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Träume von Freiheit – Flammen am Meer

Silke Böschens Roman über die Thomas-Katastrophe von Bremerhaven 1875

Silke Böschens Romandebüt „Träume von Freiheit – Flammen am Meer“ über die Dynamit-Explosion in Bremerhaven 1875 und zwei Frauen, deren Leben sie veränderte.

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Eintrag vom 9. Juli 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Träume von Freiheit – Flammen am Meer: Silke Böschens Roman über die Thomas-Katastrophe von Bremerhaven 1875

Am Vormittag des 11. Dezember 1875 drängen sich am Hafen von Bremerhaven Auswanderer, Angehörige und Schaulustige. Der Dampfer „Mosel“ des Norddeutschen Lloyd soll gleich nach New York ablegen. Beim Verladen des Gepäcks rutscht ein schweres Fass ab, dann zerreißt eine Explosion den Kai. Menschen, Pferde und ganze Fuhrwerke werden durch die Luft geschleudert.

Mit dieser Szene beginnt „Träume von Freiheit – Flammen am Meer“, der erste Roman der Journalistin Silke Böschen. Er erschien am 10. Juli 2019 im Gmeiner-Verlag, hat 439 Seiten und erzählt eine Geschichte, die sich tatsächlich so zugetragen hat.

Die Thomas-Katastrophe

Hinter dem Anschlag stand ein Mann, der in Dresden als honoriger Amerikaner galt: William King Thomas, zweiter Vorsitzender des American Club. Sein Vermögen stammte aus Betrügereien und war längst aufgebraucht. Um wieder an Geld zu kommen, füllte er ein Fass mit Dynamit, deklarierte es als wertvolle Fracht, versicherte es hoch und baute ein Uhrwerk ein, das die Ladung mitten auf dem Atlantik zünden sollte. Das Schiff wäre spurlos gesunken, die Versicherung hätte gezahlt.

Eine Zeitbombe dieser Art war damals etwas völlig Neues. Und sie ging zu früh los, noch im Hafen. Mehr als 80 Menschen starben, fast 200 wurden verletzt, viele davon schwer. Thomas, der schon an Bord war, schoss sich zwei Kugeln in den Kopf und starb einige Tage später.

Die Presse in Europa und Amerika berichtete über Wochen. Später stellte sich heraus, dass Thomas unter falschem Namen gelebt hatte. Eigentlich hieß er Alexander Keith und stammte aus Halifax in Kanada. Die Zeitungen nannten ihn den „Dynamit-Teufel“, und als Thomas-Katastrophe ging das Unglück in die Geschichte Bremerhavens ein.

Zwei Frauen am Grab

Böschen erzählt diese Geschichte nicht aus der Sicht des Täters, sondern aus der von zwei Frauen, die beide wirklich gelebt haben. Beim Begräbnis der Opfer stehen sie sich gegenüber.

Johanne Claussen ist eine junge Kaufmannsfrau aus Bremerhaven mit einer kleinen Tochter. Die Explosion tötet ihren Mann, ihren Vater und fast die ganze übrige Familie, ihre Hand muss amputiert werden. Mit gerade einmal zwanzig Jahren ist sie Witwe und Invalidin. Langsam findet sie zurück, lernt mit der verbliebenen Hand schreiben und arbeitet sich in die Geschäfte ihres Mannes und ihres Vaters ein, in einer Zeit, in der Frauen solche Geschäfte eigentlich nicht führen durften.

Cecelia Thomas ist die Ehefrau des Attentäters. In Dresden war sie eine umschwärmte Schönheit, jetzt sitzt sie mit vier kleinen Kindern ohne Geld und ohne Ruf in ihrer Villa im Vorort Strehlen. Welchen Anteil sie selbst an dem Verbrechen hatte, ließ sich nie ganz klären. Sie nimmt einen falschen Namen an und flieht nach Amerika. Jahre später steht die eine Frau in New York unvermittelt vor der Tür der anderen.

Wenn du historische Romane magst, die sich eng an Akten und Zeitungsberichte halten, lohnt sich dieses Buch. Es folgt beiden Lebenswegen, bis sie sich in New York wieder kreuzen.

Dresden und seine Amerikaner

Eine überraschende Rolle spielt Dresden. Im späten 19. Jahrhundert lebten dort rund tausend wohlhabende Amerikaner, mit einer eigenen Kirche, englischsprachigen Zeitungen und einem Club. Es galt als schick, in der Stadt an der Elbe zu wohnen und die Kinder Deutsch lernen zu lassen. Die Familie Thomas kam 1866 dorthin, frisch verheiratet und nach damaligen Maßstäben sehr reich.

„Ich habe tagelang in der Sächsischen Staats- und Landesbibliothek gesessen und gestaunt, wie international das Leben in Dresden bis zum Ersten Weltkrieg war“, hat Böschen über ihre Recherche erzählt. Der Roman holt diese vergessene amerikanische Kolonie zurück, das Champagnerleben des Gilded Age und den Absturz, als das Geld ausging.

Die Autorin und ihre Quellen

Silke Böschen wurde in Bremerhaven geboren, der Stoff lag also gewissermaßen vor ihrer Haustür. Nach einem Zeitungsvolontariat und dem Journalistikstudium arbeitete sie viele Jahre als Moderatorin in der ARD. Nach Anne Will war sie die zweite Frau, die die „Sportschau“ präsentierte, später wurde sie das Gesicht des Politikmagazins „Kontraste“. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hamburg, arbeitet als Fernsehreporterin und gibt Seminare als Kommunikationstrainerin, besonders gern für Frauen.

Für den Roman wertete sie Passagierlisten, zeitgenössische Zeitungsberichte und Originalunterlagen der amerikanischen Detektei Pinkerton aus. Sie las Briefe, die Cecelia Thomas an ihren Mann geschrieben hatte, und suchte in Kirchenbüchern nach den Spuren der Familie Claussen. Weitere historische Romane und Krimis stehen unter Bücher, Stoffe aus dem 19. Jahrhundert unter 1800er.

„Man kann sich das Leid dieser Frau kaum vorstellen“, sagt Böschen über Johanne Claussen. Nachkommen der jungen Witwe von 1875 hat sie schließlich gefunden, in Deutschland und in Mexiko.

Fragen zu Träume

Worum geht es in „Träume von Freiheit – Flammen am Meer“?

Der Roman beginnt mit der Dynamit-Explosion im Hafen von Bremerhaven im Dezember 1875 und folgt zwei Frauen: Johanne Claussen, die dabei fast ihre ganze Familie verliert, und Cecelia Thomas, der Ehefrau des Attentäters. Beide beginnen ein neues Leben, bis die eine Jahre später in New York vor der Tür der anderen steht.

Beruht der Roman auf wahren Begebenheiten?

Ja. Die sogenannte Thomas-Katastrophe hat es gegeben, ebenso die beiden Hauptfiguren. Silke Böschen hat ihre Lebenswege in Archiven, Kirchenbüchern, Passagierlisten und Zeitungsberichten recherchiert und die Lücken mit Fiktion gefüllt.

Was war die Thomas-Katastrophe?

Am 11. Dezember 1875 explodierte am Kai von Bremerhaven ein Fass mit Dynamit, das an Bord des Lloyd-Dampfers „Mosel“ gebracht werden sollte. Sein Besitzer William King Thomas wollte das Schiff auf hoher See sprengen und die Versicherung kassieren. Mehr als 80 Menschen starben, fast 200 wurden verletzt, Thomas erschoss sich.

Wer ist Silke Böschen?

Silke Böschen stammt aus Bremerhaven und arbeitete viele Jahre als Moderatorin in der ARD. Nach Anne Will war sie die zweite Frau, die die „Sportschau“ moderierte, später präsentierte sie das Politikmagazin „Kontraste“. Sie lebt in Hamburg und arbeitet als Reporterin und Kommunikationstrainerin.

Wann ist das Buch erschienen?

„Träume von Freiheit – Flammen am Meer“ erschien am 10. Juli 2019 im Gmeiner-Verlag in der Reihe der historischen Romane, als Taschenbuch mit 439 Seiten. Es ist Silke Böschens erster Roman.