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Ulrich Kienzle von Südafrika bis zum Nahen Osten

Der Frontal-Moderator und Nahostexperte und seine Bücher

Ulrich Kienzle (1936–2020) war Journalist, Frontal-Moderator und Nahostexperte. Seine Bücher, von Südafrika über die Hauser-Bände bis Tödlich Naher Osten.

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Eintrag vom 18. Apr. 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Ulrich Kienzle: der Frontal-Moderator und Nahostexperte und seine Bücher von Südafrika bis zum Nahen Osten

Als einer der ersten westlichen Journalisten saß Ulrich Kienzle Anfang der 1970er Jahre dem damals jungen Rebellen Muammar al-Gaddafi gegenüber. Jahrzehnte später war er der letzte westliche Journalist, der den irakischen Diktator Saddam Hussein interviewte. Einem Millionenpublikum im Fernsehen blieb er trotzdem vor allem durch drei Worte in Erinnerung: „Ja, Hauser!“

Kienzle wurde am 9. Mai 1936 in Neckargröningen im Kreis Ludwigsburg geboren und starb am 16. April 2020 in Wiesbaden. Er war Journalist, Publizist und Nahostexperte, und er hat eine Reihe von Büchern hinterlassen, die zwischen diesen Rollen hin und her springen.

Von der Stuttgarter Abendschau in den Nahen Osten

Seine Fernsehlaufbahn begann in Stuttgart. Beim Süddeutschen Rundfunk leitete Kienzle die „Abendschau“, später den „Weltspiegel“. Für die ARD berichtete er aus dem Nahen Osten, eine Region, die ihn nie mehr losließ. Von 1980 bis 1990 war er Fernsehchefredakteur bei Radio Bremen, danach leitete er bis 1993 die ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik und moderierte das „auslandsjournal“.

Sein erstes Buch galt allerdings einem anderen Kontinent.

„Südafrika. Weiße in der Wagenburg“ erschien 1985 bei Droemer Knaur in München, in den Jahren, in denen das Apartheidregime international immer stärker unter Druck geriet. Das Bild im Titel stammt aus der Geschichte der Buren selbst: Die Voortrekker verschanzten sich im 19. Jahrhundert hinter im Kreis aufgestellten Ochsenwagen, und die „Laager-Mentalität“ wurde später zum Schlagwort für die Abschottung der weißen Minderheit.

„Noch Fragen, Kienzle?“ – die Bücher mit Bodo H. Hauser

Die Frage stellte Bodo H. Hauser im ZDF-Magazin „Frontal“, und sie machte aus dem Auslandsjournalisten eine Fernsehfigur. Das Prinzip der Sendung war ein Streit mit Ansage: Kienzle kommentierte von links, Hauser von rechts, beide mit geistreich-ironischen Dialogen, die jede Woche Millionen Zuschauer erreichten.

Aus der Sendung wurde eine kleine Buchreihe. 1995 erschien bei Hoffmann und Campe in Hamburg „Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser! Der offizielle deutsche Meinungsführer“, eine Art Michelin-Führer des öffentlichen Lebens in Deutschland, der Alltag, Politik, Medien, Persönlichkeiten und Ereignisse sortierte, jeweils aus beiden Richtungen.

Noch Fragen Kienzle Ja Hauser

Zwei Jahre später folgte „SchwarzRotGeld. Der offizielle deutsche Marktführer“, ebenfalls bei Hoffmann und Campe und später bei Heyne. Die Autoren nannten es ein Lebenshilfebuch für den „Meinungs-Medien-Gesellschafts-Dschungel Deutschland“, und weil Weltanschauung immer auch Geldanschauung sei, rechneten sie diesmal die finanziellen Seiten politisch korrekten Handelns mit ein.

Schwarz Rot Gold

Bei Heyne in München erschienen dann drei weitere Bände. „Total Frontal. Sprüche und Widersprüche aus 7 TV-Jahren“ kam 1999 heraus und sammelte die schärfsten Wortwechsel. „Bitte recht feindlich! Schöner leben und streiten im neuen Jahrtausend“ von 2000 beginnt mit dem Wechsel „Sind Sie bereit, Hauser?“ – „Aber immer, Kienzle!“ und ist ein politisch gefärbter Lifestyle-Führer durch Essen, Trinken, Reisen, Sport, Fernsehen, Familie, Geld, Erotik, Mode und Manieren.

Total Frontal

Bitte recht feindlich

Am unterhaltsamsten ist wohl „Küchenkabinett. Essen und Trinken bei Rechten und Linken“ von 2001. Die These: Die Essgewohnheiten von Politikern verraten mehr über sie, als ihnen lieb sein kann. Zwischen den Kapiteln stehen Porträts von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder und von Margaret Thatcher bis Fidel Castro, und das Buch spürt der Frage nach, wie viel Inszenierung hinter Saumagen, Wiener Schnitzel und Coca-Cola steckt. Wenn du dich noch an Helmut Kohls Saumagen-Essen mit Staatsgästen erinnerst, weißt du, dass die Frage nicht aus der Luft gegriffen war.

Ulrich Kienzle: der Frontal-Moderator und Nahostexperte und seine Bücher von Südafrika bis zum Nahen Osten

Schwaben und Araber: die späten Bücher in der Edition Sagas

Nach dem Fernsehen kehrte Kienzle zu den beiden Themen zurück, die ihn am meisten beschäftigten, und er verband sie auf eigenwillige Weise. Über Schwaben und Araber sagte er, beide seien rätselhaft, und: „Die Schwaben haben eines mit den Arabern gemeinsam: beide haben kein politisches Zentrum.“

Den Anfang machte 2008 ein Essay mit dem schwäbisch-derben Titel „Wo kommsch denn Du alds Arschloch her? Die Erfindung des Schwaben; wie er wurde, was er ist“, erschienen in der Edition Sagas in Stuttgart, mit beiliegender Audio-CD. Kienzle erzählt darin, dass die Schwaben ein einziges Mal rebelliert hätten, im Remstal gegen Herzog Ulrich, der mit dem „Umgeld“ eine Art Umsatzsteuer auf Fleisch, Obst und Wein erfunden hatte. Der Aufstand ist als „Armer Konrad“ von 1514 in die Geschichte eingegangen. Die Aufmüpfigen, so Kienzle, „gehen seit Schiller außer Landes oder sie landen in Berlin bei den Grünen“.

Wo kommsch denn Du alds Arschloch her

2011 folgte „Abschied von 1001 Nacht“, die autobiografische Geschichte eines Journalistenlebens im Orient. Das Buch spannt einen Bogen über 40 Jahre Nahostkonflikt und erklärt den Arabischen Frühling aus der langen Entwicklung der Konflikte in der Region. Dazwischen beschreibt Kienzle seinen Alltag als Kriegsreporter, mit Erlebnissen, die erschüttern, und mit Szenen, die nebenbei ein Stück Fernsehgeschichte dokumentieren.

Abschied von 1001 Nacht

Ein Jahr später war er wieder bei den Landsleuten. Für „Ulrich Kienzle und die Siebzehn Schwaben. Eine Reise zu eigenwilligen Deutschen“ fuhr er nach Berlin, Baiersbronn, Stuttgart, Schwäbisch Hall, München und London und sprach mit 17 Schwaben über Heimat, Sprache, Identität, den Euro, die Moral in der Politik und den „Wutbürger“.

Ulrich Kienzle und die Siebzehn Schwaben

Das letzte Buch dieser Reihe, „Tödlich Naher Osten. Eine Orientierung für das orientalische Chaos“, erschien 2017 mit Fotos von Stefan Nimmesgern. Es beginnt mit einer Zahl: Allein im ersten Halbjahr 2017 kamen auf der zentralen Mittelmeerroute 1.850 Flüchtlinge ums Leben. Kienzle, damals 81 Jahre alt und noch immer regelmäßig in der Region unterwegs, verbindet darin die Geschichte der Nachbarschaft zwischen Europa und der arabischen Welt mit Erinnerungen an seine Zeit als Korrespondent.

Die Frau des Journalisten

Eine andere Perspektive auf dieses Leben liefert ein Buch, das nicht Kienzle selbst geschrieben hat. In „Die Frau des Journalisten“, erschienen bei sagas.edition, erzählt Ilse Kienzle von ihrer Ehe. Sie wuchs als Tochter eines erfolgreichen Ingenieurs wohlbehütet auf und lernte Anfang der 1960er Jahre den rebellischen Politikstudenten Ulrich Kienzle kennen. Ihr Vater hatte bereits einen anderen Kandidaten für sie ausgesucht, und die beiden heirateten heimlich.

Die Frau des Journalisten

Sie begleitete ihn später in den Orient, wo beide unter dramatischen Umständen den Krieg im Libanon überlebten. Im südlichen Afrika, dem Schauplatz seines ersten Buches, wurde ihre Liebe dann auf eine schwere Probe gestellt. Mehr verrät der Klappentext darüber nicht. Weitere Lebenserinnerungen und Sachbücher stehen unter Bücher und in der Kategorie Sachbücher.

Fragen zu Ulrich Kienzle: der Frontal-Moderator und Nahostexperte und seine Bücher

Wer war Ulrich Kienzle?

Ein deutscher Journalist, Publizist und Nahostexperte, geboren am 9. Mai 1936 in Neckargröningen im Kreis Ludwigsburg, gestorben am 16. April 2020 in Wiesbaden. Er berichtete für die ARD aus dem Nahen Osten, leitete die ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik und wurde mit dem ZDF-Magazin Frontal einem Millionenpublikum bekannt.

Woher stammt der Satz „Noch Fragen, Kienzle?“

Aus dem ZDF-Magazin Frontal, das Ulrich Kienzle gemeinsam mit Bodo H. Hauser moderierte. Hauser stellte die Frage, Kienzle antwortete mit „Ja, Hauser!“. Die beiden kommentierten das Geschehen in ironischen Dialogen, Kienzle von links, Hauser von rechts.

Welche Bücher schrieb Ulrich Kienzle zusammen mit Bodo H. Hauser?

Unter anderem Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser! (1995) und SchwarzRotGeld (1997) bei Hoffmann und Campe, dazu Total Frontal (1999), Bitte recht feindlich! (2000) und Küchenkabinett (2001) bei Heyne.

Worum geht es in Abschied von 1001 Nacht?

Das 2011 in der Edition Sagas erschienene Buch ist die autobiografische Geschichte eines Journalistenlebens im Orient. Kienzle spannt einen Bogen über 40 Jahre Nahostkonflikt, erklärt den Arabischen Frühling aus der Geschichte der Region und beschreibt seinen Alltag als Kriegsreporter.

Welches Buch schrieb Ilse Kienzle über ihr Leben mit Ulrich Kienzle?

Die Frau des Journalisten, erschienen bei sagas.edition. Sie erzählt darin, wie sie Anfang der 1960er Jahre den Politikstudenten Ulrich Kienzle kennenlernte, ihn gegen den Willen ihres Vaters heimlich heiratete und ihn später in den Orient und nach Afrika begleitete.