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Keine Angst in Andersrum von Olivia Jones

Ein Kinderbuch über Vielfalt und die Drag Queen dahinter

„Keine Angst in Andersrum“ von Olivia Jones erklärt Kindern gleichgeschlechtliche Liebe: Inhalt des Bilderbuchs, Werdegang der Drag Queen und Kiez-Touren.

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Eintrag vom 15. Nov. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Tom ist sieben und hat ein neues Wort gelernt. „Schwul“. Kevin aus der Schule hat ihm gleich dazu erklärt, dass es „unnatürlich“ sei, wenn ein Mann einen Mann liebt. So beginnt „Keine Angst in Andersrum. Eine Geschichte vom anderen Ufer“, das erste Kinderbuch von Olivia Jones, und so beginnen vermutlich auch in vielen echten Familien die Gespräche, um die es darin geht.

„Dieses Buch ist mir eine Herzensangelegenheit!“, sagt die Hamburger Drag Queen über das Bilderbuch. Es erschien zuerst 2015 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf; eine broschierte Ausgabe mit 56 Seiten, illustriert von Jana Moskito, folgte am 1. Februar 2018 (ISBN 978-3942665278). Empfohlen wird es für Kinder von 5 bis 7 Jahren.

Die Geschichte vom Land Andersrum

Toms Vater reagiert nicht mit einer Belehrung, sondern mit einer Einladung. „Stellt euch doch mal vor, es wäre andersrum …“, schlägt er seinem Sohn und dessen kleiner Schwester vor.

Im Land Andersrum lieben Männer Männer und Frauen Frauen. Eigentlich. Denn eines Tages verliebt sich dort ein Mann in eine Frau, und die Andersrummer finden das total unnatürlich. Plötzlich ist das, was Tom für selbstverständlich hält, die Ausnahme, und die Blicke, das Getuschel und die Schimpfwörter treffen die andere Seite. Das Gedankenspiel funktioniert, weil schon kleine Kinder merken, wenn jemand ungerecht behandelt wird.

Mit viel Witz bricht das Buch überkommene Rollenbilder und Vorurteile gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf, ohne auf Fragen der Sexualität einzugehen. „Schließlich geht es ja im Grunde gar nicht um Sex, sondern um Liebe und Lebensgestaltung“, schreibt Olivia Jones im Vorwort, das sie mit privaten Fotos aus ihrem eigenen Werdegang ausgestattet hat.

Wenn du das Buch mit einem Kind im Vorschulalter liest, lohnt es sich, nach dem Umblättern der letzten Seite einfach zu fragen, wie sich der Mann in Andersrum wohl gefühlt hat. Die Antwort kann klarer ausfallen als jede Erklärung von Erwachsenen.

Warum eine Drag Queen ein Kinderbuch schreibt

Die Idee kam aus eigener Erfahrung. Olivia Jones ist nach eigener Aussage ihr ganzes Leben lang von Vorurteilen begleitet worden. Rollenverhalten, so ihre Beobachtung, wird schon im Kindergarten geprägt, Aufklärung findet aber erst viel später in der Schule statt. „Zu spät, denn die Vorurteile sitzen dann meist schon fest.“

Geboren wurde sie als Oliver Knöbel am 21. November 1969 im niedersächsischen Springe. Schon als Schüler der dortigen Heinrich-Göbel-Realschule stand Knöbel in Frauenkleidern auf der Bühne, sehr zum Leidwesen von Familie und Lehrern. Zur Musterung bei der Bundeswehr erschien er im „Fummel“. Auf die Fangfrage, welche Toilette er denn benutze, die für Männer oder die für Frauen, lautete die Antwort: „Immer dahin, wo gerade mehr los ist!“

Von Springe auf die Reeperbahn

Mit dem Ziel Showgeschäft vor Augen nahm Knöbel Sprachtraining und Schauspielunterricht und besuchte Kurse für Maskenbildner. 1989 folgte der Umzug nach Hamburg. Dort stellte er sich bei Ernie Reinhardt vor, dem Travestiekünstler hinter Lilo Wanders, der von Knöbels Erscheinung und seiner Körpergröße von ursprünglich 2,01 Metern beeindruckt war. Reinhardt verhalf ihm zu ersten Auftritten im Pulverfass Cabaret, einem Travestietheater, das Heinz-Diego Leers 1973 in St. Georg gegründet hatte und das später an die Reeperbahn zog, und wenig später zur ersten eigenen Show im Schmidt Theater.

Den internationalen Durchbruch brachte 1997 ein Wettbewerb in Miami, bei dem Olivia Jones zur „Miss Drag Queen of the World“ gekürt wurde. Danach kam das Fernsehen. Für den NDR moderierte sie mehrfach die Übertragung des Hamburger Christopher Street Day, für RTL arbeitete sie als Grand-Prix-Reporterin und moderierte Galas, etwa für UNICEF. Es folgten Reality-Formate von „Star Duell“ 2004 über das Big-Brother-Dorf 2005 bis zum Dschungelcamp 2013, in dem sie den zweiten Platz belegte. Im selben Jahr wurde sie Green-Room-Moderatorin der zehnten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. 2014 spielte sie sich in der „Großstadtrevier“-Folge „Foul“ selbst, 2015 synchronisierte sie für TLC die sechste Staffel von „RuPaul’s Drag Race“.

Kiez-Touren, Bars und eine Drag Queen mit Haltung

Auf St. Pauli ist Olivia Jones längst Unternehmerin. Seit 2006 führt sie mit „Olivias Safari“ Touristen über die Reeperbahn, seit 2007 mit „Olivia Ahoi“ auch auf Hafenrundfahrten. Die Touren sind zu einer eigenen Familie gewachsen: Tanja Schumann ist seit 2011 dabei, Lilo Wanders seit 2012 mit ihrer „Tour de Wanders“, Kiez-Bodyguard Eddy Kante seit 2015, dazu Namen wie Eve Champagne, Madame Veuve Noire, Fanny Funtastic, Vanity Trash, Barbie Stupid und Lee Jackson.

Am 7. November 2008 eröffnete die Olivia Jones Bar an der Großen Freiheit, im Mai 2010 folgte mit „Olivias Wilde Jungs“ die erste Tabledance-Bar auf St. Pauli, zu der nur Frauen Zutritt haben, im Februar 2012 „Olivias Show Club“ mit Burlesque, Travestie und Comedy und 2014 ein Biergarten, die „Kiez Oase“.

Ihre Bekanntheit nutzt sie regelmäßig für politische und soziale Anliegen. Sie ist Botschafterin der Tierrechtsorganisation PETA, der sie 2010 auch die Siegprämie von 5.000 Euro aus der Show „Das Tier in mir“ spendete, unterstützt Aids-Projekte und den Life Ball in Wien und machte auf die drohende Schließung eines Hamburger Frauenhauses aufmerksam. Zum Eurovision Song Contest 2016 sprach sie als erste Drag Queen gemeinsam mit einer Pastorin das „Wort zum Sonntag“. Im Juli 2017 zeichnete Hamburg Pride sie mit dem selten verliehenen Ehren-Pride-Award aus.

Das NDR Fernsehen widmete ihr im November 2019 das Porträt „Olivia Jones – eine Drag Queen mit Haltung“. Autor Sven Trösch begab sich darin auf Spurensuche bei einer Kunstfigur, die, wie es in der Ankündigung heißt, „Haltung und Bein“ zeigt. Und die in einem Interview verraten hat, dass ihre Küche vor allem zum Schmieren von Käsestullen dient, die sie auf den Kieztouren in der Handtasche dabeihat, was ihr prompt einen Werbespot für Leerdammer einbrachte.

Fragen zu Keine Angst in Andersrum

Worum geht es in „Keine Angst in Andersrum“?

Der siebenjährige Tom bringt das Schimpfwort „schwul“ aus der Schule mit. Sein Vater lädt ihn und seine Schwester zu einem Gedankenspiel ein: ein Land, in dem Männer Männer und Frauen Frauen lieben und ein Mann, der sich in eine Frau verliebt, als unnatürlich gilt. So erleben die Kinder, wie sich Ausgrenzung anfühlt.

Für welches Alter ist das Buch geeignet?

Der Verlag empfiehlt das Bilderbuch für Kinder von 5 bis 7 Jahren. Olivia Jones geht bewusst nicht auf Fragen der Sexualität ein, sondern auf Liebe und Lebensgestaltung. Die Illustrationen stammen von Jana Moskito.

Wann ist „Keine Angst in Andersrum“ erschienen?

Das Buch kam 2015 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf heraus. Eine broschierte Ausgabe mit 56 Seiten folgte am 1. Februar 2018 unter der ISBN 978-3942665278.

Wer ist Olivia Jones?

Olivia Jones ist die Kunstfigur des Travestiekünstlers Oliver Knöbel, geboren am 21. November 1969 in Springe. Seit 1989 lebt sie in Hamburg, wurde 1997 in Miami zur „Miss Drag Queen of the World“ gewählt und betreibt auf St. Pauli Bars, Clubs und Kieztouren.

Was sind Olivias Kieztouren?

Seit 2006 führen Olivia Jones und Kolleginnen und Kollegen unter dem Namen „Olivias Safari“ Gäste über die Reeperbahn, seit 2007 gibt es mit „Olivia Ahoi“ auch Hafenrundfahrten. Inzwischen führen auch Lilo Wanders, Tanja Schumann, Eddy Kante und weitere Künstler eigene Touren über den Kiez.

Welche Dokumentation gibt es über Olivia Jones?

Das NDR Fernsehen zeigte im November 2019 das Porträt „Olivia Jones – eine Drag Queen mit Haltung“ von Sven Trösch. Der Film begleitet die Travestiekünstlerin als schrille, aber politisch engagierte Figur.