Klack-Klack-Kugeln
Das lauteste Spielzeug der frühen 1970er Jahre und warum es wieder verschwand
Klack-Klack-Kugeln waren um 1971 auf jedem Schulhof zu hören: zwei Kugeln an einer Schnur, die gegeneinander schlagen. Wie das Spielzeug funktionierte, warum es verboten wurde und was davon blieb.
Wer 1971 auf einem deutschen Schulhof stand, hörte es von allen Seiten: ein schnelles, hartes Klacken, im Takt, manchmal ein Dutzend gleichzeitig. Klack-Klack-Kugeln waren das Spielzeug dieses Jahres, so kurz und so heftig, dass viele Erwachsene sie heute nur noch als Geräusch erinnern und nicht mehr als Gegenstand.
Das Prinzip ist einfach. Zwei Kugeln, jede etwa so groß wie ein Tischtennisball, hängen an den Enden einer Schnur. In der Mitte sitzt ein Ring oder eine kleine Lasche für den Finger. Bewegt man die Hand auf und ab, schwingen die Kugeln auseinander und schlagen oben und unten gegeneinander. Wer den Rhythmus einmal hat, kann das minutenlang halten.
Wie das Spiel funktionierte
Der Einstieg war leicht, das Können lag im Tempo. Anfänger ließen die Kugeln unten zusammenschlagen, das gab ein langsames Klack, Klack. Fortgeschrittene trieben sie so schnell, dass sie oben und unten aufeinandertrafen, ein doppeltes Klacken pro Handbewegung, so schnell, dass es wie ein Rasseln klang.
Die Tricks kamen dazu: Kugeln über den Kopf schwingen, mit beiden Händen gleichzeitig spielen, im Gehen, im Sitzen, hinter dem Rücken. Auf Schulhöfen gab es Wettbewerbe, wer am längsten durchhielt, ohne aus dem Takt zu kommen.
Und die blauen Flecken. Wer den Rhythmus verlor, bekam die Kugeln an die Handgelenke oder Finger, und das tat weh. Das gehörte dazu.
Warum die Klack-Klack-Kugeln verschwanden
Die ersten Modelle bestanden aus Acrylglas, oft durchsichtig, in Farben wie Bernstein, Blau oder Rauchgrau. Acrylglas ist hart und klingt beim Aufschlag hell, aber es ermüdet. Nach Tausenden Schlägen bildeten sich Risse, und irgendwann zersplitterte eine Kugel beim Aufprall. Die Splitter flogen dem spielenden Kind ins Gesicht.
In den USA, wo das Spielzeug als Clackers oder Ker-Bangers verkauft wurde, häuften sich Anfang der 1970er Jahre Berichte über Augenverletzungen. Die Behörden stuften die Acrylversion als gefährlich ein, und die Händler nahmen sie aus dem Sortiment. In Deutschland und anderen europäischen Ländern verschwanden die Kugeln ebenfalls, teils wegen der Verletzungen, teils weil die Mode ohnehin vorbei war.
Spätere Versionen aus weichem Kunststoff splitterten nicht mehr, klackten aber auch nicht mehr so laut. Der Reiz war weg.
Ein Spielzeug für ein Jahrzehnt
Klack-Klack-Kugeln passen in die frühen 1970er Jahre wie Bonanzarad, Prilblumen und Flokati. Sie waren billig, laut, bunt und für Erwachsene unerträglich. Die Farben, oft durchsichtiges Acryl mit Lufteinschlüssen, sind dieselben wie bei den Lampen und Aschenbechern der Zeit.
Das Spielzeug hatte keine Marke, die es überlebt hätte. Es wurde von vielen Herstellern gleichzeitig produziert und verkauft, an Kiosken, auf Jahrmärkten und in Spielwarenläden. Deshalb erinnern sich alle daran, aber niemand an den Namen des Herstellers.
Du findest heute Originale auf Flohmärkten und in Kisten mit altem Spielzeug, erkennbar an der Schnur aus geflochtenem Nylon und dem Acryl, das über die Jahre stumpf geworden ist. Spielen solltest du damit nicht mehr, aus demselben Grund wie 1972.
Was die 1970er Jahre sonst noch laut machte
Die Klack-Klack-Kugeln waren nicht das einzige Spielzeug des Jahrzehnts, das Lärm zum Prinzip machte. Die Knallfrösche des Jahrmarkts, die Trillerpfeifen, die Rollschuhe mit Metallrädern auf Kopfsteinpflaster: Die 1970er Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, auf der Straße wie im Radio.
In der Lebensart dieser Jahre sind die Kugeln eine Fußnote, aber eine, die fast jeder kennt, der damals Kind war. Wer die Zeit bei den anderen Themen zu den 1970er Jahren nachlesen will, findet dort die Bonanzaräder und die Musik, die dazu lief.
Ein akustisches Detail zum Schluss: Der Klang der Acrylkugeln lag hoch und hart, ähnlich zwei Billardkugeln. Nachbauten aus Kunststoff klingen dumpf. Wer den Unterschied einmal gehört hat, erkennt ein Original mit geschlossenen Augen.
Fragen zu Klack-Klack-Kugeln: Das lauteste Spielzeug der frühen 1970er Jahre und warum es wieder verschwand
Was sind Klack-Klack-Kugeln?
Zwei harte Kugeln, meist aus Acrylglas, an den Enden einer Schnur mit einem Ring oder Griff in der Mitte. Durch Auf- und Abbewegen der Hand schlagen die Kugeln oben und unten gegeneinander und erzeugen ein schnelles, lautes Klacken.
Warum wurden Klack-Klack-Kugeln verboten?
Die frühen Modelle aus Acrylglas konnten beim Aufeinanderschlagen zersplittern, und die Splitter verletzten Kinder an Augen und Händen. In den USA wurden sie Anfang der 1970er Jahre als gefährliches Spielzeug eingestuft und aus dem Handel genommen; in Europa verschwanden sie kurz darauf.
Gibt es Klack-Klack-Kugeln heute noch?
Ja, als Nachbauten aus weichem Kunststoff, oft mit einem Griff statt eines Rings. Sie klacken leiser und splittern nicht, sind aber im Prinzip dasselbe Spielzeug.
Wie heißen Klack-Klack-Kugeln in anderen Ländern?
In den USA Clackers oder Ker-Bangers, in Großbritannien Clackers oder Click-Clacks, in Italien und Spanien liefen sie unter Namen, die das Geräusch nachahmen.