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Ungewöhnliche Todesfälle in der Antike: von Drakon bis Hypatia, ca

620 v. Chr. bis 415 n. Chr

Eine Liste ungewöhnlicher Todesfälle der Antike: Drakon, Arrhichion, Aischylos, Milon, Chrysippos, Qin Shi Huangdi, Pyrrhos, Plinius, Arius und Hypatia, mit Quellen und Legendenstatus.

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Eintrag vom 18. Aug. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Manche Todesfälle der Antike sind so seltsam, dass sie die Überlieferung aus eigener Kraft überlebt haben. Ein Gesetzgeber, der unter Hüten erstickt. Ein Philosoph, der sich über einen Esel totlacht. Ein Kaiser, der an seinem Unsterblichkeitstrank stirbt. Diese Liste ungewöhnlicher Todesfälle reicht von Athen um 620 v. Chr. bis nach Alexandria im Jahr 415 n. Chr., und bei jedem Fall steht dabei, wer ihn erzählt und wie viel man ihm glauben darf.

Das ist keine Nebensache. Antike Autoren schrieben Todesgeschichten oft mit Absicht: als Pointe, als Strafe der Götter, als Polemik gegen einen Gegner. Wer die Liste liest, liest immer auch, wie die Antike über Tod und Charakter dachte.

Griechenland: Gesetzgeber, Athleten und Dichter

Drakon gab Athen um 621 v. Chr. seine ersten schriftlichen Gesetze, die so hart waren, dass „drakonisch“ bis heute ein Wort dafür ist. Die Suda, ein byzantinisches Lexikon aus dem 10. Jahrhundert, berichtet, er sei im Theater von Aigina gestorben: Die Zuschauer hätten ihm nach griechischer Sitte Mäntel und Hüte zugeworfen, so viele, dass er darunter erstickte. Zwischen Ereignis und Aufzeichnung liegen anderthalb Jahrtausende. Als historischer Befund taugt die Geschichte nicht, als Anekdote über einen Mann, den seine eigene Popularität begrub, ist sie perfekt.

Arrhichion von Phigalia ist der einzige Olympiasieger, der seinen Titel tot gewann. Beim Pankration von 564 v. Chr., einer Mischung aus Ringen und Faustkampf fast ohne Regeln, hielt ihn sein Gegner im Würgegriff. Arrhichion brach ihm mit letzter Kraft den Fuß oder Zeh, der Gegner hob die Hand zum Zeichen der Aufgabe, und im selben Moment starb Arrhichion. Die Kampfrichter setzten dem Toten den Kranz auf. Pausanias und Philostratos erzählen die Szene, und in Phigalia stand noch Jahrhunderte später seine Statue.

Aischylos, der älteste der drei großen Tragödiendichter, starb um 456 v. Chr. in Gela auf Sizilien. Nach Valerius Maximus und Plinius dem Älteren ließ ein Adler eine Schildkröte auf seinen kahlen Schädel fallen, den der Vogel für einen Felsen gehalten habe, an dem sich der Panzer zerschlagen würde. Ein Orakel hatte Aischylos angeblich vor einem Schlag „von oben“ gewarnt, weshalb er sich im Freien aufhielt. Zu schön, um wahr zu sein, und vermutlich genau das.

Milon von Kroton, sechsfacher Olympiasieger im Ringen aus der griechischen Kolonie in Süditalien, soll im hohen Alter einen mit Keilen gespaltenen Baumstamm mit bloßen Händen auseinanderreißen gewollt haben. Die Keile fielen heraus, der Stamm schloss sich um seine Hände, und Wölfe fanden ihn in der Nacht. Strabon und Pausanias überliefern es als Warnung vor dem Stolz eines Mannes, der nicht wahrhaben wollte, dass seine Kraft nachließ.

Philosophen und Könige

Chrysippos von Soloi, der die Stoa nach Zenon und Kleanthes neu ordnete, starb um 206 v. Chr. in Athen. Diogenes Laertios bietet zwei Varianten an. In der ersten trinkt der alte Mann bei einem Opferfest unverdünnten Wein, bekommt Schwindel und stirbt fünf Tage später. In der zweiten sieht er einen Esel seine Feigen fressen, ruft der Magd zu, sie solle dem Tier reinen Wein dazu geben, und lacht sich an seinem eigenen Witz zu Tode. Die zweite Version ist die berühmtere. Sie passt allerdings verdächtig gut zum Bild des Philosophen, der noch im Sterben ein Argument hat.

Pyrrhos von Epirus, der König, dessen teure Siege über Rom bis heute als „Pyrrhussieg“ bezeichnet werden, fiel 272 v. Chr. bei Straßenkämpfen in Argos. Plutarch berichtet, eine alte Frau habe vom Dach aus einen Ziegel auf ihn geworfen, als er gerade mit ihrem Sohn kämpfte. Der Ziegel traf ihn im Nacken, er stürzte betäubt vom Pferd, und ein Soldat schnitt ihm den Kopf ab. Ein Feldherr, der Elefanten gegen Legionen führte, starb durch einen Dachziegel aus der Hand einer Mutter.

Und dann China. Qin Shi Huangdi, der 221 v. Chr. die streitenden Reiche einte, sich zum ersten Kaiser ausrief und die Terrakotta-Armee bauen ließ, fürchtete den Tod mehr als jeden Feind. Er schickte Expeditionen nach dem Elixier der Unsterblichkeit aus und nahm auf Rat seiner Alchemisten Pillen mit Quecksilber, das damals als lebensverlängernd galt. Sima Qian, der Hofhistoriker der folgenden Han-Dynastie, beschreibt, wie der Kaiser 210 v. Chr. auf einer Inspektionsreise starb. Seine Berater verheimlichten den Tod und ließen Wagen mit gesalzenem Fisch neben der Leiche fahren, um den Geruch zu überdecken.

Rom: ein Naturforscher am Vesuv

Plinius der Ältere, Verfasser der 37 Bücher „Naturalis historia“, kommandierte im August 79 n. Chr. die römische Flotte in Misenum, als der Vesuv ausbrach. Er ließ Schiffe klarmachen, zunächst aus wissenschaftlicher Neugier, dann zur Rettung von Freunden an der Küste. Sein Neffe Plinius der Jüngere schildert in zwei Briefen an Tacitus, wie der Onkel in Stabiae zu Abend aß, schlief, sich mit einem Kissen auf dem Kopf gegen den Steinregen schützte und am Strand zusammenbrach, vermutlich erstickt an Schwefeldämpfen. Es ist der einzige Todesfall dieser Liste, den ein Augenzeuge aus nächster Nähe aufgeschrieben hat.

Alexandria: Arius und Hypatia

Die beiden letzten Fälle spielen im spätantiken Alexandria und sind beide Teil eines religiösen Konflikts.

Arius, Priester aus Alexandria, hatte mit seiner Lehre, der Sohn sei dem Vater nicht wesensgleich, die Kirche des 4. Jahrhunderts gespalten. 336 stand er in Konstantinopel kurz vor seiner Rehabilitierung, als er in einer öffentlichen Latrine starb: Nach Athanasius und Sokrates Scholastikos platzten ihm die Eingeweide, wie einst dem Verräter Judas. Der Bericht stammt von seinen erbittertsten Gegnern und war als Beweis eines Gottesurteils gemeint. Ob Arius vergiftet wurde oder einer Darmerkrankung erlag, lässt sich nicht mehr sagen.

Hypatia, Mathematikerin, Astronomin und Leiterin der neuplatonischen Schule in Alexandria, war die bekannteste Gelehrte ihrer Stadt und beriet den römischen Präfekten Orestes. Im März 415 geriet sie zwischen die Fronten von Orestes und Bischof Kyrill. Sokrates Scholastikos berichtet, eine Menge unter Führung eines gewissen Petros habe sie aus ihrem Wagen gezerrt, in das Kaisareion geschleppt, mit Scherben getötet und die Überreste verbrannt. Der Althistoriker Alan Cameron hat sich mit der Chronologie ihres Lebens befasst und plädiert für ein Geburtsjahr um 355, womit sie bei ihrem Tod etwa sechzig gewesen wäre, nicht die junge Frau der späteren Legende.

Ihr Tod wurde vom 18. Jahrhundert an als Symbol gelesen: bei Voltaire für die Intoleranz der Kirche, bei Charles Kingsley als viktorianischer Roman, 2009 im Film „Agora“ mit Rachel Weisz. Die Quellen geben das Symbol her, aber sie geben auch etwas anderes her: einen Machtkampf zwischen zwei Männern, den eine Frau mit dem Leben bezahlte.

Wenn du die Fälle des 20. Jahrhunderts dagegenhalten willst, findest du sie in den Listen der einzelnen Jahrzehnte, und weitere Bücher zur Antike unter Sachbücher.

Fragen zu Ungewöhnliche Todesfälle in der Antike:

Wie starb Drakon, der Gesetzgeber von Athen?

Der Überlieferung nach erstickte Drakon im Theater von Aigina unter Mänteln und Hüten, die ihm begeisterte Zuschauer als Ehrenbezeugung zuwarfen. Die Geschichte stammt aus dem byzantinischen Lexikon Suda und gilt als Legende, nicht als gesicherter Befund.

Ist Aischylos wirklich durch eine Schildkröte gestorben?

So erzählen es Valerius Maximus und Plinius der Ältere: Ein Adler habe eine Schildkröte auf den kahlen Kopf des Dichters fallen lassen, weil er ihn für einen Felsen hielt. Gesichert ist nur, dass Aischylos um 456 v. Chr. in Gela auf Sizilien starb.

Welche Quelle berichtet vom Tod der Hypatia?

Der Kirchenhistoriker Sokrates Scholastikos schildert im 5. Jahrhundert, wie eine christliche Menge die Philosophin im März 415 in Alexandria aus ihrem Wagen zerrte, in eine Kirche schleppte und tötete. Sein Bericht ist die wichtigste zeitnahe Quelle.

Warum gilt der Tod des Chrysippos als ungewöhnlich?

Diogenes Laertios überliefert zwei Versionen: Entweder starb der stoische Philosoph nach zu viel unverdünntem Wein bei einem Opferfest, oder er lachte sich zu Tode, als er einen Esel Feigen fressen sah und ausrief, man solle dem Tier Wein dazu reichen.

Was hat der erste Kaiser von China mit ungewöhnlichen Todesfällen zu tun?

Qin Shi Huangdi suchte ein Elixier der Unsterblichkeit und nahm nach dem Bericht des Historikers Sima Qian quecksilberhaltige Pillen ein. Er starb 210 v. Chr. auf einer Inspektionsreise, mutmaßlich an genau dieser Medizin.