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Agatha Christie Verfilmungen

Eine kleine Film-Werkschau von Zeugin der Anklage über den Orient-Express bis Kenneth Branagh

Agatha Christie Verfilmungen im Überblick: Billy Wilder, Margaret Rutherford, das Geheimnis im blauen Schloß, Orient-Express 1974, Ustinov und Branagh.

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Eintrag vom 19. Juli 2026

Agatha Christie hat 66 Kriminalromane geschrieben, und es gibt kaum einen, der nicht mindestens einmal verfilmt wurde. Eine vollständige Liste der Agatha Christie Verfilmungen würde Seiten füllen. Diese Werkschau nimmt stattdessen die Filme, die etwas verändert haben: an der Art, wie Poirot aussieht, wie Miss Marple klingt, und wie ein Whodunit im Kino funktioniert.

Die frühen Agatha Christie Verfilmungen: Clair und Wilder

René Clair drehte 1945 „And Then There Were None“, in Deutschland als „Das letzte Wochenende“ bekannt, die erste große Adaption von Christies Inselroman über zehn Fremde, die nacheinander sterben. Clair änderte das Ende, weil das Buch dem Kino der 40er zu düster war. Fast jede spätere Verfilmung übernahm diese Änderung.

Der wichtigste Film der frühen Jahre kam 1957: Billy Wilders „Zeugin der Anklage“ mit Charles Laughton als Anwalt Sir Wilfrid, Tyrone Power als Angeklagtem und Marlene Dietrich als Ehefrau, die gegen ihren Mann aussagt. Der Film basiert auf Christies Theaterstück, nicht auf einem Roman, und Wilder spielt mit dem Gerichtssaal wie mit einer Bühne. Sechs Oscarnominierungen, darunter für Laughton und für den besten Film.

Margaret Rutherford und das Geheimnis im blauen Schloß

In den 60ern gehörte Christie den Briten. Margaret Rutherford spielte Miss Marple in vier Filmen der MGM: „16 Uhr 50 ab Paddington“ (1961), „Der Wachsblumenstrauß“ (1963), „Vier Frauen und ein Mord“ (1964) und „Mörder ahoi!“ (1964). Rutherford war rundlich, laut und komisch, das Gegenteil der stillen alten Dame aus den Romanen. Christie mochte die Filme nicht, das Publikum liebte sie, und in Deutschland liefen sie jahrzehntelang im Fernsehen.

1965 kam „Geheimnis im blauen Schloß“, im Original „Ten Little Indians“, unter der Regie von George Pollock, der auch die Rutherford-Filme gedreht hatte. Die Handlung wandert von der Insel in ein Schloss in den verschneiten Alpen, mit Hugh O’Brian und Shirley Eaton in den Hauptrollen. Wenn du den Film heute siehst, fällt die Gimmick-Idee auf: Kurz vor der Auflösung hält der Film an und gibt dem Publikum eine Minute, den Mörder zu raten.

Die Star-Besetzungen der 70er und 80er

1974 änderte sich der Maßstab. Sidney Lumets „Mord im Orient-Expreß“ versammelte Albert Finney als Poirot, Lauren Bacall, Ingrid Bergman, Sean Connery, Vanessa Redgrave, Anthony Perkins und John Gielgud in einem Zug. Bergman bekam für ihre Rolle als schwedische Missionarin den Oscar als beste Nebendarstellerin. Christie selbst, damals 84, sah den Film und war zufrieden, mit einer Ausnahme: Poirots Schnurrbart war ihr zu klein.

Auf diesen Erfolg folgten die Ustinov-Jahre. Peter Ustinov spielte Poirot 1978 in „Tod auf dem Nil“ unter John Guillermin, mit Mia Farrow, Bette Davis, Maggie Smith und David Niven, 1982 in „Das Böse unter der Sonne“ und 1988 in „Rendezvous mit einer Leiche“ nach dem Roman „Der Tod wartet“, mit Lauren Bacall und Carrie Fisher. Ustinovs Poirot ist gemütlicher als der der Bücher, aber die Kulissen, ob Nilschiff oder Adria-Insel, sind das eigentliche Programm.

Miss Marple bekam 1980 ihren Starfilm: „Mord im Spiegel“ mit Angela Lansbury, Elizabeth Taylor und Rock Hudson.

Fernsehen: Suchet, Hickson und die Serien

Die beiden Darsteller, die den Figuren am nächsten kamen, arbeiteten fürs Fernsehen. Joan Hickson spielte Miss Marple in der BBC-Reihe von 1984 bis 1992, leise, beobachtend, ohne Rutherfords Klamauk. David Suchet spielte Hercule Poirot bei ITV von 1989 bis 2013 in 70 Folgen und hat damit jeden Poirot-Roman und fast jede Kurzgeschichte verfilmt. Suchet ging mit Christies Beschreibung in der Hand an die Rolle, bis zum Gang und zur Haltung der Hände.

Die BBC legte ab 2015 nach, mit düsteren Mehrteilern: „Und dann gabs keines mehr“ (2015), „Die Morde des Herrn ABC“ (2018) mit John Malkovich als gealtertem Poirot.

Branagh und die neuen Verfilmungen

Kenneth Branagh drehte 2017 „Mord im Orient-Express“ neu, mit sich selbst als Poirot und dem größten Schnurrbart der Filmgeschichte, 2022 folgte „Tod auf dem Nil“ und 2023 „A Haunting in Venice“, frei nach dem Roman „Die Schneewittchen-Party“. Die Filme sind Ausstattungskino wie 1974, nur mit Computerbildern statt gebauten Zügen.

Die Bücher hinter all dem stehen unter Bücher, die Filme in der Übersicht unter Filme und, für die Ustinov-Jahre, bei den 1970er Jahren. Eine offene Frage bleibt bei jeder neuen Verfilmung dieselbe: Ob ein Publikum, das die Lösung längst kennt, noch einmal mitraten will. Bisher hat es das jedes Mal getan.

Fragen zu Agatha Christie Verfilmungen

Welche Agatha Christie Verfilmungen gelten als die besten?

Meist werden drei genannt: Billy Wilders „Zeugin der Anklage“ von 1957, Sidney Lumets „Mord im Orient-Expreß“ von 1974 mit Albert Finney und René Clairs „Das letzte Wochenende“ von 1945 nach dem Roman um die zehn kleinen Negerlein, heute „Und dann gabs keines mehr“. Bei den Serien gilt David Suchets Poirot als Maßstab.

Was ist Geheimnis im blauen Schloß?

So heißt in Deutschland die Verfilmung von 1965 unter der Regie von George Pollock, im Original „Ten Little Indians“. Sie verlegt Christies Inselgeschichte in ein abgelegenes Schloss in den Alpen. Zur Besetzung gehören Hugh O'Brian und Shirley Eaton.

Wer hat Hercule Poirot im Kino gespielt?

Albert Finney 1974 im Orient-Express, Peter Ustinov in sechs Filmen zwischen 1978 und 1988, darunter „Tod auf dem Nil“ und „Rendezvous mit einer Leiche“, und Kenneth Branagh in seinen drei Filmen seit 2017. Im Fernsehen prägte David Suchet die Figur von 1989 bis 2013.

Gibt es aktuelle Agatha Christie Verfilmungen?

Kenneth Branagh drehte „Mord im Orient-Express“ (2017), „Tod auf dem Nil“ (2022) und „A Haunting in Venice“ (2023), jeweils mit sich selbst als Poirot. Die BBC produzierte Mehrteiler wie „Und dann gabs keines mehr“ (2015) und „Die Morde des Herrn ABC“ (2018) mit John Malkovich.