Vintage Hochsteckfrisuren
Wasserwellen und Victory Rolls Schritt für Schritt: Looks von den Golden Twenties bis zu den Rebellinnen der 40er Jahre
Vintage Hochsteckfrisuren und Wasserwellen Schritt für Schritt: Was ein Frisuren Buch zu den Looks der 1920er bis 1940er Jahre erklären muss und welche Technik hinter jedem Stil steckt.
Eine Wasserwelle hält, wenn sie nass gelegt und trocken gelassen wird. Das ist die ganze Technik, und sie hat sich seit den 1920er Jahren nicht verändert. Vintage Hochsteckfrisuren, Wasserwellen und die eingerollten Victory Rolls der 1940er Jahre lassen sich mit Kamm, Klammern, Haarnadeln und Geduld nachbauen, und ein Frisuren Buch, das diese Looks Schritt für Schritt erklärt, hat vor allem eine Aufgabe: die Reihenfolge der Handgriffe so zu zeigen, dass sie am eigenen Kopf funktioniert.
Der Weg von den Golden Twenties zu den Rebellinnen der 40er ist kürzer, als es aussieht. Beide Epochen setzen auf Form statt auf Länge.
Wasserwellen Frisur: Der Look der Golden Twenties
Die 1920er Jahre brachten den Bubikopf, und mit ihm die Frage, was sich mit so kurzem Haar noch anstellen lässt. Die Antwort war die Wasserwelle: eng am Kopf liegende, gleichmäßige Wellen, die mit den Fingern und einem Kamm ins nasse Haar gelegt und mit Festiger fixiert werden.
Louise Brooks trug den glatten Bob, Josephine Baker die angeklebten Wellen, und beide Frisuren sagten dasselbe: Das lange Haar der Vorkriegszeit war vorbei. Die Welle war dabei nicht nur Schmuck, sondern ein Handwerk. Friseure legten sie Reihe für Reihe, jede Welle wurde mit einer Klammer gehalten, bis das Haar trocken war.
Die Vorform stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der französische Friseur Marcel Grateau erfand um 1872 die Ondulation mit der heißen Brennschere, die sogenannte Marcelwelle. Die Wasserwelle der 1920er kam ohne Hitze aus und war deshalb auch zu Hause machbar.
Schritt für Schritt heißt hier: Haar nass, Festiger einkämmen, mit dem Kamm eine Welle nach vorn schieben, mit dem Zeigefinger fixieren, Klammer setzen, nächste Welle in die Gegenrichtung. Wer das dreimal gemacht hat, versteht, warum die Frisur an Abenden getragen wurde und nicht morgens vor der Arbeit.
Vintage Hochsteckfrisuren der 1930er: Länge kommt zurück
Mit den 1930er Jahren wuchs das Haar wieder. Die Wellen blieben, wurden aber weicher und größer, und am Nacken sammelte sich das längere Haar in Rollen und Knoten. Das ist der Ursprung der vintage Hochsteckfrisuren, die heute unter diesem Namen gesucht werden: eine Kombination aus Welle vorn und Rolle hinten.
Die Technik verlangt zwei Werkzeuge, die im Bubikopf-Jahrzehnt nicht nötig waren: Haarnadeln, die im Gegensatz zu Klammern im Haar bleiben, und Polster, kleine Rollen aus Netz oder Haar, um die das eigene Haar gelegt wird, damit die Form auch bei dünnem Haar steht. In den 1930er Jahren nannte man solche Polster „Ratten“, und sie wurden aus den Haaren gemacht, die beim Bürsten in der Bürste blieben.
Hollywood lieferte die Vorlagen. Jean Harlows platinblonde Wellen, Greta Garbos weich gelegtes Seitenhaar: Die Frisuren wurden im Kino gesehen und beim Friseur bestellt.
Hochsteckfrisuren Schritt für Schritt: Victory Rolls und die 40er Jahre
Die 1940er Jahre sind das Jahrzehnt, das den Begriff „Rebellinnen“ verdient. Frauen arbeiteten in Fabriken, das Haar musste aus dem Gesicht, und die Frisuren wurden hoch und fest. Victory Rolls, zwei zum Oberkopf hin eingerollte Haarpartien, sind die bekannteste Form; der Name wird auf ein Flugmanöver zurückgeführt, mit dem Piloten einen Erfolg feierten.
Die Anleitung dafür braucht genau fünf Schritte: Partie abteilen, am Ansatz toupieren, das Haar um zwei Finger rollen, die Rolle zum Kopf hin führen, mit Haarnadeln von innen feststecken. Die zweite Rolle spiegelbildlich. Der Rest des Haares kann offen bleiben, in Wellen liegen oder zu einem Nackenknoten gedreht werden.
Ein Fehler, den fast jeder beim ersten Versuch macht: zu wenig Toupieren. Ohne Volumen am Ansatz fällt die Rolle nach zehn Minuten in sich zusammen. Wer die Rolle über einem Polster baut, hat es leichter, und genau das taten die Frauen der 1940er Jahre auch.
Was dazu gehört: Haarspray gab es in dieser Form noch nicht. Festiger, Zuckerwasser und Bierspülungen hielten die Form. Ein Frisuren Buch, das die Looks historisch korrekt zeigt, erwähnt diese Hilfsmittel, und ein gutes ersetzt sie durch Produkte, die heute im Regal stehen.
Frisuren Schritt für Schritt erklärt: Woran ein Anleitungsbuch zu messen ist
Die Anleitung für eine Hochsteckfrisur ist nur so gut wie ihre Bilder. Ein Foto von vorn zeigt das Ergebnis, aber die Arbeit findet hinten und oben statt. Wer eine Victory Roll nach einem Bild von vorn nachbauen soll, rät. Ein brauchbares Buch zeigt jeden Schritt aus der Perspektive, aus der man ihn im Spiegel sieht, und benennt, welche Hand was hält.
Dazu gehört eine ehrliche Angabe der Voraussetzungen. Wasserwellen funktionieren auf kurzem und auf langem Haar, Victory Rolls brauchen Schulterlänge, und sehr feines Haar braucht für fast jeden dieser Looks ein Polster. Ein Buch, das das verschweigt, produziert Frust vor dem Badezimmerspiegel.
Du wirst merken, dass die Frisuren der 1920er bis 1940er Jahre nicht schwieriger sind als moderne Stylings, nur anders. Sie verlangen Zeit beim Trocknen statt Hitze beim Föhnen, und sie halten dafür einen ganzen Abend, ohne dass jemand nachlegen muss.
Mehr zu Mode, Stil und Kultur der Zwanziger findest du unter /jahrzehnte/1920er/, die Vierziger unter /jahrzehnte/1940er/.
Fragen zu Vintage Hochsteckfrisuren, Wasserwellen und Victory Rolls Schritt für Schritt: Looks
Wie entstehen Wasserwellen Schritt für Schritt?
Das Haar wird nass mit Gel oder Festiger durchgekämmt. Mit einem Kamm zieht man eine Welle nach vorn, drückt sie mit den Fingern der anderen Hand fest und fixiert sie mit einer Klammer. Dann die nächste Welle in die Gegenrichtung, Reihe für Reihe. Alles trocknet mit den Klammern im Haar, erst danach werden sie entfernt.
Was sind Victory Rolls?
Eingerollte Haarpartien am Oberkopf, die in den 1940er Jahren aufkamen. Das Haar wird abgeteilt, toupiert, um die Finger gerollt und mit Haarnadeln festgesteckt, meist zwei Rollen symmetrisch links und rechts des Scheitels. Der Name wird auf ein Flugmanöver und den Siegeswillen der Kriegsjahre zurückgeführt.
Braucht man für vintage Hochsteckfrisuren langes Haar?
Nicht zwingend. Wasserwellen wurden in den 1920er Jahren auf dem Bubikopf getragen, also auf kurzem Haar. Victory Rolls und Hochsteckfrisuren der 1940er brauchen mindestens Schulterlänge, damit sich das Haar rollen und feststecken lässt. Haarteile und Polster gleichen fehlendes Volumen aus.
Was macht ein gutes Frisuren Buch zu Vintage-Looks aus?
Anleitungen in Einzelschritten mit Bildern aus der richtigen Perspektive, Angaben zu Werkzeug und Produkten, und Hinweise, welche Haarlänge und Haarstruktur ein Look voraussetzt. Historische Einordnung hilft, den Stil einer Epoche zuzuordnen, ersetzt aber die Technik nicht.