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Kotelettenbart: von Backenbart und Blues Brothers Sideburns bis heute

Kotelettenbart – vom Backenbart der Kaiserzeit über Elvis und die Blues Brothers Sideburns bis zum Comeback der Koteletten

Der Kotelettenbart: woher das Wort kommt, warum Sideburns nach einem General heißen, was Elvis und die Blues Brothers damit zu tun haben.

Lebensart1970er1970
Eintrag vom 15. Juli 2026

In der WDR-Reihe „Das war dann mal weg“ stehen Dinge nebeneinander, die aus dem Alltag verschwunden sind: die Badekappe, der Backenbart, der Kotelettenbart. Der Backenbart ist tatsächlich weg, außer bei Kostümfesten. Der Kotelettenbart aber lebt, wenn auch in kleinerer Form, und seine Geschichte führt von einem amerikanischen General über Elvis Presley zu zwei Männern in schwarzen Anzügen.

Was ein Kotelettenbart ist und woher das Wort kommt

Koteletten sind die Haarstreifen, die vor dem Ohr an der Wange herunterwachsen. Enden sie auf Höhe des Ohrläppchens, spricht kaum jemand von einem Bart. Wachsen sie darüber hinaus, breit und bis zum Kieferknochen, ist es ein Kotelettenbart. Kinn und Oberlippe bleiben frei, das unterscheidet ihn vom Vollbart.

Das Wort kommt aus dem Französischen. Côtelette heißt Kotelett, und die Form des Haarstreifens erinnert an das Fleischstück mit Knochen. Im Englischen heißen Koteletten Sideburns, und dahinter steckt eine echte Person: Ambrose Burnside, General der Union im Amerikanischen Bürgerkrieg, trug einen mächtigen Backenbart, der über die Wangen mit dem Schnurrbart verbunden war, bei rasiertem Kinn. Aus „Burnsides“ wurde durch Silbentausch „Sideburns“.

Burnside war als Feldherr eher glücklos. Sein Bart hat ihn überdauert.

Backenbart im 19. Jahrhundert: Burnside und Franz Joseph

Der Backenbart war im 19. Jahrhundert eine Frage des Standes. Kaiser Franz Joseph I. von Österreich trug ihn sein Leben lang: breite Koteletten, mit dem Schnurrbart verbunden, das Kinn rasiert. Beamte, Offiziere und Bürger in der Donaumonarchie folgten dem Vorbild, und auf Fotografien aus dieser Zeit sieht man den Bart in allen Varianten, vom schmalen Streifen bis zum ausladenden Gewächs.

Nach dem Ersten Weltkrieg verschwand der Backenbart fast vollständig. Das glatte Gesicht wurde zur Norm, Gillette hatte den Rasierhobel mit Wechselklingen um 1903 auf den Markt gebracht, und wer 1925 mit Koteletten wie Franz Joseph herumlief, sah aus wie aus einem anderen Jahrhundert.

Die 70er: Elvis, Blues Brothers Sideburns und die große Zeit der Koteletten

Das Comeback kam über die Musik. Elvis Presley trug schon in den 50ern Koteletten, in den 70ern wurden sie breiter, länger und dunkler, ein fester Bestandteil des Las-Vegas-Elvis mit weißem Overall. Wer in den 70ern jung war, trug Koteletten, ob Fußballspieler, Schlagersänger oder Popstar. Die Frisur reichte über die Ohren, und die Koteletten wuchsen von dort einfach weiter.

Der Kotelettenbart war in diesem Jahrzehnt kein Statement, sondern Normalzustand. Wenn du Familienfotos aus den 70ern durchsiehst, findest du ihn an fast jedem Mann unter vierzig.

1980 kamen dann die Blues Brothers Sideburns. John Belushi und Dan Aykroyd spielten in John Landis’ Film Jake und Elwood Blues, zwei Männer in schwarzem Anzug, mit schwarzem Hut und Sonnenbrille, deren ganzes Auftreten eine Verbeugung vor dem Soul und Rhythm and Blues der 60er ist. Zu dieser Figur gehören die Koteletten wie der Hut. Der Film wurde ein Klassiker, das Kostüm ein Dauerbrenner auf jeder Mottoparty, und die Blues Brothers Sideburns sind bis heute das bekannteste Beispiel für den Kotelettenbart als Bestandteil einer Rolle.

Warum die Koteletten verschwanden

Die 80er räumten auf. Die Frisuren wurden kürzer an den Seiten, das Gesicht glatt, und der Kotelettenbart galt plötzlich als Relikt der Disco-Zeit. In den 90ern kam der Kinnbart, der Goatee, dazu, dann der Dreitagebart. Für Koteletten war in dieser Ordnung kein Platz.

Es ist ein typischer Mode-Zyklus: Was zwanzig Jahre lang selbstverständlich war, wird für zwanzig Jahre peinlich, bevor es als Zitat zurückkommt. Beim Kotelettenbart kam das Zitat über das Kino.

Koteletten Bart heute: Comeback in Maßen

Hugh Jackman trägt als Wolverine in den X-Men-Filmen ab 2000 die breitesten Koteletten, die das Kino seit Franz Joseph gesehen hat. In der Rockabilly-Szene gehören Koteletten zum Stil wie die Tolle, und wer heute einen Koteletten Bart trägt, tut das meist bewusst, als Verweis auf die 50er oder 70er.

Als Alltagsbart ist er selten geworden. Trimmer machen die Pflege einfach, aber die Optik verlangt eine Frisur, die dazu passt, und einen Kopf, der die Aufmerksamkeit aushält. Weitere Erscheinungen aus dem Jahrzehnt der breiten Koteletten stehen in der Übersicht der 1970er Jahre.

Ambrose Burnside hätte übrigens nie erfahren, dass sein Name einmal für einen Bart stehen würde. Zu seiner Zeit hieß das Ding noch schlicht Backenbart.

Fragen zu Kotelettenbart

Was ist ein Kotelettenbart?

Ein Kotelettenbart besteht aus den Haarstreifen, die vor den Ohren an der Wange nach unten wachsen, meist bis zur Höhe des Ohrläppchens oder darunter. Er kann schmal wie ein Strich oder breit wie ein halber Backenbart sein. Kinn und Oberlippe bleiben dabei rasiert.

Woher kommt das Wort Sideburns?

Von Ambrose Burnside, einem General der Nordstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg, der einen auffälligen Backenbart trug. Aus „Burnsides“ wurde durch Vertauschen der Silben „Sideburns“. Das deutsche Wort Koteletten kommt vom französischen côtelette, weil die Form an ein Kotelett erinnert.

Warum tragen die Blues Brothers Koteletten?

Jake und Elwood Blues, gespielt von John Belushi und Dan Aykroyd, sind eine Verbeugung vor dem Rhythm and Blues und Soul der 50er und 60er Jahre. Zum schwarzen Anzug, Hut und Sonnenbrille gehören lange Koteletten als Zitat dieser Zeit. Der Film von John Landis kam 1980 in die Kinos.

Wie pflegt man Koteletten?

Mit einem Trimmer auf gleicher Höhe schneiden, am besten mit einem Kamm als Anschlag, damit beide Seiten gleich enden. Die Kante zur Wange hin rasieren, die Länge alle paar Tage nachziehen. Bei breiten Koteletten die Übergänge zum Haar ausdünnen, sonst wirkt der Bart angeklebt.