Bolero de Ravel
Wie Maurice Ravel 1928 mit dem Boléro einen Refrain für die Welt schrieb
Der Bolero de Ravel entstand 1928 für Ida Rubinstein: 169 Trommelwiederholungen, zwei Melodien, ein Crescendo. Entstehung, Aufbau, Film und Doku im Überblick.
Eine kleine Trommel, 169-mal derselbe Rhythmus, zwei Melodien und ein Crescendo, das eine Viertelstunde lang nicht aufhört: Mehr Material braucht der Boléro nicht. Maurice Ravel hat das Stück 1928 geschrieben, und er selbst nannte es ein Orchestergewebe ohne Musik. Trotzdem ist der Bolero de Ravel, wie das Werk in Frankreich und Spanien meist heißt, eines der bekanntesten Orchesterstücke des 20. Jahrhunderts geworden.
Es lohnt sich, genauer hinzuhören, warum.
Ein Auftrag von Ida Rubinstein
Die Tänzerin Ida Rubinstein bat Ravel 1927 um Musik für ein Ballett im spanischen Stil. Geplant war zunächst, Stücke von Isaac Albéniz zu orchestrieren, doch die Rechte daran lagen anderswo. Ravel schrieb stattdessen etwas Eigenes, zwischen Juli und Oktober 1928, nachdem er von einer viermonatigen Konzertreise durch die USA zurückgekehrt war.
Die Uraufführung fand am 22. November 1928 in der Pariser Oper statt. Walther Straram dirigierte, Bronislava Nijinska entwarf die Choreografie, Alexandre Benois Szenario und Ausstattung. Das Spanische lag Ravel nicht fern: Geboren 1875 im baskischen Ciboure, war seine Mutter Baskin.
Komponist von Bolero: was Ravel selbst über das Stück sagte
Ravel machte sich keine Illusionen über sein erfolgreichstes Werk. Er beschrieb es als ein einziges, sehr langes, allmähliches Crescendo, ohne Form im eigentlichen Sinn und ohne Durchführung. An anderer Stelle sprach er von einer Orchestrierungsübung. Wer nach dem Komponisten von Bolero fragt, bekommt also einen Mann zur Antwort, der das Stück kleiner redete, als das Publikum es hörte.
Beim Tempo verstand er dagegen keinen Spaß. Als Arturo Toscanini den Boléro am 4. Mai 1930 in Paris deutlich schneller dirigierte, weigerte sich Ravel, den Beifall entgegenzunehmen, und hinter der Bühne kam es zu einem Wortwechsel, von dem es mehrere Fassungen gibt. Schon im Januar desselben Jahres hatte Ravel bei der Aufnahme von Piero Coppola eingegriffen, weil es ihm zu schnell ging. Seine eigene Einspielung mit dem Orchestre Lamoureux vom 14. Januar 1930 dauert 15 Minuten und 50 Sekunden.
Aufbau: eine Trommel, zwei Melodien, ein Tonartwechsel
Das Stück steht in C-Dur und im Dreivierteltakt. Zwei Melodien von jeweils 18 Takten wechseln sich ab und wandern durch das Orchester, jede Wiederholung eine Spur lauter und dichter instrumentiert. Die Partitur verlangt neben dem üblichen Orchester auch Saxofone, darunter ein Sopranino-Saxofon in F, ein Instrument, das es nie gegeben hat.
Du kannst das beim Hören selbst verfolgen: Achte nicht auf die Melodie, sondern darauf, wer sie gerade spielt. Kurz vor dem Ende bricht die Musik überraschend nach E-Dur aus, kehrt nach C-Dur zurück und stürzt dann in sich zusammen. Das ist der einzige Moment, in dem der Bolero de Ravel sein eigenes Muster verlässt.
Bolero Ravel Film, Doku und Eiskunstlauf
Maurice Béjart choreografierte den Boléro 1961 in Brüssel neu, mit einer Tänzerin auf einem runden Tisch. Ab 1979 übernahm der Argentinier Jorge Donn die Rolle, und Claude Lelouch setzte ihn 1981 in seinem Film „Les Uns et les Autres“ ins Bild. Zwei Jahre zuvor hatte Blake Edwards das Stück in „10“ mit Dudley Moore und Bo Derek verwendet. Die Tantiemen daraus beliefen sich auf rund eine Million Dollar, und Ravel war für kurze Zeit, gut 40 Jahre nach seinem Tod, der meistverkaufte klassische Komponist.
1984 gewannen Jayne Torvill und Christopher Dean mit dem Boléro olympisches Gold im Eistanz, alle Preisrichter vergaben für den künstlerischen Ausdruck die Höchstnote.
Die Arte-Dokumentation „Boléro – Ein Refrain für die Welt“ lässt Claude Lelouch, die Tänzerin Marie-Agnès Gillot, die Pianistinnen Katia und Marielle Labèque, Rufus Wainwright, Angélique Kidjo, die Elektronikmusiker Carl Craig und Moritz von Oswald sowie den koreanischen Regisseur Kim Jee-woon erzählen, was sie an dem Stück fasziniert. 2024 folgte der Spielfilm „Boléro“ von Anne Fontaine, mit Raphaël Personnaz als Ravel, Jeanne Balibar als Ida Rubinstein und Doria Tillier als Misia Sert. In die deutschen Kinos kam er im März 2025. Weitere Werke aus dieser Zeit findest du unter Musik und in der Übersicht der 1920er Jahre.
Ravel starb am 28. Dezember 1937 in Paris. In Frankreich ist der Boléro seit dem 1. Mai 2016 gemeinfrei, und seit einem Urteil des Gerichts in Nanterre vom 28. Juni 2024 steht auch juristisch fest, dass er ihn allein geschrieben hat.
Fragen zu Bolero de Ravel: Wie Maurice Ravel 1928 mit dem Boléro einen Refrain für die Welt schrieb
Wer ist der Komponist von Bolero?
Maurice Ravel schrieb den Boléro zwischen Juli und Oktober 1928 im Auftrag der Tänzerin Ida Rubinstein. Uraufgeführt wurde das Werk als Ballett am 22. November 1928 in der Pariser Oper, choreografiert von Bronislava Nijinska.
Wie oft wiederholt sich der Rhythmus im Boléro?
Die kleine Trommel spielt ihr Rhythmusmuster 169-mal, durchgehend im Dreivierteltakt. Darüber wechseln sich zwei Melodien ab, die von Instrument zu Instrument wandern, während das Orchester vom Pianissimo bis zum Fortissimo anschwillt.
Wie lange dauert der Bolero de Ravel?
Meist um die 15 Minuten. Ravels eigene Aufnahme mit dem Orchestre Lamoureux von 1930 dauert 15 Minuten und 50 Sekunden, je nach Dirigent liegen Aufführungen zwischen etwa 12 und mehr als 18 Minuten.
Gibt es einen Film über Ravel und den Boléro?
Anne Fontaine drehte 2024 den Spielfilm „Boléro“ mit Raphaël Personnaz als Ravel und Jeanne Balibar als Ida Rubinstein. In Frankreich lief er im März 2024 an, in Deutschland im März 2025. Arte zeigte außerdem die französische Dokumentation „Boléro – Ein Refrain für die Welt“.
Ist der Boléro gemeinfrei?
In Frankreich seit dem 1. Mai 2016, in den USA seit Anfang 2025. Rechteinhaber hatten versucht, den Bühnenbildner Alexandre Benois als Mitautor anerkennen zu lassen, was die Schutzfrist verlängert hätte. Ein Gericht in Nanterre wies das am 28. Juni 2024 zurück.