Purple Rain“ und der „Thriller“-Nachwirkung dasselbe Jahr beherrschten, ist die klarste Aussage dieses Blocks: Die Liste belohnt den, der schreibt, produziert und jedes Instrument selbst spielt.

  1. The Ramones\

    Das Debüt von 1976 mit 14 Songs in unter 30 Minuten ist der Bauplan des Punk.

  2. Prince
    „Purple Rain“ von 1984, Album und Film zugleich, machte ihn zum Gegenpol von Michael Jackson.

  3. The Clash
    „London Calling“ von 1979 öffnete den Punk für Reggae, Ska und Rockabilly.

  4. The Who
    Mit „Tommy“ von 1969 erfanden sie die Rockoper, mit „Who’s Next“ von 1971 den Synthesizer im Stadionrock.

  5. Nirvana
    „Nevermind“ von 1991 verdrängte Michael Jackson von Platz eins der US-Charts und machte Grunge zum Mainstream.

  6. Johnny Cash
    „At Folsom Prison“ von 1968 wurde vor Häftlingen aufgenommen und startete seine zweite Karriere.

  7. Smokey Robinson & the Miracles
    „The Tracks of My Tears“ von 1965; Robinson schrieb daneben Hits für fast das ganze Motown-Programm.

  8. The Everly Brothers
    Der zweistimmige Harmoniegesang von „Wake Up Little Susie“ 1957 wurde zum Vorbild für die Beatles und Simon & Garfunkel.

  9. Neil Young
    „Harvest“ von 1972 war das meistverkaufte Album des Jahres in den USA; „Rust Never Sleeps“ von 1979 machte ihn zum Paten des Grunge.

  10. Michael Jackson
    Über 400 Millionen verkaufte Tonträger; „Thriller“ von 1982 ist das meistverkaufte Album der Musikgeschichte.

  11. Madonna
    Die erfolgreichste Solokünstlerin aller Zeiten; „Like a Prayer“ von 1989 gilt als ihr künstlerisch stärkstes Album.

  12. Roy Orbison
    „Oh, Pretty Woman“ von 1964 und eine Stimme, die Balladen wie Opernarien klingen ließ.

  13. John Lennon
    „Imagine“ von 1971 ist das bekannteste Solo-Album eines Beatles.

  14. David Bowie
    „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ von 1972 erfand die Kunstfigur im Rock.

  15. Simon and Garfunkel
    „Bridge over Troubled Water“ von 1970 war ihr letztes und erfolgreichstes Album, mit sechs Grammys.

  16. The Doors
    Das Debüt von 1967 mit „Light My Fire“ und Jim Morrisons Texten brachte die Poesie in den kalifornischen Rock.

  17. Van Morrison
    „Astral Weeks“ von 1968 verbindet Folk, Jazz und Soul zu einem Album, das keinem Genre gehorcht.

  18. Sly and the Family Stone
    Die erste große Band, in der Schwarze und Weiße, Männer und Frauen gemeinsam spielten; „Stand!“ von 1969.

  19. Public Enemy
    „It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“ von 1988 machte Hip-Hop politisch.

  20. The Byrds
    „Mr. Tambourine Man“ von 1965 begründete den Folk-Rock mit der zwölfsaitigen Rickenbacker.

  21. Janis Joplin
    „Pearl“ von 1971 erschien drei Monate nach ihrem Tod und wurde ihr erfolgreichstes Album.

  22. Patti Smith
    „Horses“ von 1975 verband Lyrik mit Garagenrock und öffnete dem Punk die Tür in New York.

  23. Run-DMC
    „Walk This Way“ von 1986 mit Aerosmith brachte den Hip-Hop auf MTV und in die Rock-Charts.

  24. Elton John
    „Goodbye Yellow Brick Road“ von 1973 und „Candle in the Wind 1997“, die meistverkaufte Single seit Beginn der Chartsmessung.

  25. The Band
    „Music from Big Pink“ von 1968 holte den Rock zurück aufs Land und beeindruckte Eric Clapton so, dass er Cream verlassen wollte.

Platz 51–100: die lange Liste

In der zweiten Hälfte sammeln sich die Bands, die 2011 nachträglich aufgenommen wurden: Pink Floyd, Queen, Metallica, R.E.M., Jay-Z und Talking Heads. Dazu kommen Heavy Metal, Southern Rock, Country, Industrial und Hip-Hop, Genres, die in den ersten 50 kaum vorkommen. Nach Verkaufszahlen gehören mehrere dieser Namen deutlich weiter nach vorn, Pink Floyd und Queen sowieso, AC/DC und die Eagles ebenso.

Auffällig ist auch, wie eng die zweite Hälfte an Memphis und Detroit hängt. Al Green, Booker T. & the M.G.’s und Carl Perkins stehen für Memphis mit Stax und Sun Records, die Temptations, die Four Tops und die Supremes für Detroit mit Motown. Zwei Städte, sechs Einträge allein zwischen Platz 66 und 99, und in beiden Fällen war es ein einzelnes Studio mit einer festen Hausband, das den Klang geprägt hat. Wer die zweite Hälfte der Liste als Nachtrag liest, übersieht, dass hier die Infrastruktur des Soul steht, ohne die die Solisten in der ersten Hälfte keine Platten gehabt hätten.

Und noch ein Detail: Platz 100 gehört Talking Heads, deren Konzertfilm „Stop Making Sense“ von 1984 regelmäßig als bester Konzertfilm überhaupt genannt wird. Der letzte Platz einer Liste ist selten ihr schwächster.

  1. Pink Floyd\

    „The Dark Side of the Moon“ von 1973 blieb über 700 Wochen in den US-Album-Charts.

  2. Queen
    „Bohemian Rhapsody“ von 1975 und der Live-Aid-Auftritt von 1985 im Wembley-Stadion.

  3. The Allman Brothers Band
    „At Fillmore East“ von 1971 ist das Referenzalbum des Southern Rock.

  4. Howlin’ Wolf
    „Smokestack Lightning“ von 1956 und die raueste Stimme des Chicago Blues.

  5. Eric Clapton
    Von den Yardbirds über Cream bis „Layla“ von 1970; als einziger dreimal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

  6. Dr. Dre
    „The Chronic“ von 1992 erfand den G-Funk; als Produzent stand er hinter Snoop Dogg, Eminem und 50 Cent.

  7. The Grateful Dead
    „American Beauty“ von 1970 und drei Jahrzehnte Tourneen, bei denen kein Konzert dem anderen glich.

  8. Parliament / Funkadelic
    George Clintons Funk-Kollektiv; „Mothership Connection“ von 1975 wurde zur Sample-Quelle des West-Coast-Hip-Hop.

  9. Aerosmith
    „Toys in the Attic“ von 1975 und ein Comeback 1986 durch Run-DMC.

  10. The Sex Pistols
    Ein einziges Studioalbum, „Never Mind the Bollocks“ von 1977, und trotzdem das Gesicht des britischen Punk.

  11. Metallica
    Das „Black Album“ von 1991 machte Thrash Metal stadiontauglich und gehört zu den meistverkauften Alben der USA.

  12. Joni Mitchell
    „Blue“ von 1971, ein Album aus offenen Gitarrenstimmungen und Bekenntnissen, das Prince als eine seiner Lieblingsplatten nannte.

  13. Tina Turner
    „Private Dancer“ von 1984 startete mit 44 Jahren die erfolgreichste Karrierewende der Popgeschichte.

  14. Phil Spector
    Der einzige Produzent in der Liste; der „Wall of Sound“ prägte die Ronettes, die Righteous Brothers und „Let It Be“.

  15. The Kinks
    „You Really Got Me“ von 1964 mit dem verzerrten Riff, aus dem der Hard Rock hervorging.

  16. Al Green
    „Let’s Stay Together“ von 1972 und der Memphis-Soul von Produzent Willie Mitchell.

  17. Cream
    „Disraeli Gears“ von 1967 und das erste Power-Trio des Rock, mit Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker.

  18. The Temptations
    „My Girl“ von 1965 und die präzisesten Choreografien bei Motown.

  19. Jackie Wilson
    „(Your Love Keeps Lifting Me) Higher and Higher“ von 1967; Elvis nannte ihn als Vorbild.

  20. The Police
    „Synchronicity“ von 1983 verband Reggae, Punk und Jazz; danach löste sich die Band auf dem Höhepunkt auf.

  21. Frank Zappa
    „Freak Out!“ von 1966 war eines der ersten Doppelalben des Rock; über 60 Alben zu Lebzeiten.

  22. AC/DC
    „Back in Black“ von 1980, aufgenommen wenige Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott, gehört zu den meistverkauften Alben weltweit.

  23. Radiohead
    „OK Computer“ von 1997 und „Kid A“ von 2000 verlegten den Rock ins Digitale.

  24. Hank Williams
    „I’m So Lonesome I Could Cry“ von 1949; der Vater des modernen Country, gestorben 1953 mit 29 Jahren.

  25. Eagles
    „Hotel California“ von 1976 und „Their Greatest Hits (1971–1975)“, jahrzehntelang das meistverkaufte Album der USA.

  26. The Shirelles
    „Will You Love Me Tomorrow“ von 1960, die erste Nummer eins einer schwarzen Girlgroup in den USA.

  27. Beastie Boys
    „Licensed to Ill“ von 1986 war das erste Rap-Album auf Platz eins der US-Charts.

  28. The Stooges
    „Fun House“ von 1970 und Iggy Pop, der Vorläufer jedes Punk-Sängers.

  29. The Four Tops
    „Reach Out I’ll Be There“ von 1966 mit Levi Stubbs, der Motown-Stimme mit der größten Dringlichkeit.

  30. Elvis Costello
    „My Aim Is True“ von 1977 verband Punk-Energie mit Songwriter-Handwerk.

  31. The Drifters
    „Save the Last Dance for Me“ von 1960 und die Brücke zwischen Doo-Wop und Soul.

  32. Creedence Clearwater Revival
    Drei Alben allein im Jahr 1969, darunter „Proud Mary“ und „Bad Moon Rising“.

  33. Eminem
    „The Marshall Mathers LP“ von 2000; in den USA der meistverkaufte Künstler des Jahrzehnts.

  34. James Taylor
    „Sweet Baby James“ von 1970 und der Beginn der Singer-Songwriter-Welle.

  35. Black Sabbath
    „Paranoid“ von 1970, das Gründungsalbum des Heavy Metal.

  36. Tupac Shakur
    „All Eyez on Me“ von 1996, ein Doppelalbum, erschienen sieben Monate vor seinem Tod.

  37. Gram Parsons
    „Grievous Angel“ von 1974, posthum erschienen, und die Blaupause des Country-Rock.

  38. Jay-Z
    „The Blueprint“ von 2001 erschien am 11. September und wurde trotzdem zum Klassiker.

  39. The Yardbirds
    Die Band, durch die Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page nacheinander gingen.

  40. Carlos Santana
    Der einzige Interpret aus Lateinamerika; „Supernatural“ von 1999 brachte ihm acht Grammys in einer Nacht.

  41. Tom Petty
    „Damn the Torpedoes“ von 1979 und vier Jahrzehnte Heartland-Rock bis zu seinem Tod 2017.

  42. Guns n’ Roses
    „Appetite for Destruction“ von 1987, das meistverkaufte Debütalbum in den USA.

  43. Booker T. & the M. G.’s
    „Green Onions“ von 1962 und die Hausband von Stax Records in Memphis.

  44. Nine Inch Nails
    „The Downward Spiral“ von 1994 machte Industrial Rock massentauglich.

  45. Lynyrd Skynyrd
    „Free Bird“ von 1973, „Sweet Home Alabama“ von 1974 und der Flugzeugabsturz von 1977.

  46. Diana Ross & The Supremes
    Zwölf Nummer-eins-Hits in den USA, beginnend mit „Where Did Our Love Go“ von 1964.

  47. R.E.M.
    „Automatic for the People“ von 1992 machte College-Rock zum Massenphänomen.

  48. Curtis Mayfield
    Der Soundtrack zu „Super Fly“ von 1972 und die Bürgerrechtshymnen der Impressions.

  49. Carl Perkins
    „Blue Suede Shoes“ von 1956, das Original vor der Elvis-Fassung.

  50. Talking Heads
    „Remain in Light“ von 1980 und der Konzertfilm „Stop Making Sense“ von 1984.

Die 100 größten Musiker aller Zeiten nach Genre

Rock in allen Spielarten stellt mehr als die Hälfte der Einträge, vom Rock ’n’ Roll der 50er über Hard Rock, Punk und Metal bis zu Radiohead. Soul, Rhythm and Blues, Funk und Motown kommen zusammen auf gut zwanzig Namen, von James Brown auf Platz 7 bis Curtis Mayfield auf 98. Hip-Hop ist mit sieben Einträgen vertreten: Public Enemy, Run-DMC, Dr. Dre, Beastie Boys, Eminem, Tupac Shakur und Jay-Z. Country bringt es auf drei, Hank Williams, Johnny Cash und Gram Parsons. Reggae auf einen. Blues im engeren Sinn auf drei, Muddy Waters, Howlin’ Wolf und Bo Diddley, wobei Bo Diddley genauso gut beim Rock ’n’ Roll stehen könnte.

Was fehlt, sagt mehr als das, was drin ist. Jazz: null Einträge, seit Miles Davis 2011 gestrichen wurde. Elektronische Musik: null. Klassik, Latin jenseits von Santana, Weltmusik, Schlager, Chanson: null. Die Liste ist eine Liste der Musik, die zwischen 1954 und 1999 auf englischsprachigen Rock- und Soul-Radiosendern lief, und sie ist innerhalb dieser Grenzen erstaunlich gründlich.

Für Hip-Hop, ein Genre, das erst 1979 mit „Rapper’s Delight“ auf Platte erschien, sind sieben Plätze viel. Für Country, das seit den 1920ern Platten verkauft, sind drei Plätze wenig. Willie Nelson, Dolly Parton und Merle Haggard fehlen, obwohl jeder von ihnen mehr Alben veröffentlicht hat als die meisten Rockbands der Liste zusammen. Das ist kein Versehen, sondern die Perspektive eines Magazins, das 1967 in San Francisco gegründet wurde und Country lange als Musik der anderen Seite betrachtet hat.

Die Verteilung nach Genre erklärt auch, warum die Liste mit dem Etikett „erfolgreichste Musiker aller Zeiten“ nur bedingt zusammenpasst. Nach reinen Verkaufszahlen gehörten Garth Brooks, Celine Dion, Mariah Carey und ABBA in jede Top 50. Keiner der vier steht hier. Ein Ranking nach Bedeutung und ein Ranking nach Umsatz überschneiden sich in der Spitze, bei Beatles, Elvis und Michael Jackson, und laufen danach schnell auseinander. Wenn du beides nebeneinander siehst, verstehst du, was diese Liste misst und was nicht.

Musiker Liste nach Jahrzehnten: welche Ära die 100 größten Musiker aller Zeiten prägt

Die 100 größten Musiker aller Zeiten nach dem Jahrzehnt ihres Durchbruchs Balkendiagramm: Anzahl der 100 gelisteten Musiker je Jahrzehnt, in dem das erste genannte Album oder der Durchbruch datiert ist. 1920er: 0, 1930er: 0, 1940er: 1, 1950er: 12, 1960er: 29, 1970er: 33, 1980er: 13, 1990er: 8, 2000er: 2, 2010er: 0, 2020er: 0. DIE 100 GRÖSSTEN MUSIKER – DURCHBRUCH NACH JAHRZEHNT 0 1920er 0 1930er 1 1940er 12 1950er 29 1960er 33 1970er 13 1980er 8 1990er 2 2000er 0 2010er 0 2020er Quelle: vintagebuch.de, Liste der 100 größten Musiker aller Zeiten, Stand September 2026 · Zuordnung nach dem ersten im Eintrag genannten Jahr
Verteilung der 100 Musiker nach dem Jahrzehnt des ersten im Eintrag genannten Jahres. Grafik: vintagebuch.de

Grafik einbetten

Die Grafik darf mit Quellenangabe eingebettet werden. Code zum Kopieren:

<a href="https://www.vintagebuch.de/die-100-groessten-musiker-aller-zeiten/"><img src="https://www.vintagebuch.de/grafik/musiker-jahrzehnte.svg" alt="Die 100 größten Musiker aller Zeiten nach Jahrzehnt des Durchbruchs – Grafik von vintagebuch.de" width="960" height="420"></a>

Sortiert man die Musiker Liste nach dem Jahrzehnt, in dem der jeweilige Durchbruch lag, kippt das Bild in eine Richtung. Die 1960er stellen gut ein Drittel aller Einträge: Beatles, Rolling Stones, Dylan, Hendrix, Beach Boys, The Who, The Kinks, The Byrds, The Doors, Velvet Underground, Cream, dazu die Motown-Acts Supremes, Temptations, Four Tops und Smokey Robinson, dazu Aretha Franklin, Otis Redding, Sam Cooke und Marvin Gaye. Kein anderes Jahrzehnt kommt auch nur in die Nähe. Wer die 100 größten Musiker aller Zeiten auf ein einziges Jahrzehnt reduzieren müsste, käme an den 60ern nicht vorbei. Wer verstehen will, warum, findet unter 1960er die Alben, Filme und Bücher, die dieses Jahrzehnt hervorgebracht hat.

Die 1950er liefern etwa jeden sechsten Eintrag, und fast alle davon stehen weit vorn: Elvis, Chuck Berry, Little Richard, Ray Charles, Buddy Holly, Muddy Waters, Bo Diddley, Jerry Lee Lewis, Fats Domino, Johnny Cash, die Everly Brothers, Howlin’ Wolf, Hank Williams, Carl Perkins. Das Jahrzehnt hat die Formen erfunden, mit denen alle Späteren arbeiten. Ein Gitarrenriff, ein Backbeat, ein Sänger, der schreit statt singt. Die Musiker der 50er stehen in der Liste nicht wegen ihrer Verkaufszahlen, sondern weil ohne sie die 60er nicht hätten stattfinden können.

Die 1970er stellen knapp ein Viertel: Bob Marley, Springsteen, Ramones, Clash, Sex Pistols, Queen, Elton John, Eagles, Aerosmith, Black Sabbath, Lynyrd Skynyrd, Patti Smith, Talking Heads, Elvis Costello, Tom Petty, AC/DC, The Police, Parliament / Funkadelic, Bowie, Joni Mitchell, James Taylor, Gram Parsons. Das Jahrzehnt hat sich in Genres aufgespalten, Punk gegen Stadionrock, Funk gegen Singer-Songwriter, und jedes Genre hat mindestens einen Vertreter in der Liste. Die Übersicht der 1970er sortiert diese Spaltung nach Jahren.

Dann wird es dünn. Die 1980er bringen rund zehn Namen, darunter Prince, Madonna, U2, Metallica, Public Enemy, Run-DMC, Beastie Boys, Guns n’ Roses und R.E.M.; Michael Jackson und Tina Turner hatten ihre größten Erfolge in diesem Jahrzehnt, ihre Karrieren begannen aber deutlich früher. Was die 1980er sonst hervorgebracht haben, von Synth-Pop bis Hair Metal, fehlt in der Liste vollständig. Kein Depeche Mode, kein Duran Duran, kein Bon Jovi. Aus den 1990ern stammen sieben Einträge: Nirvana, Dr. Dre, Radiohead, Nine Inch Nails, Tupac, Jay-Z, Eminem.

Nach 1999 kommt nichts mehr.

Das liegt zum Teil an der Überarbeitung von 2011, die zu früh kam, um Kanye West oder Beyoncé zu bewerten. Zum anderen Teil liegt es daran, dass die Wähler der Liste selbst Musiker waren, die in den 60ern und 70ern groß geworden sind, und die ihre eigenen Vorbilder gewählt haben. Eine Musiker Liste ist immer auch ein Porträt derer, die sie aufstellen.

Beste Musiker aller Zeiten: die Streitfälle

Jede Diskussion um das Etikett „beste Musiker aller Zeiten“ läuft auf dieselben fünf oder sechs Fälle hinaus, und die Liste liefert sie alle.

Der erste ist Michael Jackson auf Platz 35. Über 400 Millionen verkaufte Tonträger, das meistverkaufte Album der Geschichte, der erste schwarze Künstler in der Dauerrotation von MTV, und trotzdem 33 Plätze hinter Bob Dylan. Das Argument der Liste lautet: Jackson hat Pop perfektioniert, aber nichts erfunden, was es vorher nicht gab. Das Gegenargument lautet: Der Moonwalk beim Motown-25-Jubiläum 1983 hat mehr Menschen zur Musik gebracht als jede Velvet-Underground-Platte. Beide Seiten haben recht, und die Liste hat sich für die erste entschieden.

Der zweite Fall ist Madonna auf Platz 36. Als erfolgreichste Solokünstlerin aller Zeiten steht sie hinter Neil Young und den Everly Brothers. Wer Verkaufszahlen, Bühnenjahre und Einfluss auf jede weibliche Popkarriere seit 1984 zusammenzählt, kommt kaum auf einen Platz jenseits der Top 15. Für alle, die unter „beste Musiker aller Zeiten“ zuerst Bühnenpräsenz und Verkaufszahlen verstehen, ist Platz 36 die größte Fehlentscheidung der Liste. Das ist ein Urteil, kein Kompromiss.

Der dritte ist Led Zeppelin auf Platz 14, mit einer der größten Verkaufszahlen der Rockgeschichte und dem Album, das jede Hard-Rock-Band nach 1971 als Maßstab genommen hat. Vor ihnen stehen Buddy Holly und die Beach Boys, also zwei Acts, deren Einfluss auf Zeppelin selbst unbestritten ist. Hier hat das Kriterium Einfluss gegen das Kriterium Verkauf gewonnen, und zwar deutlich.

Der vierte Fall betrifft die Bands, die 2011 nachgetragen wurden. Queen auf Platz 52, Pink Floyd auf 51, Metallica auf 61: alle drei stünden in einem Ranking nach verkauften Tonträgern unter den ersten 20. Dass sie erst in der Überarbeitung aufgenommen wurden und dann in der zweiten Hälfte landeten, sagt mehr über die Wahlmechanik als über die Bands. Die Vorwahl von 2004 hatte sie schlicht übersehen, und ein nachträglicher Platz in den Top 10 hätte die gesamte Reihenfolge gesprengt.

Der fünfte Fall ist der ärgerlichste, und du wirst ihn längst bemerkt haben: Acht Einträge mit Frauen an der Spitze, kein einziger unter den ersten acht Plätzen, keine Frau unter den Solo-Gitarristen, keine unter den Produzenten. Joni Mitchell auf Platz 62 hinter Metallica, obwohl „Blue“ von 1971 in den Listen der besten Alben aller Zeiten regelmäßig unter den ersten fünf steht. Tina Turner auf 63, obwohl sie als Bühnenkünstlerin mit Springsteen und James Brown in einer Reihe genannt wird.

Und dann der sechste, der gar nicht in der Liste steht.

Kraftwerk aus Düsseldorf haben mit „Autobahn“ von 1974 und „Trans Europa Express“ von 1977 den elektronischen Pop begründet. Afrika Bambaataa hat 1982 für „Planet Rock“ die Melodie aus „Trans Europa Express“ übernommen und damit den Electro und einen Teil des Hip-Hop mitbegründet. Detroit Techno, Synth-Pop, New Order, Depeche Mode, Daft Punk, Coldplay mit „Talk“ von 2005: Die Spur führt überall zurück nach Düsseldorf. Nach dem Kriterium Einfluss gehören Kraftwerk in die Top 30. Sie stehen nirgends. Und solange das so ist, bleibt jede Liste der 100 größten Musiker aller Zeiten eine Liste des englischsprachigen Rock, die sich für eine Liste der Welt hält.

Fragen zu Die 100 größten Musiker aller Zeiten

Woher stammt die Liste „Die 100 größten Musiker aller Zeiten“?

Die Reihenfolge geht auf die Rangliste zurück, die das US-Magazin Rolling Stone 2004 und 2005 unter dem Titel „The Immortals“ veröffentlicht und 2011 überarbeitet hat. Bei der Überarbeitung kamen unter anderem Pink Floyd, Queen, Metallica, R.E.M., Jay-Z und Talking Heads hinzu, während Etta James, Miles Davis, N.W.A. und Roxy Music herausfielen. Jeder Eintrag auf dieser Seite trägt zusätzlich einen belegbaren Fakt, der die Platzierung nachvollziehbar macht.

Wer sind die erfolgreichsten Musiker aller Zeiten nach verkauften Tonträgern?

Nach übereinstimmenden Angaben liegen die Beatles mit über 600 Millionen verkauften Tonträgern vorn, gefolgt von Elvis Presley mit über 500 Millionen und Michael Jackson mit über 400 Millionen. Dahinter werden Elton John, Madonna, Led Zeppelin, Queen und Pink Floyd genannt, allerdings mit Zahlen, die je nach Quelle weit auseinanderliegen. Deshalb nennt die Liste nur die drei gesicherten Größenordnungen.

Warum steht Michael Jackson erst auf Platz 35, obwohl „Thriller“ das meistverkaufte Album ist?

Weil Verkaufszahlen nur eines von vier Kriterien sind. Einfluss, Bühnenjahre und Auszeichnungen werden gleichwertig gewichtet, und bei Einfluss auf spätere Musiker stehen Chuck Berry, Little Richard oder die Velvet Underground trotz kleinerer Verkaufszahlen weiter vorn. In einem Ranking rein nach Tonträgern läge Michael Jackson auf Platz 3.

Warum steht Bob Dylan vor Elvis Presley?

Elvis hat mehr Platten verkauft, Dylan hat mehr Songwriter geprägt. Dylan schrieb seine Lieder selbst, brachte mit „Highway 61 Revisited“ 1965 die Literatur in den Rock und erhielt 2016 als bisher einziger Songwriter den Nobelpreis für Literatur. Elvis war Interpret, kein Autor, und sein Einfluss lag in Stimme, Auftreten und der Verbindung von Country und Rhythm and Blues.

Wie viele Frauen stehen in der Liste?

Acht Einträge tragen einen Frauennamen oder werden von Frauen angeführt: Aretha Franklin (9), Madonna (36), Janis Joplin (46), Patti Smith (47), Joni Mitchell (62), Tina Turner (63), The Shirelles (76) und Diana Ross & The Supremes (96). Das ist einer der häufigsten Kritikpunkte an der Auswahl, und er ist berechtigt.

Welche Musiker fehlen in der Liste?

Am häufigsten genannt werden Miles Davis, der 2011 aus der Liste gestrichen wurde, sowie Kraftwerk, ABBA und Fleetwood Mac, die nie darin standen. Auch Whitney Houston, Bob Seger, Kiss, Depeche Mode und Björk tauchen in Diskussionen regelmäßig auf. Bei Kraftwerk wiegt das Fehlen am schwersten, weil ihr Einfluss auf Hip-Hop, Techno und Synth-Pop kaum kleiner ist als der von Chuck Berry auf den Rock.

Warum stehen bei „beste Musiker aller Zeiten“ die Beatles fast immer auf Platz 1?

Weil sie in allen vier Kriterien zugleich vorn liegen: über 600 Millionen verkaufte Tonträger, ein Einfluss, der von den Beach Boys bis Oasis reicht, und ein Werk, das in nur sieben Jahren zwischen 1963 und 1970 entstand. Kein anderer Act hat Verkaufszahlen und Einfluss in diesem Verhältnis vereint. Wer sie nicht auf Platz 1 setzt, setzt in der Regel Bob Dylan oder Elvis Presley dorthin.

Welches Jahrzehnt ist am stärksten vertreten?

Die 1960er stellen gut ein Drittel der Liste, wenn man das Jahrzehnt des Durchbruchs zählt: Beatles, Rolling Stones, Dylan, Hendrix, Beach Boys, The Who, The Kinks, die Motown-Acts, Aretha Franklin, Otis Redding und Marvin Gaye. Die 1970er folgen mit knapp einem Viertel, die 1950er mit etwa jedem sechsten Eintrag. Nach 1999 hat kein Interpret mehr den Sprung in die Liste geschafft.

Gibt es Musiker aus Deutschland in der Liste?

Nein. Bis auf Carlos Santana, der in Mexiko geboren wurde, stammen alle 100 Interpreten aus den USA, Großbritannien, Irland, Kanada, Australien oder Jamaika. Kraftwerk aus Düsseldorf sind der bekannteste deutsche Kandidat, der es nie in die Rangliste geschafft hat, obwohl „Autobahn“ von 1974 und „Trans Europa Express“ von 1977 den elektronischen Pop begründet haben.

Was unterscheidet diese Musiker Liste von einer Liste nach Verkaufszahlen?

Eine reine Verkaufsliste kennt keine Velvet Underground, keinen Bo Diddley und keinen Howlin’ Wolf, weil deren Platten sich kaum verkauft haben. Sie kennt dafür Acts wie Celine Dion, Garth Brooks oder Rihanna, die in dieser Liste nicht vorkommen. Die 100 größten Musiker aller Zeiten sind eine Liste nach Bedeutung, nicht nach Umsatz.

Warum steht ein Produzent wie Phil Spector in einer Liste von Musikern?

Spector hat mit dem „Wall of Sound“ Anfang der 60er eine Produktionsweise erfunden, die den Klang von Girlgroups wie den Ronettes, den Righteous Brothers und später des Beatles-Albums „Let It Be“ prägte. Die Liste bewertet den Einfluss auf die Musik, und der war bei Spector größer als bei vielen Interpreten. Er ist trotzdem der einzige Eintrag, der nicht selbst auf der Bühne stand.

Wie alt sind die jüngsten Einträge im Ranking?

Die jüngsten Karrieren gehören Eminem (Durchbruch 1999), Jay-Z (1996), Radiohead (1993), Nine Inch Nails (1989) und Nirvana (1991). Das heißt: Kein Musiker, dessen erste Platte nach der Jahrtausendwende erschien, steht in der Liste. Beyoncé, Kanye West, Adele oder Taylor Swift fehlen also nicht aus Geringschätzung, sondern weil die Auswahl 2011 zuletzt überarbeitet wurde.