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Woodstock 1969: der Film, die Auftritte und die Alben zum Festival

Woodstock – der Film, die Auftritte in Bethel 1969 und die Alben zum Festival

Woodstock 1969: Michael Wadleighs Oscar-Film, wer an welchem Tag in Bethel spielte, was im Film fehlt und welche Alben die Auftritte festhalten.

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Eintrag vom 16. Aug. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Woodstock – der Film, die Auftritte in Bethel 1969 und die Alben zum Festival

Am Montag, dem 18. August 1969, kurz nach neun Uhr morgens, stand Jimi Hendrix vor einer Weide voller Schlamm, nasser Decken und Müll. Von den rund 400.000 Menschen, die das Woodstock-Festival nach Bethel im Bundesstaat New York gezogen hatte, waren nur noch einige Zehntausend übrig. Hendrix spielte trotzdem gut zwei Stunden, darunter seine verzerrte Fassung von „The Star-Spangled Banner“, und genau diese Minuten sind heute das bekannteste Bild des Festivals. Dass sie so bekannt sind, liegt an Michael Wadleighs Dokumentarfilm „Woodstock“, der im März 1970 in die Kinos kam und ein Jahr später den Oscar als bester Dokumentarfilm gewann.

Drei Tage auf Max Yasgurs Weide

Der offizielle Name füllte ein ganzes Plakat: „Woodstock Music & Art Fair presents An Aquarian Exposition – 3 Days of Peace & Music“. Dahinter stand die Firma Woodstock Ventures, gegründet von Michael Lang und Artie Kornfeld, damals 24 und 26 Jahre alt, und den Geldgebern John Roberts und Joel Rosenman. Lang und Kornfeld wollten eigentlich ein Tonstudio in der Künstlerkolonie Woodstock eröffnen, wohin sich Bob Dylan nach seinem Motorradunfall 1966 zurückgezogen hatte. Ein großes Konzert sollte das Studio bekannt machen.

Aus dem Konzert wurde ein Festival, und aus Woodstock wurde Bethel. Die Gemeinde Wallkill verweigerte im Juli 1969 die Genehmigung, der Milchbauer Max Yasgur verpachtete kurzfristig seine Felder nahe White Lake. Als die ersten Besucher ankamen, standen weder Zäune noch Kassenhäuschen. Das Festival wurde notgedrungen zum Gratiskonzert.

Die Veranstalter hatten mit weniger als der Hälfte der tatsächlichen Menge gerechnet. Die Zufahrtsstraßen waren verstopft, Wolkenbrüche verwandelten das Gelände in einen Acker, Essen, Wasser und Toiletten reichten nicht. Trotzdem blieb es auffallend friedlich, und gerade dieser Kontrast zu einem Land, das über den Vietnamkrieg zerstritten war und in wenigen Jahren John F. Kennedy, Malcolm X, Martin Luther King und Robert F. Kennedy durch Attentate verloren hatte, machte das Wochenende zum Mythos der 1960er. Ein Geschäft war es nicht.

Die Liste der Abwesenden ist fast so prominent wie die der Auftretenden. The Beatles, The Rolling Stones, The Doors und Bob Dylan kamen nicht, die Jeff Beck Group hatte sich kurz vorher aufgelöst, und Iron Butterfly schafften es gar nicht aufs Gelände, weil der Hubschrauber sie in New York nicht abholte.

Die Auftritte in Bethel: wer wann auf der Bühne stand

Freitag, 15. August

Richie Havens eröffnete um 17:07 Uhr, weil Sweetwater im Stau steckten. Er spielte Zugabe um Zugabe, bis ihm die Lieder ausgingen, und improvisierte zum Schluss über das Spiritual „Motherless Child“ den Ruf „Freedom“, der sein bekanntestes Stück wurde. Nach einer Ansprache von Swami Satchidananda folgten Sweetwater, inzwischen per Hubschrauber eingeflogen, dann Bert Sommer, Tim Hardin und Ravi Shankar, der seinen Auftritt im einsetzenden Regen spielte. Die 22-jährige Melanie sang vor einem Publikum, das Kerzen in die Dunkelheit hielt; daraus wurde 1970 ihr Hit „Lay Down (Candles in the Rain)“, aufgenommen mit den Edwin Hawkins Singers. Arlo Guthrie verkündete, der New York State Thruway sei gesperrt. Die schwangere Joan Baez erzählte von ihrem Mann David Harris, der als Kriegsdienstverweigerer im Gefängnis saß, sang „Joe Hill“ und beendete den ersten Tag gegen zwei Uhr nachts mit „We Shall Overcome“.

Samstag, 16. August

Country Joe McDonald war an diesem Tag nur als Zuschauer gekommen. Man gab ihm eine geliehene Gitarre, und als ihm niemand zuhörte, buchstabierte er mit der Menge ein vierbuchstabiges Schimpfwort und spielte seinen „I-Feel-Like-I’m-Fixin’-to-Die Rag“ gegen den Vietnamkrieg. Danach kam Santana, deren Debütalbum noch gar nicht erschienen war. „Soul Sacrifice“ mit dem Schlagzeugsolo des 20-jährigen Michael Shrieve gehört zu den Szenen, die der Film berühmt gemacht hat. John Sebastian, überhaupt nicht gebucht, sprang spontan ein. Canned Heat spielten bei Sonnenuntergang „Going Up the Country“, das zur inoffiziellen Hymne des Festivals wurde, mit dem Gitarristen Harvey Mandel, der erst wenige Tage zuvor eingestiegen war.

Die Nacht gehörte den großen Namen, und nicht alle hatten einen guten Abend. Grateful Dead kämpften mit Stromschlägen und Technik, Creedence Clearwater Revival spielten vor einem halb schlafenden Publikum, Janis Joplins Stimme brach mehrmals. Sly & the Family Stone brachten um halb vier die Wiese auf die Beine. The Who begannen gegen fünf Uhr, spielten große Teile ihrer Rockoper „Tommy“, und Pete Townshend verscheuchte den Aktivisten Abbie Hoffman mit einem Gitarrenhieb, als der eine politische Durchsage machen wollte. Jefferson Airplane beendeten den Samstag erst nach Sonnenaufgang, Grace Slick kündigte „morning maniac music“ an.

Sonntag, 17. August, bis Montagmittag

Joe Cocker eröffnete mit seiner Fassung von „With a Little Help from My Friends“, danach zog ein schweres Gewitter über das Gelände. Im Lauf des Tages trat auch Max Yasgur ans Mikrofon und sagte den Satz „I think you people have proven something to the world“. Es folgten Country Joe and the Fish, Ten Years After mit Alvin Lees ausuferndem „I’m Going Home“, The Band, Johnny Winter, Blood, Sweat & Tears und gegen drei Uhr nachts Crosby, Stills, Nash & Young, die erst zum zweiten Mal in dieser Besetzung vor Publikum standen und ihre Nervosität offen zugaben. Nach der Paul Butterfield Blues Band und Sha Na Na, der einzigen Gruppe ohne Plattenvertrag, kam Hendrix. Mit „Hey Joe“ endete Woodstock gegen elf Uhr.

Michael Wadleighs Woodstock-Film

Wadleigh und seine Kamerateams drehten über hundert Stunden Material. Im Schneideraum saßen unter anderem Thelma Schoonmaker und der junge Martin Scorsese, produziert hat Bob Maurice. Heraus kam ein gut dreistündiger Film im Breitbildformat, der das Bild oft zwei- oder dreifach teilt: links die Band, rechts das Publikum, dazwischen ein Gesicht in Nahaufnahme. Diese Split-Screen-Montage ist das Erkennungszeichen des Woodstock-Films geblieben.

Zwischen den Konzerten zeigt Wadleigh das Wochenende selbst. Leute baden nackt im See, ein Mann reinigt gelassen die Chemietoiletten, Anwohner schimpfen im Interview über die Hippies oder nehmen sie in Schutz.

Was fehlt, ist fast genauso aufschlussreich. Creedence Clearwater Revival und Grateful Dead kommen nicht vor, weil sie ihre Auftritte für missraten hielten und die Aufnahmen nicht freigaben. Janis Joplin fehlte in der Kinofassung; ihr „Work Me, Lord“ kam erst mit dem Director’s Cut von 1994 hinzu, der zum 25. Jahrestag rund 40 Minuten länger lief und auch Jefferson Airplane und Canned Heat mehr Raum gab. Bei Ten Years After lief in einer der drei Kameras mitten im Stück der Film aus, also wurde für die geteilte Leinwand das gespiegelte Bild der rechten Kamera eingesetzt. Wenn du genau hinsiehst, erkennst du die Stelle.

Den Veranstaltern halfen die Einnahmen aus Film und Soundtrack, die Schulden des Festivals abzutragen. Als Einstieg eignet sich heute der Director’s Cut, der auf der DVD-Ausgabe von 2009 216 Minuten läuft. Weitere Musikdokumentationen stehen unter Filme.

Die Alben zum Festival: von der Dreifach-LP bis Back to the Garden

Im Mai 1970 erschien bei Cotillion die Dreifach-LP „Woodstock: Music from the Original Soundtrack and More“, die in den USA bis auf Platz eins stieg. 1971 folgte das Doppelalbum „Woodstock Two“.

Zum 40. Jahrestag brachte Legacy 2009 die Reihe „The Woodstock Experience“ heraus: Doppel-CDs, die jeweils ein Studioalbum von 1969 mit dem vollständigen Festivalauftritt kombinieren, darunter Santana, Janis Joplin, Sly & the Family Stone mit „Stand!“, Jefferson Airplane und Johnny Winter. Bei Santana hört man, wie viel vom gerade fertigen Debütalbum, etwa „Evil Ways“ und „Jingo“, die Band schon auf der Wiese spielte.

Zum 50. Jubiläum veröffentlichte Rhino im Juni 2019 „Woodstock – Back to the Garden“ als 3-CD-Sammlung. Sie folgt dem Festival chronologisch, von Richie Havens’ „Handsome Johnny“ bis Sha Na Na, und nimmt die Bühnenansagen mit auf: John Morris, der vor Regen warnt, Chip Monck, der Leute von den Lichttürmen herunterbittet, dazu Max Yasgurs Rede. Hendrix fehlt auf dieser Auswahl. Die große Archivbox mit 38 CDs, die fast jede erhaltene Minute enthält, war auf 1.969 Exemplare limitiert. Mehr Alben dieser Jahre finden sich unter Musik.

Zum Nachlesen gibt es „Woodstock. Three Days of Love and Peace“ von Julien Bitoun (Delius Klasing, 2018, 240 Seiten). Der französische Musikjournalist geht das Wochenende Stunde für Stunde durch, mit rund 150 Farbfotos, und bespricht auch die Acts, die abgesagt hatten.

Deutsche Woodstocks und ein Lied von jemandem, der nicht dort war

Kaum lief der Film, wollten Veranstalter in ganz Europa ihr eigenes Woodstock. Auf Fehmarn fand im September 1970 das Love-and-Peace-Festival statt, mit Sturm, Regen und randalierenden Rockern, und Jimi Hendrix spielte dort am 6. September sein letztes Konzert, zwölf Tage vor seinem Tod in London. Später bekamen ganz andere Veranstaltungen dasselbe Etikett, etwa das Anti-WAAhnsinns-Festival 1986 in Burglengenfeld, bei dem über 100.000 Menschen gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf zusammenkamen.

Die bekannteste Hymne auf das Festival schrieb Joni Mitchell. Ihr Manager hatte ihr abgeraten, nach Bethel zu fahren, damit sie am Montag pünktlich in der Dick-Cavett-Show sitzen konnte. Sie verfolgte das Wochenende im Fernsehen in einem New Yorker Hotelzimmer und schrieb „Woodstock“, das Crosby, Stills, Nash & Young zum Hit machten und das im Abspann von Wadleighs Film läuft. In Großbritannien kam 1970 Matthews Southern Comfort mit derselben Nummer auf Platz eins.

Fragen zu Woodstock

Wer hat den Woodstock-Film gedreht?

Regie führte Michael Wadleigh, produziert hat Bob Maurice. Im Schnitt arbeiteten unter anderem Thelma Schoonmaker und Martin Scorsese. Der Film kam im März 1970 in die Kinos und gewann 1971 den Oscar als bester Dokumentarfilm.

Wo fand das Woodstock-Festival 1969 statt?

Auf den Weiden des Milchbauern Max Yasgur in Bethel, nahe White Lake im Bundesstaat New York, rund 70 Kilometer südwestlich des Ortes Woodstock. Der ursprünglich vorgesehene Standort Wallkill hatte im Juli 1969 die Genehmigung verweigert.

Welche Bands fehlen im Woodstock-Film?

Creedence Clearwater Revival und Grateful Dead gaben ihre Aufnahmen nicht frei. Auch Mountain, Johnny Winter, Blood, Sweat & Tears, die Keef Hartley Band und die Incredible String Band sind nicht zu sehen. Janis Joplin kam erst mit dem Director’s Cut von 1994 in den Film.

Wer spielte als Letzter in Woodstock?

Jimi Hendrix mit seiner neu zusammengestellten Band Gypsy Sun & Rainbows. Der Auftritt begann am Montag, dem 18. August 1969, gegen neun Uhr morgens und endete gegen elf Uhr mit „Hey Joe“. Von der großen Menge waren da nur noch einige Zehntausend Menschen übrig.

Welches Woodstock-Album bildet das Festival am vollständigsten ab?

Die Archivbox mit 38 CDs zum 50. Jahrestag, die auf 1.969 Exemplare limitiert war. Leichter zu bekommen ist die 3-CD-Auswahl „Woodstock – Back to the Garden“ von Rhino aus dem Juni 2019, die dem Ablauf chronologisch folgt. Das historische Original ist die Dreifach-LP von 1970.

Wie unterscheidet sich der Director’s Cut von der Kinofassung?

Der Director’s Cut erschien 1994 zum 25. Jahrestag und läuft rund 40 Minuten länger. Neu sind unter anderem Janis Joplin mit „Work Me, Lord“, zusätzliche Szenen mit Jefferson Airplane und Canned Heat. Die DVD-Ausgabe von 2009 kommt auf 216 Minuten.