Mata Hari – Tanz mit dem Tod
Der ARD-Film und das Leben von Margaretha Geertruida Zelle
Der ARD-Film „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ (2017) mit Natalia Wörner und das Leben von Margaretha Geertruida Zelle: Tänzerin, Agentin H 21, erschossen 1917.

Im hundertsten Jahr nach der Hinrichtung von Mata Hari zeigte Das Erste am 18. Juni 2017 den Fernsehfilm „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“. Regisseur Kai Christiansen erzählt darin von zwei Frauen, von der berühmten Tänzerin und von einer, die kaum jemand kennt: Elsbeth Schragmüller, Offizierin des deutschen Nachrichtendienstes, bei ihren Gegnern als „Mademoiselle Docteur“ gefürchtet. Während der Dreharbeiten hieß das Projekt noch „Mata Hari und Mademoiselle Docteur“.
Hinter der Legende steht Margaretha Geertruida Zelle, geboren am 7. August 1876 im friesischen Leeuwarden, erschossen am 15. Oktober 1917 in Vincennes bei Paris. Sie hat ihre eigene Geschichte so oft umgeschrieben, dass Biografen bis heute damit beschäftigt sind, Erfindung und Tatsache auseinanderzuhalten.
Der Film: zwei Frauen im Geheimdienstkrieg
Die Handlung setzt 1916 ein. Schragmüller, gespielt von Nora von Waldstätten, soll die Tänzerin, deren beste Jahre vorbei sind, als Agentin für Paris ausbilden, wo Mata Hari mit Offizieren, Diplomaten und Politikern verkehrt. Natalia Wörner übernimmt die Titelrolle, Robert Schupp spielt den deutschen Nachrichtendienstchef Walter Nicolai, Francis Fulton-Smith den französischen Abwehrchef Georges Ladoux und Michael Brandner den Untersuchungsrichter Pierre Bouchardon. Aus Lehrerin und Schülerin werden Gegenspielerinnen. Um ihre eigene Tarnung zu schützen, gibt Schragmüller am Ende die Agentin H 21 preis.
Eine solche Begegnung ist historisch nicht gesichert. Christiansen, der das Drehbuch mit Heike Brückner von Grumbkow und Jochen von Grumbkow schrieb, nutzt sie als dramaturgischen Kniff und mischt die Spielszenen mit Archivaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg. Gedreht wurde vom 3. bis 26. November 2016 in Berlin und in Schloss Bückeburg im Landkreis Schaumburg. Die Premiere fand am 11. Juni 2017 in der Französischen Botschaft in Berlin statt, die Erstausstrahlung eine Woche später erreichte einen Marktanteil von 10,7 Prozent.
Die Kritik fiel gespalten aus. Carsten Heidböhmer lobte im „Stern“, der Film interessiere sich statt für reißerische Szenen für eine möglichst faktengetreue Einordnung. Willi Winkler hielt in der „Süddeutschen Zeitung“ dagegen, Wörner sei als Mata Hari „zu sehr die schwäbische Hausfrau, die donnerstags in Rottweil zur Bauchtanzgruppe geht“. Wenn du eine Femme fatale erwartest, bist du bei Greta Garbo besser aufgehoben. Wer wissen will, wie der Fall heute eingeordnet wird, bekommt hier das nüchternere Angebot.
Wie aus Margaretha Zelle Mata Hari wurde
Die Tochter eines Hutmachers heiratete 1895 den Kolonialoffizier Rudolf MacLeod und lebte einige Jahre in Niederländisch-Ostindien. Nach der Trennung ging sie nach Paris, tanzte zunächst in kleinen Lokalen und Ende Januar 1905 als Lady MacLeod im Salon der Madame Kiréevsky. Dort sah sie der Industrielle Émile Guimet. Am 13. März 1905 trat sie in seinem Museum für asiatische Kunst auf, in Sarong, besticktem Bustier und Schleiern, die Guimet ihr stellte, und unter einem neuen Namen. Auf Malaiisch bezeichnet „mata hari“ die Sonne, Wort für Wort das „Auge des Tages“.
Zum Namen gehörte eine Herkunft. Sie sei an der Malabarküste im Süden Indiens aufgewachsen, in der heiligen Stadt Jaffnapatam, als Kind einer Brahmanenfamilie, und von klein auf in den Tempeltänzen für Shiva unterrichtet worden. Jaffna liegt allerdings auf Ceylon, nicht an der Malabarküste, und in Indien war sie nie. An anderen Abenden gab sie sich als Enkelin eines javanischen Sultans aus. In Paris kannte kaum jemand indische oder javanische Tänze, und so fiel das niemandem auf.
1905 wurde ihr erfolgreichstes Jahr. Sie gab 35 Vorstellungen, stand im Théâtre du Trocadéro auf der Bühne, und der Impresario Gabriel Astruc warb sie als Hauptattraktion für ein Varietéprogramm im Olympia an. 1906 tanzte sie in Monte Carlo in Jules Massenets Oper „Le Roi de Lahore“, im Dezember desselben Jahres im Wiener Apollo-Theater. Das „Neue Wiener Journal“ schrieb damals, sie tanze eigentlich gar nicht, sie verrichte ein Gebet vor dem Götzenbild. Im selben Jahr wurde ihre Ehe geschieden.
Erfolg zieht Nachahmerinnen an. Suzy Deguez kopierte die „Tempeltänze“ in den Folies Bergère, Maud Allan tourte mit ihren „Visions of Salome“ durch Europa, und Mata Hari beschwerte sich 1908 in der britischen Zeitschrift „The Era“ über Damen, die sich nun alle orientalische Tänzerinnen nannten. Einen letzten Höhepunkt erlebte sie am 7. Dezember 1911 an der Mailänder Scala in Glucks „Armide“, im Januar 1912 tanzte sie dort die Venus, als „Schwarze Venus“ mit ihrem eigenen dunklen Haar in einer Rolle, die sonst blonde Tänzerinnen bekamen. Sergej Djagilew wies sie im selben Jahr ab. Als sie Guimet Anfang 1914 vorschlug, es mit ägyptischen Tänzen zu versuchen, antwortete er am 9. März: „Teuerste, ägyptisches Ballett zu machen ist eine ausgezeichnete Idee, vorausgesetzt, es ist wirklich ägyptisch.“
Agentin H 21 und das Urteil von 1917
Für den Herbst 1914 hatte sie ein sechsmonatiges Engagement am Berliner Metropol-Theater zugesagt bekommen. Der Kriegsausbruch machte es zunichte. Danach fehlten Auftritte und Geld, Kontakte und Liebhaber dagegen nicht. Nach ihrer eigenen späteren Aussage bot ihr der deutsche Konsul in Amsterdam 20.000 Francs für Informationen aus Paris. Sie nahm das Geld und will nie etwas dafür geliefert haben. Beim deutschen Nachrichtendienst wurde sie als H 21 geführt.
1916 verliebte sie sich in den jungen russischen Offizier Vadime de Masloff. Um ihn im Kurort Vittel nahe der Front besuchen zu dürfen, brauchte sie einen Passierschein, und den bekam sie von Georges Ladoux gegen das Versprechen, für Frankreich zu arbeiten. Damit spionierte sie, zumindest auf dem Papier, für beide Seiten.
Am 13. Februar 1917 nahm Kommissar Priolet sie in ihrem Pariser Hotelzimmer fest. Untersuchungsrichter Bouchardon ließ sie ins Frauengefängnis Saint-Lazare bringen und beschrieb sie als Frau, die „ohne Skrupel und daran gewöhnt, sich der Männer zu bedienen“, zur Spionin geradezu bestimmt sei. Gegen sie sprach, dass sie Deutsch konnte, vor Offizieren tanzte, Geldgeschenke annahm und als geschiedene Frau nackt aufgetreten war. Der Prozess am 24. und 25. Juli 1917 fand hinter verschlossenen Türen statt und endete mit dem Todesurteil.
Am Morgen des 15. Oktober 1917 erschoss ein Kommando aus zwölf Soldaten die 41-Jährige in den Festungsanlagen von Vincennes. Von ihrer Hinrichtung hatte sie erst eine Stunde vorher erfahren.
Die Akten des britischen MI5, im Januar 1999 freigegeben, zeigen, dass sie keinen Zugang zu militärisch wichtigen Informationen hatte. Die französischen Prozessakten blieben bis 2017 gesperrt. Das Bild der Meisterspionin stammt aus der Anklageschrift und aus der Propaganda, die deutsche Presse nannte sie ein „Opfer des französischen Kriegswahns“.
Andere Filme, Biografen und ein verschwundener Kopf
Die Leinwand hat Mata Hari früh entdeckt. 1927 spielte Magda Sonja in „Mata Hari, die rote Tänzerin“ von Friedrich Fehér, 1931 Greta Garbo unter George Fitzmaurice, 1964 Jeanne Moreau in „Mata Hari, Agent H 21“ von Jean-Louis Richard und 1985 Sylvia Kristel unter Curtis Harrington. Die Bond-Parodie „Casino Royale“ von 1967 dichtete ihr eine Tochter namens Mata Bond an, gespielt von Joanna Pettet. Beim Eurovision Song Contest 1976 in Den Haag landete die Norwegerin Anne-Karine Strøm mit dem Lied „Mata Hari“ auf dem letzten Platz. Weitere Filme mit historischem Stoff sind unter Filme und im Jahrzehnt der 1910er versammelt.
Als verlässlichster Biograf gilt Sam Waagenaar, der für die Garbo-Verfilmung recherchiert hatte, 1963 ein erstes Buch vorlegte und 1976 ein zweites, dessen niederländischer Titel „Mata Hari: niet zo onschuldig“ schon die Kehrtwende ankündigte: doch nicht so unschuldig.
In Leeuwarden steht seit 1976, zum hundertsten Geburtstag, ein Standbild an der Korfmakerspijp. Am 15. Oktober 2001 beantragte die Mata-Hari-Stiftung beim französischen Justizministerium die Überprüfung des Urteils.
Und dann ist da der Kopf. Ihr Leichnam wurde von niemandem beansprucht und ging an die Anatomie, der präparierte Kopf soll im Pariser Musée Orfila gelegen haben und in den 1950er-Jahren verschwunden sein. Die Geschichte stützt sich vor allem auf die Erinnerung des Mediziners Paul de Saint-Maur, der als Student einen Frauenkopf gesehen haben will, den alle Mata Haris Kopf nannten. Er war rothaarig. Mata Hari hatte schwarzes Haar.
Fragen zu Mata Hari
Worum geht es in „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“?
Der Fernsehfilm spielt 1916 und stellt Mata Hari der deutschen Nachrichtendienstoffizierin Elsbeth Schragmüller gegenüber, die sie als Agentin für Paris ausbilden soll. Am Ende gibt Schragmüller die Agentin H 21 preis, um ihre eigene Tarnung zu schützen. Spielszenen wechseln sich mit Archivaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg ab.
Wer spielt in dem Film mit?
Natalia Wörner spielt Mata Hari, Nora von Waldstätten Elsbeth Schragmüller. Robert Schupp ist als Walter Nicolai zu sehen, Francis Fulton-Smith als Georges Ladoux und Michael Brandner als Untersuchungsrichter Pierre Bouchardon. Regie führte Kai Christiansen.
Wann lief der Film im Fernsehen?
Das Erste zeigte „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ erstmals am 18. Juni 2017, im hundertsten Jahr nach der Hinrichtung. Die Ausstrahlung erreichte einen Marktanteil von 10,7 Prozent. Der Film ist 93 Minuten lang und ab 12 Jahren freigegeben.
Wie hieß Mata Hari mit bürgerlichem Namen?
Mata Hari hieß eigentlich Margaretha Geertruida Zelle und kam am 7. August 1876 in Leeuwarden in Friesland zur Welt. Während ihrer Ehe mit dem Offizier Rudolf MacLeod nannte sie sich auch Lady MacLeod, bevor sie 1905 in Paris den Künstlernamen Mata Hari annahm.
Wer war Elsbeth Schragmüller?
Elsbeth Schragmüller arbeitete im Ersten Weltkrieg für den deutschen militärischen Nachrichtendienst und bildete in Antwerpen Agenten für den Einsatz gegen Frankreich aus. Weil sie promoviert hatte, war sie als „Fräulein Doktor“ bekannt. Dass sie Mata Hari persönlich begegnet ist, lässt sich nicht belegen.
Was hat Mata Hari tatsächlich verraten?
Nach allem, was die Akten hergeben, nichts von militärischer Bedeutung. Die im Januar 1999 freigegebenen Unterlagen des britischen MI5 zeigen, dass sie keinen Zugang zu kriegswichtigen Informationen hatte. Die französischen Prozessakten blieben bis 2017 gesperrt.