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VinTageBuch

Ein Tag im Mittelalter

Alltagsleben im Frankfurt des Jahres 1454 mit dem Wundarzt Jakob Althaus

Das Dokudrama Ein Tag im Mittelalter folgt dem Wundarzt Jakob Althaus durch Frankfurt 1454: Handwerksmedizin, Messe, Gutenberg, Uhren und Badestuben.

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Eintrag vom 22. Aug. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Frankfurt am Main im Jahr 1454: eine Reichsstadt mit Messe, Zünften und einem Rat, der über Badestuben ebenso wacht wie über den Brotpreis. In diese Stadt setzt das Dokudrama „Ein Tag im Mittelalter“ den Wundarzt Jakob Althaus, eine erfundene Figur, deren Tagesablauf die Kamera von der ersten Glocke bis zur Nachtruhe verfolgt. Die Sendung gehört zur Reihe „Ein Tag in …“, die einzelne Tage aus verschiedenen Epochen nachstellt und mit Erklärungen von Historikern unterlegt.

Der Kunstgriff ist einfach. Statt Jahreszahlen und Herrscherlisten gibt es einen Mann, der morgens aufsteht, Patienten versorgt, einkauft, sich wäscht und abends Rechnungen zusammenzählt.

Der Wundarzt als Handwerker

Ein Wundarzt im 15. Jahrhundert ist kein studierter Mediziner. Die Universitätsärzte, die Physici, lesen Galen und stellen Diagnosen anhand von Harnschau und Pulsfühlen; sie fassen Wunden in der Regel nicht an. Das Schneiden, Nähen, Schienen und Brennen bleibt den Wundärzten und Badern überlassen, die ihr Handwerk in einer Lehre lernen wie ein Schmied oder ein Schneider. Frankfurt selbst hatte damals gar keine Universität – die kam erst 1914.

Jakob Althaus behandelt in der Sendung also das, was auf einer Baustelle, in einer Schmiede oder bei einer Rauferei am Main passiert: Schnittverletzungen, Knochenbrüche, eiternde Geschwüre, Zahnschmerzen. Sein Werkzeug sind Messer, Sonden, Zangen und ein Rezeptbuch, in dem Salben, Pflaster und Tränke notiert sind. Solche Arzneibücher sind in großer Zahl erhalten; sie mischen Pflanzenkunde, Erfahrung und Aberglauben, ohne dass die Grenze immer erkennbar wäre.

Der Aderlass gehört zum Alltag. Nach der Säftelehre soll er das Gleichgewicht der Körperflüssigkeiten wiederherstellen, und die Kalender des 15. Jahrhunderts geben dafür günstige und ungünstige Tage an. Ob es half, kannst du dir denken – die Patienten glaubten daran, und das zählte.

Gutenberg, die Messe und der Blick nach Mainz

Das Jahr 1454 ist nicht zufällig gewählt. Wenige Kilometer mainabwärts, in Mainz, druckt Johannes Gutenberg in diesen Monaten seine 42-zeilige Bibel. Der spätere Papst Pius II., damals noch Enea Silvio Piccolomini, berichtete in einem Brief davon, auf der Frankfurter Herbstmesse 1454 Lagen dieser Bibel gesehen zu haben – der Druck sei so sauber, dass man ihn ohne Brille lesen könne. Die Frankfurter Messe war der Ort, an dem eine solche Neuheit ihr Publikum fand, lange bevor jemand von einer Medienrevolution sprach.

Das Dokudrama nutzt diese Nähe. Der Wundarzt bewegt sich durch eine Stadt, in der Händler aus halb Europa Stoffe, Gewürze und Bücher anbieten, und nebenbei wird erklärt, was die Messe für die Reichsstadt bedeutete: Zolleinnahmen, Wechselgeschäfte, volle Herbergen, Streit um Standplätze. Seit der Goldenen Bulle von 1356 war Frankfurt außerdem der Ort der Königswahl, ein Umstand, der dem Rat Selbstbewusstsein gab und den Gesandten fremder Höfe Quartierprobleme.

Uhren, Glocken und die Einteilung des Tages

Wer heute auf das Handy schaut, vergisst leicht, dass der Tag im Mittelalter anders gegliedert war. Räderuhren gab es in den Städten seit dem 14. Jahrhundert, sie schlugen die Stunden, hatten aber meist keinen Minutenzeiger und gingen so ungenau, dass sie regelmäßig nach der Sonne gestellt werden mussten. Für den Alltag zählten die Glocken: die Gebetszeiten der Kirchen, das Läuten zur Ratssitzung, das Signal zur Torschließung.

Auch die Stundenlänge war nicht überall gleich. Neben der gleichmäßigen Stunde der Räderuhr lebte die alte Einteilung fort, nach der sich Tag und Nacht jeweils in zwölf Stunden teilten – im Sommer waren die Tagesstunden länger, im Winter kürzer. Die Sendung zeigt, wie ein Handwerker seinen Tag an solchen Signalen entlang organisiert, und wie wenig die Uhrzeit im heutigen Sinn dabei eine Rolle spielt.

Körperhygiene: die Badestube als Treffpunkt

Das hartnäckigste Klischee über das Mittelalter, der ungewaschene Mensch, wird in „Ein Tag im Mittelalter“ ziemlich nüchtern korrigiert. Städte wie Frankfurt hatten öffentliche Badestuben, in denen man gegen Gebühr schwitzte, sich scheren ließ und zur Ader gelassen wurde; der Bader war zugleich Friseur, Zahnreißer und kleiner Chirurg. Die Badestube war ein sozialer Ort, mit Essen, Trinken und Musik, und deshalb dem Rat auch ein Dorn im Auge.

Was fehlte, war das Verständnis für Infektionen. Der Zusammenhang zwischen verschmutztem Wasser und Krankheit war unbekannt, Latrinen lagen neben Brunnen, Abfall landete im Main. Der Wundarzt Althaus wäscht sich die Hände, weil sie schmutzig sind, nicht weil er Keime fürchtet.

Genau in diesen Details liegt der Reiz des Formats. Die Spielszenen sind bewusst schlicht gehalten, das Budget sieht man ihnen an, doch die Fragen, die sie aufwerfen, sind die richtigen: Wie viel verdiente ein Wundarzt, wer bezahlte, was passierte mit den Armen, und was geschah, wenn eine Behandlung schiefging?

Wer sich nach der Sendung tiefer in die Epoche lesen will, findet in der Rubrik Filme und unter Sachbücher weiteres Material zum Spätmittelalter.

Fragen zu Ein Tag im Mittelalter: Alltagsleben im Frankfurt des Jahres 1454 mit dem Wundarzt Jakob Althaus

Worum geht es in Ein Tag im Mittelalter?

Das Dokudrama begleitet den erfundenen Wundarzt Jakob Althaus durch einen einzigen Tag im Frankfurt am Main des Jahres 1454. Spielszenen zeigen seine Arbeit, seinen Weg über die Messe und seinen Besuch in der Badestube, Historiker ordnen das Gezeigte ein.

Hat der Wundarzt Jakob Althaus wirklich gelebt?

Nein, die Figur ist für die Sendung erfunden. Sie steht stellvertretend für den Berufsstand der handwerklich ausgebildeten Wundärzte, die im 15. Jahrhundert Wunden versorgten, Knochen richteten und Zähne zogen, während studierte Ärzte Diagnosen stellten.

Was hat Johannes Gutenberg mit Frankfurt 1454 zu tun?

Gutenberg druckte in diesen Monaten in Mainz seine 42-zeilige Bibel. Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II., berichtete in einem Brief, er habe auf der Frankfurter Herbstmesse 1454 fertige Lagen dieser Bibel gesehen. Die Messe war der Ort, an dem der Buchdruck sein erstes Publikum fand.

Wie wurde die Zeit im Mittelalter gemessen?

Räderuhren gab es in den Städten seit dem 14. Jahrhundert, sie schlugen die Stunden, hatten aber meist keinen Minutenzeiger und mussten regelmäßig nach der Sonne gestellt werden. Für den Alltag zählten die Glocken der Kirchen und des Rates.

Wuschen sich die Menschen im Mittelalter?

Ja, häufiger als das Klischee behauptet. Städte wie Frankfurt hatten öffentliche Badestuben, in denen man schwitzte, sich scheren ließ und zur Ader gelassen wurde. Was fehlte, war das Wissen über Infektionen: Latrinen lagen neben Brunnen, Abfall landete im Fluss.