Steampunk Kompass und Steampunk Uhr im Retro-Stil
Ein Taschenobjekt, das auch als Sonnenuhr funktioniert
Steampunk Kompass und Steampunk Uhr in einem: wie eine Taschen-Sonnenuhr mit Kompass funktioniert, woher der Retro-Stil kommt und worauf du beim Kauf achten solltest.
Ein Steampunk Kompass hat eine Aufgabe zu viel. Er zeigt nach Norden, wie jeder Kompass, aber er tut es in einem Gehäuse aus Messing mit Klappdeckel, Gravur und sichtbaren Schrauben, und in vielen Ausführungen steckt zusätzlich eine kleine Sonnenuhr darin. Das Ergebnis ist eine Steampunk Uhr, die ohne Batterie und ohne Uhrwerk auskommt, weil sie die Zeit aus dem Schatten liest. Ein Objekt, das aussieht wie aus dem Nachlass eines viktorianischen Forschers, obwohl es meist aus einer Werkstatt der Gegenwart stammt.
Was ein Steampunk Kompass ist
Technisch ist es ein Magnetkompass: eine Nadel auf einer Spitze, ein Gehäuse, eine Windrose. Das Besondere ist die Gestaltung. Steampunk als Stil nimmt die Formensprache des 19. Jahrhunderts, Dampfmaschine, Zahnrad, Nietenverbindung, Messing, Leder, und übertreibt sie. Ein Steampunk Kompass hat deshalb mehr Schrauben als nötig, eine Rosette mit Schnörkeln und einen Deckel, der sich mit einem Federdruck öffnet, wie bei einer Taschenuhr.
Die Verbindung ist historisch nicht falsch. Taschenkompasse mit Klappdeckel gab es tatsächlich, und in Nürnberg entstanden schon im 16. Jahrhundert Klappsonnenuhren aus Elfenbein, in die ein kleiner Kompass eingelassen war. Der Steampunk erfindet also kein Objekt, er verkleidet ein sehr altes.
Die Steampunk Uhr als Sonnenuhr: so funktioniert das Prinzip
Eine Sonnenuhr misst die Zeit über den Schatten eines Stabs, des Gnomons. Damit der Schatten auf der Skala die richtige Stunde zeigt, muss die Uhr nach Norden ausgerichtet sein. Genau dafür ist der Kompass im Gehäuse da. Man öffnet den Deckel, dreht das Ganze, bis die Nadel auf Nord steht, klappt den Zeiger oder spannt den Faden, und der Schatten fällt auf die Stundenmarken.
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens braucht es Sonne, keine Bewölkung, keinen Schatten eines Hauses. Zweitens ist die Skala für eine bestimmte geografische Breite gerechnet; ein Modell für 50 Grad Nord passt in Frankfurt, aber nicht in Kairo. Drittens zeigt eine Sonnenuhr die wahre Ortszeit, nicht die Zonenzeit, und schon gar nicht die Sommerzeit. Wer im Juli um 14 Uhr abliest, bekommt etwa 13 Uhr angezeigt, plus einen Versatz je nach Längengrad.
Als Uhr ist das also unbrauchbar. Als Anschauungsobjekt, wie Menschen vor der mechanischen Uhr die Zeit bestimmt haben, ist es besser als jedes Schulbuch. Wenn du Kinder hast, ist die Steampunk Uhr mit Sonnenuhr eine gute Gelegenheit, den Unterschied zwischen wahrer Zeit und Uhrzeit zu erklären.
Woher der Retro-Stil kommt: Verne, Wells und ein Wort von 1987
Der Begriff Steampunk stammt von dem amerikanischen Autor K. W. Jeter, der ihn 1987 in einem Brief an das Science-Fiction-Magazin Locus vorschlug. Er suchte ein Wort für Romane, die wie Cyberpunk mit Technik spielen, nur im Viktorianischen Zeitalter. Die Vorbilder sind älter: Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ von 1870 mit dem Unterseeboot Nautilus und H. G. Wells’ „Die Zeitmaschine“ von 1895.
1990 erschien „Die Differenzmaschine“ von William Gibson und Bruce Sterling, ein Roman über ein England, in dem Charles Babbages mechanischer Computer tatsächlich gebaut wurde. Ab da war Steampunk ein Genre, und spätestens mit Filmen wie „Wild Wild West“ (1999), Hayao Miyazakis „Das wandelnde Schloss“ (2004) und Martin Scorseses „Hugo Cabret“ (2011) auch eine Ästhetik, die man tragen, einrichten und sammeln konnte.
Der Retro-Stil des Kompasses ist ein Ableger davon. Er zitiert eine Vergangenheit, die es so nie gab: Messing, das nie oxidiert, Gravuren, die nie abgegriffen sind.
Steampunk Armbanduhr oder Taschenuhr: worauf du achten solltest
Bei der Sonnenuhr-Variante zählt das Gehäuse. Massives Messing oder Bronze fühlt sich schwer an und läuft mit den Jahren dunkel an, was zum Stil gehört. Leichte Zinklegierungen mit Goldlack sehen nach ein paar Monaten aus wie Spielzeug. Die Kompassnadel sollte frei schwingen und nach dem Drehen schnell zur Ruhe kommen. Und die Sonnenuhr-Skala sollte einen Breitengrad angeben; fehlt die Angabe, ist sie Dekoration.
Eine Steampunk Armbanduhr ist ein anderes Objekt. Sie hat ein echtes Uhrwerk, oft als Skelettwerk mit sichtbaren Zahnrädern und Unruh, und wird mechanisch mit Handaufzug oder Automatik betrieben. Hier gilt, was für jede mechanische Uhr gilt: Das Werk entscheidet, nicht die Zahnrad-Optik auf dem Zifferblatt.
Weitere Objekte zwischen Retro und Gegenwart stehen in der Übersicht der 2010er Jahre. Und die Bücher, die den Stil begründet haben, von Verne bis Gibson, findest du unter Bücher. Vernes Kapitän Nemo hätte für einen Kompass mit Sonnenuhr übrigens wenig Verwendung gehabt. Unter Wasser fällt kein Schatten.
Fragen zu Steampunk Kompass und Steampunk Uhr im Retro-Stil
Was ist ein Steampunk Kompass?
Ein Kompass in einem Gehäuse, das aussieht, als stamme es aus dem 19. Jahrhundert: Messing oder Bronze, sichtbare Schrauben, gravierte Rosette, oft ein Klappdeckel wie bei einer Taschenuhr. Technisch ist es ein normaler Magnetkompass, die Gestaltung folgt der Steampunk-Ästhetik aus Dampfmaschine, Zahnrad und viktorianischer Werkstatt.
Wie funktioniert eine Steampunk Uhr als Sonnenuhr?
Der Kompass richtet die Uhr nach Norden aus, ein aufklappbarer Zeiger oder ein gespannter Faden wirft bei Sonne einen Schatten auf die Stundenskala. Die Skala ist für eine bestimmte geografische Breite berechnet, in Mitteleuropa rund 50 Grad. Bei Bewölkung, nachts oder mit falscher Ausrichtung zeigt sie nichts an.
Woher kommt der Begriff Steampunk?
Der Schriftsteller K. W. Jeter prägte das Wort 1987 in einem Brief an das Magazin Locus, als Bezeichnung für Romane, die im viktorianischen Zeitalter spielen und dessen Technik weiterspinnen. Vorbilder sind Jules Verne und H. G. Wells, ein Schlüsseltext ist „Die Differenzmaschine“ von William Gibson und Bruce Sterling aus dem Jahr 1990.
Gibt es Steampunk Armbanduhren mit echtem Uhrwerk?
Ja. Viele Modelle zeigen ein Skelettwerk, bei dem Zahnräder und Unruh durch das Zifferblatt sichtbar sind, meist mit mechanischem Handaufzug oder Automatik. Die Sonnenuhr-Kompass-Variante ist dagegen ein Taschenobjekt ohne Uhrwerk.