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France Gall – Poupée de cire, poupée de son

Der Grand-Prix-Sieg 1965 und ihre deutschen Schlagerjahre

France Gall gewann 1965 mit „Poupée de cire, poupée de son“ den Grand Prix für Luxemburg: ihre deutschen Schlagerjahre, Michel Berger und „Ella, elle l’a“.

Musik1960er1965
Eintrag vom 7. Jan. 2018 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Beim Grand Prix Eurovision de la Chanson 1965 in Neapel stand eine 17-jährige Pariserin für Luxemburg auf der Bühne und sang über eine Puppe aus Wachs und Kleie, die Liebeslieder singt, ohne selbst etwas von Liebe zu wissen. Das Lied hieß „Poupée de cire, poupée de son“, geschrieben hatte es Serge Gainsbourg, und France Gall hatte es sich aus einer Auswahl von zehn Titeln selbst ausgesucht. Sie gewann.

Poupée de cire, poupée de son: der Grand-Prix-Sieg für Luxemburg

Geboren wurde France Gall am 9. Oktober 1947 in Paris als Isabelle Geneviève Marie Anne Gall, in eine Familie, in der Musik zum Beruf gehörte. Ihr Vater Robert Gall schrieb Chansons für Charles Aznavour und Édith Piaf. Mit Gainsbourgs „Laisse tomber les filles“ hatte sie 1964 schon einen ersten Erfolg, der Grand Prix machte sie dann über Frankreich hinaus bekannt.

Die Zusammenarbeit mit Gainsbourg hatte eine Kehrseite. 1966 nahm sie sein Lied „Les sucettes“ auf, das an der Oberfläche von Lutschern handelt und sich ebenso als Beschreibung von Oralverkehr lesen lässt. France Gall sagte später, sie hätte es nie gesungen, wenn sie die zweite Bedeutung gekannt hätte. Wenn du den Text heute liest, fällt es schwer zu glauben, dass das außer ihr niemandem im Studio aufgefallen sein soll.

Zwei Apfelsinen im Haar: die deutschen Jahre

Von 1966 bis 1972 war France Gall vor allem in der Bundesrepublik zu hören. Sie nahm deutsche Schlager auf, oft mit dem Orchester Werner Müller, und für „Zwei Apfelsinen im Haar“, ihre Version von Chico Buarques „A Banda“, bekam sie 1968 eine Goldene Schallplatte. Beim Deutschen Schlager-Wettbewerb wurde sie 1968 mit „Der Computer Nr. 3“ Dritte, 1969 noch einmal mit „Ein bißchen Goethe, ein bißchen Bonaparte“, das bis auf Platz 14 der Charts stieg. 1970 landete „Dann schon eher der Piano-Player“ auf dem vorletzten Platz. Unter den Komponisten ihrer deutschen Lieder waren Heinz Buchholz und der junge Giorgio Moroder.

Titel wie „Zwei Verliebte zieh’n durch Europa“, „Ali Baba und die 40 Räuber“ oder „Ich bin zuckersüß“ stehen stilistisch in scharfem Kontrast zu dem, was sie später in Frankreich sang. Die Jugendzeitschrift Bravo zeichnete sie 1969 und 1971 mit dem Bronzenen und 1970 mit dem Silbernen Otto aus. Glücklich machte sie diese Zeit nicht. Im Rückblick sagte sie, sie habe durch die ständigen Auftritte keine normale Jugend gehabt.

Michel Berger und die zweite Karriere

1974 schlug ihr der Komponist Michel Berger vor, gemeinsam das Lied „Mon fils rira du rock’n’roll“ aufzunehmen. Die beiden verliebten sich, im selben Jahr schrieb Berger für sie „La déclaration d’amour“, 1976 heirateten sie in Paris und bekamen zwei Kinder, Pauline und Raphaël. Berger schrieb ihr fortan die Lieder auf den Leib, und France Gall wurde in Frankreich zu einer der erfolgreichsten Popsängerinnen ihrer Generation. 1978 sang sie in seinem Musical „Starmania“, 1980 nahm sie mit Elton John „Donner pour donner“ auf, es folgten „Il jouait du piano debout“, „Tout pour la musique“, „Débranche“ und „Hong Kong Star“.

Das Album „Babacar“ von 1987 wurde in Frankreich mit Diamant ausgezeichnet. Darauf stand „Ella, elle l’a“, eine Hommage an Ella Fitzgerald, die 1988 zum größten Erfolg ihrer Karriere in Deutschland wurde: vier Wochen Platz eins, die fünftmeistverkaufte Single des Jahres in der Bundesrepublik, erfolgreicher als in Frankreich. Nach über 15 Jahren ohne deutschen Hit kannte plötzlich eine neue Generation ihre Stimme. Später coverten Alizée und Kate Ryan das Lied.

Verluste und Rückzug

Am 2. August 1992 starb Michel Berger mit 44 Jahren völlig überraschend bei einer Tennispartie. Ein Jahr später erkrankte France Gall an Brustkrebs. Mitte der 1990er Jahre erschien mit „France“ ihr letztes Studioalbum, auf dem sie eigene Hits und Lieder Bergers neu aufnahm. 1997 starb ihre Tochter Pauline mit 19 Jahren an Mukoviszidose. France Gall zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Auf ein Hommage-Album reagierte sie gereizt: Als die Sängerin Jenifer Bartoli 2013 unter dem Titel „Ma déclaration“ zwölf ihrer Lieder coverte, kam es zu einem öffentlichen Streit. France Gall starb am 7. Januar 2018 in Neuilly-sur-Seine an einer Krebserkrankung, die zwei Jahre zuvor erneut ausgebrochen war. Mehr Musik aus den 1960er Jahren steht im Bereich Musik.

Comme d’habitude: ein Lied über France Gall

Eine Geschichte gehört noch dazu, weil sie zeigt, wie weit France Galls Einfluss reichte, ohne dass ihr Name auftaucht. Der Chansonnier Claude François, mit dem sie eine Beziehung hatte, schrieb nach der Trennung Ende 1966 eine Ballade mit dem englischen Titel „For You“. Gemeinsam mit dem Komponisten Jacques Revaux und dem Texter Gilles Thibault entstand daraus 1967 in François’ Landhaus in Dannemois „Comme d’habitude“, ein Lied über die Routine einer erkalteten Liebe. Paul Anka schrieb einen neuen englischen Text, und Frank Sinatra machte „My Way“ 1969 zum Welterfolg.

Fragen zu France Gall

Mit welchem Lied gewann France Gall den Grand Prix Eurovision?

Mit „Poupée de cire, poupée de son“ von Serge Gainsbourg, 1965 in Neapel. Sie trat für Luxemburg an, war 17 Jahre alt und hatte sich das Lied selbst aus einer Auswahl von zehn Titeln ausgesucht.

Hat France Gall auch auf Deutsch gesungen?

Ja, von 1966 bis 1972 nahm sie in der Bundesrepublik deutsche Schlager auf, unter anderem mit dem Orchester Werner Müller. „Zwei Apfelsinen im Haar“ brachte ihr 1968 eine Goldene Schallplatte ein, beim Deutschen Schlager-Wettbewerb wurde sie 1968 und 1969 jeweils Dritte.

Wovon handelt „Ella, elle l’a“?

Das Lied ist eine Hommage an die Jazzsängerin Ella Fitzgerald. Es stand 1988 vier Wochen auf Platz eins der deutschen Charts und war dort erfolgreicher als in Frankreich. Später coverten es unter anderem Alizée und Kate Ryan.

Wer war Michel Berger?

Ein französischer Komponist und Sänger, der ab 1974 viele Lieder für France Gall schrieb und sie 1976 heiratete. Er komponierte auch das Musical „Starmania“. Berger starb am 2. August 1992 mit 44 Jahren beim Tennisspielen.

Wann ist France Gall gestorben?

Am 7. Januar 2018 in Neuilly-sur-Seine bei Paris, im Alter von 70 Jahren. Sie erlag einer Krebserkrankung, die zwei Jahre zuvor erneut ausgebrochen war.

Was hat „My Way“ mit France Gall zu tun?

Claude François verarbeitete Ende 1966 die gescheiterte Beziehung mit France Gall in einer Ballade. Daraus entstand 1967 mit Jacques Revaux und Gilles Thibault „Comme d’habitude“, das mit englischem Text als „My Way“ durch Frank Sinatra weltberühmt wurde.