Losing My Virginity von Richard Branson
Die Autobiografie des Virgin-Gründers
Richard Bransons Autobiografie „Losing My Virginity“: vom Schulabbrecher über Tubular Bells und die Sex Pistols bis zu Virgin Atlantic und den Ballonfahrten.

Der Schulleiter hatte eine klare Prognose für den Jungen, der mit Legasthenie kämpfte und schlechte Noten schrieb: Entweder er lande im Gefängnis, oder er werde Millionär. Richard Branson hat daraus die Überschrift des zweiten Kapitels seiner Autobiografie gemacht. „Losing My Virginity“ erzählt, wie aus dem Schulabbrecher der Gründer eines Konzerns wurde, zu dem Plattenläden, ein Musiklabel, Fluglinien und Mobilfunk gehörten. Die deutsche Ausgabe erschien am 11. Juni 2018 im FinanzBuch Verlag, gebunden, 512 Seiten.
Vom Schulabbrecher zum Plattenhändler
Branson, geboren 1950, verließ die Schule mit 16 und gründete das Jugendmagazin Student, dessen erste Ausgabe 1968 erschien. Um das Magazin zu finanzieren, verkaufte er Schallplatten per Post, billiger als die Läden. Der Name Virgin, so erzählt er, kam von einer Mitarbeiterin, die meinte, sie seien alle Jungfrauen im Geschäftsleben. Keine drei Jahre später eröffnete in der Londoner Oxford Street der erste Virgin-Plattenladen.
Der nächste Schritt war ein eigenes Label. Auf dem Landsitz The Manor in Oxfordshire richtete Branson ein Tonstudio ein, und dort nahm ein junger, fast unbekannter Musiker namens Mike Oldfield ein Instrumentalstück auf, das kein etabliertes Label haben wollte. „Tubular Bells“ wurde 1973 die erste Veröffentlichung von Virgin Records und ein Welterfolg, nicht zuletzt, weil ein Ausschnitt im Horrorfilm „Der Exorzist“ lief. Das Kapitel dazu heißt „Tubular Bells – nie zuvor habe ich so etwas gehört“.
Dass Virgin cool wurde, schreibt Branson seinem Cousin Simon Draper zu, der das musikalische Programm verantwortete. 1977 nahm das Label die Sex Pistols unter Vertrag, nachdem EMI und A&M sie wieder hinausgeworfen hatten. Das Album „Never Mind the Bollocks“ brachte einen Prozess wegen Obszönität, weil das Wort Bollocks auf Plakaten und im Schaufenster eines Virgin-Ladens stand. Der Ladenmanager wurde freigesprochen.
Virgin Atlantic, Ballons und der Streit mit British Airways
1984 gründete Branson die Fluglinie Virgin Atlantic, mit einer einzigen geleasten Boeing 747. Vorbild und Warnung zugleich war Freddie Laker, dessen Billigfluglinie Laker Airways 1982 zusammengebrochen war, das Kapitel darüber heißt „Lakers Kinder“. Die Konkurrenz mit British Airways eskalierte Anfang der 1990er Jahre in einer Kampagne, die als „Dirty Tricks“ bekannt wurde: BA-Mitarbeiter warben gezielt Virgin-Passagiere ab und streuten Gerüchte über das Unternehmen. Branson klagte wegen Verleumdung, 1993 musste sich British Airways öffentlich entschuldigen und Schadenersatz zahlen. Branson verteilte das Geld an seine Belegschaft.
Um die Fluglinie abzusichern, verkaufte Branson 1992 Virgin Music an Thorn EMI, ein Schritt, der ihm nach eigener Aussage schwerfiel. Die Kapitelüberschriften aus dieser Zeit lesen sich wie ein Wirtschaftsthriller: „Alles stand zur Disposition“, „Turbulenzen“, „Schmutzige Tricks“, „Verklagen Sie diese Halunken“, „Der Sieg“.
Zwischendurch suchte Branson das Risiko auch wörtlich. 1986 überquerte er mit dem Motorboot Virgin Atlantic Challenger II den Atlantik in Rekordzeit, 1987 fuhr er mit Per Lindstrand im Heißluftballon über den Atlantik, 1991 über den Pazifik. Die Kapitel heißen „Das Blaue Band für Großbritannien“, „Der größte Ballon der Welt“ und, bezeichnend, „Ich dachte, mein letztes Stündlein hätte geschlagen“ und „Zwei Sekunden für ein letztes Gebet“.
Wie das Buch erzählt
Schon der Titel ist ein Wortspiel, das auf Deutsch verloren geht: „losing one’s virginity“ heißt die Unschuld verlieren, und Virgin ist der Name, unter dem Branson alles verkauft. Er schreibt so, wie er Unternehmen führt: schnell, anekdotisch, mit Lust an der eigenen Legende. Die 29 Kapitel tragen Titel wie Schlagzeilen, oft als Zitat, und der Prolog heißt „Augen zu und durch!“. Seine Frau Joan Templeman bekommt ein Kapitel, dessen Titel ihren Satz „Ich dachte, ich zieh’ hier ein“ zitiert. Am Ende stehen ein Epilog mit der Überschrift „Viel Freud, viel Leid“ und eine Firmengeschichte der Virgin-Gruppe.
Wer ein nüchternes Wirtschaftsbuch erwartet, wird wenig Zahlenwerk finden. Wenn du dagegen wissen willst, wie jemand ohne Abschluss und ohne Plan ein Imperium aufbaut, weil er fast jede Idee einmal ausprobiert, bekommst du genau das. Ein Kapitel heißt ja auch: „Ich bin bereit, alles genau einmal auszuprobieren“.
Das Buch umfasst die Jahre von 1950 bis kurz vor die Jahrtausendwende, im englischen Original erschien es 1998. Nach Verlagsangaben erwirtschaftet die Virgin-Gruppe heute mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz und beschäftigt über 50.000 Menschen.
Finding My Virginity: die Fortsetzung

2017 legte Branson mit „Finding My Virginity“ eine zweite Autobiografie vor, die dort weitermacht, wo die erste endet. Sie reicht bis zum Raumfahrtprojekt Virgin Galactic, und die deutsche Ausgabe enthält rund 150 Fotos, viele davon aus seinem privaten Album und bisher unveröffentlicht. Weitere Biografien und Erinnerungen stehen unter Bücher.
Fragen zu Losing My Virginity
Worum geht es in „Losing My Virginity“ von Richard Branson?
Um Bransons Leben von seiner Geburt 1950 bis kurz vor der Jahrtausendwende: die Schulzeit als Legastheniker, die Gründung des Magazins Student, den ersten Virgin-Plattenladen, das Label Virgin Records, die Fluglinie Virgin Atlantic und seine Rekordversuche mit Booten und Heißluftballons.
Wann ist die deutsche Ausgabe erschienen?
Am 11. Juni 2018 im FinanzBuch Verlag, als gebundene Ausgabe mit 512 Seiten. Das englische Original war bereits 1998 erschienen.
Welche Musik brachte Virgin Records groß heraus?
Die erste Veröffentlichung des Labels war 1973 Mike Oldfields „Tubular Bells“, das zu einem der meistverkauften Alben der 1970er Jahre wurde. 1977 nahm Virgin die Sex Pistols unter Vertrag, deren Album „Never Mind the Bollocks“ Branson einen Obszönitätsprozess einbrachte.
Was war der Streit zwischen Virgin Atlantic und British Airways?
British Airways versuchte Anfang der 1990er Jahre mit einer Kampagne, die als „Dirty Tricks“ bekannt wurde, Kunden von Virgin Atlantic abzuwerben und das Unternehmen zu diskreditieren. Branson klagte und erreichte 1993 einen Vergleich, bei dem sich British Airways öffentlich entschuldigen musste.
Gibt es eine Fortsetzung von „Losing My Virginity“?
Ja, „Finding My Virginity“ erschien 2017 und erzählt Bransons Geschichte ab der Jahrtausendwende weiter, unter anderem mit dem Raumfahrtprojekt Virgin Galactic. Die deutsche Ausgabe enthält rund 150 Fotos, viele davon aus Bransons privatem Album.