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Münzen der hessischen Landgrafschaften 1483–1806: Katalog von Müller

Münzen und Medaillen der hessischen Landgrafschaften von 1483 bis 1803/1806 von Horst-Dieter Müller

Horst-Dieter Müllers Katalog der Münzen und Medaillen der hessischen Landgrafschaften 1483–1806: Konkordanz, Marktpreise, Auktionsergebnisse, 584 Seiten.

Buch2010er2019Bayern
Eintrag vom 20. Sept. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Wer hessische Münzen sammelt, kennt das Problem: Dieselbe Prägung trägt in jedem Standardwerk eine andere Nummer, und die Preise, die in älteren Katalogen stehen, sagen wenig über den heutigen Markt. Horst-Dieter Müllers „Münzen und Medaillen der hessischen Landgrafschaften von 1483 bis 1803/1806“ setzt genau hier an. Der Untertitel benennt das Programm: Konkordanz zu den Standardwerken, Marktpreise und Auktionsergebnisse.

Der Band erschien am 29. August 2019 im Battenberg Verlag, gebunden, 584 Seiten im Format 21 mal 29,7 Zentimeter, durchgehend farbig.

Vom Kleingeld der Währungsreform zur hessischen Numismatik

Horst-Dieter Müller, Jahrgang 1941, wurde nicht durch ein Erbstück zum Sammler, sondern durch die Währungsreform von 1948. Das plötzlich ungültige Kleingeld der Reichsmark blieb in den Haushalten liegen, und ein Siebenjähriger fing an, es zu sortieren. Als Pfadfinder und später beruflich in der Reisebranche kam er in viele Länder; aus den mitgebrachten Münzen entstanden Ländersammlungen, die er nach geschichtlichen Gesichtspunkten ordnete.

Die Wende zum Spezialisten beschreibt er selbst: „Die Wende zur Spezialisierung auf Frankfurter und Hessische Münzen kam 1988 verbunden mit dem Drang, Konkordanzen zwischen gleichen Münzen aus verschiedenen Katalogen zu erforschen.“ Mit Moritz Landgraf von Hessen, dem Chef des Hauses Hessen, pflegte er über Jahre numismatisch-historische Kontakte. Seit rund fünfzehn Jahren reist Müller durch Hessen und hält Vorträge in Geschichts- und Münzvereinen – nahezu denselben Vortrag für beide Zielgruppen, weil sich Geschichte und Geld in Hessen kaum trennen lassen.

Was eine Konkordanz leistet

Die Standardwerke zur hessischen Münzgeschichte sind alt und über viele Bände verstreut; Hoffmeisters Beschreibung der hessischen Münzen aus dem 19. Jahrhundert ist bis heute die Grundlage. Wer ein Stück aus einer Auktion identifizieren will, muss es in mehreren Katalogen suchen, deren Nummern nicht zueinander passen. Eine Konkordanz löst das: Zu jeder Münze stehen die Nummern der Referenzwerke nebeneinander.

Das klingt nach Fleißarbeit, und das ist es auch. Für Sammler ist es die Art von Fleißarbeit, die Stunden spart.

Ein Beispiel macht den Nutzen greifbar. Ein Kasseler Taler aus der Zeit Landgraf Karls taucht in einem Auktionskatalog unter der Nummer eines Referenzwerks auf, im Sammlerverzeichnis des Vereins unter einer anderen, in einer Fachzeitschrift unter einer dritten. Ohne Konkordanz vergleicht man Abbildungen und hofft, dass die Umschrift auf dem Foto lesbar ist. Mit Konkordanz schlägt man einmal nach.

Müller ergänzt die Zuordnung um Marktpreise und dokumentierte Auktionsergebnisse. Zahlreiche Tabellen erleichtern die Orientierung, etwa zu Nominalen, Münzstätten und Prägezeiträumen. Die Preise sind als Anhaltspunkt gedacht; wer ein einzelnes Stück bewerten will, muss Erhaltung, Seltenheit der Variante und die Tagesform des Marktes selbst einschätzen.

Hessen zwischen Reichsmünzordnung und eigenem Weg

Das eigentliche historische Thema des Buches ist die Frage, wie sehr die hessischen Länder beim Geld ihren eigenen Weg gingen. Müller arbeitet die Gemeinsamkeiten und Gegensätze der für Hessen typischen Währungen heraus und legt dar, wo die Landgrafen von den Reichsmünzedikten abwichen – und später auch von der preußischen Währung. Der Albus, die klassische hessische Rechnungs- und Kleinmünze, ist ein Beispiel dafür, wie regional das Münzwesen im Alten Reich blieb, trotz aller Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts.

Der Zeitraum ist bewusst gesetzt. Nach dem Tod Philipps des Großmütigen 1567 wurde die Landgrafschaft unter seine Söhne geteilt; Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt blieben als Hauptlinien übrig, Marburg und Rheinfels fielen im 17. Jahrhundert an sie zurück. 1803 wurde Hessen-Kassel Kurfürstentum, 1806 Hessen-Darmstadt Großherzogtum. Mit diesen beiden Daten endet der Katalog, weil damit auch die Landgrafenmünzen enden.

Wenn du in einer Sammlung einen Taler mit dem hessischen Löwen findest, kannst du mit diesem Band ziemlich schnell sagen, aus welcher Linie, welcher Münzstätte und welchem Jahrzehnt er stammt.

Für wen sich der Katalog lohnt

Das Buch richtet sich an Sammler hessischer Prägungen, an Münzhändler und an Heimatforscher, die Geldgeschichte als Teil der Landesgeschichte lesen. Es ist kein Einstiegswerk für Menschen, die noch nie einen Katalog in der Hand hatten; die Konkordanz setzt voraus, dass man die Referenzwerke kennt oder zumindest weiß, dass es sie gibt. Wer aber regelmäßig auf Auktionen bietet oder eine Regionalsammlung ordnet, hat mit den 584 Seiten ein Nachschlagewerk, das die verstreute Literatur an einem Ort bündelt.

Der Battenberg Verlag hat sich seit Jahrzehnten auf Sammlerkataloge spezialisiert, und der großformatige, durchgehend farbige Band passt in diese Reihe. Weitere regionalgeschichtliche Titel finden sich unter Sachbücher.

Fragen zu Münzen und Medaillen der hessischen Landgrafschaften

Was ist eine Konkordanz in einem Münzkatalog?

Eine Konkordanz ordnet dieselbe Münze den Nummern zu, unter denen sie in verschiedenen Katalogen geführt wird. Wer eine hessische Münze in einer Auktion findet, kann sie so in den älteren Standardwerken wiederfinden, ohne alle Bände durchzublättern.

Welchen Zeitraum deckt der Katalog von Horst-Dieter Müller ab?

Das Buch reicht von 1483 bis zum Ende der Landgrafschaften: Hessen-Kassel wurde 1803 Kurfürstentum, Hessen-Darmstadt 1806 Großherzogtum. Dazwischen liegen die Teilungen nach 1567 und die Linien Kassel, Marburg, Rheinfels und Darmstadt.

Enthält das Buch auch Preise?

Ja, zu den Katalognummern sind Marktpreise und Auktionsergebnisse angegeben. Sie geben eine Orientierung, ersetzen aber keine aktuelle Bewertung, weil Erhaltung und Nachfrage einzelner Stücke stark schwanken.

Wer ist Horst-Dieter Müller?

Ein Hobbyhistoriker des Jahrgangs 1941, der über die ungültigen Kleinmünzen der Währungsreform 1948 zum Sammeln kam. Seit 1988 konzentriert er sich auf Frankfurter und hessische Prägungen und hält seit Jahren Vorträge in Geschichts- und Münzvereinen in Hessen.

Wie umfangreich ist der Band?

584 Seiten im Format 21 mal 29,7 Zentimeter, gebunden, durchgehend farbig bebildert. Erschienen ist er im August 2019 im Battenberg Verlag.