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VinTageBuch

„Achtung, Essen!“

Die ZDF-Dokumentation über Zucker und Diabetes Typ 2, dazu das Buch „Zucker – der heimliche Killer“

Die ZDF-Doku „Achtung, Essen! Zucker“ (Frontal 21, 2020) zeigt den Streit um Zucker und Diabetes Typ 2: 8,2 Millionen Erkrankte, Zuckerlobby, Politik. Dazu das Buch „Zucker – der heimliche Killer“.

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Eintrag vom 30. Apr. 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Andreas Laufer ist 36 und hat Diabetes Typ 2 – eine Krankheit, die im Volksmund „Altersdiabetes“ heißt, weil sie früher fast nur ältere Menschen traf. Auf Süßes zu verzichten fällt ihm schwer. „Wenn es mir nicht gut geht und ich esse Süßigkeiten, dann werden Glückshormone freigesetzt. Und wer will das nicht?“, sagt er in der ZDF-Dokumentation „Achtung, Essen! Zucker“.

Die Folge gehört zu einer dreiteiligen Reihe, die die Redaktion „Frontal 21“ für die ZDFmediathek entwickelt hat. Seit dem 10. März 2020 sind die drei Teile online abrufbar, die Zucker-Folge lief zusätzlich am 29. April 2020 im ZDF-Nachtprogramm. Jeder Teil greift einen Konflikt rund um Ernährung heraus: Zucker, gefährliche Keime und die Herkunft von Eiern. Im Vordergrund stehen Menschen, die für eine bessere Ernährung kämpfen und dabei Gegensätze aushalten müssen, die sich nicht auflösen lassen.

8,2 Millionen Erkrankte und ein Arzt, der von einem Tsunami spricht

Laut Zahlen des Deutschen Diabetes-Zentrums leben in Deutschland 8,2 Millionen Menschen mit Diabetes Typ 2. Die Zahl steigt, und sie steigt in einer Altersgruppe, die früher kaum betroffen war. „Eine besondere Zunahme sehe ich gerade bei den jüngeren Erwachsenen: 30-, 35-Jährige mit sehr hohen Blutzuckerwerten“, sagt Prof. Stephan Martin, Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums in Düsseldorf. „Das ist beängstigend. Fast wie ein Tsunami, der auf uns zukommt.“

Eher konservative Schätzungen rechnen mit zwölf Millionen Diabeteskranken im Jahr 2040.

Die Doku stellt die Frage, die unter diesen Zahlen liegt: Macht die Lebensmittelindustrie Menschen durch zu viel Zucker krank? Und sie lässt beide Seiten ausreden.

Die Position der Zuckerlobby

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker möchte den Satz „Zucker macht krank“ nicht stehen lassen. Auf ihrer Website heißt es: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass einzelne Nährstoffe wie zum Beispiel Zucker für die Entstehung von Übergewicht und nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes Mellitus Typ 2 verantwortlich sind.“ Nicht der Zucker mache krank, sondern das Ungleichgewicht von Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch.

Michael Lessmann, kaufmännischer Leiter des Ketchup-Herstellers Kraft Heinz, glaubt nicht, dass die Politik den Verbraucher lenken könne. Freiwillige Zuckerreduktion und Aufklärung seien die richtige Strategie; es komme auf Bewegung und Lebensstil an, nicht allein auf den Zuckerkonsum.

Die Dokumentation macht die Logik dahinter sichtbar, ohne sie zu kommentieren: Wenn der Einzelne die Verantwortung trägt, braucht die Industrie nichts zu ändern. Keine Kennzeichnungspflicht, keine Zuckersteuer, kein staatlicher Eingriff.

Ein Abgeordneter, der es am eigenen Körper erlebt

Dietrich Monstadt, CDU-Bundestagsabgeordneter, ist selbst an Diabetes Typ 2 erkrankt. Er berichtet in der Doku, wie schwierig sein Kampf gegen den Zucker im Essen ist, und kommt zu einem Fazit, das deutlicher kaum sein könnte: „Ich halte Zucker für schädlicher für die Volksgesundheit – aber auch für den Einzelnen – als Rauchen.“ Sein Engagement erklärt er mit seiner Krankengeschichte: „Mein persönliches Schicksal ist ausschlaggebend für mein politisches Engagement.“

Monstadt arbeitet seit Jahren an einer nationalen Diabetesstrategie und fordert höhere Steuern auf Zucker sowie mehr Transparenz auf der Verpackung. In der Regierungskoalition kommt er damit nicht durch, wie die Doku zeigt.

Dabei ist Diabetes längst mehr als ein individuelles Problem. Nach Schätzungen fließen zehn Prozent der Gesundheitsausgaben in Diabetes und seine Folgeerkrankungen; die gesetzlichen Krankenkassen sollen 2019 mehr als 245 Milliarden Euro dafür aufgewendet haben. Das ist der Teil der Rechnung, den auch jene bezahlen, die selbst keinen Zucker anrühren.

Wenn du dich nach dieser Folge fragst, wie viel Zucker in deinem eigenen Einkauf steckt, bist du vermutlich genau da, wo die Redaktion dich haben wollte.

Das Buch dazu: „Zucker – der heimliche Killer“

Wer nach der Doku etwas ändern will, findet in „Zucker – der heimliche Killer. Mit dem 4-Schritte-Entwöhnungsprogramm raus aus der Zuckersucht“ ein Programm. Das Taschenbuch mit 192 Seiten erschien am 6. August 2016 bei Gräfe und Unzer (ISBN 978-3833855191), geschrieben von Kurt Mosetter, Wolfgang A. Simon, Anna Cavelius und Angelika Ilies.

Der Ansatz: Ernährungspsychologen zählen Süßspeisen zu den konfliktreichsten Lebensmitteln im Alltag. Zucker aktiviert im Gehirn das Belohnungssystem, über die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin wird der süße Geschmack als positiv abgespeichert – und das Verlangen kehrt zurück. Das Buch zieht daraus einen Schluss, der entlastet und fordert zugleich: Widerstehen ist keine Frage des Willens, sondern eine zivilisatorische Herausforderung.

Der zweite Teil erklärt, wie Zucker im Stoffwechsel wirkt und welche Zivilisationskrankheiten eine zuckerreiche Ernährung begünstigt. Der dritte Teil ist das Entwöhnungsprogramm in vier Schritten, das den Konsum auf ein gesundes Maß bringen soll, ergänzt um Rezepte, die ohne Verzichtsrhetorik auskommen.

Zwischen der Doku und dem Buch liegt ein Unterschied im Zugang: Die eine zeigt den politischen Streit, das andere beginnt in der eigenen Küche. Die beiden anderen Folgen der Reihe, über antibiotikaresistente Keime und über Eier aus Legebatterien, werden in eigenen Beiträgen besprochen.

Fragen zu „Achtung, Essen!“

Worum geht es in der ZDF-Dokumentation „Achtung, Essen! Zucker“?

Die Folge zeigt den Konflikt um Zucker in Lebensmitteln anhand von Betroffenen, Industrievertretern und Politikern. Im Zentrum stehen die steigenden Zahlen bei Diabetes Typ 2 und die Frage, ob die Lebensmittelindustrie Menschen durch zu viel Zucker krank macht. Die Doku entstand in der ZDF-Redaktion Frontal 21.

Wie viele Menschen in Deutschland haben Diabetes Typ 2?

Laut den in der Dokumentation zitierten Zahlen des Deutschen Diabetes-Zentrums sind es 8,2 Millionen Menschen. Konservative Schätzungen rechnen mit zwölf Millionen Erkrankten im Jahr 2040. Auffällig ist die Zunahme bei 30- bis 35-Jährigen.

Was sagt die Zuckerindustrie zum Vorwurf, Zucker mache krank?

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker bestreitet einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass einzelne Nährstoffe wie Zucker für Übergewicht und Diabetes Typ 2 verantwortlich seien. Entscheidend sei ein Ungleichgewicht zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch.

Welche politischen Forderungen kommen in der Doku vor?

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt, selbst an Diabetes Typ 2 erkrankt, fordert höhere Steuern auf Zucker, mehr Transparenz auf Verpackungen und eine nationale Diabetesstrategie. Er hält Zucker für schädlicher für die Volksgesundheit als Rauchen.

Was kostet Diabetes das deutsche Gesundheitssystem?

Nach Schätzungen fließen rund zehn Prozent der Gesundheitsausgaben in die Behandlung von Diabetes und seinen Folgeerkrankungen. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen dafür 2019 mehr als 245 Milliarden Euro aufgewendet haben.

Worum geht es im Buch „Zucker – der heimliche Killer“?

Kurt Mosetter, Wolfgang A. Simon, Anna Cavelius und Angelika Ilies beschreiben, wie Zucker im Gehirn das Belohnungssystem über den Botenstoff Dopamin aktiviert und dadurch Verlangen erzeugt. Das Buch (Gräfe und Unzer, 2016, 192 Seiten) bietet ein Entwöhnungsprogramm in vier Schritten und Rezepte.