Kalmus, Kamille, Kümmel und Kupfer
Heilpflanzen und Nährstoffe mit K, die das Immunsystem stärken
Von Kalmus über Kapuzinerkresse bis Kupfer: was Heilpflanzen und Nährstoffe mit K für das Immunsystem leisten, wo Belege fehlen und wo Vorsicht gilt.
Der Buchstabe K versammelt in der Heilpflanzenkunde ungewöhnlich viele Klassiker: Kalmus, Kamille, Kümmel, Knoblauch, Koriander, Kapuzinerkresse. Dazu kommen zwei Mineralstoffe, Kalzium und Kupfer, ein paar Küchenzutaten mit Nebenwirkung, Kardamom, Kapern, Kokosöl, und eine Kastanienallee in Baden-Württemberg, die hier eigentlich nichts verloren hat und trotzdem am Ende steht. Wer das Immunsystem stärken will, findet in dieser Liste belegte Wirkungen neben Volksglauben, und der Unterschied ist bei jedem Eintrag genannt.
Ein Wort vorab: Die Angaben gelten für Erwachsene, nicht für Kinder, Schwangere oder Stillende, und sie ersetzen keine ärztliche Diagnose.
Kalmus, Kamille und Kümmel: die Klassiker der Magenapotheke
Kalmus ist seit dem 12. Jahrhundert in Europa als Heilpflanze bekannt, davor schon in der asiatischen Medizin. Genutzt wird der Wurzelstock, geerntet im September und Oktober. Er enthält bis zu 3,5 Prozent ätherisches Öl mit Asaron und Eugenol sowie den Bitterstoff Acorenon. Daraus erklärt sich die Verwendung: Kalmus gilt als appetitanregend, fördert die Magensekretion und wird bei Blähungen, Verdauungsstörungen und Gastritis eingesetzt. Das Kalmusöl aus dem Rhizom steckt in Magenbittern und Parfüms. Kandiert wird die Wurzel als „Deutscher Ingwer“ gegessen, und das Kauen kleiner Mengen soll die Stimmung heben. Ob eine Kalmus-Tinktur tatsächlich in Coca-Cola enthalten ist, wird seit Jahrzehnten behauptet und nie bestätigt.
Die Echte Kamille wurde 1987 vom Verband Deutscher Drogisten zur ersten Arzneipflanze des Jahres gekürt, 2002 folgte der Titel Heilpflanze des Jahres. Ihr Kamillenöl macht 0,3 bis 1,5 Prozent der Pflanzenmasse aus und wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blütenköpfchen gewonnen. Innerlich hilft die Kamille bei Gastritis, Enteritis, Colitis, Blähungen und Menstruationsbeschwerden, äußerlich bei Haut- und Schleimhautentzündungen, auch im Mund und am Zahnfleisch. Bei Atemwegsentzündungen wird inhaliert. Nur im Augenbereich rät die Standardzulassung ab, weil seltene allergische Reaktionen beschrieben sind. In Italien trinkt man nach dem Essen die „Camomilla setacciata“ aus den gelben Röhrenblüten.
Die Römische Kamille ist eine ausdauernde Staude, riecht intensiver und enthält vor allem Sesquiterpenlactone, hauptsächlich Nobilin. Sie wird ähnlich eingesetzt, dazu bei Nervosität und allgemeiner Schwäche. Ein warmer Aufguss hellt blondes Haar auf, ein Detail, das in keiner Apothekenbroschüre steht.
Kümmel ist eines der ältesten Gewürze überhaupt und wurde 2016 von Wissenschaftlern der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Sein ätherisches Öl besteht bisweilen zu über 50 Prozent aus Carvon, dazu über 30 Prozent Limonen. Von allen Karminativa hat Kümmel die stärkste krampflösende Wirkung; man nimmt ihn als Tee oder Öl bei Blähungen, Völlegefühl und leichten Krämpfen im Magen-, Darm- und Gallenbereich, gern kombiniert mit Fenchel, Anis oder Koriander. Für Kümmelöl sind antimikrobielle Eigenschaften nachgewiesen, weshalb es sinnvoll in Mundwässern und Zahnpasten steckt. Das Kauen einiger Früchte soll Mundgeruch vertreiben.
Kapuzinerkresse, Knoblauch und Kubebenpfeffer gegen Keime
Wer das Immunsystem stärken will, findet in der Großen Kapuzinerkresse die am besten belegte Pflanze dieser Liste. Schon die Inka nutzten sie als Wund- und Schmerzmittel, 2013 war sie Arzneipflanze des Jahres. Ihr Benzylsenföl wirkt gegen grampositive Keime wie Entero- und Staphylokokken, gegen gramnegative wie Escherichia coli und Haemophilus influenzae, gegen Pilze und Hefen, und in Untersuchungen wurde auch eine antivirale Wirkung beobachtet. In der Praxis wird sie mit Meerrettichwurzel kombiniert, bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten. Die 2017 aktualisierte S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen nennt diese Kombination ausdrücklich als pflanzliche Option bei wiederkehrenden Blasenentzündungen.
Knoblauch war 1989 Arzneipflanze des Jahres. Er wirkt antibakteriell, soll der Thrombenbildung vorbeugen, und Metaanalysen zeigen, dass er die Cholesterinwerte insgesamt signifikant senkt, auch wenn eine Senkung speziell des LDL nicht nachgewiesen wurde. Weil das wirksame Öl über die Lunge ausgeschieden wird, empfiehlt die Volksmedizin Knoblauch bei Bronchitis, wiederkehrenden Erkältungen und Grippe. Er ist außerdem reich an Selen.
Kubebenpfeffer, Heilpflanze des Jahres 2016, kam über arabische Händler nach Europa. Die unreifen Früchte enthalten 7 bis 18 Prozent ätherisches Öl und nur 0,4 Prozent Piperin, sind also kaum scharf. Sie wirken schleimlösend, gelten als antiseptisch und werden in der Volksheilkunde bei Harnwegsinfekten und chronischer Bronchitis genutzt, unzerkleinert auch gegen Kopfschmerzen, weshalb sie „Schwindelkörner“ heißen.
Kalzium und Kupfer: zwei Mineralstoffe mit klaren Grenzen
Kalzium ist mit 1 bis 1,1 Kilogramm der mengenmäßig stärkste Mineralstoff im Körper, 99 Prozent davon sitzen in Knochen und Zähnen. Etwa 30 Prozent des Kalziums aus der Nahrung werden resorbiert, bei Erwachsenen teils nur 15 bis 20 Prozent, und ohne ausreichend Vitamin D3 geht wenig. Zur Osteoporose-Prävention trägt eine Zufuhr von etwa 1 Gramm täglich bei.
Hier endet die gute Nachricht. Für Menschen mit normaler Versorgung gibt es keine aussagekräftigen Daten, dass eine Kalzium-Supplementierung nützt. Belegt sind dagegen ein erhöhtes Risiko für Nierensteine, in einer schwedischen Studie eine erhöhte Sterblichkeit bei Frauen, die unnötig substituiert wurden, ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei Männern und in zwei prospektiven Kohortenstudien ein höheres Prostatakrebsrisiko ab 2000 Milligramm täglich. Zwei andere Kohortenstudien fanden bei 1330 und 1840 Milligramm keinen Zusammenhang. Wer Kalziumtabletten ohne nachgewiesenen Mangel schluckt, tut sich also eher nichts Gutes.
Kupfer ist unauffälliger. Der Tagesbedarf liegt bei 1,0 bis 1,5 Milligramm, gespeichert wird es in der Leber, enthalten ist es in Schokolade, Leber, Getreide, Gemüse und Nüssen. Ein Mangel ist selten und tritt nach langen Durchfällen, bei Unterernährung oder bei Malabsorption durch Sprue, Morbus Crohn oder Mukoviszidose auf. Hohe Dosen Zink, Eisen oder Molybdat senken die Kupfermenge im Körper. Ein lange bestehender Kupfermangel kann zu Osteoporose führen und Zucker- wie Cholesterinwerte erhöhen.
Küche mit K: Kapern, Kardamom, Koriander und die Kokosnuss
Kapern werden seit der Antike gegessen und galten als Heilmittel und Aphrodisiakum. Die unreifen Blütenknospen sind roh ungenießbar; erst einen Tag Walken und das Einlegen in Salzlake und Essig erzeugen Caprinsäure und Senfölglycoside, die den Geschmack ausmachen. Sie gehören in Vitello tonnato, Spaghetti alla puttanesca, Königsberger Klopse und Rinder-Tatar und kommen erst zum Schluss ins warme Gericht.
Kardamom regt Speichel-, Magen- und Gallensaftsekretion an; sein ätherisches Öl besteht aus über 120 Verbindungen. Wenn du Kardamom kaufst, nimm ganze Kapseln statt Pulver, in dem meist die geschmacksneutralen Schalen mitgemahlen sind, und mörsere die ölig-schwarzen Samen erst bei Bedarf. In arabischem Mokka landet er direkt im Kaffeemehl.
Koriander liefert 0,3 bis 2 Prozent ätherisches Öl, überwiegend Linalool, und wird bei Magen- und Darmstörungen eingesetzt. Der größte Teil der Weltproduktion geht in Currypulver. Eine Schweizer Statistik zeigt allerdings, dass 15 Prozent aller Allergiker auf Koriander reagieren, im Rahmen des Sellerie-Beifuß-Syndroms.
Kokosmilch entsteht nicht in der Nuss, sondern durch Pürieren des Fruchtfleischs mit Wasser; 15 bis 25 Prozent Fett sind üblich, und die Entmischung in der Dose ist normal. Kokosöl dagegen ist umstritten. Eine Umfrage der New York Times von 2016 ergab, dass 72 Prozent der Öffentlichkeit es für gesund halten, aber nur 37 Prozent der Ernährungswissenschaftler. Mit 82 Prozent gesättigten Fettsäuren ist es „gesättigter“ als Palmöl, Schweineschmalz und Butter, und die American Heart Association schloss aus über 100 Studien, dass die negativen Effekte auf den LDL-Wert überwiegen. Als Hautpflege ist es unstrittig, und laut Deutschem Grünen Kreuz ergibt es aufgetragen ein einfaches Mückenschutzmittel.
Die Kolanuss enthält 2,2 bis 3,5 Prozent Koffein, mehr als Kaffee, gebunden aber anders, sodass Herzrasen und Nervosität seltener auftreten. Die Karotte schließlich hat mit 5 bis 30 Milligramm Carotin pro 100 Gramm den höchsten Gehalt aller Gemüsearten; Babykarotten sind übrigens keine Züchtung, sondern zurechtgeschnittene normale Möhren.
Ein Umweg: die Kastanienallee in Eschelbronn
Was eine Rosskastanienallee im Rhein-Neckar-Kreis mit dem Immunsystem zu tun hat, lässt sich nur über den Umweg Waldbaden erklären. In Eschelbronn stehen gegenüber dem Bahnhof an der Bahnhofstraße 19 Rosskastanien als Naturdenkmal, Schutzgebietsnummer 82260200001, auf rund 310 Metern am Ufer der Schwarzbach. Die jüngsten Bäume wurden um 1875 gepflanzt, vermutlich im Zug des Bahnhofbaus an der Strecke Meckesheim–Neckarelz. Unter Schutz stehen sie seit dem 7. Mai 1981. Am 14. Mai 2008 ließ die Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises einige Bäume am Ortsausgang fällen, weil sie Passanten und Verkehr gefährdeten. Wer die Allee sehen will, steigt am Bahnhof Eschelbronn aus; die ersten Kronen stehen direkt gegenüber.
Fragen zu Kalmus, Kamille, Kümmel und Kupfer: Heilpflanzen und Nährstoffe mit K, die das Immunsystem stärken
Wofür wird Kalmus in der Heilkunde verwendet?
Verwendet wird der Wurzelstock, der im September und Oktober geerntet wird. Kalmus gilt als appetitanregend und magensekretionsfördernd und wird bei Blähungen, Verdauungsstörungen und Gastritis eingesetzt. Aus dem Rhizom gewinnt man außerdem Kalmusöl, das in Magenbittern und in der Parfümherstellung landet.
Welche Pflanzen mit K wirken nachweislich gegen Bakterien?
Am besten belegt ist die Kapuzinerkresse: Ihr Benzylsenföl wirkt gegen grampositive und gramnegative Keime, gegen Pilze und in Beobachtungen auch gegen Viren. Kombiniert mit Meerrettichwurzel steht sie seit 2017 in der S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfekten. Auch für Kümmelöl und Knoblauch sind antimikrobielle Eigenschaften nachgewiesen.
Hilft Kalzium als Nahrungsergänzung dem Immunsystem?
Für Menschen mit normaler Kalzium- und Vitamin-D3-Versorgung gibt es keine belastbaren Daten für einen Nutzen. Nachgewiesen sind dagegen Risiken: ein höheres Nierensteinrisiko, in einer schwedischen Studie eine erhöhte Sterblichkeit bei unnötig substituierten Frauen und in Kohortenstudien ab 2000 mg täglich ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko.
Ist Kokosöl gesund oder nicht?
Kokosöl besteht zu 82 Prozent aus gesättigten Fettsäuren und erhöht den LDL-Wert deutlich. Die American Heart Association wertete über 100 Studien aus und kam zu dem Schluss, dass die negativen Effekte überwiegen. Andere Studien fanden keinen Unterschied zu Olivenöl. Als Hautpflege und Mückenschutz ist Kokosöl dagegen unstrittig brauchbar.
Was ist der Unterschied zwischen Echter und Römischer Kamille?
Die Echte Kamille liefert das bekannte Kamillenöl mit 0,3 bis 1,5 Prozent der Pflanzenmasse und war 1987 die erste Arzneipflanze des Jahres. Die Römische Kamille ist eine ausdauernde Staude mit Sesquiterpenlactonen, vor allem Nobilin, und wird bei Menstruationsbeschwerden und Verdauungsproblemen ähnlich eingesetzt. Ein warmer Aufguss der Römischen Kamille hellt blondes Haar auf.
Wie viel Kupfer braucht ein Erwachsener am Tag?
Der Tagesbedarf liegt bei 1,0 bis 1,5 Milligramm. Kupfer steckt in Schokolade, Leber, Getreide, Gemüse und Nüssen, ein Mangel ist selten. Er tritt vor allem nach langen Durchfällen, bei Unterernährung oder bei Krankheiten wie Morbus Crohn auf, und hohe Dosen Zink oder Eisen können die Kupferaufnahme drücken.