Mit Ernährung heilen von Andreas Michalsen
Besser essen, einfach fasten, länger leben
„Mit Ernährung heilen“ von Andreas Michalsen (Insel, 2019): Heilfasten, Intervallfasten und pflanzliche Kost nach dem Stand der Forschung an der Charité.
Fasten ist in der Medizin lange belächelt worden. Andreas Michalsen hat einen großen Anteil daran, dass sich das geändert hat: Als Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité Berlin und Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin hat er Fastenprogramme in Studien untersucht und in den Klinikalltag gebracht. „Mit Ernährung heilen. Besser essen – einfach fasten – länger leben“ ist sein zweites großes Sachbuch. Es erschien am 13. Februar 2019 im Insel Verlag, gebunden, 368 Seiten (ISBN 978-3458177906). Herausgeber ist Friedrich-Karl Sandmann, mitgewirkt hat die Ärztin Suzann Kirschner-Brouns.
Der Untertitel nennt das Programm in drei Schritten. Das Buch hält diese Reihenfolge ein, und wer es von vorn liest, bekommt erst die Grundlagen, dann die Methode und zuletzt die Einordnung.
Besser essen: Nahrungsmittel und Nährstoffe
Der erste Teil beschreibt, was der Körper braucht und woher er es bekommt. Michalsen geht die wichtigsten Nahrungsmittel und ihre Nährstoffe durch und vergleicht dann die gesündesten Ernährungsformen, von mediterraner Kost über vegetarisch bis vegan. Er verschweigt seine Präferenz nicht: Eine mehr pflanzlich orientierte Ernährung ist aus seiner Sicht für die meisten Menschen die bessere Wahl. Der Verlag beschreibt seinen Ton als „sehr persönlich, kompetent und überzeugend“, und das trifft es. Michalsen argumentiert mit Studien, aber er schreibt wie jemand, der jeden Tag Patienten vor sich hat.
Dieser Teil ist auch der, den man am ehesten nachschlagen kann. Wer wissen will, was Hülsenfrüchte, Nüsse oder Olivenöl in Studien gezeigt haben, findet es hier in einer Sprache, die ohne Vorwissen auskommt.
Einfach fasten: vier Methoden
Das Herzstück des Buches ist das Fasten. Michalsen unterscheidet Heilfasten, Teilfasten, Scheinfasten und Intervallfasten und erklärt für jede Form, wie sie abläuft, was die Forschung dazu sagt und zu wem sie passt. Das Intervallfasten, bei dem täglich ein Zeitfenster ohne Nahrung eingehalten wird, bekommt viel Raum, weil es sich am leichtesten in den Alltag einbauen lässt. Das klassische Heilfasten über mehrere Tage beschreibt er aus der Klinikpraxis, mit den Regeln, die dort gelten.
Die Programme sind so beschrieben, dass du sie zu Hause umsetzen kannst. Wer eine Vorerkrankung hat, wird im Buch mehrfach an den Arzt verwiesen, und das ist bei diesem Thema keine Floskel.
Michalsens These ist, dass gezielte Ernährung und Fasten in der Vorbeugung und Behandlung zahlreicher Erkrankungen hochwirksam sind und die Selbstheilung fördern. Das ist eine starke Aussage, und er stützt sie auf die Studien am Immanuel Krankenhaus und der Charité sowie auf weitere aktuelle Forschungsergebnisse, die er im Buch benennt. Wer ihm nicht folgen will, kann die Quellen prüfen.
Länger leben: Tradition und Forschung
Der dritte Teil verbindet die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit der Tradition. Fasten gibt es in fast allen Kulturen, als religiöse Praxis oder als Heilmethode, und Michalsen nimmt diese Erfahrung ernst, ohne sie über die Forschung zu stellen. Er zeigt, wo alte Regeln durch Studien bestätigt wurden und wo nicht.
Hier wird der Bezug zur Naturheilkunde deutlich, die sein Fachgebiet ist. Michalsen, 1961 in Bad Waldsee als Sohn eines Kneipp-Arztes geboren, ist Internist, Ernährungsmediziner und Fastenarzt. Er publiziert und referiert international zu Naturheilkunde und Komplementärmedizin, und seine Position ist die eines Mediziners, der beides zusammenbringen will: die Erfahrung der Naturheilkunde und die Methoden der Schulmedizin.
Der Vorgänger und der Unterschied
2017 erschien bei Insel sein erstes Buch, „Heilen mit der Kraft der Natur“, das zum Bestseller wurde. Es behandelte die Naturheilkunde in ihrer ganzen Breite: Fasten, Yoga, Blutegel, Schröpfen, Meditation. „Mit Ernährung heilen“ greift ein Thema daraus heraus und vertieft es. Wer den ersten Band gelesen hat, findet im zweiten die ausführliche Fassung der Kapitel, die dort nur angerissen waren.
Wer keinen der beiden kennt, sollte mit diesem beginnen. Ernährung und Fasten sind die Bereiche, in denen Michalsen am meisten geforscht hat, und das merkt man dem Buch an: Es ist konkreter, belegter und praktischer als der Vorgänger.
Eine Sache fehlt allerdings, und das sollte man vorher wissen: Rezepte. Das Buch sagt, was und wann man essen sollte, nicht wie man es kocht. Wer beides will, braucht ein zweites Buch, etwa ein saisonales Kochbuch wie Die Speisekammer der Natur, das die pflanzliche Küche mit heimischen Zutaten in die Praxis übersetzt.
Fragen zu Mit Ernährung heilen
Wer hat „Mit Ernährung heilen“ geschrieben?
Autor ist Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Internist, Ernährungsmediziner und Fastenarzt an der Charité Berlin. Herausgeber ist Friedrich-Karl Sandmann, mitgewirkt hat Dr. Suzann Kirschner-Brouns. Das Buch erschien am 13. Februar 2019 im Insel Verlag.
Welche Fastenformen beschreibt das Buch?
Heilfasten, Teilfasten, Scheinfasten und Intervallfasten. Michalsen erklärt jeweils, wie die Methode abläuft, was die Forschung dazu sagt und für wen sie sich eignet. Er empfiehlt keine Form pauschal, sondern ordnet sie Lebenslagen zu.
Welche Ernährungsform empfiehlt Andreas Michalsen?
Eine überwiegend pflanzliche Kost. Das Buch stellt mediterrane, vegetarische und vegane Ernährung nebeneinander und vergleicht sie anhand von Studien. Michalsens Präferenz liegt bei pflanzenbetonter Ernährung mit wenig Fleisch und wenig Zucker.
Ist „Mit Ernährung heilen“ ein Rezeptbuch?
Nein. Es ist ein medizinisches Sachbuch mit Praxisteil: Erklärungen zu Nährstoffen, Ernährungsformen und Fastenprogrammen, die sich im Alltag umsetzen lassen. Rezepte im engeren Sinn spielen eine Nebenrolle.
Was unterscheidet das Buch von „Heilen mit der Kraft der Natur“?
Der Vorgänger von 2017 behandelte die Naturheilkunde insgesamt, von Blutegeln bis Yoga. „Mit Ernährung heilen“ konzentriert sich auf ein Thema, Essen und Fasten, und geht dort deutlich tiefer.