Tina Turner zum 80. Geburtstag
Eine Werkschau von „A Fool in Love“ bis „Twenty Four Seven“
Tina Turner, geboren 1939 als Anna Mae Bullock: die wichtigsten Titel und Alben von „River Deep – Mountain High“ über „Private Dancer“ bis „GoldenEye“.

Am 26. November 2019 wurde Tina Turner 80 Jahre alt. Geboren als Anna Mae Bullock, aufgewachsen in Nutbush, einem Weiler im Westen von Tennessee, hatte sie da bereits zehn Jahre zuvor ihr letztes Konzert gegeben, und hinter ihr lag eine Laufbahn, die von Rhythm and Blues in Clubs von St. Louis bis zu ausverkauften Stadien reichte. Weit über 100 Millionen Tonträger hat sie verkauft. Sie starb am 24. Mai 2023 in ihrem Haus in Küsnacht am Zürichsee.
Diese Werkschau folgt ihren wichtigsten Titeln, Jahrzehnt für Jahrzehnt.
Ike & Tina: von „A Fool in Love“ bis „Nutbush City Limits“
In St. Louis lernte die junge Anna Mae Ende der 1950er-Jahre den Bandleader Ike Turner und seine Kings of Rhythm kennen und sang zunächst im Hintergrund. 1960 sprang sie für den ausgefallenen Sänger Art Lassiter ein und nahm „A Fool in Love“ auf. Der Song kam im August 1960 in die US-Charts, und Ike machte aus der Sängerin Tina Turner und aus seiner Band die Ike & Tina Turner Revue.
1966 produzierte Phil Spector mit ihr „River Deep – Mountain High“, eine gewaltige Klangwand von einer Single. In den USA floppte sie, in Großbritannien wurde sie ein Hit und machte das Duo in Europa bekannt. Die Rolling Stones nahmen Ike & Tina als Vorgruppe mit auf Tournee. Für ihre Version von „Proud Mary“, dem Song von Creedence Clearwater Revival, der bei ihnen erst ruhig und dann „nice and rough“ wird, gab es einen Grammy.
1973 folgte „Nutbush City Limits“, geschrieben von Tina selbst, eine Erinnerung an ihren Heimatort, die vor allem in Europa ein großer Erfolg wurde. Zwei Jahre später spielte sie in Ken Russells Verfilmung der Rockoper „Tommy“ von The Who die Acid Queen.
Hinter der Bühne sah es anders aus. Wie Tina Turner später in ihrer Autobiografie schilderte, schlug Ike sie über Jahre, sein Drogenkonsum machte alles schlimmer. 1976 verließ Tina ihn während einer Tournee in Dallas, praktisch ohne Geld. Bei der Scheidung, die 1978 rechtskräftig wurde, verzichtete sie auf fast alle gemeinsamen Rechte und bestand auf einem einzigen Punkt: dem Namen Tina Turner.
„Private Dancer“ und das Comeback der 1980er
Anfang der 1980er-Jahre galt sie vielen in der Branche als Sängerin von gestern. Dann nahm sie in London mit der Produzentengruppe B.E.F. Al Greens „Let’s Stay Together“ auf. Die Single erschien 1983 und erreichte in Großbritannien Platz sechs.
1984 kam das Album „Private Dancer“. Die erste Auskopplung, „What’s Love Got to Do with It“, stieg auf Platz eins der amerikanischen Billboard-Charts. Im Februar 1985 wurde der Song als Schallplatte des Jahres ausgezeichnet, dazu gewann Tina Turner Grammys für die beste weibliche Popgesangsdarbietung und für „Better Be Good to Me“ als beste Rocksängerin. Wenn du nur ein Album aus dieser Zeit hörst, dann dieses: Der Titelsong „Private Dancer“ stammt von Mark Knopfler, die Gitarre darauf spielt Jeff Beck.
1985 stand sie neben Mel Gibson in „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ als Aunty Entity vor der Kamera, und ihr Titelsong „We Don’t Need Another Hero“ wurde ein weltweiter Hit. Im selben Jahr sang sie bei „We Are the World“ mit. 1986 folgte „Break Every Rule“ mit „Typical Male“, „Two People“ und „What You Get Is What You See“; die zweite Hälfte des Albums enthält unter anderem „Back Where You Started“ von Bryan Adams und einen Titelsong von Rupert Hine. Kurz darauf erschien die zusammen mit dem Journalisten Kurt Loder geschriebene Autobiografie „Ich, Tina“.
Am 16. Januar 1988 sang sie im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro vor rund 188.000 Menschen, ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.
Die späten Titel: „The Best“, „GoldenEye“, „Twenty Four Seven“
1989 erschien „Foreign Affair“. Neben der Hymne „The Best“, die Bonnie Tyler ein Jahr zuvor schon einmal aufgenommen hatte und die erst in Tina Turners Version zum Dauerbrenner in Stadien wurde, stehen darauf erdige Blues-Nummern wie „Steamy Windows“ und „Undercover Agent for the Blues“ von Tony Joe White. Die folgende Tournee durch Europa war eine der erfolgreichsten ihrer Zeit.
1993 kam der Kinofilm „Tina – What’s Love Got to Do with It“ mit Angela Bassett in der Hauptrolle, begleitet von einem Soundtrack mit dem neuen Song „I Don’t Wanna Fight“ und Neuaufnahmen alter Ike-&-Tina-Hits. 1995 sang sie den Titelsong zum James-Bond-Film „GoldenEye“, geschrieben von Bono und The Edge von U2, der 1996 auch auf dem Album „Wildest Dreams“ erschien.
„Twenty Four Seven“ von 1999 blieb ihr letztes reguläres Studioalbum, im Jahr 2000 ging sie damit auf Tournee. Danach kamen nur noch einzelne Songs: 2004 „Open Arms“ auf der Sammlung „All the Best“, 2006 das Duett „Teach Me Again“ mit der Italienerin Elisa Toffoli. 2008 kündigte sie in der Talkshow von Oprah Winfrey eine Tournee zum 50-jährigen Bühnenjubiläum an. In Deutschland wurde die Zahl der Konzerte wegen der Nachfrage von sieben auf sechzehn erhöht. Das 90. und letzte Konzert fand am 5. Mai 2009 in Sheffield statt.
Musical, Buddhismus und Küsnacht
Seit den 1990er-Jahren lebte Tina Turner in der Schweiz, 2013 nahm sie die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Im selben Jahr heiratete sie in Küsnacht ihren 16 Jahre jüngeren deutschen Lebensgefährten Erwin Bach, im Juli folgte eine buddhistische Zeremonie auf ihrem Anwesen am Zürichsee. Den Buddhismus hatte sie schon in den 1970er-Jahren für sich entdeckt, und er half ihr nach eigener Aussage, sich aus der Ehe mit Ike zu lösen.
Ihre zweite Autobiografie „My Love Story“ von 2018 machte öffentlich, wie krank sie inzwischen war: ein Schlaganfall 2013, Darmkrebs 2016, dann ein Nierenversagen. 2017 rettete ihr eine Niere ihres Mannes das Leben.
Die Rock and Roll Hall of Fame nahm sie zweimal auf, 1991 zusammen mit Ike Turner und 2021 als Solokünstlerin.
Im April 2018 hatte im Londoner Aldwych Theatre „Tina – The Tina Turner Musical“ Premiere, an dem sie selbst mitgearbeitet hatte. Im März 2019 kam es ins Hamburger Operettenhaus an der Reeperbahn, im November 2019 an den Broadway. Mehr Musik aus diesem Jahrzehnt findest du unter Musik und bei den 2010er Jahren.
In „Nutbush City Limits“ zählte Tina Turner übrigens auf, was ihr Heimatort zu bieten hatte: ein Kirchenhaus, ein Ginhaus, ein Schulhaus und ein Plumpsklo. In Australien tanzen Schulklassen und Hochzeitsgesellschaften zu dem Song bis heute eine eigene Formation, den Nutbush.
Fragen zu Tina Turner zum 80. Geburtstag: eine Werkschau
Wie hieß Tina Turner mit bürgerlichem Namen?
Tina Turner kam am 26. November 1939 als Anna Mae Bullock in Tennessee zur Welt und wuchs in dem Ort Nutbush auf. Den Künstlernamen Tina gab ihr Ike Turner Anfang der 1960er-Jahre, als ihre erste gemeinsame Single erschien.
Welche Titel von Tina Turner sind am bekanntesten?
Zu den bekanntesten Titeln gehören „River Deep – Mountain High“, „Proud Mary“ und „Nutbush City Limits“ aus der Zeit mit Ike Turner sowie aus der Solokarriere „What’s Love Got to Do with It“, „Private Dancer“, „We Don’t Need Another Hero“, „The Best“ und der Bond-Titelsong „GoldenEye“.
Was war Tina Turners letztes Studioalbum?
Ihr letztes reguläres Studioalbum war „Twenty Four Seven“ von 1999. Danach erschienen noch einzelne neue Songs auf Compilations wie „All the Best“ von 2004 sowie das Duett „Teach Me Again“ mit der italienischen Sängerin Elisa.
Wann gab Tina Turner ihr letztes Konzert?
Ihr letztes Konzert gab sie am 5. Mai 2009 in Sheffield, als Nachholtermin ihrer Tournee zum 50-jährigen Bühnenjubiläum. Sie war damals 69 Jahre alt.
Welchen Rekord stellte Tina Turner in Rio de Janeiro auf?
Im Januar 1988 sang sie im Maracanã-Stadion vor rund 188.000 Menschen. Das brachte ihr einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als Solokünstlerin mit dem größten zahlenden Publikum bei einem Konzert.
Wo lebte Tina Turner zuletzt?
Sie lebte seit den 1990er-Jahren in der Schweiz, zuletzt in Küsnacht am Zürichsee, und nahm 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Dort heiratete sie im selben Jahr ihren langjährigen Partner Erwin Bach. Tina Turner starb am 24. Mai 2023 in Küsnacht.