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Shutdown von Dr. Ina Knobloch

Von der Corona-Krise zur Jahrhundert-Pandemie

Ina Knoblochs Sachbuch „Shutdown“ von 2020: die These vom Zeitalter der Pandemien, Pandemiepläne nach SARS und MERS, Pest, Knoblauch und Abwasser.

Lebensart2020er2020
Eintrag vom 5. Juni 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Shutdown von Dr. Ina Knobloch: Von der Corona-Krise zur Jahrhundert-Pandemie

Schon 2012 spielten Fachbehörden in Deutschland für den Bundestag ein Szenario durch, das acht Jahre später kaum noch wie eine Übung wirkte. Die Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz beschrieb eine Pandemie durch ein fiktives Virus mit dem Namen „Modi-SARS“. Genau an dieser Lücke zwischen Plan und Wirklichkeit setzt „Shutdown: Von der Corona-Krise zur Jahrhundert-Pandemie“ an, das Sachbuch der Biologin und Journalistin Ina Knobloch.

Das Buch erschien am 1. Juli 2020 bei Droemer, als Broschur mit 256 Seiten (ISBN 978-3426278444), also mitten im ersten Corona-Sommer. Die Verlagsbeschreibung lässt keinen Zweifel am Ton: „Notfall-Pläne, biologische Kriegswaffen, unkontrollierbare Ausbrüche: Warum das Zeitalter der Killervirus-Pandemien angebrochen ist“.

Was „Shutdown“ behauptet

Die Ausgangsthese ist einfach und unbequem. Corona ist nur der Anfang. Der Verlag beschreibt, wie sich der Erreger wie ein Lauffeuer über den Globus ausbreitete, die Weltwirtschaft in den Abgrund und die Börsen in den freien Fall stürzte und die medizinische Versorgung vielerorts an ihre Grenzen brachte. Knobloch schildert diesen Wettlauf gegen die Krise und fragt, was geschehen muss, damit Gesellschaften diese und die nächste Pandemie überstehen.

Ein zitierter Satz der Autorin fasst ihre Sorge zusammen: „Viren verändern sich mit einer Geschwindigkeit, mit der kein Forscher der Welt mithalten kann.“ Weder Medizin noch Wirtschaft noch Politik seien auf einen solchen Ernstfall eingestellt. Käme ein neues, aggressives, hoch ansteckendes und tödlicheres Virus, drohten nach ihrer Darstellung viele Tote und dazu der Zusammenbruch der globalen Wirtschaft, Nahrungsknappheit, Wassernot und Bürgerkrieg.

Den Beleg für die Dringlichkeit sucht Knobloch in der Geschichte. Virale Ausbrüche, denen die Medizin zunächst nichts entgegenzusetzen hatte, kehren regelmäßig wieder, und nie waren die Voraussetzungen für weltweite Pandemien so günstig wie in einer globalisierten, dicht besiedelten und vom Klimawandel aufgeheizten Welt. Die Frage sei deshalb nicht, ob eine neue Jahrhundert-Pandemie bevorsteht. Sondern wann.

Pandemiepläne nach SARS und MERS

Am schärfsten wird die Autorin beim Thema Vorbereitung. Sie sei schockiert gewesen, wie schlecht Deutschland und die Welt auf den Ausbruch vorbereitet waren, obwohl es nach SARS 2002/2003 und MERS 2012 ausgearbeitete Pandemiepläne gab, teilweise sogar mit Coronaviren als Szenario. Quarantänemaßnahmen seien verzögert ergriffen worden, bewährte Mittel spät zum Einsatz gekommen.

Dass Ausbrüche unbekannter Krankheiten in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben, ist für Knobloch eine Tatsache. Ob die Krise Deutschland 2020 in eine Rezession stürzt, hänge dagegen von den politischen Konsequenzen ab. Sie sah darin sogar einen möglichen Zeitpunkt für einen Neustart, der sich nicht dem Druck der großen Pharmakonzerne unterordnet.

An dieser Stelle lohnt ein nüchterner Blick. Die Impfstoffe, deren Wirkung Knobloch im Frühjahr 2020 noch „in den Sternen“ sah, wurden in der EU ab Ende 2020 zugelassen. Wenn du das Buch heute liest, liest du es also als Momentaufnahme eines Frühjahrs, in dem vieles unklar war, und nicht als Prognose, an der sich jede Einzelheit messen lässt.

Pest, Knoblauch, Abwasser: die Themen rund um das Buch

In einem Video zum Buch ging Knobloch auf mehrere Nebenschauplätze ein: die Parallelen zwischen Pest und Corona, die notwendige und zugleich gefährliche Existenz von Viren, Coronaviren im Abwasser, die Forschung an Viren in Biowaffenlaboren und den Knoblauch mit seinem möglichen Einfluss auf das Virus.

Nicht alle diese Themen haben dasselbe Gewicht. Die Parallele zur Pest ist historisch gut begründet, schon das Wort Quarantäne stammt von den vierzig Tagen, die Schiffe in Venedig und anderen Hafenstädten zur Abwehr der Seuche vor Anker warten mussten. Auch das Abwasser erwies sich als ernsthaftes Werkzeug: Über Rückstände des Erregers in Kläranlagen lässt sich das Infektionsgeschehen einer ganzen Stadt beobachten.

Beim Knoblauch ist dagegen Vorsicht angebracht. Die Weltgesundheitsorganisation stellte 2020 ausdrücklich klar, dass es keine Belege dafür gibt, dass der Verzehr von Knoblauch vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus schützt.

Zwischen Warnung und Zuspitzung

„Ungeschönt, verstörend und packend wie ein Thriller“, verspricht der Klappentext, und die Autorin selbst spricht von Enthüllungen und Zusammenhängen, die manchen Thriller blass werden ließen. Das ist Verlagssprache, aber sie beschreibt das Buch ziemlich genau: Es will aufrütteln, nicht abwägen. Das Szenario einer hoch tödlichen Jahrhundert-Pandemie und eines Shutdowns der Zivilisation, das die Corona-Krise bei Weitem übertrifft, nennt der Verlag erschreckend und realistisch zugleich.

Überraschend ist, wie versöhnlich Knobloch trotz allem in die Zukunft blickte. Sie sehe eine große Chance für ein globales Umdenken und eine Entschleunigung, sagte sie, und sie bemerke bei vielen Menschen ein neues, hilfsbereites Miteinander.

Fragen zu Shutdown

Wer ist Dr. Ina Knobloch?

Ina Knobloch ist promovierte Biologin, Journalistin und Sachbuchautorin. In „Shutdown“ verbindet sie biologisches Fachwissen über Viren mit einer journalistischen Darstellung der Corona-Krise im Frühjahr 2020.

Wann ist „Shutdown“ erschienen?

Das Buch „Shutdown: Von der Corona-Krise zur Jahrhundert-Pandemie“ erschien am 1. Juli 2020 bei Droemer als Broschur mit 256 Seiten (ISBN 978-3426278444). Es gibt außerdem eine E-Book-Ausgabe.

Was ist die Kernthese des Buchs?

Knobloch argumentiert, dass Corona nur der Anfang sei und das Zeitalter der Pandemien angebrochen ist. Globalisierung, dichte Besiedlung und Klimawandel begünstigten neue Ausbrüche, und ein noch tödlicheres Virus könne Wirtschaft, Versorgung und politische Ordnung erschüttern. Die Frage sei daher nicht, ob eine neue Jahrhundert-Pandemie kommt, sondern wann.

Schützt Knoblauch vor dem Coronavirus?

Knoblauch ist eines der Themen, zu denen sich Knobloch rund um das Buch geäußert hat. Die Weltgesundheitsorganisation stellte 2020 klar, dass es keine Belege dafür gibt, dass der Verzehr von Knoblauch vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus schützt. Knoblauch ersetzt weder Impfung noch Hygiene.

Warum kritisiert die Autorin die Vorbereitung auf die Pandemie?

Knobloch zeigte sich schockiert, wie schlecht Deutschland und die Welt vorbereitet waren, obwohl es nach SARS und MERS ausgearbeitete Pandemiepläne gab, teils sogar mit Coronaviren als Szenario. Quarantänemaßnahmen seien zu spät ergriffen worden. In Deutschland hatte eine Risikoanalyse für den Bundestag schon 2012 eine Pandemie durch ein SARS-ähnliches Virus durchgespielt.