Hamam Istanbul: Die Kultur des türkischen Bades
Seine Tücken und drei historische Hamam-Adressen, die man kennen sollte
Hamam Istanbul: Wie ein Besuch im türkischen Bad abläuft, was Göbek taşı, Kese und Tellak bedeuten und drei historische Hamams von Mimar Sinan bis Cağaloğlu, die man in Istanbul kennen sollte.
Ein Hamam Istanbul Besuch beginnt mit einem Missverständnis. Wer ein Wellnessbad erwartet, gedämpftes Licht, leise Musik, ein Handtuch, das nach Lavendel riecht, wird im ersten Moment enttäuscht sein. Das türkische Bad ist laut, hell und heiß, der Marmor ist hart, das Wasser kommt aus einem Messingbecken und wird mit der Schale über den Kopf geschüttet. Nach zwei Stunden verlässt man das Haus trotzdem mit einer Haut, die sich anfühlt wie nach einer Woche Urlaub.
Das Hamam ist keine Erfindung der Osmanen. Es geht auf die römischen Thermen zurück, die die Byzantiner weiterführten und die Osmanen nach der Eroberung Konstantinopels 1453 übernahmen und mit der rituellen Waschung des Islam verbanden.
Der Ablauf im türkischen Bad und seine Tücken
Nach dem Umkleiden bekommst du ein kariertes Baumwolltuch, den Peştemal, und Holzpantinen. Der Weg führt durch einen lauwarmen Raum in den Hararet, den heißen Saal unter der Kuppel. In der Mitte liegt der Göbek taşı, der Nabelstein, ein beheiztes Marmorpodest, auf dem man liegt, bis der Schweiß läuft. Um ihn herum stehen Marmorbecken mit warmem und kaltem Wasser.
Dann kommt der Tellak, der Bademeister. Er zieht einen rauen Handschuh über, die Kese, und schrubbt die Haut ab, bis sich graue Röllchen bilden. Das ist der Moment, in dem viele Besucher zum ersten Mal begreifen, wie viel abgestorbene Haut ein Mensch mit sich herumträgt. Es folgt die Seifenmassage mit einem Tuch, aus dem der Tellak Schaumwolken auf den Körper drückt, anschließend das Abgießen mit klarem Wasser.
Die Tücken liegen im Detail. Wer zu lange auf dem heißen Stein liegt, dem wird schwindelig. Wer die Kese mit einer Wellnessmassage verwechselt, erschrickt. Und wer das Trinkgeld vergisst, das die Tellaks am Ausgang erwarten, merkt es an den Blicken.
Drei historische Hamams in Istanbul
Das Çemberlitaş Hamamı an der Divan Yolu, wenige Schritte vom Großen Basar, wurde 1584 nach Plänen des Hofarchitekten Mimar Sinan für Nurbanu Sultan gebaut, die Mutter Murads III. Es ist seither durchgehend in Betrieb. Die Kuppel über dem Männerbad ist die größte der drei Adressen, und der Göbek taşı darunter hat Platz für zwanzig Menschen.
Das Cağaloğlu Hamamı liegt ein paar hundert Meter weiter Richtung Hagia Sophia und stammt aus dem Jahr 1741, gebaut unter Sultan Mahmud I. Es gilt als das letzte große Bad, das im Osmanischen Reich errichtet wurde, bevor der Sultan neue Hamams wegen des Wasserverbrauchs verbot. Der barocke Stil unterscheidet es deutlich von Sinans strengen Bauten. Die Gästeliste reicht angeblich von Kaiser Wilhelm II. bis Franz Liszt; belegt ist zumindest, dass das Haus seit dem 18. Jahrhundert ohne Unterbrechung badet.
Das Kılıç Ali Paşa Hamamı im Stadtteil Tophane am Bosporus ist ebenfalls ein Sinan-Bau, um 1580 für den Admiral Kılıç Ali Paşa errichtet. Nach jahrelanger Restaurierung öffnete es 2012 wieder und gilt seither als das sorgfältigste der historischen Bäder: getrennte Zeiten für Frauen und Männer statt getrennter Räume, Voranmeldung, keine Hektik.
Wer das Hamam Istanbul als Kulturerlebnis will, ist in Çemberlitaş richtig. Wer Ruhe will, in Tophane.
Was ein Istanbul Reiseführer sonst noch wissen sollte
Ein Hamam-Besuch dauert anderthalb bis zwei Stunden und ersetzt an einem heißen Sommertag nachmittags das Sightseeing. Am besten legt man ihn ans Ende eines Tages im Basarviertel, weil alle drei Adressen zu Fuß erreichbar sind: Çemberlitaş und Cağaloğlu von Sultanahmet, Kılıç Ali Paşa von der Tramhaltestelle Tophane, auf halbem Weg zwischen Karaköy und dem Museum Istanbul Modern.
Frauen und Männer baden in den historischen Häusern getrennt, entweder in eigenen Trakten oder zu verschiedenen Zeiten. Badekleidung ist nicht üblich, aber erlaubt. Die Kese lässt man sich mitgeben, sie kostet wenig und macht die Dusche zu Hause für Wochen zu einem Hamam-Ersatz.
Wer mehr über Reisen an den Bosporus lesen will, findet unter Bücher Reiseberichte und in den 2010er Jahren weitere Beiträge zur Türkei. Der Geruch von Olivenseife und heißem Marmor lässt sich allerdings nicht lesen.
Fragen zu Hamam Istanbul: Die Kultur des türkischen Bades, seine Tücken und drei historische Hamam-Adressen, die man kennen sollte
Wie läuft ein Besuch im Hamam in Istanbul ab?
Nach dem Umkleiden bekommt man ein Baumwolltuch, den Peştemal, und geht in den heißen Raum, wo man auf dem beheizten Marmorpodest liegt und schwitzt. Danach folgt das Peeling mit dem rauen Handschuh, der Kese, dann die Seifenmassage, zum Schluss ein Ausruhen mit Tee im Vorraum. Insgesamt sollte man anderthalb bis zwei Stunden einplanen.
Baden Männer und Frauen im Hamam gemeinsam?
In den historischen Bädern nicht. Sie haben entweder getrennte Abteilungen für Männer und Frauen oder getrennte Zeiten. Massagen erhält man von Bademeistern des eigenen Geschlechts, beim Mann Tellak, bei der Frau Natır genannt.
Welches Hamam in Istanbul ist das älteste?
Unter den heute geöffneten Bädern gehört das Çemberlitaş Hamamı von 1584 zu den ältesten. Es wurde von Mimar Sinan im Auftrag von Nurbanu Sultan gebaut und liegt an der Divan Yolu nahe dem Großen Basar.
Was sollte man beim Istanbul Hamam Besuch beachten?
Wertsachen im Schließfach lassen, keine Uhr tragen, vorher wenig essen und nicht zu lange auf dem heißen Stein bleiben, wenn man Kreislaufprobleme hat. Der Tellak arbeitet kräftig; wer es sanfter mag, sagt das vorher.