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„Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“ von Mimi Fiedler

Lach- und Trostgeschichten für Frauen ab 40

Mimi Fiedlers Buch über Falten, Schwerkraft und Gelassenheit: Inhalt, Kapitel und Ton des Knaur-Taschenbuchs, dazu die Stationen der Tatort-Schauspielerin.

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Eintrag vom 20. Jan. 2021 · aktualisiert 11. Sept. 2026
„Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“ von Mimi Fiedler – Lach- und Trostgeschichten für Frauen ab 40

Der Schock kommt beim Blick nach unten: Orangenhaut, und zwar an der Wade. Mimi Fiedler beschreibt solche Momente in „Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“ mit dem Tempo einer Sitcom und der Genauigkeit von jemandem, der lange genug vor Kameras stand, um jede Delle zu kennen. Das Buch erschien am 3. Februar 2020 als Taschenbuch bei Knaur, 208 Seiten, und richtet sich ziemlich unverhohlen an Frauen ab 40.

Dellen, Ringe, Röllchen: worum es geht

Ausgangspunkt sind die Idealbilder, die Fiedler in den Köpfen von Frauen verortet: Traumkörper, Traumhaut, Traumhaare, Traumprinz. Sie selbst, so erzählt sie, hatte immer etwas an sich auszusetzen. Zu tiefe Dellen, zu dunkle Ringe, zu dicke Röllchen, dazu viel zu oft verlobt und genauso oft wieder entlobt.

Das Älterwerden beschreibt sie als doppelte Bewegung. Innen wird es ruhiger, die kritische Stimme im Kopf verliert an Strenge. Außen nimmt einiges zu, die Spuren von Sonne, Pasta und überhaupt vom Leben. Zwischen diesen beiden Linien spielt das Buch. Fiedler erzählt dabei aus der eigenen Biografie und nimmt sich selbst am wenigsten ernst, von den gescheiterten Verlobungen bis zu den vielen Versuchen, den unaufhaltsamen Verfall doch noch abzuwenden.

Irgendwann stellt sich bei ihr ein Zustand ein, den sie das „Scheiß-egal-Syndrom“ nennt und für den Schlüssel zur Gelassenheit hält. Bis dahin, räumt sie ein, lagen einige Irrwege. Die Geschichte endet mit der Ankunft in der Lebensmitte und bei einem Mann, den sie ihren Mr. Right nennt.

Kapitel wie „Botox fährt Bus“ und „Vigiblues“

Schon das Inhaltsverzeichnis verrät viel über den Ton. Die Kapitel heißen „Haarige Zeiten“, „Botox fährt Bus“, „In jeder Elite eine Niete“, „Oh Schreck, ein Fleck“, „Medium rare“, „Oktoberfest im Aufzug“ oder „Mit den Dritten sieht man besser“. Eines trägt den Titel „Nivea und Hans Rosenthal“, was vermutlich nur Leserinnen sofort verstehen, die in den 1970er und 1980er Jahren vor dem Fernseher saßen, als Rosenthal „Dalli Dalli“ moderierte.

Das Kapitel „Wie jede Blüte welkt und jede Jugend“ zitiert den Anfang von Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ von 1941, in dem es weiter heißt, dass jede Lebensstufe ihre eigene Blüte hat. Fiedler borgt sich den Gedanken und macht ihn alltagstauglich. Bei 208 Seiten und rund fünfzehn Kapiteln bleiben die einzelnen Geschichten kurz, man kann das Buch in der Straßenbahn aufschlagen und nach wenigen Minuten wieder zuklappen.

Fiedler selbst hat für ihre Erzählerin eine treffende Selbstbeschreibung gefunden, die „Bridget Jones aus der unterhessischen Bronx“. Der Vergleich mit Helen Fieldings Tagebuchheldin passt, auch wenn Fiedlers Erzählerin ein gutes Stück älter ist und statt Kalorien Falten zählt. Das Wortspiel im Titel löst sie am Ende selbst auf: Wäsche faltet man, damit sie nicht knittert, sich selbst dagegen kann man höchstens von innen entfalten, am besten mit Freundinnen, und dann werden aus Falten Lachfältchen.

Wenn du die ersten grauen Haare noch als Katastrophe erlebst, wirst du hier einige Seiten mit rotem Kopf lesen.

Mimi Fiedler: vom Stuttgarter Tatort zum Interior Design

Mimi Fiedler kam Mitte der 1970er Jahre in Split zur Welt und zog kurz danach mit ihrer Familie nach Deutschland. Während ihres Literaturstudiums bekam sie eine Hauptrolle in „The Black Rider“ am Schauspiel Frankfurt, der Musiktheaterproduktion von Robert Wilson, Tom Waits und William S. Burroughs. Dort entdeckte sie eine Casterin für den Film, und ihr Kinodebüt gab sie an der Seite von Götz George und Corinna Harfouch in „Solo für Klarinette“.

Einem Millionenpublikum wurde sie durch den Stuttgarter „Tatort“ bekannt, in dem sie zehn Jahre lang die Kriminaltechnikerin Nika Banovic spielte und den Kommissaren Richy Müller und Felix Klare zuarbeitete. Insgesamt stand sie für mehr als siebzig Kino- und Fernsehfilme und Serien vor der Kamera, 2019 etwa in der SAT.1-Sketchreihe „Rabenmütter“ und in der RTL-Serie „Nachtschwestern“.

Neben der Schauspielerei arbeitet Fiedler als Dokumentarfotografin mit eigenen Ausstellungen und als Interior Designerin; in der RTL-Nachmittagssendung „Vorher Nachher“ richtete sie Räume neu ein und arbeitete alte Möbel auf. Mit ihrem Ehemann Otto Steiner engagiert sie sich als Botschafterin für den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt und für Lichtblick Hasenbergl in München, mit dem eigenen Projekt „Die Reise nach Phantasia“ sammelt sie Geld für Kinder aus armen Familien. Sie praktiziert Transzendentale Meditation und lebt Straight Edge, also ohne Alkohol und Drogen. Weitere Erinnerungsbücher stehen unter Bücher.

Fragen zu „Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“

Worum geht es in Mimi Fiedlers Buch „Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“?

Um das Älterwerden jenseits der 40: Dellen, Augenringe, Röllchen und die vielen Versuche, dagegen anzukämpfen. Fiedler erzählt selbstironisch, wie sie mit ihrem Körper und der Schwerkraft Frieden schloss und dabei auch ihr privates Glück fand.

Wann und wo ist das Buch erschienen?

Am 3. Februar 2020 als broschiertes Taschenbuch bei Knaur, einem Verlag der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Es hat 208 Seiten und ist auch als E-Book erhältlich.

Wer ist Mimi Fiedler?

Eine Schauspielerin, die Mitte der 1970er Jahre in Split geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam. Bekannt wurde sie als Kriminaltechnikerin im Stuttgarter „Tatort“ an der Seite von Richy Müller und Felix Klare, eine Rolle, die sie zehn Jahre lang spielte.

Ist das Buch ein Ratgeber?

Eher eine Sammlung humorvoller Alltagsgeschichten mit autobiografischem Kern. Tipps gegen Falten gibt es keine, dafür Kapitel wie „Botox fährt Bus“ oder „Mit den Dritten sieht man besser“, die das Thema mit Witz statt mit Anleitungen angehen.

Für wen eignet sich „Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“?

Vor allem für Frauen um die 40 und darüber, die sich in den kleinen Schockmomenten vor dem Spiegel wiedererkennen. Wer schnelle, pointierte Kapitel mag, kommt auf seine Kosten, wer Tiefgang über das Altern sucht, eher nicht.