Prag für Entdecker und Genießer
Spaziergang durch die Altstadt, Essen und Trinken, Theater und Ausflüge
Prag zu Fuß: vom Altstädter Ring über Josefov und die Karlsbrücke zur Burg, dazu Petřín, Vyšehrad, Schwarzlichttheater, böhmische Küche und Bierlokale.
Ahoj heißt Hallo und Tschüss zugleich, Dobrý den ist die Begrüßung, Na zdraví das Prosit, und Pivo bedeutet Bier. Mit diesen vier Wörtern kommt man in Prag erstaunlich weit. Der Rest dieser Seite ist ein Spaziergang: von der Altstadt über die Moldau zur Burg, danach an die Tische und in die Theater der Stadt.
Prag im Überblick
Praha ist die Hauptstadt und größte Stadt der Tschechischen Republik. Über Jahrhunderte begegneten sich hier tschechische, deutsche und jüdische Kultur, und das historische Zentrum steht seit 1992 auf der Welterbeliste der UNESCO. Das Stadtbild ist geschlossen erhalten, geprägt von Gotik und Barock, deshalb der Beiname „Goldene Stadt“. Mit mehr als fünf Millionen ausländischen Gästen im Jahr gehört Prag zu den zehn meistbesuchten Städten Europas.
Zu den Wahrzeichen zählen die Prager Burg, die Karlsbrücke, die astronomische Rathausuhr und der Alte Jüdische Friedhof. Wer nur zwei Tage hat, sieht davon das meiste zu Fuß.
Ein Spaziergang vom Altstädter Ring zur Burg
Der Altstädter Ring ist zugleich Marktplatz. Rechts das Altstädter Rathaus mit der astronomischen Uhr, links die Teynkirche mit ihren beiden ungleichen Türmen, in der Mitte das Denkmal für Jan Hus, das Ladislav Šaloun 1915 schuf. Im Pflaster ist der Ort markiert, an dem am 21. Juni 1621 siebenundzwanzig böhmische Adlige hingerichtet wurden, daneben verläuft der Prager Meridian. Das Kinský-Palais am Platz gehört zur Nationalgalerie, das gotische Haus zur Steinernen Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert.
Von hier ist es nicht weit ins ehemalige Judenviertel Josefov. Die Altneu-Synagoge ist die älteste unzerstört erhaltene Synagoge Europas. Der Alte Jüdische Friedhof misst nur rund einen Hektar, trägt aber über 12.000 Grabsteine und birgt vermutlich die Gebeine von 100.000 Menschen; samstags und an jüdischen Feiertagen bleibt er geschlossen. Die Spanische Synagoge erinnert im Inneren ein wenig an die Alhambra, die Klausen-Synagoge ist die größte der Stadt, die Pinkas-Synagoge fällt durch ihr Portal in reinen Frührenaissanceformen auf. Eine Eintrittskarte des Jüdischen Museums gilt für alle Häuser.
Dann die Moldau. Die Čechův most ist mit 170 Metern die kürzeste Moldaubrücke Prags. Am anderen Ufer tickt im Letná-Park das Metronom von Vratislav Karel Novák, von dort hat man einen der besten Blicke über die Brücken. Zurück über dieselbe Brücke geht es am Rudolfinum vorbei, dem Konzert- und Galeriebau der Neorenaissance, bis zum Altstädter Brückenturm.
Die Karlsbrücke wurde im 14. Jahrhundert gebaut, ist die älteste erhaltene Moldaubrücke und trägt ihren heutigen Namen erst seit 1870. Dreißig Figuren stehen auf ihr. Die bekannteste ist Johannes von Nepomuk, 1683 von Johann Brokoff geschaffen und seit 1693 an der Stelle aufgestellt, an der der Heilige rund 300 Jahre zuvor im Auftrag König Wenzels IV. in den Fluss gestürzt wurde. Die Bronzereliefs am Sockel sind vom Berühren blank; das soll Glück bringen.
Auf der Kleinseite, der Malá Strana, folgt der Königsweg, über den die böhmischen Könige zur Krönung in den Veitsdom zogen. Die Prager Burg gilt als größtes geschlossenes Burgareal der Welt. Der Veitsdom ist das größte Kirchengebäude Tschechiens. Im Goldenen Gässchen zwischen nördlicher Burgmauer und Burggrafenpalast wohnte Franz Kafka zeitweise im Haus Nr. 22; die elf kleinen Häuser liegen zwischen dem Weißen Turm im Westen und der Daliborka im Osten. Um 12 Uhr wechselt die Wache im ersten Burghof mit Fanfaren, dann ist es am vollsten.
Ein praktischer Rat: Die Straßenbahn 22 fährt bis direkt vor die Burg und passiert vorher das Schloss Stern, das Stift Břevnov und den Weißen Berg, den Ort der Schlacht von 1620. Wer zu Fuß hinauf will, nimmt die Alten Schlosstreppen oder die Nerudagasse.
Petřín, Tanzendes Haus und Vyšehrad
Der Aussichtsturm auf dem 318 Meter hohen Petřín ist eine verkleinerte Nachbildung des Eiffelturms aus dem Jahr 1891. Im selben Jahr eröffnete die Standseilbahn, die auf 510 Metern Strecke 130 Höhenmeter überwindet und an den Stationen Újezd, Nebozízek und Petřín hält; es gelten die normalen Fahrkarten des Prager Verkehrsverbundes. Neben dem Turm steht das Spiegellabyrinth mit dem „Saal des Lachens“ von 1911, dessen Zerrspiegel Besucher bis zur Unkenntlichkeit verformen. Ein Diorama zeigt eine Szene vom Ende des Dreißigjährigen Krieges.
Zurück an der Moldau steht das Tanzende Haus, ein Bürogebäude, das an ein tanzendes Paar erinnert. Zwischen Palacký-Brücke und der Eisenbahnbrücke am Výtoň liegt die Uferpromenade Náplavka mit Kleinbrauereien und Livemusik; samstags von 8 bis 14 Uhr findet dort der Bauernmarkt statt. Von hier führt die Neustadt zum fast 700 Meter langen Wenzelsplatz mit Wenzeldenkmal, dem Mahnmal für Jan Palach und dem Nationalmuseum am oberen Ende.
Der Vyšehrad, zwei Metrostationen vom Nationalmuseum entfernt, ist die zweite Burg der Stadt. Die ältesten Teile der Peter-und-Paul-Kirche stammen aus dem 11. Jahrhundert. Auf dem Nationalfriedhof daneben liegen Bedřich Smetana und Antonín Dvořák. Vom Wall sieht man über fast ganz Prag, und es sind deutlich weniger Menschen unterwegs als oben am Hradschin.
Kafka, Lennon und ein Jugendstilhaus
Kafka begegnet einem in Prag mehrfach: als Monument bei der Spanischen Synagoge, als Museum auf der Kleinseite in der Cihelná 2b und als bewegter Kopf vor dem Einkaufszentrum Quadrio in der Spálená, wo verspiegelte Scheiben sich fast lautlos drehen und immer wieder zu einem Gesicht zusammenfinden. In seiner Erzählung „Das Urteil“ von 1912 springt Georg Bendemann, vom Vater zum „Tode des Ertrinkens“ verurteilt, von einer Brücke in den Fluss.
Die John-Lennon-Mauer am Velkopřevorské náměstí, ein paar Schritte von der Karlsbrücke, wird täglich neu bemalt. Lennon selbst war nie hier; die Mauer erinnert an die friedlichen Proteste der Achtzigerjahre. Daneben stehen der John-Lennon-Pub, ein Wasserrad und eine kleine Brücke voller Liebesschlösser.
Das Gemeindehaus, Obecní dům, am náměstí Republiky entstand 1905 bis 1911 und ist das vollständigste Jugendstilensemble der Stadt: Kaffeehaus, Pilsner Restaurant, amerikanische Bar, Smetana-Konzertsaal, ausgeschmückt unter anderem von Alfons Mucha. Ein Kaffee in der Kavárna Obecní dům gehört dazu, allein wegen des Raums.
Theater ohne Sprachbarriere
Das Schwarzlichttheater ist eine Prager Spezialität. Ta Fantastika in der Karlova 8 kombiniert die klassischen Tricks mit Film- und Trickfilmüberblendungen, das Foyer sieht aus wie ein echtes Theater. Die WOW-Show im Theatre Broadway an der Na Příkopě setzt auf 4D-Effekte, bei denen Regen und Spinnen von oben kommen und das Publikum Teil der Aufführung wird; die Meinungen darüber reichen von begeistert bis genervt. Das Black Light Theatre Metro am Národní erzählt in 90 Minuten ein Leben von der Geburt bis zum Tod und zeigt am Schluss, wie der Effekt funktioniert.
Das Nationale Marionettentheater in der Žatecká spielt einen stark gekürzten „Don Giovanni“ und eine „Zauberflöte“ in einer Stunde, Musik vom Band, Slapstick inklusive. Man findet es nur, wenn man nach dem Reklameband über der Gasse sucht und dann mehrere Stockwerke steigt. Die Laterna Magika im Neuen Nationaltheater am Národní ist die ernsthaftere Bühne: Tanz, Körpertheater und Filmprojektionen greifen ineinander, Schwarzlicht nur in kurzen Szenen.
Essen und Trinken
Bestell auf Tschechisch, wenn du kannst, und bestell das Richtige: guláš s knedlíkem, Gulasch mit Knödelscheiben, oder svíčková na smetaně, Rinderlendenbraten auf Rahm. Die „falsche“ svíčková ist die Alltagsvariante mit Schweinefleisch. Der überall angebotene Trdelník schmeckt nur warm vom mobilen Stand; in den Läden liegt er meist schon kalt auf Vorrat. Am Wenzelsplatz lohnt ein Blick auf den Preis, bevor der Schweinebraten über die Theke geht.
Für böhmische Konditorei geht man zu Cukrář Skála in der Dlouhá 39: Větrník, ein Windbeutel im Großformat, und Laskonky, eine Art böhmische Macarons. Gleich nebenan verkauft die Fleischerei Naše maso Prager Schinken, Klobása und Leberkäse aus eigener Räucherung. Im Lokál Hamburk in Karlín gibt es Nakládaný hermelín, in Essig und Öl eingelegten Camembert, im Stil der Fünfzigerjahre. Eska, ebenfalls in Karlín, serviert eine im Heu verbrannte Kartoffel mit geräuchertem Fisch und brauner Butter und backt Brot aus dreistufigem Sauerteig. Der Manifesto Market an der Na Florenci mischt Tandoori, Pizza und Shakshuka mit lokalen Brauereien. Das Restaurant Ferdinanda auf der Kleinseite und in der Neustadt schenkt Biere kleiner Brauereien aus: Klášter, Černá Hora, Vysoký Chlumec.
Zum Bier: Budweiser Budvar aus České Budějovice ist das bekannteste Exportbier des Landes, ein mildes helles Lager mit leichter Buttersäurenote, getrunken bei sechs bis acht Grad. In der Altstadt zapfen U Zlatého Tygra und U Fleků seit Generationen; wer Ruhe sucht, findet sie eher in Karlín oder Holešovice, etwa im The Eatery mit Hausbrauerei. Ein großes Bier vom Fass kostet in einer normalen Kneipe deutlich weniger als in München.
Unterwegs in der Stadt
Drei Metrolinien kreuzen sich an Můstek (A und B), Muzeum (A und C) und Florenc (B und C), dazu rund 25 Straßenbahnlinien. An den Stationen hängen kostenlose Netzpläne. Die nostalgische Linie 23 fährt mit alten Wagen zwischen Královka und Zvonařka, die historische Linie 41 zwischen Střešovice und Výstaviště. Wer Trödel sucht, fährt samstags oder sonntags nach Vysočany zum Flohmarkt U Elektry, dem größten Tschechiens; von der Metrostation Hloubětín gibt es einen Shuttle.
Für Filmfreunde liegt südlich der Stadt Barrandov, das Studiogelände, in dem die tschechischen Märchenfilme entstanden und in dem auch „Casino Royale“ gedreht wurde. Wer die Stadt lieber mit Buch erkundet: Michael Bussmann und Gabriele Tröger beschreiben im Prag-Reiseführer des Michael Müller Verlags zehn Touren durch alle Viertel, Renate Zöller sammelt in „Stadtabenteuer Prag“ das Saunaboot auf der Moldau und den Schwarzen Ochsen, Vendula Havlíková listet in „500 Hidden Secrets Prag“ Mikrobrauereien und Feinkostläden, und Hana Rigo erzählt in „Prager Küche“ die Rezepte aus Böhmen, Mähren und Schlesien nach.
Weitere Reiseziele stehen unter /jahrzehnte/2020er/, Bücher zu Städten und Regionen unter /buecher/.
Fragen zu Prag für Entdecker und Genießer
Welche Route eignet sich für einen ersten Spaziergang durch Prag?
Vom Altstädter Ring mit Rathausuhr und Teynkirche durch das ehemalige Judenviertel Josefov zur Moldau, über die Čechův most zum Metronom im Letná-Park und zurück am Rudolfinum vorbei zur Karlsbrücke. Von dort führt der Königsweg über die Kleinseite hinauf zur Prager Burg. Wer danach noch Kraft hat, nimmt die Standseilbahn auf den Petřín.
Was sollte man in Prag unbedingt essen?
Guláš s knedlíkem, also Gulasch mit Knödelscheiben, und svíčková na smetaně, Rinderlendenbraten in Rahmsoße. Dazu eingelegter Camembert (nakládaný hermelín), Prager Schinken mit Meerrettich und als Süßes ein Větrník aus einer alten Konditorei wie Cukrář Skála. Der Trdelník an jeder Ecke ist eher Touristengebäck als böhmische Tradition.
Lohnt sich das Schwarzlichttheater in Prag?
Für einen Abend ohne Sprachbarriere ja. Die Häuser wie Ta Fantastika in der Karlova oder die WOW-Show im Theatre Broadway kombinieren Schwarzlichttricks mit Film, Tanz und Publikumseinbindung. Die Meinungen gehen auseinander: Manche Gäste loben die Effekte, andere finden die Szenenfolge beliebig. Die Laterna Magika am Národní ist die anspruchsvollere Variante.
Wie kommt man am besten zur Prager Burg?
Die Straßenbahnlinie 22 hält direkt oberhalb der Burg und spart den Aufstieg über die Schlosstreppen. Vor dem Areal gibt es eine Sicherheitskontrolle. Die Höfe und der hintere Teil des Veitsdoms sind ohne Ticket zugänglich, für Königspalast, Georgsbasilika und das Goldene Gässchen braucht es eine Eintrittskarte, die zwei Tage gilt. Um 12 Uhr findet im ersten Burghof die Wachablösung mit Fanfaren statt.
Was gibt es auf dem Vyšehrad zu sehen?
Die Festung südlich der Altstadt mit der Peter-und-Paul-Kirche, deren älteste Teile aus dem 11. Jahrhundert stammen, und dem Nationalfriedhof, auf dem Bedřich Smetana und Antonín Dvořák begraben liegen. Von den Wällen blickt man in fast alle Richtungen über Prag und ins Moldautal. Die Metrostation Vyšehrad liegt zwei Stationen vom Nationalmuseum entfernt.
Wo findet in Prag der Bauernmarkt an der Moldau statt?
Auf der Uferpromenade Náplavka zwischen Palacký-Brücke und der Eisenbahnbrücke am Výtoň, jeden Samstag von 8 bis 14 Uhr. Es gibt Obst, Gemüse, Streetfood, Kaffee und Bier aus Kleinbrauereien. Wer vor 10 Uhr kommt, hat noch Platz zum Schlendern.