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VinTageBuch

Statusmeldungen von Stefanie Sargnagel

Radikal subjektive Texte über das sogenannte einfache Leben

„Statusmeldungen“ von Stefanie Sargnagel: wie aus Facebook-Einträgen ein Buch wurde, wer die Wiener Autorin ist und welche Bücher sie davor schrieb.

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Eintrag vom 17. Jan. 2021 · aktualisiert 11. Sept. 2026

„Lohnarbeit ist Demütigung, immer und ausnahmslos.“ Der Satz steht in einem Text, in dem die Erzählerin beklagt, dass mit jedem bezahlten Satz ein kleiner Stern in ihr erlischt, und wenige Zeilen später landet er im Tiefkühlregal: beim Schlemmerfilet von Iglo, das sie sich nach dem Formularausfüllen aufwärmen will, „Guad is des.“ So klingt „Statusmeldungen“ von Stefanie Sargnagel über weite Strecken, erst groß und verzweifelt, dann banal und wienerisch.

Statusmeldungen: ein Buch aus dem Netz

Das Buch erschien 2017 bei Rowohlt als gebundene Ausgabe mit 304 Seiten. Die meisten Texte hat Sargnagel zuerst auf Facebook veröffentlicht, als kurze Einträge zwischen Alltag, Kater und Größenwahn. Dazwischen stehen ihre Zeichnungen, die oft wie schnell hingekritzelte Comics aussehen und genau so gemeint sind. Ein Roman im klassischen Sinn ist das nicht; der Klappentext sagt selbst, man müsse es nicht Roman nennen, um davon gefesselt zu sein.

Der Rowohlt Verlag stellte Sargnagel in eine kurze Ahnenreihe. Vor ihr habe im deutschsprachigen Raum eigentlich nur Rainald Goetz mit seinem Online-Tagebuch „Abfall für alle“ eine Form im Netz gefunden, die als Literatur funktioniert. Goetz führte dieses Tagebuch 1998 und 1999, Suhrkamp brachte es anschließend als Buch heraus. Der Unterschied liegt in der Temperatur: Goetz schreibt über Theorie, Techno und den Betrieb, Sargnagel über Energydrinks, Hundekot und die Umsatzsteuer.

Worüber Stefanie Sargnagel schreibt

Ihre Themen sind das sogenannte einfache Leben, Feminismus, Aussichtslosigkeit und Depression. Das klingt schwerer, als es sich liest. Viele Einträge sind zum Brüllen komisch, einige kippen im letzten Satz ins Traurige, und fast alle leben von einem Ton, der sich jeder Pose verweigert. Der Verlag verglich ihre Texte mit einem Gipfeltreffen von Christine Nöstlinger und Heinz Strunk, aus dem beide mit einem Mordskater hervorgehen. Der Vergleich trifft, weil er beide Seiten benennt: die Wiener Kinderbuchautorin mit ihrem Blick für kleine Leute und den Hamburger Humoristen mit seiner Lust am Peinlichen.

Der Kritiker Lars Weisbrod nannte Sargnagels Buch „Fitness“ eine geniale Kombination aus „Ekelfeminismus und Größenwahn“. Das passt auch auf „Statusmeldungen“. Die Erzählerin will nicht arbeiten, lieber Gelehrte sein ohne die anstrengende Leserei oder Asketin ohne den Verzicht. Wer darin nur Faulheit sieht, überliest die Genauigkeit, mit der sie das Hamsterrad beschreibt, in dem die Figuren um sie herum stecken.

Wenn du mit Wiener Mundart nichts anfangen kannst, wirst du an manchen Stellen stolpern. Der Dialekt gehört allerdings zur Pointe, und nach zwanzig Seiten liest er sich wie von selbst.

Callcenter, Kunstakademie, Klagenfurt

Stefanie Sargnagel, geboren 1986 in Wien, studierte Malerei an der Akademie der bildenden Künste in der Klasse von Daniel Richter. Mehr Zeit verbrachte sie nach eigener Darstellung in ihrem Brotjob im Callcenter. Über die Kunststudentenpartys, auf denen sich alle benahmen, als spräche Gott zu seinen Jüngern, sobald ihr Professor auftauchte, schrieb sie einen ihrer bekanntesten Witze, in dem sie sich selbst zur Gottheit erklärt.

Aus dem Callcenter entstand ihr erstes Buch, „Binge Living – Callcenter-Monologe“, 2013 in der Wiener redelsteiner dahimène edition. 2014 folgte bei mikrotext in Berlin „In der Zukunft sind wir alle tot. Neue Callcenter-Monologe“, 2015 wieder bei redelsteiner dahimène „Fitness“. Für Vice und den Bayerischen Rundfunk berichtete sie über den Bachmannpreis, den Wiener Opernball und das Oktoberfest der FPÖ. Ihr Erkennungszeichen ist eine rote Baskenmütze.

2016 lud die Jurorin Sandra Kegel sie zum Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis nach Klagenfurt ein. Sargnagel gewann den BKS-Bank-Publikumspreis und war dadurch von Mai bis September 2017 Klagenfurter Stadtschreiberin. Seit 2016 ist sie freie Autorin. 2017 bekam sie außerdem den Sonderpreis des Österreichischen Kabarettpreises, im selben Jahr erschien mit Illustrationen von ihr „Der allerletzte Tag der Menschheit“ von Hosea Ratschiller im Holzbaum Verlag.

Politisch fällt sie auch außerhalb der Bücher auf. Sie gehört zur „Burschenschaft Hysteria“, einer feministischen Gruppe, die deutschnationale Burschenschaften parodiert und mit Aktionen rund um den Wiener Akademikerball bekannt wurde. 2020 erschien bei Rowohlt ihr Buch „Dicht. Aufzeichnungen einer Tagediebin“ über eine Jugend zwischen Beisl, Punks und Schulschwänzen, eine längere, erzählerisch geschlossenere Arbeit als die Statusmeldungen.

Im Literaturbetrieb sieht sich Sargnagel am ehesten in der Nähe von Tex Rubinowitz, dem Zeichner und Bachmannpreisträger von 2014, und sagt über sich, sie ziehe „das Untergründige mehr an als das Glamouröse“. Am Neujahrstag 2018, ein knappes Jahr nach Erscheinen der Statusmeldungen, war sie bei Elisabeth Scharang im „Doppelzimmer“ von Radio FM4 zu Gast.

Fragen zu Statusmeldungen

Was ist „Statusmeldungen“ von Stefanie Sargnagel für ein Buch?

Eine Sammlung kurzer Texte, die ursprünglich als Facebook-Einträge entstanden sind, ergänzt um Zeichnungen der Autorin. Das Buch erschien 2017 bei Rowohlt als gebundene Ausgabe mit 304 Seiten. Einen durchgehenden Roman darf man nicht erwarten, eher ein Tagebuch in Momentaufnahmen.

Wer ist Stefanie Sargnagel?

Eine Wiener Autorin und Zeichnerin, geboren 1986. Sie studierte Malerei in der Klasse von Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste Wien und arbeitete lange in einem Callcenter. Seit 2016 lebt sie vom Schreiben.

Welche Preise hat Stefanie Sargnagel bekommen?

2016 gewann sie beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt den BKS-Bank-Publikumspreis und war dadurch 2017 Klagenfurter Stadtschreiberin. Im selben Jahr erhielt sie den Sonderpreis des Österreichischen Kabarettpreises.

Welche Bücher hat Sargnagel vor „Statusmeldungen“ veröffentlicht?

„Binge Living – Callcenter-Monologe“ (2013), „In der Zukunft sind wir alle tot. Neue Callcenter-Monologe“ (2014) und „Fitness“ (2015). Die beiden Callcenter-Bände verarbeiten ihren Nebenjob, „Fitness“ versammelt Facebook-Texte.

Mit wem wird Stefanie Sargnagel verglichen?

Der Verlag beschreibt ihre Texte als Gipfeltreffen von Christine Nöstlinger und Heinz Strunk. Als Vorläufer im Netz gilt Rainald Goetz mit seinem Online-Tagebuch „Abfall für alle“. Sie selbst sieht sich am ehesten in der Nähe von Tex Rubinowitz.