Sookee Queere Tiere
Das Lied von den Tieren, das in drei Strophen queere Sexualität im Tierreich aufzählt
Sookee Queere Tiere: Wie die Berliner Rapperin in drei Strophen Sexualverhalten verschiedenster Tierarten aufzählt und warum das Lied über Tiere ein Argument ist.
Ein Lied über Tiere, das man nicht im Kindergarten spielt. Sookee Queere Tiere ist ein Rap-Stück der Berliner Musikerin, das über drei Strophen hinweg Sexualpraktiken verschiedenster Tierarten aufzählt: wer mit wem, wie, und in welcher Konstellation. Was nach Zoologie-Unterricht klingt, ist ein politisches Argument in Reimform, und ein ziemlich lustiges dazu.
Der Trick ist simpel. Wer Homosexualität für „unnatürlich“ erklärt, bekommt eine Liste vorgelegt.
Wer Sookee ist und warum sie dieses Lied schrieb
Nora Hantzsch, geboren 1983 in Rostock, aufgewachsen in Berlin, rappte unter dem Namen Sookee ab den späten 2000er Jahren gegen das, was der Deutschrap damals als Normalzustand pflegte: Sexismus, Homophobie, Männerbünde. Sie nannte sich „Quing of Berlin“, veröffentlichte auf dem Label Springstoff und war auf Podien so präsent wie auf Bühnen.
Queere Tiere erschien 2014 im Umfeld des Albums „Lila Samt“. Das Stück hebt sich von ihren übrigen Songs ab, weil es nicht anklagt, sondern aufzählt. Keine Wut, kein Appell, sondern eine Aufzählung mit Augenzwinkern, Strophe für Strophe, Tierart für Tierart.
2020 beendete Sookee das Projekt. Sie begründete das öffentlich mit der Erschöpfung, jahrelang Zielscheibe gewesen zu sein, und macht seither als Sukini Musik für Kinder. Das Lied von den Tieren gehört damit zu einem abgeschlossenen Werk.
Das Lied über Tiere als Argument: Drei Strophen Zoologie
Die Struktur ist die eines Katalogs. Sookee geht durch das Tierreich und benennt Verhalten, das in Schulbüchern selten steht: gleichgeschlechtliche Paare, wechselnde Partner, Sex ohne Fortpflanzungszweck, Geschlechtswechsel. Jede Strophe bringt neue Arten, der Refrain bündelt sie unter einem Begriff: queere Tiere.
Die wissenschaftliche Grundlage dafür existiert. Bruce Bagemihl, ein kanadischer Biologe, hat 1999 in „Biological Exuberance“ dokumentiert, dass gleichgeschlechtliches Verhalten bei mehreren hundert Tierarten beobachtet wurde. Bonobos regeln Konflikte über Sex in jeder Kombination. Männliche Pinguinpaare in Zoos, am bekanntesten Roy und Silo im Central Park Zoo, haben gemeinsam Eier ausgebrütet. Clownfische wechseln das Geschlecht, wenn das dominante Weibchen stirbt.
Sookee braucht keine Fußnoten, weil sie nicht behauptet, sondern zeigt. Wer die Liste hört, kann sie selbst überprüfen, und genau das ist der Punkt: Das Naturargument, mit dem Homosexualität seit Jahrhunderten abgewertet wurde, fällt in sich zusammen, sobald man die Natur tatsächlich anschaut.
Ein Ein-Satz-Absatz hat hier seinen Platz: Das Lied ist auch einfach gut gereimt.
Wo Sookee Queere Tiere im Deutschrap der 2010er steht
Der deutschsprachige Rap der frühen 2010er war ein Feld, auf dem Frauen selten und queere Menschen fast nie vorkamen. Sookee, Lena Stoehrfaktor, später Sookees Kollegin Ebow oder die Berliner Crew um Springstoff arbeiteten sich daran ab, und Queere Tiere ist einer der wenigen Songs aus dieser Szene, die über den engen Kreis hinaus gehört wurden.
Das liegt am Ton. Sookee nimmt ihre Gegner nicht ernst, sondern auf den Arm. Wer sich ein Lied über Tiere anhört und am Ende merkt, dass es um ihn selbst ging, hat verloren, ohne dass jemand ihn beschimpft hat.
Der Song trägt seine Absicht offen. Du hörst ihn nicht zufällig, du hörst ihn, weil jemand ihn dir geschickt hat. So hat sich das Stück verbreitet, weniger über Radio als über geteilte Nachrichten, und das passt zu seiner Machart als Argument, das man jemandem vorhält.
Das Lied von den Tieren neben anderen Tierliedern
Das Lied der Tiere, das Lied über die Tiere, das Lied von den Tieren: Die deutschsprachige Musik hat ein Regal voller Titel, die so heißen, von Kinderliedern über Chansons bis zu Volksliedbearbeitungen. Sookees Stück steht in diesem Regal an einer eigenen Stelle, weil es das Format des Tierlieds benutzt, um über Menschen zu sprechen.
Vielleicht ist das die beste Art, den Song zu beschreiben: eine Fabel ohne Moral am Ende, weil die Moral in der Aufzählung selbst steckt. Was die Bonobos machen, macht sie nicht unnatürlich. Und was zwei Männer machen, dann auch nicht.
Mehr Musik der Jahre um 2014 findest du unter /jahrzehnte/2010er/, weitere Musikthemen unter /musik/.
Fragen zu Sookee Queere Tiere: Das Lied
Worum geht es in Sookee Queere Tiere?
Um Sexualverhalten im Tierreich, das nicht dem heterosexuellen Paarschema entspricht. Sookee zählt in drei Strophen Beispiele aus verschiedensten Tierarten auf und nutzt sie als Argument: Wenn Vielfalt in der Natur die Regel ist, taugt Natur nicht als Begründung für Ausgrenzung.
Wer ist Sookee?
Sookee, bürgerlich Nora Hantzsch, wurde 1983 in Rostock geboren und wuchs in Berlin auf. Sie war von den späten 2000er Jahren bis 2020 die bekannteste queerfeministische Stimme im deutschsprachigen Rap. Danach beendete sie das Projekt Sookee und macht seither als Sukini Musik für Kinder.
Gibt es wissenschaftliche Belege für das, was das Lied über Tiere aufzählt?
Ja. Der kanadische Biologe Bruce Bagemihl hat 1999 in seinem Buch Biological Exuberance gleichgeschlechtliches Verhalten bei mehreren hundert Tierarten dokumentiert. Bekannte Beispiele sind Bonobos, Pinguine in Zoos, Delfine und Giraffen.
Ist Queere Tiere ein Kinderlied?
Nein. Der Titel klingt nach Kinderlied, der Text ist es nicht: Es geht ausdrücklich um Sexualpraktiken. Sookees spätere Kinderlieder erscheinen unter dem Namen Sukini und sind ein eigenes Projekt.