Narrentreiben beim Umzug in Villingen
Die schwäbisch-alemannische Fasnet der Narros, Altvillingerinnen und Hexen
Umzug in Villingen: die schwäbisch-alemannische Fasnet mit Narro, Altvillingerin und Hexenzunft, der Ablauf vom Schmotzigen Dunnschtig bis Fasnetmändig und der Unterschied zu Schwenningen.
Wer den Umzug in Villingen zum ersten Mal sieht, hört ihn zuerst. Hunderte Narros ziehen in weißen, bemalten Gewändern durch die Altstadt, und an jedem hängen Schellen, die bei jedem Schritt läuten. Dazu kommt der Ruf „Narri, Narro“, das Blech der Katzenmusik und das Gekreisch der Hexen. Die Villinger Fasnet gehört zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die mit dem rheinischen Karneval außer dem Datum wenig gemeinsam hat.
Was den Umzug in Villingen von anderen Fasnetumzügen unterscheidet
Villingen liegt am Ostrand des Schwarzwalds, seit 1972 mit Schwenningen zu einer Stadt vereint, historisch aber badisch und katholisch. Die Fasnet hier ist alt. Die Historische Narrozunft Villingen trägt das Jahr 1584 im Namen, den ersten schriftlichen Beleg für die Figur des Narro.
Anders als im Rheinland gibt es keine Prunksitzungen, keine Funkenmariechen, keine Büttenreden. Die Fasnet in Villingen ist Straßenfastnacht mit festen Figuren, festen Masken und festen Abläufen, die sich von Jahr zu Jahr kaum ändern. Das ist der Reiz: Man sieht nicht, was sich jemand dieses Jahr ausgedacht hat, sondern was seit Jahrhunderten gleich aussieht.
Ein Umzug in Villingen ist deshalb weniger Parade als Aufmarsch. Die Zünfte laufen in Gruppen, jede Figur mit ihrem eigenen Gang und ihrem eigenen Geräusch.
Narro, Altvillingerin, Morbili: die Figuren beim Narrentreiben
Der Narro ist die Hauptfigur. Sein Gewand, das Häs, ist aus weißem Leinen und mit Blumen, Vögeln, Tieren und kleinen Szenen bemalt, jedes Stück eine Einzelanfertigung. Dazu trägt er eine geschnitzte Holzmaske mit freundlichem Gesicht und schwere Schellen, die beim Gehen den charakteristischen Klang ergeben. Ein Narro-Häs wird in Familien vererbt und kann Jahrzehnte alt sein.
An seiner Seite geht die Altvillingerin, eine Figur in der Frauentracht des 18. und 19. Jahrhunderts, mit Haube, langem Rock und Maske. Sie ist die stille Begleiterin des lärmenden Narro. Dazu kommen Morbili, Surhebel, Stachi und Wuescht, Figuren mit eigenen Masken und eigenen Rollen im Zug, und der Butzesel, der als Tiergestalt mitläuft.
Wenn du am Straßenrand stehst, achte auf die Narros, die stehen bleiben und Kindern etwas zustecken. Das gehört zum Ablauf: Der Narro schenkt, meist Brezeln oder Süßes, und der Ruf „Narri“ aus dem Publikum bekommt das „Narro“ zurück.
Hexenzunft Villingen und Katzenmusik: die jüngeren Gruppen
Neben der Historischen Narrozunft laufen zwei Gruppen mit, die das Bild der Villinger Fasnet ebenso prägen. Die Hexenzunft Villingen ist im 20. Jahrhundert entstanden und stellt Hexen mit geschnitzten Fratzenmasken, Besen und Kopftuch, die springen, kreischen und Zuschauer erschrecken. Die Hexe ist im gesamten schwäbisch-alemannischen Raum verbreitet, von Offenburg bis zum Bodensee, und in Villingen ist sie der laute Gegenpol zum würdevollen Narro.
Die Katzenmusik ist eine Villinger Besonderheit. Der Katzenmusikverein Miau besteht seit 1891, zieht mit Blechmusik durch die Gassen, und sein Wappentier, der Kater Miau, ist eine feste Figur im Umzug. Katzenmusik meint ursprünglich das absichtlich schräge Spielen als Spott, in Villingen ist daraus ein Musikverein mit eigener Tradition geworden.
Der Ablauf: vom Schmotzigen Dunnschtig bis zum Fasnetmändig
Die Fasnet beginnt am Schmotzigen Dunnschtig, dem Donnerstag vor Aschermittwoch. Der Name kommt vom alemannischen „schmotzig“ für fettig, weil an diesem Tag traditionell in Fett gebacken wurde. Die Narros holen sich das Recht auf die Straße, Schulen und Rathaus werden gestürmt, und ab dem Nachmittag gehört die Altstadt den Masken.
Der große Umzug folgt am Fasnetmändig, dem Rosenmontag. Er führt durch die Altstadt innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer, vorbei am Münster und über die Hauptachsen, mit Tausenden Zuschauern am Straßenrand. Am Fasnetzieschtig, dem Dienstag, wird die Fasnet mit dem letzten Umzug und dem Verbrennen oder Begraben der Fasnet beendet. Ab Aschermittwoch hängen die Häs wieder im Schrank.
Umzug Villingen Schwenningen: zwei Städte, zwei Fasneten
Wer nach dem Umzug Villingen Schwenningen sucht, muss sich entscheiden. Villingen und Schwenningen sind seit 1972 eine Stadt, aber die Fasnet ist getrennt geblieben, weil sie älter ist als die Fusion. Villingen feiert badisch mit dem Narro, Schwenningen württembergisch mit dem Hansel als Hauptfigur, in eigener Zunft und mit eigenem Umzug.
Die beiden Stadtbezirke liegen wenige Kilometer auseinander, und an den Fasnetstagen kann man beide Umzüge sehen. Mehr Brauchtum aus Süddeutschland steht in der Übersicht der 2010er Jahre. Wer die Villinger Fasnet nur von Fotos kennt, unterschätzt übrigens die Schellen. Nach einem Nachmittag am Straßenrand hört man sie noch im Bett.
Fragen zu Narrentreiben beim Umzug in Villingen
Wann findet der große Umzug in Villingen statt?
Der Hauptumzug der Villinger Fasnet zieht am Fasnetmändig, dem Rosenmontag, durch die Altstadt. Die Fasnet beginnt am Schmotzigen Dunnschtig, dem Donnerstag davor, und endet am Fasnetzieschtig, dem Dienstag vor Aschermittwoch.
Was ist ein Villinger Narro?
Der Narro ist die Hauptfigur der Villinger Fasnet: ein weißes Leinengewand, bemalt mit Blumen, Tieren und Figuren, eine hölzerne Maske und schwere Schellen, die bei jedem Schritt läuten. Die Historische Narrozunft Villingen führt das Jahr 1584 im Namen, so alt ist der erste schriftliche Beleg der Figur.
Welche Zünfte laufen beim Narrentreiben in Villingen mit?
Die Historische Narrozunft mit Narro, Altvillingerin, Morbili, Surhebel, Stachi und Wuescht, die Hexenzunft Villingen mit ihren Hexen und die Katzenmusik, die seit 1891 mit Blechmusik und ihrem Kater Miau durch die Stadt zieht. Dazu kommen Gastzünfte aus der Umgebung.
Ist der Umzug in Villingen dasselbe wie in Schwenningen?
Nein. Villingen und Schwenningen bilden seit 1972 eine Stadt, feiern aber getrennt. Villingen gehört zur badischen, schwäbisch-alemannischen Fasnet mit dem Narro, Schwenningen zur württembergischen Seite mit dem Hansel als Hauptfigur. Beide Stadtbezirke haben eigene Umzüge.