Es geschah am hellichten Tag
Der Filmklassiker von 1958 mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Michel Simon
Es geschah am hellichten Tag von 1958: Heinz Rühmann jagt einen Kindermörder, Gert Fröbe spielt den Täter. Handlung, Drehbuch, Drehorte und Remakes.
Ein Hausierer findet im Wald eine Leiche, ruft die Polizei und ist wenige Stunden später selbst der Mörder, jedenfalls für das ganze Dorf. So beginnt „Es geschah am hellichten Tag“, ein schweizerisch-deutsch-spanischer Spielfilm aus dem Jahr 1958, der zu den bekanntesten Kriminalfilmen der deutschsprachigen Nachkriegszeit gehört. Regie führte Ladislao Vajda, die Idee stammte von Friedrich Dürrenmatt, und die Besetzung mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Michel Simon wäre auch ohne diese beiden Namen schon bemerkenswert.
Uraufgeführt wurde der Film am 4. Juli 1958 auf der 8. Berlinale.
Ein Hausierer, eine Leiche, ein Versprechen
Dr. Hans Matthäi von der Zürcher Kantonspolizei, gespielt von Heinz Rühmann, steht kurz vor der Abreise nach Jordanien, wo er die dortige Polizei ausbilden soll. Da ruft der Hausierer Jacquier an. Er hat im Wald von Mägendorf, einem kleinen Ort nahe Zürich, die Leiche des Mädchens Gritli Moser gefunden. Matthäi fährt hin und verspricht der Mutter bei seiner Seligkeit, den Mörder zu finden.
Die Dorfbewohner haben ihren Täter schnell gefunden. Jacquier sei beobachtet worden, und er trage Rasiermesser bei sich, wie eines für die Tat benutzt worden sein könnte. Leutnant Henzi, Matthäis Mitarbeiter und Nachfolger, bringt ihn in einem stundenlangen Verhör zu einem Geständnis. In der Nacht darauf erhängt sich Jacquier in seiner Zelle.
Michel Simon spielt diesen Mann mit einer Mischung aus Schwerfälligkeit und Würde, die man nicht so schnell vergisst.
Die Zeichnung, der Steinbock und die Tankstelle
Matthäi glaubt nicht an Jacquiers Schuld. Zwei ähnliche Morde liegen schon länger zurück, und in der Schule hat ihm eine Freundin des Mädchens eine Zeichnung gezeigt, die Gritli gemalt hatte: ein Riese, ein kleines Mädchen, mehrere Igel, ein Kasperle, ein Auto und ein merkwürdiges Tier mit Hörnern.
Schon im Flugzeug nach Jordanien kommt die Wendung. Neben ihm isst ein Mann Schokoladentrüffel, die aussehen wie kleine Igel. Matthäi nimmt ihm die Trüffel weg und steigt wieder aus. Mit dem Psychiater Professor Manz, gespielt von Ewald Balser, deutet er die Zeichnung, und die Spur führt nach Graubünden: Die früheren Morde lagen an der Straße dorthin, und der Kanton führt einen Steinbock im Wappen, das Tier mit den Hörnern.
Matthäi mietet eine Tankstelle an der Landstraße zwischen Chur und Zürich und stellt eine junge Frau als Haushälterin ein, deren Tochter Annemarie Gritli ähnlich sieht. Das Kind wird zum Köder. Wenn du den Film noch nicht kennst, sei an dieser Stelle nur so viel verraten: Gert Fröbe spielt den Geschäftsmann Schrott, der von seiner herrischen Ehefrau beherrscht wird und eines Tages an der Tankstelle vorbeifährt.
Dürrenmatt, Rühmann und ein Drehbuch mit zwei Enden
Im Mai 1957 bekam Dürrenmatt vom Schweizer Produzenten Lazar Wechsler den Auftrag, ein Drehbuch über Sexualverbrechen an Kindern zu schreiben. Produziert wurde der Film von der Praesens-Film AG gemeinsam mit der CCC-Film aus Berlin und der Chamartín aus Madrid. Die Dreharbeiten verschoben sich mehrmals, zuletzt auf Februar 1958, und dadurch fielen der ursprünglich vorgesehene Regisseur Wolfgang Staudte und Hauptdarsteller Martin Held aus. An ihre Stelle traten Ladislao Vajda und Heinz Rühmann, der zur Bedingung machte, dass Hans Jacoby am Drehbuch mitarbeitete.
Dürrenmatt war mit dem Ergebnis nicht glücklich. Seine eigenen Titelvorschläge, „Gott schlief am Vormittag“ und „Schrott geht bummern“, lehnten die Geldgeber ab. Über den Film sagte er: „Man hätte ruhig frecher und burlesker sein dürfen.“ Rühmann war ihm zu bürgerlich, und vor allem störte ihn, dass der Mörder am Ende gefasst wird. Er zweifelte, ob ein solcher Fall in der Wirklichkeit so glatt aufginge.
Also schrieb er die Geschichte noch einmal, als Roman. „Das Versprechen“ entstand im selben Jahr auf der Grundlage seines Filmskripts und trägt den Untertitel „Requiem auf den Kriminalroman“. Veröffentlicht wurde das Buch erst, nachdem der Film im Kino gelaufen war. Im Roman hat Matthäi keinen Erfolg: Der Täter kommt nicht, der Kommissar wartet weiter und verliert über seiner vergeblichen Suche den seelischen Halt.
Drehorte in Graubünden
Gedreht wurde in der Schweiz. Die SOCAL-Tankstelle ist in Wahrheit ein Bauernhof bei Trimmis, den der örtliche Schreiner für die Dreharbeiten umbaute. Auch die Szenen, in denen Matthäi auf Annemarie trifft, entstanden in Trimmis, mit der evangelisch-reformierten Kirche im Hintergrund und dem Dorfbrunnen, an dem das Mädchen mit seiner Puppe spielt. Die Begegnungen zwischen Schrott und Annemarie im Wald wurden im Fürstenwald bei Chur gedreht, Schrotts Haus steht in Chur an der Oberen Plessurstrasse.
Die Gaststätte mit der Aufschrift Graubünden liegt an der Tardisbrücke über den Rhein bei Landquart; die Stahlbrücke aus dem Film wurde 2001 durch eine Neukonstruktion ersetzt. Ein weiterer Teil entstand im Gasthaus zum Löwen in Bonstetten. Und Schrotts schwarze Limousine, ein Buick Special der Serie 40, stammte von einem Taxiunternehmen in Chur.
Neuverfilmungen und ein Weg zu Goldfinger
Der Stoff wurde mehrfach neu verfilmt. 1979 entstand unter Alberto Negrin eine italienische Fernsehfassung, die dem Roman folgt und ohne Happy End auskommt. 1990 drehte György Fehér in Ungarn „Szürkület“, 1996 Rudolf van den Berg „In the Cold Light of Day“ mit Richard E. Grant. 1997 folgte ein Zweiteiler für Sat.1 unter Nico Hofmann mit Joachim Król und Axel Milberg, und 2001 verfilmte Sean Penn den Roman als „The Pledge“ mit Jack Nicholson, Benicio Del Toro, Robin Wright Penn und Helen Mirren, mit dem Ende, das Dürrenmatt sich gewünscht hatte.
Weitere Klassiker stehen in der Rubrik Filme und in der Übersicht zu den 1950er Jahren.
Für Gert Fröbe hatte die Rolle eine Folge, die weit über den deutschsprachigen Film hinausreichte. Seine Darstellung des Mörders Schrott gilt als der Grund, warum die Produzenten der James-Bond-Reihe ihn sechs Jahre später als Auric Goldfinger besetzten.
Fragen zu Es geschah am hellichten Tag: der Filmklassiker
Worum geht es in Es geschah am hellichten Tag?
Im Wald eines Dorfes bei Zürich wird die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Der Hausierer Jacquier, der sie entdeckt hat, gerät unter Verdacht, gesteht nach einem harten Verhör und nimmt sich in der Zelle das Leben. Kommissar Matthäi glaubt nicht an seine Schuld und stellt dem wahren Täter eine Falle.
Wer spielt in Es geschah am hellichten Tag mit?
Heinz Rühmann spielt den Kriminalbeamten Dr. Hans Matthäi, Gert Fröbe den Geschäftsmann Schrott, Michel Simon den Hausierer Jacquier. In weiteren Rollen sind Siegfried Lowitz, Ewald Balser, Heinrich Gretler, Berta Drews und Anita von Ow als kleine Annemarie zu sehen.
Welche Rolle spielte Friedrich Dürrenmatt beim Film?
Dürrenmatt schrieb im Auftrag des Produzenten Lazar Wechsler die Vorlage für das Drehbuch, das er dann mit Regisseur Ladislao Vajda und Hans Jacoby ausarbeitete. Mit dem fertigen Film war er nicht glücklich, vor allem nicht mit dem Ende, und schrieb deshalb den Roman Das Versprechen, in dem der Kommissar scheitert.
Wo wurde Es geschah am hellichten Tag gedreht?
In der Schweiz, vor allem in Graubünden. Die Tankstelle war ein umgebauter Bauernhof bei Trimmis, die Waldszenen entstanden im Fürstenwald bei Chur, Schrotts Haus steht in Chur. Weitere Aufnahmen entstanden an der Tardisbrücke bei Landquart und im Gasthaus zum Löwen in Bonstetten.
Welche Neuverfilmungen gibt es?
Unter anderem eine italienische Fernsehfassung von 1979, den ungarischen Film Szürkület von 1990, In the Cold Light of Day von 1996, einen Zweiteiler für Sat.1 von 1997 mit Joachim Król und Axel Milberg sowie The Pledge von Sean Penn aus dem Jahr 2001 mit Jack Nicholson.
Was hat der Film mit James Bond zu tun?
Gert Fröbes Darstellung des Mörders Schrott verhalf ihm nach verbreiteter Darstellung zu seiner bekanntesten internationalen Rolle: dem Bond-Bösewicht Auric Goldfinger im Film Goldfinger von 1964.