Serienmörder in Deutschland von N bis Z
Von Martin Ney und Paul Ogorzow bis Anna Margaretha Zwanziger
Serienmörder in Deutschland von N bis Z: Charlotte Ursinus, Adolf Seefeldt, Paul Ogorzow, Rudolf Pleil, Lutz Reinstrom, Egidius Schiffer und Martin Ney.
Zwischen Charlotte Ursinus, die 1803 in Berlin unter Giftmordverdacht vor Gericht stand, und Egidius Schiffer, den 2007 eine Speichelprobe überführte, liegen gut zwei Jahrhunderte deutscher Kriminalgeschichte. Die Serienmörder in Deutschland, deren Nachnamen von N bis Z reichen, zeigen diese Zeitspanne in groben Zügen: Giftmischerinnen der Goethezeit, Täter, die Verdunkelung und Zonengrenzen ausnutzten, und Fälle, die erst mit der DNA-Analyse Jahrzehnte später gelöst wurden.
Arsen um 1800: Charlotte Ursinus und Anna Margaretha Zwanziger
Beide Frauen kamen 1760 zur Welt, beide griffen zu Arsen, und beide Fälle wurden für die Rechtsgeschichte wichtiger, als es die Zahl der Opfer vermuten ließe. Sophie Charlotte Elisabeth Ursinus, geborene Weingarten, lebte in der Berliner Gesellschaft. Ihr Ehemann starb 1800, ihre Tante 1801, ein niederländischer Offizier, mit dem sie ein Verhältnis hatte, bereits 1797. Ins Rollen kam der Fall erst durch den Giftanschlag auf ihren Diener Benjamin Klein, der überlebte. Das Kammergericht verurteilte sie 1803 wegen dieses Anschlags; vom Tod ihres Mannes und des Offiziers wurde sie freigesprochen, beim Tod der Tante blieb es beim Verdacht. Arsen ließ sich im Körper damals nur unzuverlässig nachweisen. Ursinus verbrachte die folgenden Jahrzehnte in der Festung Glatz und starb dort 1836.
Anna Margaretha Zwanziger, geborene Schönleben aus Nürnberg, arbeitete als Haushälterin in Oberfranken, unter anderem in Kasendorf. 1808 und 1809 starben in den Häusern, in denen sie diente, mindestens vier Menschen, darunter ein Kind; weitere erkrankten schwer. Bei ihrer Festnahme im Oktober 1809 trug sie Giftpäckchen bei sich. 1811 wurde sie enthauptet. Der Jurist Paul Johann Anselm von Feuerbach nahm den Fall in seine „Actenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen“ auf, und dort liest er sich bis heute wie ein früher Kriminalroman.
Verdunkeltes Berlin und die Nachkriegsgrenze
Adolf Seefeldt, auch Seefeld geschrieben, zog als Uhrmacher durch Norddeutschland und reparierte Taschenuhren. Der Beiname „Onkel Tick-Tack“ spielte darauf an. 1936 verurteilte ihn das Gericht in Schwerin wegen zwölf Morden an Jungen aus den Jahren 1933 bis 1935, am 23. Mai 1936 wurde er hingerichtet. Die Ermittler gingen von deutlich mehr Opfern aus.
Paul Ogorzow nutzte eine Situation, die es nur im Krieg gab. Berlin war nachts verdunkelt, und in den abgedunkelten S-Bahn-Wagen zwischen Rummelsburg und Rahnsdorf überfiel der Reichsbahnarbeiter zwischen Oktober 1940 und Juli 1941 Frauen, meist in seiner Reichsbahnuniform. Fünf seiner acht Todesopfer stieß er aus dem fahrenden Zug, drei tötete er in einer Laubenkolonie an der Strecke. Festgenommen wurde er am 17. Juli 1941, ein Sondergericht verurteilte ihn eine Woche später zum Tod, die Hinrichtung folgte in Plötzensee.
Rudolf Pleil nannte sich selbst „Totmacher“, ein Wort, das heute eher mit Romuald Karmakars Film über Fritz Haarmann von 1995 verbunden wird. Pleil arbeitete nach dem Krieg als Grenzführer im Harz, dort, wo die britische und die sowjetische Besatzungszone aneinanderstießen, und tötete in den Jahren 1946 und 1947 Frauen. Seine Geständnisse wuchsen mit jeder Vernehmung. Das Landgericht Braunschweig verurteilte ihn 1950 zu lebenslanger Haft; 1958 erhängte er sich im Gefängnis in Celle.
Wenige Jahre später beschäftigten die sogenannten Autobahnmorde die Polizei im Raum Mannheim. Bernhard Prigan wurde im November 1952 festgenommen und im Dezember 1953 zu dreimal lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Wie viele der Taten tatsächlich auf ihn zurückgingen, ist bis heute offen.
Bunker, Freigang und Speichelproben
Lutz Reinstrom baute 1983 unter seinem Grundstück in Hamburg-Rahlstedt einen Bunker. Dort hielt er 1986 und 1988 zwei Frauen gefangen, tötete sie und löste die Leichen in Fässern mit Salzsäure auf, weshalb die Presse vom „Säurefassmörder“ sprach. Gefasst wurde er 1991, nachdem er eine dritte Frau entführt und nach Lösegeldforderungen lebend freigelassen hatte, und zunächst nur dafür verurteilt. Die lebenslange Haftstrafe für die beiden Morde folgte erst 1996.
Dieter Zurwehme saß seit 1974 wegen eines Raubmords in Düren lebenslang in Haft, als er im Dezember 1998 von seinem 166. Hafturlaub nicht zurückkehrte. Im März 1999 tötete er in Remagen vier Menschen. Während der monatelangen Fahndung erschoss die Polizei im Juni 1999 irrtümlich einen Wanderer, den sie für Zurwehme hielt. Gefasst wurde er im August in Greifswald, mit dem Satz: „Ich bin der, den Sie suchen.“ Der Fall löste eine Debatte über Hafturlaub für Lebenslängliche aus.
Im Landkreis Cloppenburg verschwand im März 1998 ein elfjähriges Mädchen aus Strücklingen. Die Ermittler baten Tausende Männer aus der Region um eine Speichelprobe, und die Auswertung führte zu Ronny Rieken, dem auch der Mord an einer 13-Jährigen aus dem Jahr 1996 nachgewiesen wurde. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn noch im November 1998. Es war einer der ersten Mordfälle in Deutschland, die ein Massengentest aufklärte.
Späte Aufklärung: Egidius Schiffer und Martin Ney
Wenn du die Fälle nach Jahrzehnten ordnest, fällt auf, wie viele Taten der 1980er und 1990er Jahre erst nach 2000 aufgeklärt wurden.
Egidius Schiffer tötete zwischen Juli 1983 und Juni 1990 im Dreieck Aachen, Heinsberg und Mönchengladbach fünf Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 31 Jahren, viele von ihnen Anhalterinnen auf dem Heimweg von Diskotheken. Siebzehn Jahre lang blieb der Täter unbekannt. 2007 wurde er beim Diebstahl von Altmetall in Heinsberg erwischt und gab eine Speichelprobe ab, die zu allen fünf Fällen passte. Das Urteil vom August 2008 lautete lebenslang mit besonderer Schwere der Schuld. Schiffer starb 2018 in Bochum.
Martin Ney, in den Medien „Maskenmann“ genannt, tötete 1992, 1995 und 2001 drei Jungen in Norddeutschland, die er aus einem Internat, einem Zeltlager und einem Schullandheim verschleppte. Hinzu kamen Dutzende Missbrauchstaten. Festgenommen wurde er im April 2011, im Februar 2012 verurteilte ihn das Landgericht Stade zu lebenslanger Haft. Die französische Justiz verfolgte ihn zusätzlich wegen des Todes eines zehnjährigen Jungen, der 2004 in Saint-Brevin-les-Pins an der Loire-Mündung verschwunden war.
Wer tiefer in die Fallgeschichten einsteigen will, findet in der Rubrik Bücher weitere Titel zu Kriminalfällen und Kriminalliteratur. Feuerbachs Fallsammlung von 1828 ist dabei immer noch ein guter Anfang, weil sie zeigt, dass die Frage nach dem Warum schon damals mehr Seiten füllte als die Frage nach dem Wie.
Fragen zu Serienmörder in Deutschland
Warum wurde Paul Ogorzow der S-Bahn-Mörder genannt?
Ogorzow arbeitete als Hilfsweichenwärter der Reichsbahn in Berlin-Rummelsburg und überfiel 1940 und 1941 Frauen in verdunkelten S-Bahn-Zügen im Osten Berlins. Mehrere Opfer stieß er aus dem fahrenden Zug. Nach seiner Festnahme im Juli 1941 wurde er innerhalb weniger Tage verurteilt und in Plötzensee hingerichtet.
Wie wurde Egidius Schiffer überführt?
Nach einem Metalldiebstahl in Heinsberg gab Schiffer 2007 eine Speichelprobe ab. Seine DNA passte zu Spuren aus fünf Mordfällen, die zwischen 1983 und 1990 im Raum Aachen, Heinsberg und Mönchengladbach ungeklärt geblieben waren. 2008 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wer war Onkel Tick-Tack?
So wurde Adolf Seefeldt genannt, ein umherziehender Uhrmacher aus Potsdam. Er tötete in Norddeutschland Jungen, wurde 1936 in Schwerin wegen zwölf Morden verurteilt und im Mai desselben Jahres hingerichtet. Die Ermittler hielten die tatsächliche Zahl seiner Opfer für höher.
Welche Rolle spielte der Massengentest im Fall Ronny Rieken?
Nach dem Mord an einem elfjährigen Mädchen aus Strücklingen im März 1998 gaben Tausende Männer aus der Region Speichelproben ab. Die Analyse führte zu Ronny Rieken, dem auch der Mord an einer 13-Jährigen von 1996 nachgewiesen wurde. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn im November 1998 zu lebenslanger Haft.
Wofür wurde Charlotte Ursinus verurteilt?
Das Berliner Kammergericht verurteilte sie 1803 wegen versuchten Giftmords an ihrem Diener. Den Verdacht, auch ihren Ehemann, ihre Tante und einen Liebhaber mit Arsen getötet zu haben, konnte das Gericht nur teilweise erhärten. Sie blieb bis zu ihrem Tod 1836 in Glatz.
Wann wurde Martin Ney gefasst?
Im April 2011, fast zwei Jahrzehnte nach dem ersten Mord. Die Taten an drei Jungen in Norddeutschland fielen in die Jahre 1992, 1995 und 2001. Das Landgericht Stade verurteilte ihn im Februar 2012 zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.