Die Puppenspieler
Tanja Kinkels Roman über Augsburg, Florenz und Rom und die Verfilmung im Ersten
Die Puppenspieler von Tanja Kinkel: Richard Artzt zwischen Jakob Fugger, den Medici und den Borgia, dazu der ARD-Zweiteiler von 2017 mit Herbert Knaup.
Im Jahr 1484 erlässt Papst Innozenz VIII. die Bulle „Summis desiderantes affectibus“, die zwei Dominikanern in Oberdeutschland freie Hand gegen vermeintliche Hexen gibt: Jakob Sprenger und Heinrich Institoris. In Tanja Kinkels Roman Die Puppenspieler, 1993 erschienen, ist Institoris der Mann, der das Leben der Hauptfigur zerstört. Richard Artzt verliert als Junge seine Mutter, eine Heilerin, die als Hexe verbrannt wird. Der Rest des Buchs erzählt, wie dieser Junge lernt, wie Macht funktioniert, und wie er sie gegen den Inquisitor wenden will.
Richard Artzt und der Hexenhammer
Kinkel, 1969 in Bamberg geboren, hatte zwei Jahre zuvor mit „Die Löwin von Aquitanien“ einen Roman über Eleonore von Aquitanien vorgelegt. In Die Puppenspieler erzählt sie die Jahre zwischen 1484 und 1492 aus der Sicht eines erfundenen Helden. Richard wird zum Schützling des Augsburger Kaufmanns Jakob Fugger, der ihn in Handel, Kreditgeschäft und Diplomatie einführt. An Fuggers Seite erfährt er, dass Päpste, Fürsten und Städte an Fäden hängen, die in Kontoren gezogen werden. Das Bild steckt schon im Titel.
Sein Weg führt ihn nach Florenz und Rom, und immer wieder kreuzt Heinrich Institoris seine Pläne. Der historische Institoris war 1485 mit einem Hexenprozess in Innsbruck gescheitert, den der Bischof von Brixen, Georg Golser, beenden ließ. Kurz darauf erschien sein „Malleus Maleficarum“, auf Deutsch der Hexenhammer, eines der folgenreichsten Bücher der frühen Neuzeit. Wenn du den Roman liest, lohnt es sich, diese Chronologie im Kopf zu haben: Die Verfolgungen, die Richards Kindheit zerstören, stehen erst am Anfang dessen, was in den folgenden zwei Jahrhunderten in Europa geschehen sollte.
Die Liebesgeschichte des Romans gehört Saviya, einer jungen Romni.
Jakob Fugger, die Medici und die Borgia
Die historischen Figuren tragen einen großen Teil des Buchs. In Florenz herrscht Lorenzo de’ Medici, und der Bußprediger Girolamo Savonarola wettert gegen Luxus, Kunst und die Sitten der Stadt. Lorenzo starb im April 1492, wenige Monate vor der Papstwahl in Rom. In Rom steigt Rodrigo Borgia 1492 als Alexander VI. auf den Papstthron, eine Wahl, die schon den Zeitgenossen als gekauft galt. Sein Sohn Cesare Borgia gehört ebenfalls zum Personal des Romans.
Jakob Fugger, später „der Reiche“ genannt, war zu dieser Zeit noch nicht der Geldgeber der Habsburger, als der er in die Geschichtsbücher einging. Kredite gegen Silber aus dem Tiroler Bergbau vergab die Firma bereits, der Einstieg in das ungarische Kupfergeschäft gemeinsam mit Johann Thurzo fällt dagegen erst in die Mitte der 1490er Jahre. Die Fuggerei in Augsburg, heute die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt, stiftete er 1521. Wer den Roman liest, bekommt eine brauchbare Vorstellung davon, wie eng Geld und Kirchenpolitik um 1500 verflochten waren, auch wenn die Handlung einzelne Ereignisse zuspitzt.
Der Zweiteiler im Ersten
Ende Dezember 2017 zeigte Das Erste die Verfilmung als Zweiteiler mit zweimal 88 Minuten. Regie führte Rainer Kaufmann, das Drehbuch schrieben Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof. Gedreht wurde die deutsch-tschechische Produktion zwischen April und Juli 2015 in Tschechien, Bayern und Italien.
Samuel Schneider spielt Richard, Helen Woigk die Wahrsagerin Saviya. Herbert Knaup übernimmt die Rolle des Jakob Fugger, Ulrich Matthes spielt Papst Alexander VI., Edin Hasanović dessen Sohn Cesare und Philipp Moog den Inquisitor Heinrich Institoris.
Im Zentrum des Drehbuchs steht eine Intrige: Fugger versucht, die Papstwahl von 1492 zu beeinflussen, um seine Bergwerke in Ungarn vor der türkischen Bedrohung abzusichern. Das ist dramaturgisch wirkungsvoll und historisch großzügig, siehe oben.
Knapp drei Stunden Film für acht Jahre Handlung.
Roman oder Film?
Wenn du nur eines von beiden kennenlernen willst, nimm den Roman. Ein Buch kann Richards Weg vom Jungen zum Mann über viele Jahre begleiten und den Nebenfiguren in Augsburg, Florenz und Rom Raum geben; der Film muss sich für Tempo, Intrige und Liebesgeschichte entscheiden und tut das konsequent. Wer dagegen die Machtverhältnisse zwischen Augsburg und Rom einmal in Bildern sehen möchte, bekommt mit Herbert Knaup und Ulrich Matthes zwei erfahrene Darsteller in den Rollen, auf die es ankommt.
Weitere Stoffe aus dieser Epoche sammelt die Übersicht zu den 1500er Jahren, mehr Verfilmungen stehen unter Filme. Und wer nach Augsburg fährt: In der Fuggerei zahlen die Bewohner bis heute eine Jahresmiete, die dem Gegenwert eines Rheinischen Guldens entspricht, dazu drei tägliche Gebete für den Stifter.
Fragen zu Die Puppenspieler: Tanja Kinkels Roman über Augsburg, Florenz und Rom und die Verfilmung im Ersten
Worum geht es in Die Puppenspieler?
Richard Artzt verliert als Junge seine Mutter, eine Heilerin, die als Hexe verbrannt wird. Er kommt als Schützling des Augsburger Kaufmanns Jakob Fugger nach Florenz und Rom und sucht Rache an dem Inquisitor Heinrich Institoris. Die Handlung spielt zwischen 1484 und 1492.
Wann ist der Roman Die Puppenspieler erschienen?
Tanja Kinkel veröffentlichte den historischen Roman 1993. Er gehört zu ihren bekanntesten Büchern und verbindet eine erfundene Hauptfigur mit historischen Personen wie Jakob Fugger, Lorenzo de’ Medici, Girolamo Savonarola und den Borgia.
Wer spielt in der Verfilmung von Die Puppenspieler mit?
Samuel Schneider spielt Richard, Helen Woigk die Wahrsagerin Saviya und Herbert Knaup Jakob Fugger. Ulrich Matthes ist als Papst Alexander VI. zu sehen, Edin Hasanović als Cesare Borgia und Philipp Moog als Heinrich Institoris.
Wann lief der Zweiteiler im Fernsehen?
Das Erste zeigte die deutsch-tschechische Produktion Ende Dezember 2017 in zwei Teilen von jeweils 88 Minuten. Regie führte Rainer Kaufmann, das Drehbuch schrieben Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof.
Wie historisch ist Die Puppenspieler?
Die Schauplätze und viele Figuren sind historisch, darunter Jakob Fugger, Papst Alexander VI. und der Verfasser des Hexenhammers Heinrich Institoris. Richard Artzt und Saviya sind erfunden, und die Verfilmung verdichtet die Ereignisse um die Papstwahl von 1492 zugunsten der Spannung.