Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten – Buch und Kostüme
Die Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten von Barbara Lüscher – und Bauchtanz-Kostüme für Party und Auftritt
Barbara Lüschers Buch über die Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten: das Goldene Zeitalter des Kairoer Films, die Stars der Casinos und was ein Bauchtanz-Kostüm für Party oder Auftritt ausmacht.

Die 1940er bis 1960er Jahre gelten als das Goldene Zeitalter des ägyptischen Films, und mit dem Film erlebte die gesamte Unterhaltungsindustrie des Landes einen Höhepunkt, allen voran Musik und Tanz. Zum ersten Mal erreichten Kino, Radio und Fernsehen ein Massenpublikum. Aus den Tänzerinnen und Musikern der Casinos und Tanztheater Kairos wurden Stars der ganzen arabischen Welt.
Barbara Lüscher zeichnet diesen Aufstieg in „Die Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten“ nach, einem Taschenbuch mit 132 Seiten aus dem Verlag DIWAN. Das Buch zeigt sowohl die Karrieren einzelner herausragender Namen als auch die allgemeine Entwicklung des Tanzes im Zusammenhang mit der Modernisierung und Industrialisierung Ägyptens. Wer sich für Bauchtanz interessiert, ob als Zuschauerin, Tänzerin oder als Gast einer Mottoparty, bekommt hier den historischen Unterbau, der in den meisten Kursen fehlt.
Vom Gassentanz zur Bühne
Der orientalische Tanz, arabisch Raqs Sharqi, war in Ägypten über Jahrhunderte Volkskultur: getanzt bei Hochzeiten, Festen und in den Straßen von Kairo, aufgeführt von Berufstänzerinnen, die gesellschaftlich am Rand standen. Das änderte sich in den 1920er Jahren. Die libanesischstämmige Unternehmerin Badia Masabni eröffnete 1926 in Kairo ihr Casino, ein Varieté nach europäischem Vorbild, und brachte den Tanz auf eine Bühne mit Orchester, Choreographie und Raum für Bewegung.
Aus dieser Schule kamen die Frauen, die Lüscher in den Mittelpunkt stellt. Tahia Carioca, Samia Gamal und Naima Akef tanzten in Masabnis Casino und den Nachtclubs an der Pyramidenstraße, bevor der Film sie übernahm. Ägyptische Musicals und Melodramen der Vierziger und Fünfziger brauchten Tanzszenen, und die Studios in Kairo produzierten in einem Tempo, das in der arabischen Welt niemand sonst erreichte. Ein Auftritt von Samia Gamal in einem Film lief von Casablanca bis Bagdad.
Das Buch erklärt auch, warum diese Blüte zeitlich begrenzt war. Mit der Verstaatlichung der Filmindustrie in den Sechzigern, dem Aufstieg des Fernsehens und später einer konservativeren Stimmung in der Gesellschaft verlor der Tanz an öffentlichem Ansehen, ohne je zu verschwinden.
Das Kostüm: Bedlah, Hüftgürtel, Schleier
Das Bild, das die meisten Menschen im Kopf haben, wenn sie „Bauchtanz“ hören, stammt aus genau dieser Zeit. Das zweiteilige Kostüm aus besticktem Oberteil und verziertem Hüftgürtel, der Bedlah, ist keine uralte Tradition, sondern eine Erfindung der 1920er und 1930er Jahre. Hollywood hatte in seinen Orientfilmen Fantasiekostüme gezeigt, Kairos Casinos griffen sie auf, und die Tänzerinnen machten daraus eine Bühnenuniform, die Bewegung sichtbar macht: Der freie Bauch und die Hüfte sind der Ort, an dem der Tanz stattfindet.
Dazu gehören ein Rock, oft mit Schlitz, oder eine weite Hose, ein Schleier aus leichtem Stoff, der beim Einzug getragen und dann abgelegt wird, Armreifen, Ohrringe und manchmal Zimbeln an den Fingern, die Sagat. Die Stickerei mit Perlen, Pailletten und Münzen ist nicht nur Schmuck. Sie beschwert den Hüftgürtel, sodass jeder Shimmy und jeder Hüftkreis auch aus der letzten Reihe zu sehen ist.
Für Party oder Auftritt: was du wirklich brauchst
Hier trennen sich die Wege. Ein Auftrittskostüm ist ein Präzisionsstück. Es muss beim Tanzen an Ort und Stelle bleiben, an Oberteil und Gürtel exakt passen, und die Verzierung ist auf Bühnenlicht abgestimmt. Solche Kostüme werden häufig in Kairo oder der Türkei von Hand gefertigt, und wer eines besitzt, behandelt es wie ein Abendkleid.
Für eine Mottoparty reicht deutlich weniger. Ein Hüfttuch mit aufgenähten Münzen über einer weiten Haremshose, ein passendes Oberteil in derselben Farbe, ein Schleier in Chiffon, Armreifen und Ohrringe. Das Hüfttuch ist das Teil, das den größten Unterschied macht, weil es beim Gehen klingelt und die Verkleidung sofort lesbar macht. Wer Wert auf ein stimmiges Bild legt, wählt Farben aus den Filmen der Fünfziger, Gold, Türkis, Weinrot, und verzichtet auf Neonpink.
Ein Rat aus der Tanzpraxis: Egal, wie einfach das Kostüm ist, die Hüfte muss frei beweglich sein. Ein zu enger Rock macht jede Bewegung zur Karikatur.
Kairo als Kulisse
Lüschers Buch hat einen Nebeneffekt, der über den Tanz hinausgeht. Wer es liest, sieht das Kairo der Mitte des 20. Jahrhunderts, die Casinos am Nil, das Kino als Leitmedium einer Region, die politisch in Bewegung war. Es ist zugleich Kulturgeschichte einer Stadt, die in diesen Jahrzehnten die Musik, die Filme und die Mode der arabischen Welt bestimmte.
Weitere Bücher über Tanz, Musik und Kulturgeschichte findest du unter Bücher, die Filme des Goldenen Zeitalters passen in die Jahrzehnte der 1950er.
Fragen zu Die Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten
Worum geht es in Die Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten?
Barbara Lüscher beschreibt, wie der orientalische Tanz in Ägypten vom Volks- und Gassentanz zur Bühnenkunst wurde, und verknüpft das mit der Modernisierung des Landes. Im Zentrum stehen die 1940er bis 1960er Jahre, in denen Kino, Radio und Fernsehen die Tänzerinnen Kairos in der ganzen arabischen Welt bekannt machten.
Wer sind die bekanntesten Tänzerinnen des Goldenen Zeitalters?
Tahia Carioca, Samia Gamal und Naima Akef gelten als die großen Namen. Alle drei tanzten in Kairoer Nachtclubs und spielten in ägyptischen Filmen, die vom Maghreb bis zum Golf gezeigt wurden.
Woraus besteht ein klassisches Bauchtanz-Kostüm?
Aus dem Bedlah, also einem bestickten Oberteil, einem verzierten Hüftgürtel und einem Rock oder einer weiten Hose. Dazu kommen Schleier, Armreifen, manchmal Zimbeln an den Fingern. Diese Form entstand in den 1920er und 1930er Jahren unter dem Einfluss Hollywoods.
Reicht für eine Mottoparty ein einfaches Kostüm?
Ja. Für eine Themenparty genügen ein Hüfttuch mit Münzen über einer weiten Hose, ein passendes Oberteil und ein Schleier. Ein Auftrittskostüm mit aufwendiger Perlenstickerei und exakter Passform braucht nur, wer tatsächlich tanzt.
Wie viele Seiten hat das Buch und wo ist es erschienen?
Das Taschenbuch hat 132 Seiten und erschien im Verlag DIWAN. Die ISBN lautet 978-3908547280.