Zum Inhalt
VinTageBuch

Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung von Thorsten Schulte

Ein Warnruf an alle Europäer

Thorsten Schultes Buch Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung im Überblick – Thesen des Autors, Verlagsstreit und sein Weg vom Banker zum Bargeld-Aktivisten.

Buch1920er1920
Eintrag vom 28. Nov. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung von Thorsten Schulte – ein Warnruf an alle Europäer

„Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.“ Mit diesem Satz Kurt Tucholskys aus dem Jahr 1931 eröffnet Thorsten Schulte sein Buch „Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung“, und der Satz gibt die Richtung vor. Schulte richtet sich an Leser, die fühlen, dass mit Deutschland und Europa etwas nicht stimmt, und die Ursachen dafür noch nicht benennen können. Das Buch will diese Ursachen liefern. Der Autor nennt es einen Warnruf an alle Europäer.

Erschienen ist es am 28. Oktober 2019 als gebundene Ausgabe mit 468 Seiten im Verlag VFFW. Dass es dort und nicht in einem Publikumsverlag herauskam, ist Teil seiner Geschichte.

Die These des Buches

Schultes Behauptung lautet, dass die Geschichtsschreibung der Sieger seit dem Ende des Kaiserreichs das Bild der Deutschen von sich selbst geprägt habe, durch Unwahrheiten, Halbwahrheiten und das Weglassen von Fakten. Daraus sei ein Schuldkomplex entstanden, der bis heute politisch wirke. Erst wer dieses Geschichtsbild korrigiere, könne verstehen, was Deutschland gegenwärtig bedrohe und warum, wie der Autor schreibt, gegen den Mehrheitswillen regiert werde.

Als Belege führt er Fundstücke aus 120 Jahren an. Die New York Times habe Kaiser Wilhelm II. im Juni 1913 zum 25. Thronjubiläum als Friedensstifter gefeiert. Ein US-Vertreter habe am 20. November 1922 den späteren Diktator getroffen und ihn als „fabelhaften Demagogen“ bezeichnet. Harry S. Truman, damals noch Senator, habe im Juni 1941 über Deutschland und Russland gesagt, man solle sie sich gegenseitig so weit wie möglich ausrotten lassen. Der Figaro habe 1992 den Maastrichter Vertrag als Versailler Vertrag ohne Krieg bezeichnet. Dazu kommen Fragen, die Schulte als Fragen stehen lässt: Ob Willy Brandt Gelder der CIA erhielt, ob Spitzenpolitiker der Grünen im Ausland ausgebildet wurden, wer Angela Merkel bei der Euro-Rettung 2011 zum Weinen brachte.

Die Auswahl dieser Zitate folgt der These. Wer das Buch liest, sollte das im Kopf behalten: Schulte sammelt, was seine Sicht stützt, und die Schlussfolgerungen sind seine. Als Geschichtswerk ist das Buch nicht angelegt, als Streitschrift schon.

Der Streit um den Verlag

Nach Schultes eigener Darstellung wollte der FinanzBuch Verlag in München das Buch herausbringen, derselbe Verlag, der 2018 Thilo Sarrazins Buch zum Islam verlegt hatte. Der Programmleiter habe sich auf den Titel gefreut. Am 15. Juli 2019 habe dann der schwedische Mutterkonzern Bonnier den Verlag zurückgepfiffen. Schulte wertet das als Eingriff in die Freiheit des Wortes und hat den Vorgang auf einer eigenen Website dokumentiert. Das Buch erschien schließlich im Eigenverlag.

Der Vorgänger hatte diese Hürde nicht gehabt. „Kontrollverlust“ erschien 2017 und stand in Kalenderwoche 40 jenes Jahres auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Schon dort ging es um Migrationspolitik, Bargeld und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank; „Fremdbestimmt“ weitet den Blick auf die Geschichte aus.

Wer Thorsten Schulte ist

Schulte kommt aus dem Finanzsektor. Von 1999 bis Mitte 2008 arbeitete er im Investmentbanking, zuletzt im Handelsraum der Deutschen Bank in Frankfurt. Parallel war er in der CDU aktiv, als Mitarbeiter und Wahlkampfmanager von Laurenz Meyer, dem früheren Generalsekretär der Partei. Am 8. Oktober 2015 trat er nach 26 Jahren aus der CDU aus, aus Protest gegen die Migrationspolitik Angela Merkels.

Seither tritt er als Aktivist auf. Er ist Vorsitzender des Vereins „Pro Bargeld – Pro Freiheit e.V.“ und sieht in der Abschaffung des Bargelds eine Bedrohung der Freiheit. Unter dem Namen „Silberjunge“ betreibt er einen YouTube-Kanal und eine Website zu Edelmetallen und Geldpolitik; er ist ein scharfer Kritiker der EZB und des Papiergeldsystems. Im ZDF-heute-journal sprach er zur Schließung des Goldfensters 1971, im April 2017 auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart über den Rohstoffmarkt. Sein Video „Merkels Rechtsbruch“ zur Grenzöffnung 2015 erreichte nach eigenen Angaben binnen kurzer Zeit über 1,2 Millionen Aufrufe, „Die dunkle Seite der EZB“ über 300.000.

Diese Biografie erklärt den Ton des Buches. Schulte schreibt als jemand, der die Finanzwelt von innen kennt und der Politik den Rücken gekehrt hat, und er schreibt mit dem Furor eines Konvertiten.

Lesart

Ob man Schultes Deutung der Geschichte folgt, entscheidet sich früh. Wer die Prämisse vom verzerrten Geschichtsbild teilt, findet in den 468 Seiten Material in Fülle. Wer sie nicht teilt, wird die Zitate als Rosinenpickerei lesen und die offenen Fragen als Suggestion. Du solltest das Buch jedenfalls nicht als neutrale Darstellung erwarten; es ist ein Plädoyer, und es sagt das auch.

Eine Randnotiz, die im Buch selbst nicht steht: Der Titel stammt von einem Autor, der im Handelsraum gelernt hat, dass ein Kurs sich nur bewegt, wenn jemand die Mehrheitsmeinung verlässt. Genau diese Bewegung versucht „Fremdbestimmt“ bei seinen Lesern auszulösen. Die Sachbücher, die im selben Jahr aus anderer Richtung auf Europa und die Geldpolitik blickten, stehen in der Rubrik Sachbücher.

Fragen zu Fremdbestimmt: 120 Jahre Lügen und Täuschung

Worum geht es in Fremdbestimmt von Thorsten Schulte?

Der Autor behauptet, die deutsche Geschichtsschreibung seit dem Kaiserreich sei von den Siegermächten geprägt und verzerrt. Aus dieser Sicht leitet er eine Gefahrenanalyse für das heutige Deutschland und Europa ab, die Themen wie Euro, EZB, Bargeld, Migration und Geheimdienste umfasst.

Wann und wo ist das Buch erschienen?

Fremdbestimmt erschien am 28. Oktober 2019 als gebundene Ausgabe mit 468 Seiten im Verlag VFFW, der dem Autor zuzurechnen ist. Eine E-Book-Ausgabe kam parallel heraus.

Warum hat der FinanzBuch Verlag das Buch nicht veröffentlicht?

Nach Darstellung des Autors wollte der FinanzBuch Verlag das Buch zunächst herausbringen, wurde aber am 15. Juli 2019 vom Mutterkonzern Bonnier zurückgepfiffen. Schulte veröffentlichte es daraufhin im Eigenverlag und wertet den Vorgang als Angriff auf die Freiheit des Wortes.

Wer ist Thorsten Schulte?

Ein früherer Investmentbanker, der von 1999 bis 2008 unter anderem im Handelsraum der Deutschen Bank in Frankfurt arbeitete. Er war Wahlkampfmanager des CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer, trat 2015 nach 26 Jahren aus der CDU aus und tritt unter dem Namen Silberjunge als Edelmetall-Kommentator auf.

Was war Kontrollverlust?

Schultes vorheriges Buch aus dem Jahr 2017. Es stand in Kalenderwoche 40 des Jahres 2017 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und behandelte bereits die Migrationspolitik und die Geldpolitik der EZB.

Wie ist das Buch einzuordnen?

Als politische Streitschrift, nicht als Geschichtswerk. Schulte trägt Zitate und Dokumente zusammen, um seine Sicht zu belegen. Die Auswahl folgt der These, nicht umgekehrt, und die Schlussfolgerungen sind die des Autors.