Manufakturen in Niederbayern: Von der Liebe zu handgemachten Dingen
Das Buch von Christine Hochreiter
Christine Hochreiter porträtiert in Manufakturen in Niederbayern Betriebe zwischen Rottal, Hallertau und Bayerwald: Nudeln, Spirituosen, Naturseifen, Pfannen, Glaskunst und Ledergürtel.
Nudeln aus dem Rottal, Hopfenbrand und Schokolade aus der Hallertau, Naturseifen, Zigarren, schmiedeeiserne Pfannen, Glaskunst und Ledergürtel aus dem Bayerischen Wald: Die Bandbreite dessen, was in Niederbayern von Hand hergestellt wird, ist größer, als die meisten Menschen außerhalb der Region vermuten. Christine Hochreiter hat sich auf die Suche nach diesen Betrieben gemacht. Ihr Buch „Manufakturen in Niederbayern: Von der Liebe zu handgemachten Dingen“ erschien am 16. März 2021 als Taschenbuch mit 160 Seiten im Battenberg Gietl Verlag unter dem Imprint SüdOst Verlag.
Was eine Manufaktur ausmacht
Der Begriff ist alt und ein wenig aus der Mode gekommen. Eine Manufaktur ist ein Betrieb, in dem Menschen in arbeitsteiliger Handarbeit produzieren, ohne dass Maschinen den Takt vorgeben. Hochreiter sucht genau solche Betriebe, und sie beschreibt sie als bewussten Gegenentwurf zur industriellen Massenfertigung. Auffällig oft sind die Inhaber jung, haben einen anderen Beruf gelernt und irgendwann entschieden, dass sie lieber etwas herstellen wollen, das man anfassen kann.
Ein wiederkehrendes Motiv im Buch: Wer nicht gerade Lebensmittel produziert, will Dinge „fürs Leben“ machen. Eine Pfanne, die man vererbt. Einen Gürtel, der zwanzig Jahre hält. Das ist eine andere Haltung als die der Wegwerfwirtschaft, und die Autorin lässt die Porträtierten ausführlich erklären, warum sie sich dafür entschieden haben, obwohl der Weg über die Ladentheke eines Discounters bequemer wäre.
Die Regionen und ihre Produkte
Niederbayern ist kein einheitlicher Raum, und das Buch bildet das ab. Die Hallertau nördlich von Landshut ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt, und aus dieser Landschaft kommen die hopfigen Spirituosen und Schokoladenspezialitäten, die Hochreiter beschreibt. Das Rottal im Südosten ist bäuerlich geprägt und liefert die Nudelkreationen. Der Bayerische Wald an der Grenze zu Tschechien hat eine Glastradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht; Orte wie Zwiesel und Frauenau sind bis heute Zentren der Glaskunst, und aus derselben Gegend stammen die Ledergürtel und Naturseifen im Buch.
Schmiedeeiserne Pfannen und handgerollte Zigarren wirken auf den ersten Blick wie Fremdkörper in dieser Aufzählung. Genau darin liegt der Reiz: Hochreiter zeigt, dass Handwerk in Niederbayern nicht nur Tradition verwaltet, sondern auch Nischen besetzt, die man eher in Kuba oder in einer Großstadt vermuten würde.
Jedes Kapitel funktioniert als eigenständiges Porträt. Man kann das Buch von vorn bis hinten lesen oder gezielt die Betriebe heraussuchen, die auf dem Weg des nächsten Ausflugs liegen. Adressen und Hintergründe machen es zu einer Art Einkaufsführer, der zugleich erzählt, wer hinter dem Produkt steht.
Die Autorin
Christine Hochreiter wurde 1959 in Passau geboren und wusste nach eigener Aussage früh, dass sie Journalistin werden wollte. Sie studierte Romanistik und Politikwissenschaft in Regensburg und Paris, arbeitete danach fast drei Jahrzehnte bei der Mittelbayerischen Zeitung und leitete dort viele Jahre das Wirtschaftsressort. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet.
Als Pressesprecherin des Bezirks Niederbayern in Landshut lernte sie anschließend die Einrichtungen und das Innenleben einer kommunalen Gebietskörperschaft kennen, ein Blickwinkel, der dem Buch spürbar zugutekommt: Sie kennt die Region nicht als Besucherin, sondern aus Jahrzehnten Berichterstattung. Vor den Manufakturen erschien von ihr „111 Orte in und um Passau, die man gesehen haben muss“. Seit einigen Jahren lebt sie wieder in Passau.
Der Wirtschaftsjournalismus merkt man dem Buch an, im besten Sinn. Hochreiter fragt nicht nur nach der Leidenschaft, sondern auch danach, ob sich das Ganze rechnet, wie die Betriebe ihre Kunden finden und welche Rolle Nachhaltigkeit als Verkaufsargument spielt. Das unterscheidet den Band von den vielen Bildbänden, in denen Handwerker mit ernstem Blick in die Kamera schauen und der Text darunter Verlautbarung bleibt.
Wenn du in Niederbayern unterwegs bist, lohnt es sich, das Buch im Handschuhfach zu haben. Die meisten der porträtierten Betriebe verkaufen ab Werkstatt, und ein Gespräch mit dem Menschen, der die Pfanne geschmiedet hat, ist durch keinen Onlineshop zu ersetzen.
Weitere Bücher über Regionen, Handwerk und Lebensart findest du unter Bücher und im Bereich Sachbücher.
Fragen zu Manufakturen in Niederbayern: Von der Liebe zu handgemachten Dingen
Worum geht es in Manufakturen in Niederbayern?
Christine Hochreiter stellt Betriebe vor, die in Niederbayern bewusst in Handarbeit produzieren: Nudelmacher im Rottal, Brenner und Chocolatiers in der Hallertau, Seifensieder, Zigarrenroller, Pfannenschmiede, Glaskünstler und Gürtelmacher im Bayerischen Wald. Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Motive.
Wer ist Christine Hochreiter?
Die 1959 in Passau geborene Journalistin studierte Romanistik und Politikwissenschaft in Regensburg und Paris, arbeitete fast drei Jahrzehnte bei der Mittelbayerischen Zeitung und leitete dort lange das Wirtschaftsressort. Später war sie Pressesprecherin des Bezirks Niederbayern in Landshut.
Wann und wo ist das Buch erschienen?
Das Taschenbuch mit 160 Seiten erschien am 16. März 2021 im Battenberg Gietl Verlag unter dem Imprint SüdOst Verlag. Die ISBN lautet 978-3955877712.
Hat Christine Hochreiter weitere Bücher geschrieben?
Ja, von ihr stammt der Band 111 Orte in und um Passau, die man gesehen haben muss, ein Stadt- und Regionalführer in der bekannten 111-Orte-Reihe.
Für wen eignet sich das Buch?
Für Leser, die Niederbayern jenseits der Touristenrouten kennenlernen wollen, und für alle, die sich für regionale Produkte und die Geschichten dahinter interessieren. Es taugt als Lesestoff ebenso wie als Einkaufsführer für den nächsten Ausflug.