Um 1504. Die Kleidung: Grundausstattung
Mittelalter-Kleidung für Damen, Herren und Kinder zum Nachnähen
Um 1504. Die Kleidung: Grundausstattung zeigt Mittelalter-Kleider für Damen, Herren und Kinder um 1500 mit Schnittmustern, entstanden beim Brettener Fest.

Im Jahr 1504 lag ein Heer vor den Mauern von Bretten. Herzog Ulrich von Württemberg belagerte die kurpfälzische Stadt im Kraichgau, mitten im Landshuter Erbfolgekrieg, und die Brettener hielten stand. Zur Belagerung gehört eine Legende, die in der Stadt bis heute lebendig ist: das Brettener Hundle. Die Eingeschlossenen sollen einen gut genährten Hund zu den Belagerern hinausgeschickt haben, um vorzutäuschen, dass die Vorräte noch lange reichten. Mehr als fünf Jahrhunderte später wird die Belagerung jedes Jahr beim Peter-und-Paul-Fest nachgestellt, und aus diesem Fest ist ein Buch hervorgegangen, das eine Lücke in der Kostümgeschichte schließt: „Um 1504. Die Kleidung: Grundausstattung“.
Eine Lücke zwischen 1450 und 1520
Die Zeit um 1504 war eine Phase des Umbruchs, auch in der Mode. Trotzdem war es lange schwierig, an verlässliche Informationen zur Kleidung jener Jahre zu kommen. Sowohl die Forschung als auch die praktisch orientierte Literatur aus dem Umfeld der Living History ließen eine Lücke zwischen der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und der Zeit ab etwa 1520.
Dabei veränderte sich gerade um 1500 vieles sichtbar. Die spitzen Schnabelschuhe des Spätmittelalters wichen den breiten, vorne abgerundeten Kuhmaulschuhen, und die geschlitzte Kleidung, die bald mit den Landsknechten verbunden wurde, setzte sich allmählich durch. Albrecht Dürer hielt um diese Zeit in Zeichnungen fest, wie sich Nürnberger Frauen für den Alltag, den Kirchgang oder den Tanz kleideten.
Wer ein Mittelalterkostüm nach dieser Epoche sucht, bewegt sich also genau am Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance.
Was die Grundausstattung enthält
Das Taschenbuch aus der Reihe Lindemanns Bibliothek hat 96 Seiten und ist im INFO Verlag erschienen. Es beschreibt die wichtigsten Kleidungsstücke für Männer, Frauen und Kinder um 1500, jeweils mit Nähanleitung und Schnittmustern. Aus dieser Grundausstattung lassen sich mit nur geringen Änderungen Kleidungsstücke für fast alle Stände jener Zeit anfertigen. Zu den typischen Stücken der Epoche gehörten bei Männern Hemd, Wams und Hose, darüber bei Wohlhabenden die weite Schaube, bei Frauen Hemd, Unter- und Oberkleid und eine Kopfbedeckung, die kaum eine verheiratete Frau in der Öffentlichkeit wegließ.
Der Band richtet sich damit an zwei Gruppen zugleich. Die einen suchen zeitgenössische Quellen zum Nachnähen, die anderen interessieren sich für die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Geschichte der Kleidung am Ausgang des Spätmittelalters. Das Buch bedient beide.
Wenn du Mittelalter-Kleider für Damen nähen willst, die nicht nach Faschingsabteilung aussehen, ist das ein guter Ausgangspunkt. Historisch arbeitende Gruppen setzen dabei in der Regel auf Leinen und Wolle, also auf die Stoffe, die um 1500 tatsächlich getragen wurden, und verzichten auf Kunstfasern und glänzende Samtimitate. Ob schlicht oder aufwendig, die Wirkung eines Mittelalterkleids für Damen hängt stark an Stoff, Farbe und Accessoires wie Gürtel, Haube oder Tasche.
Das Peter-und-Paul-Fest in Bretten
Entstanden ist der Band im Umfeld des Peter-und-Paul-Festes, das rund um den Gedenktag der beiden Apostel Ende Juni gefeiert wird. Das Fest wurde in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen. Jahr für Jahr stellen die Mitwirkenden dort die Ereignisse der Stadtbelagerung im Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 nach.
Langjährige Aktive haben für das Buch ihre praktischen Erfahrungen beim Schneidern zusammengetragen und sich zugleich wissenschaftlich mit ganz unterschiedlichen Bereichen des Spätmittelalters beschäftigt. Das Ergebnis stammt von Menschen, die ihre Kleidung selbst nähen und beim Fest auch selbst tragen.
Der Landshuter Erbfolgekrieg selbst brach aus, nachdem Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut 1503 ohne männlichen Erben gestorben war und sein Testament die Nachfolge seiner Tochter und ihres Mannes aus der Pfalz vorsah. Bretten lag damit auf der Seite der Kurpfalz und geriet zwischen die Fronten.
Von der Stadtbelagerung zur Themenparty
Mittelalter-Kleidung ist längst über historische Feste hinausgewandert. Sie taucht bei LARP-Veranstaltungen auf, auf Mittelaltermärkten, im Karneval und auf Themenpartys, und die Ansprüche an Genauigkeit sind dort sehr unterschiedlich. Für eine Themenparty genügt oft schon ein langes Kleid aus Leinen mit Gürtel und Haube, bei einem historischen Fest wie in Bretten liegen die Ansprüche deutlich höher. Ein Buch wie dieses zeigt, wie viel Arbeit in einem Kostüm steckt, das wirklich in eine bestimmte Zeit passt. Weitere Kostümideen und Bücher finden sich unter Bücher und in der Übersicht zu den 1500er Jahren.
Bretten hat übrigens noch eine zweite Berühmtheit aus dieser Zeit: Philipp Melanchthon, der Weggefährte Martin Luthers, wurde 1497 hier geboren, sieben Jahre vor der Belagerung.
Fragen zu Um 1504. Die Kleidung: Grundausstattung
Worum geht es in Um 1504. Die Kleidung: Grundausstattung?
Der Band beschreibt die wichtigsten Kleidungsstücke für Männer, Frauen und Kinder um 1500, mit Nähanleitungen und Schnittmustern. Aus dieser Grundausstattung lassen sich mit geringen Änderungen Kleidungsstücke für fast alle Stände jener Zeit anfertigen.
Warum gerade das Jahr 1504?
Das Buch geht auf das Peter-und-Paul-Fest in Bretten zurück, bei dem jedes Jahr die Belagerung der Stadt im Landshuter Erbfolgekrieg von 1504 nachgestellt wird. Zugleich war die Zeit um 1504 eine Phase des Umbruchs in der Mode, zu der es bis dahin wenig zugängliche Informationen gab.
Eignet sich das Buch für Mittelalter-Kleider für Damen?
Ja, es enthält Schnitte für Frauenkleidung ebenso wie für Männer und Kinder. Wer ein Mittelalterkleid für Damen nähen will, das historisch in die Zeit um 1500 passt, findet dort die Grundformen, aus denen sich Varianten für verschiedene Stände ableiten lassen.
Was ist das Peter-und-Paul-Fest in Bretten?
Ein historisches Fest in Bretten im Kraichgau, bei dem die Ereignisse der Stadtbelagerung von 1504 nachgestellt werden. Es wurde in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen.
Wie viele Seiten hat das Buch?
Das Taschenbuch aus der Reihe Lindemanns Bibliothek hat 96 Seiten und erschien im INFO Verlag.