Sing, Sing, Sing (With a Swing)
Louis Prima, Benny Goodman, Anita O’Day und die Geschichte des Swing-Klassikers
Sing, Sing, Sing (With a Swing) von Louis Prima wurde durch Benny Goodman und Gene Krupa zum Big-Band-Klassiker: Entstehung 1936, die Aufnahme von 1937, Carnegie Hall 1938 und Anita O’Days Version.
Vier Takte Tom-Tom, dann setzt die Klarinette ein: „Sing, Sing, Sing (With a Swing)“ ist das Stück, an das die meisten Menschen denken, wenn sie Swing hören. Es stammt von Louis Prima, wurde von Benny Goodman zum Monument gebaut, von Gene Krupa am Schlagzeug getragen und Jahrzehnte später von Anita O’Day gesungen. Die Geschichte des Stücks ist die Geschichte der Big-Band-Ära in Kurzform.
Louis Prima schreibt einen Song
Louis Prima, 1910 in New Orleans geboren, Trompeter, Sänger und Entertainer, schrieb „Sing, Sing, Sing“ 1936 und nahm es Anfang des Jahres mit seiner Gruppe, den New Orleans Gang, auf. Seine Version ist ein Gesangsstück von gut zwei Minuten, fröhlich, mit Text und einem Trompetensolo, im Tempo einer New-Orleans-Band. Nichts daran kündigt an, was ein Jahr später daraus werden sollte.
Prima selbst wurde später mit einer ganz anderen Musik berühmt: In den Fünfzigern trat er in Las Vegas mit Keely Smith und dem Saxophonisten Sam Butera auf und erfand mit „Just a Gigolo / I Ain’t Got Nobody“ so etwas wie den Lounge-Rock’n’Roll. 1967 lieh er im Disney-Film „Das Dschungelbuch“ dem Orang-Utan King Louie seine Stimme.
Benny Goodman und der 6. Juli 1937
Benny Goodmans Orchester hatte den Song zunächst als Gesangsnummer im Repertoire. Dann übernahm Jimmy Mundy das Arrangement und baute es um: längere Solostrecken, ein durchgehendes Tom-Tom-Muster für Gene Krupa, und in der Mitte den Riff aus „Christopher Columbus“, einem Hit von Fletcher Hendersons Orchester aus dem Vorjahr, geschrieben von dem Saxophonisten Chu Berry. Aus zwei Minuten wurden über acht.
Am 6. Juli 1937 nahm die Band das Stück in Hollywood für Victor auf. Es passte auf keine Seite einer 10-Zoll-Schellackplatte, also erschien es auf einer 12-Zoll-Platte mit zwei Seiten, eine Seltenheit für Tanzmusik. Solisten waren Harry James an der Trompete, Vido Musso am Tenorsaxophon, Goodman an der Klarinette und Krupa, dessen Schlagzeug hier zum ersten Mal in einer populären Aufnahme so weit im Vordergrund stand. Im selben Jahr spielte die Band das Stück im Busby-Berkeley-Film „Hollywood Hotel“, was ihm ein Publikum weit über die Jazzfans hinaus verschaffte.
Krupas Beitrag ist schwer zu überschätzen. Bis dahin hielt das Schlagzeug in einer Big Band den Takt und blieb im Hintergrund. Der treibende Rhythmus auf den Standtoms machte den Schlagzeuger zum Star, und Krupa verließ Goodman 1938 im Streit, um ein eigenes Orchester zu gründen.
Carnegie Hall, 16. Januar 1938
Das Konzert in der Carnegie Hall war das erste Jazzkonzert in New Yorks wichtigstem Konzertsaal, und „Sing, Sing, Sing“ war das Finale. Die Band dehnte das Stück auf über zwölf Minuten. Nach den geplanten Solos gab Goodman dem Pianisten Jess Stacy ein Zeichen, und Stacy spielte zwei Minuten lang ein ruhiges, fast impressionistisches Solo, das mit dem Rest des Stücks kaum etwas zu tun hatte und genau deshalb bis heute als einer der großen Augenblicke des aufgenommenen Jazz gilt.
Die Mitschnitte lagen zwölf Jahre in einem Schrank. 1950 veröffentlichte Columbia das Konzert auf Langspielplatte, und die Aufnahme wurde zu einem der meistverkauften Jazzalben überhaupt.
Anita O’Day und die Gesangsversionen
Anita O’Day war von 1941 bis 1943 Sängerin in Gene Krupas Orchester, also bei dem Mann, der das Stück mit seinem Schlagzeug geprägt hatte. 1958 nahm sie für Verve das Album „Anita O’Day Sings the Winners“ auf, eine Sammlung von Big-Band-Hits mit ihren eigenen Interpretationen, darunter „Sing, Sing, Sing“ mit Text. Ihr Phrasierung, hinter dem Beat und mit dem trockenen Ton, den sie in Krupas Band gelernt hatte, macht aus dem Instrumentalmonument wieder einen Song. Im selben Jahr trat sie beim Newport Jazz Festival auf, gefilmt für „Jazz on a Summer’s Day“, mit Hut und Handschuhen, und wurde damit über den Jazz hinaus bekannt.
Andere Sänger versuchten sich ebenfalls an Primas Text, aber keine Gesangsversion hat die Verbreitung der Goodman-Aufnahme je erreicht.
Ein Stück, das nicht altert
„Sing, Sing, Sing“ ist seit den Fünfzigern nie aus dem Repertoire verschwunden. Erich Kunzel nahm es mit dem Cincinnati Pops Orchestra auf, mit Eddie Daniels an der Klarinette, und machte es zum Paradestück eines Sinfonieorchesters im Big-Band-Format. Der Film „Swing Kids“ von 1993 erzählte die Geschichte der Hamburger Swing-Jugend unter dem Nationalsozialismus und benutzte das Stück als Leitmotiv. 1998 tanzten in der Gap-Werbung „Khakis Swing“ junge Leute in beigen Hosen dazu, und die Lindy-Hop-Szene bekam für ein paar Jahre Zulauf wie nie seit den Vierzigern.
Bis heute ist es das Stück, das Swing-Tanzveranstaltungen beenden, weil nach diesen acht Minuten niemand mehr etwas Schnelleres tanzen kann.
Mehr Musik der Swing-Ära findest du unter Musik, und die Bands, Filme und Bücher des Jahrzehnts stehen im Überblick zu den 1930er Jahren.
Fragen zu Sing, Sing, Sing (With a Swing): Louis Prima, Benny Goodman, Anita O’Day und die Geschichte des Swing-Klassikers
Wer hat Sing, Sing, Sing geschrieben?
Louis Prima, Trompeter und Sänger aus New Orleans, schrieb das Stück 1936 und nahm es im selben Jahr mit seiner Band, den New Orleans Gang, auf. Der vollständige Titel lautet Sing, Sing, Sing (With a Swing).
Warum ist die Version von Benny Goodman so berühmt?
Goodmans Orchester machte aus Primas Song 1937 ein achtminütiges Instrumentalstück mit Jimmy Mundys Arrangement, Gene Krupas Tom-Tom-Rhythmus und Solos von Harry James und Goodman selbst. Es füllte beide Seiten einer 12-Zoll-Schellackplatte und wurde zum Erkennungsstück der Swing-Ära.
Was geschah beim Carnegie-Hall-Konzert 1938?
Am 16. Januar 1938 spielte Goodmans Band das Stück als Finale ihres Konzerts in der Carnegie Hall, über zwölf Minuten lang. Pianist Jess Stacy spielte ein ungeplantes, ruhiges Solo, das heute als einer der großen Momente des Jazz gilt. Der Mitschnitt erschien 1950 auf Platte.
Hat Anita O’Day Sing, Sing, Sing gesungen?
Ja. Anita O’Day, die Anfang der Vierziger Sängerin in Gene Krupas Orchester war, nahm das Stück 1958 für ihr Verve-Album Anita O’Day Sings the Winners mit Text auf, eine der wenigen bekannten Gesangsversionen.
Welche Melodie steckt noch in Goodmans Version?
Das Arrangement baut Christopher Columbus ein, einen Hit von Fletcher Hendersons Orchester aus dem Jahr 1936. Dadurch verlängert sich das Stück und bekommt seinen zweiten Teil mit dem berühmten Riff.
Wo ist das Stück heute noch zu hören?
Im Film Swing Kids von 1993, in der Gap-Werbung Khakis Swing von 1998, bei Tanzveranstaltungen der Lindy-Hop-Szene weltweit und in Konzerten von Orchestern wie den Cincinnati Pops unter Erich Kunzel, die es mit Eddie Daniels an der Klarinette aufgenommen haben.