Gott funktioniert nicht von Thomas Frings
Ein Priester über Glauben, Zweifel und die Kirche
Thomas Frings, der 2016 sein Pfarramt in Münster niederlegte, schreibt in „Gott funktioniert nicht“ über fehlende Gottesbeziehung, Zweifel und Kirchenreform.

„Die Lehre der Kirche war mir durch den Kopf gegangen, nicht aber durchs Herz.“ Diesen Satz schreibt ein Mann, der 1987 zum Priester geweiht wurde, fast drei Jahrzehnte als Seelsorger arbeitete und im Bistum Münster zeitweise den Priesterrat moderierte. Thomas Frings erzählt in „Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn“, dass er sich über lange Zeit stärker an seine Kirche gebunden hatte als an Gott. Das Buch erschien am 13. März 2019 bei Herder, 192 Seiten, drei Jahre nach seinem viel beachteten Rückzug aus dem Pfarramt.
Ein Priester, der erst spät nach Gott fragt
Katholische Prägung, Priesterseminar, Theologiestudium, Weihe: Frings hat den klassischen Weg durchlaufen und beschreibt ihn ohne Nostalgie. Eine echte Gottesbeziehung, so seine Bilanz, habe er dabei kaum aufgebaut. Das Eingeständnis ist unbequem, und es richtet sich nicht nur an ihn selbst. Wenn ein Priester nach der Ausbildung vor allem kirchliche Lehre verinnerlicht hat, stellt sich die Frage, was Seminare eigentlich vermitteln.
Seine Kernaussage klingt einfach und hat Sprengkraft. Ein Glaube, der Gott weder verkitscht noch für eigene Zwecke einspannt, sondern ernst nimmt, könne so radikal sein, dass er die ganze Kirche verändert. So lässt sich auch der Titel lesen: Gott ist kein Mittel, das man einsetzt, damit etwas funktioniert, keine Garantie für gelungene Gottesdienste, volle Kirchen oder ein gutes Gefühl.
Frings kritisiert, dass das Gottesbild heute oft als Nebensache gilt, während andere Probleme dringender erscheinen. Aus seiner Sicht ist es umgekehrt. Nur ein Glaube, der Gott ernst nimmt, trage, und er sei das Fundament von allem, was Kirche ausmacht.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung passte. In derselben Woche beschloss die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsversammlung in Lingen den Synodalen Weg, einen Reformprozess, der vor allem über Macht, Sexualmoral und priesterliche Lebensform streiten sollte. Frings setzt eine Ebene tiefer an.
Der Rücktritt in Münster und „Aus, Amen, Ende?“
National bekannt wurde Frings im Frühjahr 2016. Seit 2009 hatte er die Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster geleitet, seit 2010 gehörte er dem diözesanen Priesterrat an, seit 2014 als dessen Moderator. Dann legte er sein Amt als Pfarrer nieder. In einer persönlichen Erklärung beschrieb er an Beispielen, wie weit kirchliche Religiosität an Bedeutung verloren hatte und welche Widersprüche daraus im Gemeindealltag entstanden.
Bemerkenswert war der Ton. Frings erhob keine Vorwürfe, weder gegen die Gemeinden noch gegen die Seelsorgerinnen und Seelsorger, noch gegen Bischof und Bistumsleitung, mit denen er 30 Jahre zusammengearbeitet hatte. Priester blieb er ausdrücklich. In einem Zeitungsinterview nannte er die Kirche den „objektiven Rahmen meines subjektiven Glaubens“ und fügte hinzu, er halte es für eines der Probleme, eine Veränderung von anderen statt von sich selbst zu erwarten.
Nach dem Rückzug lebte er eine Zeit lang in einem Benediktinerkloster in den Niederlanden, später zog er nach Köln. Sein Buch „Aus, Amen, Ende?“ über die Gründe seines Schritts wurde ein Bestseller, und seitdem wird er in ganz Deutschland zu Vorträgen eingeladen.
Fragen an die Kirche und an alle, die glauben wollen
„Gott funktioniert nicht“ ist kein Abrechnungsbuch. Frings stellt Fragen, die über die katholische Kirche hinausreichen und auch evangelische Leser betreffen. Wie lässt sich Glauben so leben, dass andere ihn überzeugend finden? Wie begeistert man Menschen für das Evangelium, wenn die Selbstverständlichkeit der Volkskirche verschwunden ist? Und wie hält ein Glaube dem eigenen Zweifel stand, und dem der anderen?
Dazu kommen konkrete Überlegungen zur Priesterausbildung und Beispiele aus der Praxis, wie eine zeitgemäße Evangelisierung aussehen könnte. Der Verlag nennt das Buch provokant und konstruktiv, und beides trifft zu, weil Frings seine Kritik aus dem Innenraum der Kirche formuliert und nicht vom Rand.
Wenn du selbst mit der Kirche haderst, den Glauben aber nicht aufgeben willst, ist dieses Buch näher an deiner Lage als die meisten Reformpapiere. Wer dagegen eine systematische Theologie erwartet, wird enttäuscht, denn Frings schreibt persönlich und essayistisch. Weitere Titel dieser Art stehen unter Bücher.
Der Name Frings
Thomas Frings, geboren 1960, ist ein Großneffe von Joseph Frings, der von 1942 bis 1969 Erzbischof von Köln war und als Kardinal auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu den prägenden Reformstimmen gehörte, beraten von einem jungen Theologen namens Joseph Ratzinger. Im Rheinland ist der Kardinal bis heute vor allem wegen einer Predigt bekannt. In der Silvesterpredigt 1946 deutete er an, dass es in äußerster Not keine Sünde sei, sich das Lebensnotwendige zu nehmen, und die hungernden und frierenden Kölner machten daraus ein eigenes Verb: Wer im Nachkriegswinter Kohlen von den Güterzügen holte, ging „fringsen“.
Fragen zu Gott funktioniert nicht
Worum geht es in „Gott funktioniert nicht“ von Thomas Frings?
Um die Frage, was Glauben im Kern ausmacht. Frings beschreibt, wie er trotz Priesterseminar, Theologiestudium und Weihe lange kaum eine persönliche Beziehung zu Gott hatte, und fragt, was das für Priesterausbildung, Seelsorge und das Gottesbild der Kirche bedeutet.
Wann ist das Buch erschienen?
Am 13. März 2019 im Verlag Herder, als gebundene Ausgabe mit 192 Seiten. Es gibt außerdem ein E-Book und eine Hörbuchfassung auf CD.
Warum hat Thomas Frings sein Amt als Pfarrer niedergelegt?
Im Frühjahr 2016 gab er die Leitung der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster auf, weil er den Bedeutungsverlust kirchlicher Religiosität und die Widersprüche im Gemeindealltag nicht mehr mittragen wollte. Priester blieb er ausdrücklich, Vorwürfe gegen Gemeinde oder Bistum erhob er nicht.
Welches Buch hat Frings vorher geschrieben?
„Aus, Amen, Ende?“, in dem er seine Gründe für den Rückzug aus dem Pfarramt darlegt. Das Buch wurde ein Bestseller und machte ihn zu einem gefragten Redner in ganz Deutschland.
Ist Thomas Frings mit Kardinal Frings verwandt?
Ja, er ist ein Großneffe von Joseph Frings, der von 1942 bis 1969 Erzbischof von Köln war. Der Kardinal prägte das Zweite Vatikanische Konzil mit und gab mit seiner Silvesterpredigt von 1946 dem Wort „fringsen“ seinen Namen.