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VinTageBuch

Mystisches Niederbayern

Rätselhafte Geschichten und unheimliche Bilder von Gabriele Kiesl und Michael Cizek

Mystisches Niederbayern von Gabriele Kiesl und Michael Cizek: zehn schaurige Geschichten von Passau bis zur Buchberger Leite, kombiniert mit Fotografien.

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Eintrag vom 19. Jan. 2021 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Mystisches Niederbayern: rätselhafte Geschichten und unheimliche Bilder von Gabriele Kiesl und Michael Cizek

Eine Schlucht im Bayerischen Wald bei Nacht, ein Turm, in dessen Schatten etwas geschieht, ein Glaswald, in dem jemand verschollen ist: Die Kapiteltitel von „Mystisches Niederbayern“ klingen, als hätte jemand eine Wanderkarte mit einem Schauerroman überklebt. Genau das ist das Prinzip des Buches von Gabriele Kiesl und Michael Cizek.

Die Autorin und der Fotokünstler hatten es vorher schon an der Nachbarregion erprobt.

Nach der Oberpfalz nun Niederbayern

Ihr erster gemeinsamer Band hieß „Mystische Oberpfalz“ und brachte rätselhafte Geschichten und geheimnisvolle Bilder zusammen. Mit „Mystisches Niederbayern“ weiten beide ihre Liebeserklärung an Bayern auf den benachbarten Regierungsbezirk aus, der von Landshut aus verwaltet wird und bis an die Grenzen zu Österreich und Tschechien reicht.

Das Buch erschien am 10. Oktober 2018 im SüdOst Verlag, einem Programm des Battenberg Gietl Verlags, als gebundene Ausgabe mit 144 durchgehend farbig bebilderten Seiten.

Die Ankündigung verspricht nicht weniger als den Beweis, dass auch in Niederbayern Unglaubliches und gar Haarsträubendes geschehen ist. Wer die Region nur von Thermenurlaub im Rottal und Radtouren an der Donau kennt, dürfte da stutzen.

Zehn Geschichten von Passau bis zur Buchberger Leite

Die zehn Kapitel führen kreuz und quer durch den Bezirk. „Die Laternenputten von Passau“ spielt in der Stadt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz, deren Altstadt nach den großen Stadtbränden von 1662 und 1680 von italienischen Baumeistern im Barock neu aufgebaut wurde; Putten und Stuckfiguren gehören seitdem zum Bild der Stadt, am üppigsten im Dom St. Stephan. „Nachts in der Buchberger Leite“ führt in eine wilde Schlucht im Landkreis Freyung-Grafenau, durch die die Wolfsteiner Ohe über Felsblöcke rauscht und die auch bei Tag ein wenig unheimlich wirkt.

Dazwischen stehen Titel, die mehr andeuten als verraten. „Die Leere“, „Von Knödeln und Adeligen“, „Im Schatten des Turms“, „Es wird Zeit!“, „Tote tanzen nicht mit jedem“, „Zweifelsohne eine Klappstadt“, „Verschollen im Glaswald“ und „Feuer und Flamme“. Was eine Klappstadt ist, bleibt bis zur Lektüre offen, und das ist wohl Absicht.

„Verschollen im Glaswald“ weckt eine naheliegende Assoziation. Der Bayerische Wald ist seit Jahrhunderten eine Glasregion, die Hütten brauchten Holz in großen Mengen für ihre Öfen und für die Pottasche, und Orte wie Zwiesel und Frauenau leben bis heute vom Glas. Ob die Geschichte daran anknüpft, erfährst du erst im Buch.

Bilder, die ihre eigene Geschichte erzählen

Der Anteil von Michael Cizek ist mehr als Illustration. Alle Geschichten werden mit Fotografien kombiniert, die die Begebenheiten ausdrucksstark unterstreichen und, so der Verlag, sogar ihre eigene Geschichte erzählen. Das Verhältnis von Text und Bild ist damit offener als in einem gewöhnlichen Bildband: Ein Foto zeigt nicht zwingend, was die Geschichte beschreibt, sondern eine Stimmung, einen Ort, ein Detail, das sich erst im Zusammenspiel erschließt.

Ein Buch dieser Art funktioniert am besten, wenn man die Orte kennt oder kennenlernen will. Wenn du also nach der Lektüre selbst in die Buchberger Leite gehst, dann lieber bei Tageslicht: Der Weg durch die Schlucht führt über Steine und Wurzeln, und nachts bleibt man besser beim Buch.

Zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Die Geschichten bewegen sich ausdrücklich auf einer Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit, und Niederbayern bietet dafür reichlich Stoff. Der Bayerische Wald hat eine eigene Tradition des Unheimlichen, von den Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönig, in denen nach altem Glauben die Grenze zwischen den Welten dünn wird, bis zu den Weissagungen des Mühlhiasl, eines Waldpropheten aus der Gegend von Hengersberg, dessen angebliche Vorhersagen bis heute nacherzählt werden. In Rinchnach und anderen Orten des Waldes ziehen am Vorabend von Sankt Martin junge Männer mit großen Kuhglocken lärmend durch die Straßen, beim sogenannten Wolfauslassen.

Sammlungen solcher Stoffe haben in Bayern eine lange Vorgeschichte. Schon Friedrich Panzer trug im 19. Jahrhundert in „Bayerische Sagen und Bräuche“ zusammen, was man sich in den Dörfern erzählte. Kiesl und Cizek schreiben diese Tradition mit anderen Mitteln fort, mit literarischen Erzählungen statt nüchterner Aufzeichnungen und mit Fotografien, die den Orten ein Gesicht geben.

Totentanz-Darstellungen, wie sie sich in manchen bayerischen Kirchen und Friedhofskapellen erhalten haben, zeigen den Tod als Tänzer, der Arm in Arm mit Bettler und Bischof geht. „Tote tanzen nicht mit jedem“ klingt wie eine späte Antwort auf dieses Motiv.

Die Ankündigung des Verlags schließt mit der Einladung, sich auf die schaurige Seite Niederbayerns einzulassen. Weitere Bücher über Regionen und ihre Geschichten finden sich unter Bücher und in der Übersicht zu den 2020er Jahren.

Fragen zu Mystisches Niederbayern: rätselhafte Geschichten und unheimliche Bilder

Worum geht es in Mystisches Niederbayern?

Das Buch versammelt rätselhafte und schaurige Geschichten aus Niederbayern, die sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit bewegen. Jede Geschichte ist mit Fotografien kombiniert, die das Geschehen nicht nur illustrieren, sondern eine eigene Geschichte erzählen.

Wer sind Gabriele Kiesl und Michael Cizek?

Gabriele Kiesl schreibt die Texte, Michael Cizek ist Fotokünstler und steuert die Bilder bei. Gemeinsam haben sie zuvor bereits den Band Mystische Oberpfalz veröffentlicht, Mystisches Niederbayern ist das zweite Buch dieser Art.

Welche Geschichten enthält das Buch?

Zu den Kapiteln gehören Die Laternenputten von Passau, Die Leere, Von Knödeln und Adeligen, Im Schatten des Turms, Es wird Zeit!, Tote tanzen nicht mit jedem, Zweifelsohne eine Klappstadt, Verschollen im Glaswald, Feuer und Flamme und Nachts in der Buchberger Leite.

Wann ist Mystisches Niederbayern erschienen?

Am 10. Oktober 2018 im SüdOst Verlag, der zum Battenberg Gietl Verlag gehört. Die gebundene Ausgabe hat 144 Seiten und ist durchgehend farbig bebildert.

Wo liegt die Buchberger Leite?

Die Buchberger Leite ist eine wilde Schlucht im Bayerischen Wald im Landkreis Freyung-Grafenau, durch die die Wolfsteiner Ohe fließt. Im Buch ist sie Schauplatz der Geschichte Nachts in der Buchberger Leite.