3sat Die Räuber
Der Film von Matthias Schmidt nach Friedrich Schillers Drama mit Götz Schulte und Valery Tscheplanowa und was das Stück von 1781 bis heute trägt
3sat Die Räuber: Matthias Schmidts Film nach Friedrich Schillers Drama mit Götz Schulte und Valery Tscheplanowa. Worum es in Schillers Erstling von 1781 geht und welche Verfilmungen es gibt.
3sat Die Räuber: So ist die Verfilmung von Friedrich Schillers Drama, die Matthias Schmidt mit Götz Schulte und Valery Tscheplanowa in den Hauptrollen gedreht hat und die auf 3sat lief. Ein Text von 1781 im Fernsehen, gesprochen von Schauspielern, die vom Theater kommen. Wer den Film gesehen hat, will meist zurück zum Stück. Wer das Stück kennt, sieht im Film, was Schiller mit 21 Jahren schon gewusst hat.
Die Räuber von Friedrich Schiller: das Stück
Karl Moor, der ältere Sohn des Grafen Maximilian von Moor, studiert in Leipzig und lebt über seine Verhältnisse. Sein jüngerer Bruder Franz, hässlich, klug und vom Vater nie geliebt, fälscht Briefe, bringt den Vater dazu, Karl zu verstoßen, und macht sich selbst zum Herrn des Hauses. Karl, der um Vergebung bitten wollte, erfährt von der Verstoßung und tut, was Schiller seinem Publikum als Konsequenz vorführt: Er wird Hauptmann einer Räuberbande in den böhmischen Wäldern und will die Ungerechtigkeit der Welt mit Gewalt beantworten.
Franz sperrt unterdessen den Vater in einen Turm, um ihn verhungern zu lassen, und bedrängt Amalia, Karls Verlobte. Am Ende kehrt Karl zurück, findet den Vater, verliert ihn, tötet Amalia auf ihren eigenen Wunsch, und Franz erdrosselt sich, als die Räuber das Schloss stürmen. Karl stellt sich einem armen Tagelöhner, damit der das Kopfgeld bekommt.
Das ist die Handlung. Was das Stück trägt, ist die Sprache: Monologe, in denen Franz seine Bosheit begründet wie ein Philosoph und Karl seine Verzweiflung wie ein Prediger. Kein deutsches Drama davor hatte so geklungen.
Schiller 1781: Entstehung und Uraufführung
Schiller schrieb Die Räuber als Zögling der Hohen Karlsschule in Stuttgart, einer Militärakademie des Herzogs Karl Eugen von Württemberg, heimlich und gegen die Regeln des Hauses. 1781 ließ er das Stück anonym drucken, auf eigene Kosten, was ihn in Schulden stürzte. Der Mannheimer Intendant Wolfgang Heribert von Dalberg nahm es an, verlangte aber Entschärfungen und verlegte die Handlung ins Spätmittelalter.
Die Uraufführung am 13. Januar 1782 am Nationaltheater Mannheim ist eine der berühmtesten der deutschen Theatergeschichte. Berichte sprechen von Zuschauern, die aufsprangen, sich in die Arme fielen und schluchzten. Schiller war heimlich aus Stuttgart angereist. Nach der zweiten unerlaubten Reise verbot ihm der Herzog jedes weitere Schreiben, und Schiller floh im September 1782 aus Württemberg.
Du brauchst dieses Vorwissen nicht, um das Stück zu verstehen. Es erklärt aber, warum der Text so wütend ist.
Die Räuber als Film: Matthias Schmidt, Götz Schulte, Valery Tscheplanowa
Die Räuber sind schwer zu verfilmen, weil die großen Monologe auf der Bühne funktionieren und vor der Kamera schnell hohl klingen. Jede Verfilmung muss entscheiden, ob sie den Text kürzt oder die Kamera ihm folgen lässt. Der Film von Matthias Schmidt setzt mit Götz Schulte und Valery Tscheplanowa auf zwei Darsteller, die vom Sprechtheater kommen. Tscheplanowa, die unter anderem am Staatsschauspiel Dresden und in Berlin gespielt hat, gilt als eine der sprachgenauesten Schauspielerinnen ihrer Generation; sie erhielt 2017 den Alfred-Kerr-Darstellerpreis.
Neben dieser Fassung gibt es Aufzeichnungen großer Theaterinszenierungen, die 3sat und ARTE in ihren Theaterreihen zeigen. Verdi machte aus dem Stoff 1847 die Oper „I masnadieri“ für London.
Was von Schillers Räubern bleibt
Der Räuber Karl Moor ist der erste Rebell der deutschen Literatur, der weiß, dass sein Weg falsch ist, und ihn trotzdem geht. Das unterscheidet ihn von den Räuberromantikern der folgenden Jahrzehnte und macht ihn bis heute zu einer Rolle, an der sich junge Schauspieler messen.
Wer Schiller nach den Räubern weiterlesen will, findet unter Bücher die Dramen „Kabale und Liebe“ und „Don Karlos“, und in der Übersicht der 1780er Jahre die Zeit, in der aus dem Regimentsmedikus der Dichter wurde. Der Satz, mit dem Franz Moor seine Intrige eröffnet, „Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein“, gehört seit 1782 zu den meistzitierten des deutschen Theaters.
Fragen zu 3sat Die Räuber: Der Film
Worum geht es in Die Räuber von Friedrich Schiller?
Zwei Brüder aus dem fränkischen Adelsgeschlecht Moor: Karl, der Erstgeborene, wird durch eine Intrige seines Bruders Franz vom Vater verstoßen und wird Hauptmann einer Räuberbande in den böhmischen Wäldern. Franz übernimmt Schloss, Erbe und bedrängt Karls Verlobte Amalia. Am Ende sind Vater, Franz und Amalia tot, und Karl stellt sich der Justiz.
Wann wurde Die Räuber uraufgeführt?
Am 13. Januar 1782 am Nationaltheater Mannheim unter dem Intendanten Wolfgang Heribert von Dalberg. Schiller hatte das Stück 1781 anonym und auf eigene Kosten drucken lassen. Zur Aufführung reiste er ohne Erlaubnis seines Landesherrn aus Stuttgart an.
Gibt es Die Räuber als Film?
Ja, mehrere. Auf 3sat lief eine Verfilmung von Matthias Schmidt mit Götz Schulte und Valery Tscheplanowa. Daneben gibt es Fernsehaufzeichnungen bekannter Inszenierungen, und Giuseppe Verdi machte 1847 aus dem Stoff die Oper „I masnadieri“.
Warum gilt Die Räuber als Schlüsselwerk des Sturm und Drang?
Weil ein 21-jähriger Militärarzt darin gegen Vater, Fürst und Gesellschaft anschreibt, mit einer Sprache, die Regeln bricht, und einem Helden, der Recht mit Gewalt durchsetzen will und daran scheitert. Die Uraufführung löste bei den Zuschauern Tumulte aus und machte Schiller über Nacht bekannt.