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Let’s rock education von Daniel Jung

Was Schule im digitalen Zeitalter lernen muss

Daniel Jung, bekannt durch „Mathe by Daniel Jung“, fordert in „Let’s rock education“ neue Lernkonzepte, Microlearning und andere Schulgebäude.

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Eintrag vom 22. Jan. 2021 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Let’s rock education von Daniel Jung – was Schule im digitalen Zeitalter lernen muss

Wer in Deutschland in den vergangenen Jahren Abitur gemacht hat, ist ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit begegnet: Daniel Jung, der auf seinem YouTube-Kanal „Mathe by Daniel Jung“ in kurzen Videos erklärt, wie man eine Kurvendiskussion durchrechnet oder eine Wahrscheinlichkeit bestimmt. Die Frankfurter Allgemeine nannte ihn einen „Rockstar der Mathematik“, die Süddeutsche Zeitung einen der beliebtesten YouTube-Mathelehrer des Landes. In „Let’s rock education. Was Schule heute lernen muss“ geht er einen Schritt weiter und schreibt nicht mehr über Mathematik, sondern über das Bildungssystem.

Von der Mathe-Revolution zum Bildungsaufbruch

Jungs Ausgangspunkt ist seine eigene Arbeit. Er war überzeugt, dass die Herausforderungen der digitalen Zukunft nur zu meistern sind, wenn es gelingt, junge Menschen für Mathematik zu begeistern. Inzwischen, so beschreibt er es, reiche das nicht mehr. Das Buch ist sein Versuch, aus der Erfahrung mit Tausenden Lernvideos allgemeine Forderungen an Schule abzuleiten.

Die Kapitel tragen Titel wie „Die ganze Mathematik in Kurzvideos“, „Unser Bildungssystem: ein Dschungel“ und „New Learning ist der Schlüssel“. Sein Kernsatz lautet: „Wir brauchen neue didaktische Konzepte, um aus analogen Klassenzimmern digitale Lernorte zu machen!“

Das Buch erschien 2020 als gebundene Ausgabe und als E-Book, in dem Jahr, in dem die Schulschließungen der Corona-Pandemie vielen Familien vorführten, wie wenig die meisten Schulen auf digitalen Unterricht vorbereitet waren. Im Jahr davor hatten Bund und Länder den Digitalpakt Schule beschlossen, der Geräte und Netze finanzieren sollte. Jungs Einwand gegen solche Programme ist deutlich: Tablets und Computer seien kein Allheilmittel. Entscheidend seien Pädagogen und Pädagogik.

Was Daniel Jung fordert

Sein Credo lautet: individuelles Lernen statt standardisierter Bildung. Beispiele dafür, dass das funktioniert, gebe es genug, und er stellt einige vor. Seine Forderungen an Lehrkräfte sind hoch. Sie sollen Kreativität fördern, keine Angst vor neuen Formaten haben und wissen, dass in einer digitalisierten Arbeitswelt Soft Skills wie emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit und Empathie unverzichtbar sind.

Mit den neuen Formaten meint Jung vor allem Lernen in kleinen Einheiten, das unter Namen wie Microlearning, Nugget-Learning oder Bite-sized Learning läuft: kurze, in sich abgeschlossene Häppchen, die man bei Bedarf abruft. Das ist im Grunde das Prinzip seiner eigenen Videos, die meist nur wenige Minuten dauern und genau eine Aufgabe lösen.

An die Politik richtet er vier Forderungen. Schulgebäude sollen eine grundlegend neue Architektur bekommen. Das Medientraining soll ausdrücklich für beide Seiten des Klassenzimmers gelten, für Lehrer ebenso wie für Schüler. Pädagogen sollen digitales und technisches Wissen erwerben, und die Kultusministerien sollen Lehrpläne schnell und unkompliziert umbauen.

Wenn du selbst unterrichtest, wirst du bei dieser Liste vermutlich an den Alltag denken, in dem ein neuer Lehrplan eher Jahre braucht als Wochen. Jung hält dem den Slogan entgegen, mit dem er das Buch bewarb: „Schluss mit Debattieren – Zeit für Umsetzungen“.

Eine Stimme in der Bildungsdebatte

Der Verlag stellt „Let’s rock education“ in eine Reihe mit zwei anderen Büchern, die 2019 viel diskutiert wurden. Der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube fragte in „Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?“, was Schule eigentlich leisten soll, der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff beklagte in „Deutschland verdummt“ einen Verfall von Bildung und Erziehung. Jung ergänzt diese Debatte um die Perspektive eines Praktikers, der digitale Bildung seit Jahren selbst produziert.

Auf Twitter, wo er als @DanielJungEDU schreibt, spitzt er seine Position noch zu: Künstliche Intelligenz verändere die Arbeitswelt wie nie zuvor, die Folge sei ein neues Lern-Ökosystem, und die Bildung der Zukunft habe längst begonnen.

Das macht das Buch stark und schwach zugleich. Stark, weil Jung weiß, wovon er spricht, wenn es um Erklärvideos geht. Schwächer, wo er auf das Schulsystem als Ganzes blickt, denn dort bleibt manches im Ton eines Manifests. Wer eine empirische Studie über digitalen Unterricht sucht, findet sie hier nicht.

Daniel Jung

Daniel Jung, geboren 1981, betreibt mit „Mathe by Daniel Jung“ einen der erfolgreichsten Bildungskanäle auf YouTube. Zum Erscheinen des Buchs waren dort rund 2.300 Mathe-Tutorials abrufbar, und der Kanal hatte über 600.000 Abonnenten. Jung hat die Lernplattform StudyHelp mitgegründet, ist an der Entwicklung von Mathekursen an deutschen und Schweizer Hochschulen beteiligt, saß in der Jury der Google Impact Challenge und tritt als Redner zu Bildung, Motivation und E-Learning auf. Einen Teil seiner Einnahmen spendet er an die Stiftung Rechnen. Weitere Sachbücher zu Schule und Lernen stehen unter Sachbücher.

Fragen zu Let’s rock education

Worum geht es in „Let’s rock education“ von Daniel Jung?

Um die Frage, was Schule heute lernen muss. Jung argumentiert, dass Tablets und Computer allein nichts verbessern, und fordert neue didaktische Konzepte, individuelles Lernen statt standardisierter Bildung, Medientraining für Lehrkräfte und eine andere Architektur der Schulgebäude.

Wer ist Daniel Jung?

Ein 1981 geborener Mathematik-Erklärer, der mit dem YouTube-Kanal „Mathe by Daniel Jung“ bekannt wurde, einem der erfolgreichsten Bildungskanäle Deutschlands. Er hat die Lernplattform StudyHelp mitgegründet, entwickelt Mathekurse für Hochschulen in Deutschland und der Schweiz mit und saß in der Jury der Google Impact Challenge.

Was bedeutet Microlearning?

Lernen in kleinen, in sich abgeschlossenen Einheiten von wenigen Minuten, etwa einem kurzen Erklärvideo zu genau einer Rechenregel. Jung nennt daneben Nugget-Learning und Bite-sized Learning und wünscht sich Lehrkräfte, die solche Formate ohne Scheu einsetzen.

Mit welchen anderen Büchern wird „Let’s rock education“ verglichen?

Der Verlag stellt es neben Jürgen Kaubes „Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?“ und Michael Winterhoffs „Deutschland verdummt“. Jung ergänzt diese Debatte um den Blick auf digitale Bildung.

Wie viele Videos hat der Kanal Mathe by Daniel Jung?

Zum Erscheinen des Buchs umfasste der Kanal rund 2.300 Mathe-Tutorials und hatte mehr als 600.000 Abonnenten. Die meisten Videos erklären in wenigen Minuten jeweils ein einzelnes Thema.