Schwarze Reichswehr, der Krimi von Gunnar Kunz
Kommissar Gregor Lilienthal ermittelt im Berlin des Jahres 1927
Schwarze Reichswehr von Gunnar Kunz: ein Mord auf dem Weihnachtsmarkt im Berlin von 1927, die Lohmann-Affäre und die geheime Armee der Weimarer Republik.
Ein Weihnachtsmarkt am Arkonaplatz im Dezember 1927, ein Mann im Weihnachtsmannkostüm, und am Ende ist Golo Bartels tot. Kommissar Gregor Lilienthal kennt das Opfer. Bartels war im Ersten Weltkrieg sein Vorgesetzter, und zwar einer von der tyrannischen Sorte. So beginnt „Schwarze Reichswehr“, der Kriminalroman, mit dem Gunnar Kunz seine Reihe 2018 im Gmeiner-Verlag fortsetzte, auf 310 Seiten.
Wer Gunnar Kunz ist
Gunnar Kunz wurde am 16. Mai 1961 in Wolfenbüttel geboren. Bevor er Romane schrieb, arbeitete er 14 Jahre lang am Theater, als Regieassistent, Regisseur, Inspizient und Dramaturg, und lebte eine Zeit lang in Schottland. Seit 1997 ist er freier Autor, Illustrator und Cartoonist, schreibt Kinderhörspiele, Fantasy und eben die Reihe um Kommissar Gregor Lilienthal und dessen Bruder Hendrik, einen Philosophieprofessor.
Die Reihe begann 2006 mit „Dunkle Tage“, es folgten unter anderem „Organisation C“, „Inflation!“ und „Zeppelin 126“. Mit „Schwarze Reichswehr“ wechselte sie vom Sutton Verlag zum Gmeiner-Verlag, danach erschienen „Schwarzer Donnerstag“ (2020), „Dolchstoß!“ (2021) und „Aufmarsch der Republikfeinde“ (2022). Nebeneinander gelesen, ergeben die Titel fast ein Inhaltsverzeichnis der Weimarer Republik.
Die Handlung auf zwei Zeitebenen
Den Hintergrund der Gegenwartshandlung bildet die Lohmann-Affäre. Im August 1927 berichtete der Journalist Kurd Wenkel im Berliner Tageblatt über die Geldanlagen von Kapitän zur See Walter Lohmann bei der Filmgesellschaft Phoebus-Film. Dahinter kamen schwarze Kassen der Reichsmarine zum Vorschein, aus denen auch verdeckte Rüstungsprojekte bezahlt worden waren, von U-Booten bis zu Flugzeugen. Im Januar 1928 trat Reichswehrminister Otto Geßler zurück.
Lilienthals Ermittlungen führen ihn zu zwielichtigen Offizieren, skrupellosen Militärärzten, Ringvereinen und Freikorps. Im Roman treten außerdem Joseph Goebbels auf, seit 1926 Gauleiter der NSDAP in Berlin, und der junge SA-Mann Horst Wessel. Die zweite Zeitebene führt zurück in den Krieg, in dem in Lilienthals Einheit ein Mord ungeklärt blieb, und in die Revolution von 1918/19.
Du ahnst, dass die beiden Stränge zusammenlaufen. Wie, soll hier offen bleiben.
Was die Schwarze Reichswehr wirklich war
Der Titel verweist auf ein reales Kapitel. Als Schwarze Reichswehr bezeichnet man illegale paramilitärische Verbände der frühen Weimarer Republik, die von der offiziellen Reichswehr gefördert wurden. Sie sollten die Obergrenze von 100.000 Soldaten umgehen, die der Versailler Vertrag dem deutschen Heer auferlegt hatte. Zu den Organisatoren gehörten Major Bruno Ernst Buchrucker und Oberleutnant Paul Schulz; Buchrucker selbst bezifferte die Stärke allein im Berliner Wehrkreis auf 18.000 Mann.
Öffentlich wurde das Netz durch den gescheiterten Küstriner Putsch vom 1. Oktober 1923, danach wurden die Verbände aufgelöst. Die öffentlichen Prozesse um die sogenannten Fememorde brachten Morde ans Licht, an denen Angehörige der Schwarzen Reichswehr beteiligt waren. Viele Mitglieder fanden später ihren Platz in NSDAP und SA.
1927, als der Roman spielt, gab es diese Verbände nicht mehr. Die Lohmann-Affäre bewies, dass die geheime Aufrüstung trotzdem weiterlief.
Für wen sich der Krimi eignet
Die Kritik fiel freundlich aus. Jörg Kijanski schrieb auf Histo-Couch, Krimi und Geschichte seien hervorragend vereint, eine Bloggerin lobte die Einblicke in die Weimarer Republik und Hendriks philosophische Einwürfe, fand Gregors Entscheidungen am Ende aber unbehaglich. Das ist ein fairer Einwand, und er spricht eher für das Buch als dagegen.
Wenn du die Gereon-Rath-Romane von Volker Kutscher magst, deren erster Fall 1929 spielt, findest du bei Gunnar Kunz dieselbe Stadt zwei Jahre früher. Weitere historische Kriminalromane stehen unter Bücher, mehr aus dieser Zeit in der Übersicht der 1920er Jahre.
Als Cartoonist zeichnet Kunz übrigens unter dem Namen Rannug. Das ist sein Vorname, rückwärts gelesen.
Fragen zu Schwarze Reichswehr, der Krimi
Worum geht es in Schwarze Reichswehr von Gunnar Kunz?
Im Dezember 1927 tötet ein als Weihnachtsmann verkleideter Täter auf einem Berliner Weihnachtsmarkt Golo Bartels, im Ersten Weltkrieg der tyrannische Vorgesetzte von Kommissar Gregor Lilienthal. Die Ermittlung führt zu zwielichtigen Offizieren und Militärärzten, Rückblenden erzählen vom Krieg und von der Revolution 1918/19.
Wer ist Gunnar Kunz?
Ein 1961 in Wolfenbüttel geborener Schriftsteller und Illustrator. Nach 14 Jahren am Theater, unter anderem als Regieassistent, Regisseur und Dramaturg, arbeitet er seit 1997 als freier Autor. Bekannt ist er vor allem für seine Krimireihe um Kommissar Gregor Lilienthal, die in der Weimarer Republik spielt.
Was war die Schwarze Reichswehr?
So hießen illegale paramilitärische Verbände der frühen Weimarer Republik, die von der Reichswehr gefördert wurden, um die Obergrenze von 100.000 Soldaten aus dem Versailler Vertrag zu umgehen. Nach dem gescheiterten Küstriner Putsch vom 1. Oktober 1923 wurden sie aufgelöst.
Welche historischen Personen kommen im Roman vor?
Unter anderem Joseph Goebbels, damals Gauleiter der NSDAP in Berlin, und der SA-Mann Horst Wessel. Den zeitgeschichtlichen Rahmen bildet die Lohmann-Affäre von 1927 um geheime Rüstungsgelder der Reichsmarine.