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Tommy und Tuppence Beresford

Die Romane von Agatha Christie mit dem Detektivpaar, eine kleine Werkschau

Tommy und Tuppence Beresford bei Agatha Christie: vier Romane von 1922 bis 1973, die Kurzgeschichten, das Altern des Paars und die Verfilmungen im Überblick.

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Eintrag vom 11. Nov. 2017 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Tommy und Tuppence Beresford: die Romane von Agatha Christie mit dem Detektivpaar, eine kleine Werkschau

Hercule Poirot bleibt über fünf Jahrzehnte ungefähr gleich alt, Miss Marple war schon im ersten Roman eine ältere Dame.

Tommy und Tuppence Beresford dagegen altern.

Als Agatha Christie sie 1922 erfand, waren sie Anfang zwanzig, arbeitslos und gerade aus dem Ersten Weltkrieg zurück; als sie ihnen 1973 den letzten Fall schrieb, waren sie über siebzig und hatten erwachsene Kinder. Wer die Romane mit Tommy und Tuppence Beresford in der richtigen Reihenfolge liest, liest zugleich ein halbes Jahrhundert englischer Geschichte mit.

Die Werke mit den Beresfords

Das Paar hat bei Christie einen deutlich kleineren Auftritt als Poirot oder Marple. Vier Romane und eine Kurzgeschichtensammlung bilden das gesamte Werk:

  1. 1922: „Ein gefährlicher Gegner“ („The Secret Adversary“)
  2. 1929: „Partners in Crime“, Kurzgeschichten
  3. 1941: „Rotkäppchen und der böse Wolf“ („N or M?“)
  4. 1968: „Lauter reizende alte Damen“ („By the Pricking of My Thumbs“)
  5. 1973: „Alter schützt vor Scharfsinn nicht“ („Postern of Fate“)

Die Abstände sind auffällig. Zwischen dem zweiten und dem dritten Roman liegen 27 Jahre, und jedes Mal holt Christie das Paar in eine neue Zeit.

Vom Nachkriegs-London in den Zweiten Weltkrieg

„Ein gefährlicher Gegner“ spielt im London nach dem Ersten Weltkrieg. Thomas Beresford und Prudence Cowley, Freunde aus Kindertagen, treffen sich zufällig wieder, beide ohne Geld und ohne Aussicht auf Arbeit, und gründen aus einer Laune heraus eine Firma für junge Abenteurer. Ihr erster Auftrag führt sie zu Dokumenten, die beim Untergang der Lusitania 1915 verloren gingen, zu einer verschwundenen jungen Frau namens Jane Finn und zu einem Drahtzieher, der nur als Mr. Brown bekannt ist. Der Roman ist eher Spionagegeschichte als klassischer Rätselkrimi, und das bleibt ein Merkmal der ganzen Reihe.

In „Partners in Crime“ übernehmen die inzwischen verheirateten Beresfords die Detektei eines Mr. Blunt. Die meisten Geschichten parodieren die Methode eines damals bekannten Romandetektivs, von Sherlock Holmes bis Father Brown, und wer diese Vorbilder kennt, hat an der Sammlung doppelt Freude.

„Rotkäppchen und der böse Wolf“ versetzt das Paar in das Jahr 1940. Tommy und Tuppence gelten als zu alt für den Kriegsdienst, was beide kränkt, und bekommen dann doch einen Auftrag: In einer Pension in einem Badeort an der Küste sollen sich zwei deutsche Agenten verbergen, die unter den Decknamen N und M arbeiten. Christie schrieb den Roman mitten im Krieg, und die Angst vor einer fünften Kolonne ist darin sehr gegenwärtig.

Lauter reizende alte Damen und der letzte Fall

Mit „Lauter reizende alte Damen“ beginnt die späte Phase. Tommy und Tuppence besuchen Tommys Tante Ada im Pflegeheim Sunny Ridge, und eine freundliche alte Dame fragt Tuppence unvermittelt, ob es ihr armes Kind sei, das dort hinter dem Kamin liege. Kurz darauf ist die Frau verschwunden, zurück bleibt ein Gemälde von einem Haus an einem Kanal. Der Originaltitel zitiert die Hexen aus Shakespeares „Macbeth“: „By the pricking of my thumbs, something wicked this way comes.“ Wenn du nur einen Beresford-Roman lesen willst, ist es dieser.

„Alter schützt vor Scharfsinn nicht“ von 1973 ist der letzte Roman, den Agatha Christie überhaupt geschrieben hat; „Curtain“ mit Poirot und „Sleeping Murder“ mit Miss Marple erschienen zwar später, waren aber Jahrzehnte zuvor entstanden. Die Beresfords sind in ein altes Haus in einem kleinen Ort gezogen, und Tuppence findet in einem Kinderbuch eine versteckte Botschaft, nach der eine gewisse Mary Jordan nicht eines natürlichen Todes gestorben sei. Das Buch gilt als schwächster Roman der Reihe, weil es sich in Erinnerungen und Abschweifungen verliert. Es ist trotzdem rührend, gerade wegen dieser Abschweifungen.

Zum Haushalt gehören die Zwillinge Derek und Deborah, die Adoptivtochter Betty und Albert, der im ersten Roman als Liftboy auftaucht und im letzten der Butler des Paars ist. Und ein Hund namens Hannibal.

Tommy und Tuppence im Fernsehen

Die bekannteste Verfilmung stammt von ITV. Ab 1983 spielten Francesca Annis und James Warwick das Paar, zunächst in einem Film nach „Ein gefährlicher Gegner“, dann in einer Serie nach den Kurzgeschichten, die im deutschen Fernsehen als „Detektei Blunt“ lief. In der ITV-Reihe „Marple“ tauchte das Paar 2006 in einer freien Bearbeitung von „Lauter reizende alte Damen“ auf, gespielt von Anthony Andrews und Greta Scacchi, mit Miss Marple als zusätzlicher Ermittlerin. 2015 folgte eine BBC-Serie mit Jessica Raine und David Walliams, die die Handlung in die 1950er Jahre verlegte.

In Frankreich verfilmte Pascal Thomas „Lauter reizende alte Damen“ 2005 unter dem Titel „Mon petit doigt m’a dit…“ mit Catherine Frot und André Dussollier. Die Übertragung in die französische Provinz funktioniert erstaunlich gut.

Weitere Kriminalromane und Klassiker finden sich in der Rubrik Bücher, und wer mit dem ersten Beresford-Fall anfangen will, landet mitten in den 1920er Jahren, in denen Christie selbst ihre Karriere begann.

Fragen zu Tommy und Tuppence Beresford: die Romane

Wie viele Romane mit Tommy und Tuppence Beresford gibt es?

Agatha Christie schrieb vier Romane mit dem Paar: Ein gefährlicher Gegner (1922), Rotkäppchen und der böse Wolf (1941), Lauter reizende alte Damen (1968) und Alter schützt vor Scharfsinn nicht (1973). Dazu kommt die Kurzgeschichtensammlung Partners in Crime von 1929.

In welcher Reihenfolge liest man die Beresford-Romane?

Am besten in Erscheinungsfolge, denn die beiden altern mit jedem Buch. Im ersten Roman sind sie Anfang zwanzig und gerade aus dem Ersten Weltkrieg zurück, im letzten sind sie über siebzig. Die Kurzgeschichten gehören zeitlich zwischen den ersten und den zweiten Roman.

Wie heißen Tommy und Tuppence mit vollem Namen?

Tommy heißt Thomas Beresford, Tuppence ist der Spitzname von Prudence Cowley, die nach der Heirat den Namen Beresford trägt. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit.

Welcher Beresford-Roman war Agatha Christies letztes geschriebenes Buch?

Alter schützt vor Scharfsinn nicht, im Original Postern of Fate, erschien 1973 und ist der letzte Roman, den Christie geschrieben hat. Die später veröffentlichten Romane Curtain und Sleeping Murder hatte sie Jahrzehnte früher verfasst.

Wurden die Tommy-und-Tuppence-Romane verfilmt?

Ja, mehrfach. ITV zeigte ab 1983 Verfilmungen mit Francesca Annis und James Warwick, die in Deutschland als Detektei Blunt liefen, die BBC produzierte 2015 eine Serie mit Jessica Raine und David Walliams. In Frankreich drehte Pascal Thomas 2005 Mon petit doigt m’a dit… nach Lauter reizende alte Damen.

Was ist das Besondere an Lauter reizende alte Damen?

Der Roman beginnt mit einem Besuch bei Tommys Tante Ada im Pflegeheim Sunny Ridge, wo eine alte Dame Tuppence eine rätselhafte Frage stellt. Als diese Frau kurz darauf verschwindet, beginnt Tuppence auf eigene Faust zu ermitteln. Der Titel des Originals zitiert eine Zeile aus Shakespeares Macbeth.