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VinTageBuch

Das Baumhoroskop

Lebensbäume im keltischen Baumkreis, ihre Herkunft und Baumkreise zum Besuchen

Der keltische Baumkreis ist ein modernes Baumhoroskop: Herkunft, die Daten aller Lebensbäume, der Jahreskreis und Baumkreise in Deutschland und Österreich.

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Eintrag vom 16. Juni 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Das Baumhoroskop: Lebensbäume im keltischen Baumkreis, ihre Herkunft und Baumkreise zum Besuchen

Ein Olivenbaum, ein Feigenbaum, eine Zypresse und eine Zeder: Vier der Bäume, die im sogenannten keltischen Baumkreis über menschliche Eigenschaften bestimmen sollen, wuchsen nie in den Wäldern Mitteleuropas. Schon das verrät einiges über das Alter dieses Baumhoroskops. Es ist eine moderne Erfindung aus dem Umfeld des Neuheidentums, die aus überlieferten keltischen Pflanzenmythen spekulativ ein Horoskop-System baut. Beliebt ist es trotzdem, und im Grunde spricht nichts dagegen, seinen Lebensbaum zu suchen, solange man weiß, dass es sich um ein Spiel handelt und nicht um Druidenwissen.

Wie alt der keltische Baumkreis wirklich ist

Auf Deutsch erschien das Baumhoroskop zum ersten Mal 1984. Der Band hieß „Bäume lügen nicht. Das keltische Horoskop“, herausgegeben von Annemarie Mütsch-Engel im Verlag Bert Schlender in Göttingen. Die Ausgabe berief sich auf eine „uralte“ Texttradition, die es nie gab. Spätere Lizenzausgaben anderer Verlage gingen noch weiter und behaupteten, eine alte Handschrift aus einem polnischen Kloster liege dem Buch in Übersetzung bei. Eine Ausgabe von März 1998, inzwischen mit Verlagsort Wahlsburg, hat 136 Seiten und verspricht ein keltisches Horoskop, „regiert von 21 Bäumen“.

Im selben Jahr veröffentlichte der Tarot- und Esoterik-Autor Bertram Wallrath im Smaragd Verlag „Das echte keltische Baumhoroskop“. Er ersetzte darin die Zeder wieder durch den Zürgelbaum, der im französischen Original an dieser Stelle steht. Wallrath blieb beim Thema: 2001 folgte „Das keltische Baum-Horoskop“, 2004 mit Leah Levine „Das keltische Baum-Tarot“ und 2005 „Das keltische Baum-Horoskop der Liebe“.

Durchgesetzt hat sich seine Korrektur nicht. Wegen des Übersetzungsfehlers steht die Zeder bis heute in den meisten deutschsprachigen Baumhoroskopen. Und ausgerechnet die Eibe, die in der keltischen Mythologie tatsächlich als heilig galt, kommt im keltischen Baumkreis gar nicht vor.

Die Lebensbäume und ihre Daten

Die meisten Bäume stehen für zwei Abschnitte von rund zehn Tagen, die sich im Kalender ungefähr gegenüberliegen. Wenn du am 5. Mai Geburtstag hast, gehörst du zur Pappel, die als einziger Baum sogar drei Abschnitte besitzt. Die Aufteilung nach der verbreiteten deutschen Fassung:

  • Apfelbaum: 23. Dezember bis 1. Januar und 25. Juni bis 4. Juli
  • Tanne: 2. bis 11. Januar und 5. bis 14. Juli
  • Ulme: 12. bis 24. Januar und 15. bis 25. Juli
  • Zypresse: 25. Januar bis 3. Februar und 26. Juli bis 4. August
  • Pappel: 4. bis 8. Februar, 1. bis 14. Mai und 4. bis 13. August
  • Zeder beziehungsweise Zürgelbaum: 9. bis 18. Februar und 14. bis 23. August
  • Kiefer: 19. bis 28. Februar und 24. August bis 2. September
  • Weide: 1. bis 10. März und 3. bis 12. September
  • Linde: 11. bis 20. März und 13. bis 22. September
  • Eiche: 21. März
  • Haselnuss: 22. bis 31. März und 24. September bis 3. Oktober
  • Eberesche: 1. bis 10. April und 4. bis 13. Oktober
  • Ahorn: 11. bis 20. April und 14. bis 23. Oktober
  • Nussbaum: 21. bis 30. April und 24. Oktober bis 11. November
  • Kastanie: 15. bis 24. Mai und 12. bis 21. November
  • Esche: 25. Mai bis 3. Juni und 22. November bis 1. Dezember
  • Hainbuche: 4. bis 13. Juni und 2. bis 11. Dezember
  • Feigenbaum, in manchen Fassungen Erle: 14. bis 23. Juni und 12. bis 21. Dezember
  • Birke: 24. Juni
  • Olivenbaum: 23. September
  • Buche: 22. Dezember

Auffällig sind die vier Bäume mit nur einem Tag. Eiche, Birke, Olivenbaum und Buche markieren Frühlingsanfang, Sommersonnenwende, Herbstanfang und Wintersonnenwende, also die Eckpunkte des Sonnenjahres. In Stamsried wird das so erklärt, dass diese vier Bäume für die Kelten besonders bedeutsam gewesen seien. Belegen lässt sich das für den Olivenbaum kaum.

Tanne Zapfen

Ulme Zweig

Zypresse Zweig

Pappel Zweig

Der Zürgelbaum, botanisch Celtis, ist hierzulande weitgehend unbekannt. Das Foto eines Zweigs mit Früchten der Art Celtis occidentalis stammt von Sten Porse (Wikimedia Commons).

Zürgelbaum Zweig

Kiefer Zweig

Weide Zweig

Eberesche Zweig

Eine botanische Randnotiz: Haselnuss, Hainbuche, Erle und Birke gehören alle zur Familie der Birkengewächse. Die Hainbuche ist trotz ihres Namens mit der Buche nicht näher verwandt.

Haselnuss Zweig

Hainbuche Zweig

Erle Zweig

Birke Zweig

Buche Zweig

Der Jahreskreis mit acht Festen

Eng verwandt mit dem Baumhoroskop ist der sogenannte keltische Jahreskreis, wie ihn neuheidnische Gruppen feiern. Er verbindet vier Feste, die auf keltische Traditionen zurückgeführt werden, mit den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Eine verbreitete Rechnung setzt Samhain, Beginn des Winterhalbjahres und Neujahr der Hexen, auf den elften Neumond im Kalenderjahr, Imbolc auf den zweiten Vollmond nach Yule, Beltane auf den fünften und Lammas auf den achten. Yule am 21. Dezember, Ostara am 21. März, Litha am 21. Juni und Mabon am 23. September liegen fest.

Viele feiern die Mondfeste inzwischen ebenfalls an festen Tagen, sodass sich Beltane und Samhain sowie Imbolc und Lammas im Sonnenkalender genau gegenüberliegen: Imbolc am 2. Februar, Beltane am 30. April, Lammas am 2. August und Samhain am 31. Oktober.

Baumkreise in Deutschland und Österreich

Als Erholungsort und Ausflugsziel sind an etlichen Orten Baumkreise nach dem Vorbild des Baumhoroskops angepflanzt worden. Südwestlich von Gnutz in Schleswig-Holstein liegt ein neu angelegter keltischer Baumkreis. In Castrop-Rauxel steht einer rund um den denkmalgeschützten Hammerkopfturm der Zeche Erin an der Bodelschwingher Straße. Der Ire William Thomas Mulvany hatte die Zeche 1867 gegründet und nach Erin benannt, dem poetischen Namen seiner Heimat Irland; 1983 wurde sie als letzte Zeche im Stadtgebiet stillgelegt. Der Baumkreis erinnert an ihren Gründer.

Auf der Sophienhöhe bei Jülich, der aufgeschütteten Halde des Tagebaus Hambach, steht am höchsten Punkt der Römerturm, der Nachbau eines römischen Wachturms. In der Nähe wurden ein Mammutwald und ein keltisches Baumhoroskop angelegt. In Münchsteinach im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim liegt das sogenannte Keltenareal, Reste eines Hügelgräberfeldes aus der Hallstattzeit um 500 vor Christus, erstmals 1832 beschrieben. Die historischen Gräber sind nicht mehr zu sehen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts pflanzte die Gemeinde dort im Wald einen Baumkreis und baute ein Hügelgrab nach.

In Stamsried im Oberpfälzer Landkreis Cham stehen die 21 Bäume in der Kirchbachaue, und in Achern-Oberachern im Schwarzwald erläutern 22 Tafeln entlang eines Pfads die Kelten und den Baumkreis. In Österreich gibt es Baumkreise unter anderem in Gundersdorf, Weng im Gesäuse und Sankt Stefan ob Stainz in der Steiermark, in Pyhra, Frankenfels, Hoheneich und Kettlasbrunn in Niederösterreich, in Ampflwang in Oberösterreich, bei Schloss Eberstein in Kärnten und in Vils in Tirol.

Wer tiefer einsteigen will, findet ein ganzes Regal an Titeln, von Christoph Matzls „Das Baumhoroskop der Kelten“ über Dietmar Findlings „Der keltische Baumkreis“ und Michael A. Vescolis „Der Keltische Baumkalender“ bis zu Alfred Zenz’ „Vater Eiche, Mutter Linde“. Näher am Wald als am Horoskop sind Gabriele Rossbachs „Den Wald atmen“ mit Atemübungen und Wald-Yoga sowie Ralf Hillmanns „Von Bäumen und Achtsamkeit“, das 16 spirituelle Übungen im Freien beschreibt und offen einräumt, dass sie auf Spaziergänger seltsam wirken können.

Fragen zu Das Baumhoroskop: Lebensbäume im keltischen Baumkreis, ihre Herkunft und Baumkreise zum Besuchen

Ist der keltische Baumkreis wirklich keltisch?

Nein. Das Baumhoroskop ist eine Erfindung aus dem Umfeld des modernen Neuheidentums, die aus keltischen Pflanzenmythen ein Horoskop-System konstruiert. Eine überlieferte keltische Texttradition dazu gibt es nicht, auch wenn frühe Ausgaben das behaupteten.

Seit wann gibt es das Baumhoroskop auf Deutsch?

1984 erschien es erstmals auf Deutsch unter dem Titel „Bäume lügen nicht. Das keltische Horoskop“, herausgegeben von Annemarie Mütsch-Engel im Verlag Bert Schlender in Göttingen. 1998 legte Bertram Wallrath „Das echte keltische Baumhoroskop“ vor.

Warum steht die Zeder im Baumhoroskop?

Die Zeder ist durch einen Übersetzungsfehler in die meisten deutschsprachigen Baumhoroskope geraten. Im französischen Original steht an ihrer Stelle der Zürgelbaum. Die Eibe, die in der keltischen Mythologie tatsächlich als heilig galt, fehlt dagegen.

Welche Bäume stehen im keltischen Baumkreis nur für einen Tag?

Vier Bäume gelten jeweils nur für einen einzigen Tag: die Eiche für den 21. März, die Birke für den 24. Juni, der Olivenbaum für den 23. September und die Buche für den 22. Dezember. Die Daten liegen an den Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden.

Wo kann man einen keltischen Baumkreis besuchen?

In Deutschland gibt es angelegte Baumkreise unter anderem in Gnutz in Schleswig-Holstein, am Hammerkopfturm der Zeche Erin in Castrop-Rauxel, auf der Sophienhöhe bei Jülich, in Münchsteinach, in Stamsried in der Oberpfalz und am Keltenpfad in Achern-Oberachern. In Österreich finden sich Baumkreise etwa in Weng im Gesäuse, Ampflwang und Vils.

Wie lässt sich der eigene Lebensbaum finden?

Man sucht das Geburtsdatum in der Tabelle der Baumabschnitte. Die meisten Bäume stehen für zwei Zeiträume von etwa zehn Tagen, die sich im Jahr ungefähr gegenüberliegen, der Apfelbaum etwa für den 23. Dezember bis 1. Januar und den 25. Juni bis 4. Juli.