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VinTageBuch

Barschrank Kolonialstil

Die Hausbar im Retrostil aus dunklem Holz, Messing und Spiegelglas

Ein Barschrank im Kolonialstil bringt dunkles Holz, Messingbeschläge und Spiegelrückwand ins Wohnzimmer. Woher der Stil kommt, worauf du beim Kauf achten solltest und welche Bauformen es gibt.

Lebensart1950er1950
Eintrag vom 21. Juli 2026

Ein Barschrank im Kolonialstil ist ein Möbel, das sich verkleidet. Außen sieht er aus wie ein Schrank aus dunklem Holz mit Messingecken, innen verbergen sich Spiegel, Glashalter, Flaschenfächer und oft ein Licht, das beim Öffnen angeht. Das Prinzip stammt aus einer Zeit, in der Alkohol im Wohnzimmer nicht offen herumstehen sollte, und es hat seinen Reiz bis heute behalten.

Die Bezeichnung „Kolonialstil“ verweist auf eine Möbelmode, nicht auf eine Epoche.

Woher der Kolonialstil bei Möbeln kommt

Britische Offiziere und Beamte, die im 19. Jahrhundert nach Indien, Burma oder Ostafrika versetzt wurden, nahmen ihre Möbel mit. Diese Reisemöbel, im Englischen „campaign furniture“ genannt, mussten zerlegbar, stabil und transportfähig sein. Daher die Messingbeschläge an allen Ecken, die versenkten Griffe und die Truhenform vieler Stücke.

Vor Ort ließen die Kolonialbeamten Möbel nach europäischem Vorbild aus einheimischen Hölzern bauen: Teak, Mahagoni, Palisander. Diese Hölzer sind dunkel, schwer und widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und Insekten, was in den Tropen praktisch war und in Europa als exotisch galt.

Das, was heute als Kolonialstil verkauft wird, ist die Erinnerung an diese Mischung: dunkles Holz, Messing, Leder, gelegentlich Rattan. Der Barschrank ist darin ein Sonderfall, denn die Hausbar als eigenes Möbel kam erst später auf.

Die Hausbar als Möbel der 1950er und 1960er Jahre

Cocktailschränke gab es schon im Art déco der 1930er Jahre, oft mit hochglänzenden Furnieren und verchromten Griffen. Zum Massenmöbel wurde die Hausbar aber im Wirtschaftswunder. In den 1950er und 1960er Jahren stand in vielen deutschen Wohnzimmern eine Bar, eingebaut in die Schrankwand oder als eigenes Stück, mit Klapptür, Spiegelrückwand und einem Fach für die Eierlikörgläser.

Der Barschrank im Kolonialstil verbindet beide Traditionen. Er übernimmt die Innenausstattung der Wirtschaftswunder-Bar und verpackt sie in das Gehäuse eines Reisemöbels. Das Ergebnis ist ein Stück, das älter aussieht, als es ist, und das genau deshalb gekauft wird.

Bauformen: Hochschrank, Kommode, Globusbar, Truhe

Der Hochschrank ist die klassische Form. Eine oder zwei Türen, davon eine, die nach unten klappt und als Arbeitsfläche dient. Innen Spiegel, Glashalter unter dem Zwischenboden, Flaschenfächer, manchmal eine Schublade für Barwerkzeug.

Die Kommode ist niedriger und breiter. Sie hat eine Arbeitsfläche auf Hüfthöhe und darunter Auszüge oder Türen. Wer regelmäßig mixt, ist damit besser bedient als mit dem Hochschrank, weil man nicht in einer Nische arbeitet.

Die Globusbar ist das bekannteste Stück des Genres. Eine Weltkugel auf einem Ständer, die sich am Äquator aufklappen lässt und innen Platz für einige Flaschen und Gläser bietet. Die Karten sind meist historischen Vorlagen aus dem 16. Jahrhundert nachempfunden. Als Bar ist die Globusbar unpraktisch, als Möbel ein Gesprächsanlass.

Die Truhe schließlich erinnert am deutlichsten an das Reisemöbel: ein kastenförmiger Schrank mit Lederbezug oder Holzbeplankung, Messingecken und Lederriemen, der wie ein Überseekoffer aussieht und innen eine komplette Bar enthält.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Neuware im Kolonialstil ist meist aus Akazie, Mango oder Sheesham, dunkel gebeizt und in Indien gefertigt. Das ist kein Makel, aber du solltest wissen, dass die Holzart selten Teak oder Mahagoni ist, auch wenn die Farbe das nahelegt. Frag nach der Holzart und nach der Herkunft.

Bei gebrauchten Stücken zählt die Substanz. Ein festes Gehäuse ohne Wackeln, Türen, die schließen, ohne zu schleifen, intakte Furniere ohne Blasen. Riech in den Schrank: Ein Barschrank, der jahrzehntelang Flaschen beherbergt hat, riecht oft danach, und das lässt sich nur schwer entfernen.

Messingbeschläge lassen sich polieren, aber prüf, ob sie aus Messing sind oder nur messingfarben lackiert. Ein Magnet hilft: Messing ist nicht magnetisch.

Dann die Maße. Ein Hochschrank braucht Platz nach vorne, wenn die Klapptür offen ist, und die meisten Wohnzimmer haben diesen Platz nicht dort, wo der Schrank stehen soll. Miss den Radius aus, bevor du kaufst.

Zum Kontext der Lebensart der Wirtschaftswunderjahre gehört die Hausbar so sicher wie der Nierentisch. Der Kolonialstil hat sie nur neu verkleidet, und die Verkleidung hält länger als die meisten Möbelmoden.

Eine letzte Bemerkung zum Licht: Die kleine Lampe, die beim Öffnen der Tür angeht, war bei alten Stücken meist eine Glühbirne mit Türkontakt. Bei Restaurierungen ersetzt man sie durch LED, sonst wird das Furnier im Sommer warm.

Fragen zu Barschrank Kolonialstil: Die Hausbar im Retrostil aus dunklem Holz, Messing und Spiegelglas

Was zeichnet einen Barschrank im Kolonialstil aus?

Dunkles Holz wie Teak, Mahagoni oder dunkel gebeizte Akazie, Messingbeschläge an Ecken und Griffen, oft Lederapplikationen und eine Innenausstattung mit Spiegelrückwand, Glashaltern und Flaschenfächern. Das Vorbild sind die Reisemöbel britischer Offiziere und Kolonialbeamten des 19. Jahrhunderts.

Welche Bauformen gibt es beim Barschrank Kolonialstil?

Den klassischen Hochschrank mit Klapptür, die als Ablage dient, die Kommode mit Auszug, die Globusbar mit aufklappbarer Weltkugel und den Truhenschrank, der an alte Überseekoffer erinnert. Dazu kommen Servierwagen mit Rädern für kleine Räume.

Worauf sollte man beim Kauf eines gebrauchten Barschranks achten?

Auf massives Holz oder zumindest ein intaktes Furnier, festen Stand, Scharniere ohne Spiel und einen Geruchstest im Inneren. Bei alten Stücken lohnt ein Blick auf die Rückwand: Sperrholz oder Hartfaser deutet auf Serienware, Vollholz auf Tischlerarbeit.

Passt ein Barschrank im Kolonialstil in eine moderne Wohnung?

Ja, als einzelnes Kontraststück. Dunkles Holz und Messing wirken neben hellen Wänden und schlichten Möbeln stärker als in einem komplett eingerichteten Kolonialzimmer, das schnell nach Hotellobby aussieht.