Nowhere to Run von Martha and the Vandellas
Der Motown-Hit von 1965, der mit Schneeketten aufgenommen wurde
Nowhere to Run von Martha and the Vandellas erschien 1965 bei Motown, geschrieben von Holland-Dozier-Holland. Entstehung, der Sound mit Schneeketten und die Nähe zum Rolling-Stones-Jahr 1965.
Nowhere to Run beginnt mit einem Geräusch, das in keinem anderen Motown-Hit vorkommt: ein metallisches Rasseln, das den Beat verdoppelt. Im Studio in Detroit hatten die Musiker Schneeketten in die Hand genommen und im Takt geschüttelt. Der Rest ist ein Song über eine Liebe, aus der es kein Entkommen gibt, gesungen von Martha Reeves mit einer Dringlichkeit, die auch nach sechs Jahrzehnten nicht nachlässt.
Die Single erschien Anfang 1965, im selben Jahr wie Satisfaction von den Rolling Stones. Beide Songs handeln davon, nicht loszukommen, und beide klingen nach Bewegung.
Holland-Dozier-Holland und die Motown-Maschine
Geschrieben und produziert wurde Nowhere to Run von Brian Holland, Lamont Dozier und Eddie Holland, dem Team, das Motown in der Mitte der 1960er Jahre am Laufen hielt. Sie lieferten die Hits der Supremes, der Four Tops und eben von Martha and the Vandellas, oft mehrere im selben Monat.
Ihr Rezept lässt sich an diesem Song gut zeigen. Der Beat ist ein durchgehender Vierviertel mit Betonung auf jedem Schlag, gespielt von den Funk Brothers, der Hausband von Motown. Darüber liegt eine Basslinie, die den Song vorantreibt, und die Bläser setzen kurze Akzente statt Melodien. Die Stimme bleibt vorne, weil die Aufnahme für Autoradios und Transistorgeräte gedacht war.
Die Schneeketten waren ein Einfall im Studio. Motown suchte nach einem Perkussionsklang, der härter war als ein Tamburin, und fand ihn im Werkzeugkeller. Später wurde die Geschichte so oft erzählt, dass sie zur Legende wurde, aber der Klang ist auf der Aufnahme zu hören und braucht keine Legende.
Martha Reeves und die Vandellas 1965
Martha Reeves hatte bei Motown als Sekretärin angefangen, bevor sie 1962 mit Rosalind Ashford und Annette Beard als Martha and the Vandellas unter Vertrag kam. Bis 1965 war Annette Beard durch Betty Kelly ersetzt worden. Die Gruppe galt als die härtere Alternative zu den Supremes: weniger Glamour, mehr Druck in der Stimme.
„Heat Wave“ (1963) und „Dancing in the Street“ (1964) waren die Hits davor. Nowhere to Run erreichte im Frühjahr 1965 die Top Ten der Billboard Hot 100 und erschien auf dem Album „Dance Party“. In Großbritannien kam der Song später noch einmal in die Charts, was bei Motown-Singles dieser Jahre öfter vorkam.
Du hörst dem Song die Bühne an. Reeves singt, als müsse sie gegen ein Publikum ankommen, und die Vandellas antworten mit knappen Einwürfen statt mit Harmonien. Das ist Gospel-Technik, in drei Minuten Pop gepresst.
Der Film, das Fließband und die Nachwirkung
1965 trat die Gruppe in einer Fernsehsendung auf, deren Beitrag in einem Ford-Werk in Dearborn gedreht wurde: Martha and the Vandellas singen Nowhere to Run, während um sie herum Mustangs montiert werden. Die Aufnahme ist eines der frühesten Musikvideos, die eine Stadt und ihre Industrie mit dem Sound verbinden, der aus ihr kam.
1987 nutzte Barry Levinson den Song in „Good Morning, Vietnam“ für eine Montage, in der Alltagsszenen aus Saigon und Kriegsbilder ineinander geschnitten sind. Seitdem ist Nowhere to Run für viele Zuschauer untrennbar mit diesem Film verbunden, obwohl er zwei Jahre vor dem Einsatz amerikanischer Bodentruppen in Vietnam entstand.
Cover-Versionen gibt es viele, aus dem Soul, dem Rock und dem Ska. Keine davon hat das Original verdrängt, was bei Motown-Hits häufiger vorkommt als bei den Songs der Stones.
Warum Nowhere to Run neben Satisfaction steht
1965 war das Jahr, in dem sich der Pop teilte. Die Stones spielten Blues-Riffs mit Verzerrer, Motown spielte Gospel-Rhythmen mit Bläsern. Beide Seiten hörten einander zu: Die Stones coverten in ihren ersten Jahren Motown-Songs, und Motown-Produzenten übernahmen den Druck der britischen Gitarrenbands.
Wer die Musik der 1960er Jahre nach Songs durchsucht, die den Sound eines Jahres definieren, landet für 1965 bei beiden Titeln. Satisfaction hat das Riff, Nowhere to Run hat den Beat.
Und die Ketten. Wer sie einmal bewusst gehört hat, hört sie bei jedem Abspielen zuerst.
Fragen zu Nowhere to Run
Wer hat Nowhere to Run geschrieben?
Das Motown-Autorenteam Holland-Dozier-Holland, also Brian Holland, Lamont Dozier und Eddie Holland. Sie schrieben und produzierten in den 1960er Jahren auch die meisten Hits der Supremes und der Four Tops.
Warum klingt Nowhere to Run so metallisch?
Weil im Studio Schneeketten als Perkussionsinstrument eingesetzt wurden. Das rasselnde Geräusch hinter dem Beat stammt von Ketten, die im Takt geschüttelt wurden, und ist eines der bekanntesten Klangdetails des Motown-Katalogs.
Wie erfolgreich war Nowhere to Run 1965?
Die Single erreichte in den USA die Top Ten der Billboard Hot 100 und gehört zu den meistgespielten Titeln der Gruppe, direkt nach „Dancing in the Street“ und „Heat Wave“.
In welchem Film kommt Nowhere to Run vor?
Am bekanntesten ist die Verwendung in „Good Morning, Vietnam“ (1987) mit Robin Williams, wo der Song eine Montage aus Alltags- und Kriegsszenen begleitet.