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Mata Hari – Exotik und Erotik

Die ARTE-Dokumentation über Tänzerin, Kurtisane und Spionin Margaretha Zelle

Die ARTE-Dokumentation Mata Hari – Exotik und Erotik zeichnet den Weg von Margaretha Zelle nach: Java, Paris, die Tänze, die Liebhaber und der Spionageprozess von 1917.

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Eintrag vom 5. März 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Der Name Mata Hari steht seit über hundert Jahren für Verführung, Exotik und Verrat. Die Dokumentation „Mata Hari – Exotik und Erotik“, die ARTE im März 2020 in seiner Reihe zu Biographien zeigte, nimmt sich den Mythos vor und legt darunter eine Lebensgeschichte frei, die deutlich weniger glamourös ist, als die Legende glauben macht. Am Ende steht eine Frage, die seit 1917 niemand schlüssig beantwortet hat: War diese Frau schuldig?

Von Leeuwarden nach Java

Margaretha Geertruida Zelle kam 1876 in Leeuwarden in der niederländischen Provinz Friesland zur Welt. Der Vater, ein Hutmacher, ging bankrott, als sie dreizehn war; die Mutter starb kurz darauf. Mit achtzehn antwortete sie auf eine Heiratsanzeige des Kolonialoffiziers Rudolf MacLeod, der fast zwanzig Jahre älter war. Das Paar zog nach Niederländisch-Ostindien, dem heutigen Indonesien.

Die Jahre auf Java und Sumatra waren keine Idylle. Die Ehe war von Alkohol, Gewalt und Untreue geprägt, der kleine Sohn Norman starb 1899, vermutlich an einer Vergiftung. Die Dokumentation zeigt anhand von Briefen und Akten, was Zelle in der Kolonie durchmachte, und erklärt damit auch, warum sie nach der Rückkehr nach Europa alles hinter sich lassen wollte, sogar ihren Namen. In den Kolonien hatte sie allerdings etwas mitgenommen, das ihr später nützen sollte: Eindrücke javanischer Tempeltänze.

Der Superstar von Paris

1905 trat sie im Musée Guimet in Paris zum ersten Mal als Mata Hari auf, angeblich eine Priestertochter aus Indien, die geheime Tempelrituale zeige. Das Publikum glaubte die Geschichte gern. Ihre Auftritte endeten regelmäßig damit, dass sie sich bis auf einen juwelenbesetzten Brustschmuck entkleidete, was in der Belle Époque als Kunst durchging, solange es als „orientalisch“ etikettiert war.

Die Karriere als Tänzerin währte nur wenige Jahre. Die Nachahmerinnen wurden zahlreicher, Mata Hari älter. Was blieb, war ihr Ruf und ihr Adressbuch: Sie lebte als Kurtisane von Offizieren, Industriellen und Diplomaten, reiste zwischen Paris, Berlin, Den Haag und Madrid und gab ihr Geld schneller aus, als es hereinkam. Genau diese Schulden machten sie 1916 für die Geheimdienste interessant.

Agentin H 21

Bei Kriegsausbruch 1914 befand sie sich in Berlin. Der deutsche Nachrichtendienst bot ihr Geld für Informationen aus Paris, sie nahm es und wurde unter der Bezeichnung H 21 geführt. Wenig später ließ sie sich vom französischen Geheimdienstchef Georges Ladoux ebenfalls anwerben, angeblich um deutsche Kontakte auszuspähen. Die britische Abwehr beobachtete sie derweil auf ihren Reisen. Mata Hari spielte ein Spiel, dessen Regeln sie nicht verstand, in einem Krieg, der für Doppeldeutigkeiten keinen Platz mehr hatte.

Am 13. Februar 1917 wurde sie in Paris verhaftet. Der Prozess im Juli dauerte zwei Tage und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Beweise waren dünn: abgefangene deutsche Funksprüche, die H 21 erwähnten, und die Tatsache, dass sie Geld aus Berlin angenommen hatte. Ob sie je eine Information weitergab, die einen einzigen Soldaten das Leben kostete, konnte das Gericht nicht belegen. Es verurteilte sie trotzdem. Frankreich hatte 1917 Meutereien an der Front, eine kriegsmüde Bevölkerung und Bedarf an einer Schuldigen.

Am 15. Oktober 1917 wurde Margaretha Zelle im Schlossgraben von Vincennes erschossen. Sie war 41 Jahre alt.

Was die Dokumentation leistet

Der Film verzichtet auf nachgestellte Szenen in Seidenkostümen und arbeitet mit Fotografien, Prozessakten und Historikerinterviews. Das ist die richtige Entscheidung, denn das Bild der schönen Spionin, die Generälen im Bett Geheimnisse entlockt, stammt vor allem aus Hollywood. Greta Garbo spielte die Rolle 1931, Sylvia Kristel 1985, und beide Filme erzählten, was das Publikum hören wollte.

Die Dokumentation zeigt stattdessen eine Frau, die aus einer zerstörten Ehe kam, sich selbst neu erfand, damit Erfolg hatte und diesen Erfolg für dauerhafter hielt, als er war. Sie war eitel, geldbedürftig und naiv gegenüber Männern, die sie für klug hielt. Eine Meisterspionin war sie nach allem, was die Akten hergeben, nicht.

Wer die Doku sieht, sollte die Frage nach der Schuld danach nicht zu schnell abhaken. Die französischen Prozessakten wurden erst 2017, hundert Jahre nach der Hinrichtung, vollständig zugänglich, und sie stützen eher die Lesart vom Justizirrtum als die von der gefährlichen Agentin. Endgültig klären lässt sich die Sache nicht mehr. Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Mythos Mata Hari die historische Person so mühelos überlebt hat.

Mehr Filme mit historischem Hintergrund findest du unter Filme, die Zeit der Belle Époque und des Ersten Weltkriegs ist im Jahrzehnt der 1910er Jahre versammelt.

Fragen zu Mata Hari

Wer war Mata Hari wirklich?

Hinter dem Künstlernamen stand Margaretha Geertruida Zelle, geboren 1876 im niederländischen Leeuwarden. Nach Jahren in Niederländisch-Ostindien trat sie ab 1905 in Paris als Tänzerin auf und lebte später als Kurtisane von wohlhabenden Liebhabern.

Warum wurde Mata Hari hingerichtet?

Ein französisches Militärgericht verurteilte sie im Juli 1917 wegen Spionage für Deutschland zum Tode. Am 15. Oktober 1917 wurde sie in Vincennes bei Paris erschossen. Ob die Informationen, die sie weitergab, militärisch überhaupt relevant waren, ist bis heute umstritten.

Worum geht es in der Dokumentation Mata Hari – Exotik und Erotik?

Der Film folgt dem Lebensweg von der Kolonie Java über den Aufstieg in Paris bis zum Prozess und geht der Frage nach, ob die Tänzerin tatsächlich eine gefährliche Agentin war oder eher ein Opfer der Kriegsstimmung und ihrer eigenen Selbstüberschätzung.

Was bedeutet der Name Mata Hari?

Der Name stammt aus dem Malaiischen und bedeutet sinngemäß Auge des Tages, also Sonne. Zelle wählte ihn, als sie sich in Paris als angeblich aus Indien stammende Tempeltänzerin präsentierte.

Gibt es Spielfilme über Mata Hari?

Ja, mehrere. Am bekanntesten ist die Hollywood-Verfilmung von 1931 mit Greta Garbo in der Titelrolle. 1985 folgte eine Version mit Sylvia Kristel. Die ARTE-Dokumentation setzt dagegen auf Archivmaterial und historische Einordnung.