Die Gabe zu heilen – Von wegen Wunder
Zwölf Heilerinnen und Heiler im Buch zum Film von Andreas Geiger
Die Gabe zu heilen: Andreas Geiger und Annette Maria Rieger porträtieren zwölf Heilerinnen und Heiler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Handauflegen, Warzen besprechen, Gesundbeten: Solche Praktiken gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis heute, in Dörfern ebenso wie in Großstädten, und kaum ein Gesundheitsthema löst so schnell Streit aus. Die einen halten Heiler für Scharlatane, die anderen suchen gerade bei ihnen Hilfe. Die Gabe zu heilen, mit dem Untertitel „Von wegen Wunder“, versucht etwas anderes: hinzusehen, bevor geurteilt wird.
Zwölf Porträts zwischen Land und Stadt
Das Buch porträtiert zwölf Heilerinnen und Heiler aus drei Ländern, auf dem Land, in der Stadt und, wie es im Buch heißt, „zwischen den Welten“. Geschrieben haben es Andreas Geiger und Annette Maria Rieger, die Porträtfotos stammen von Stanislav Krupar, und ein kulturgeschichtliches Nachwort von Matthias Badura ordnet das Phänomen historisch ein. Die broschierte Ausgabe mit 240 Seiten erschien am 15. Oktober 2018 im Verlag Herder.
Die Autoren nähern sich ihren Protagonisten sachlich und neutral. Sie fragen, was diese Menschen besonders macht, wie sie arbeiten und wie sie sich selbst verstehen, und sie sprechen auch mit denen, die Hilfe suchen. Daraus entsteht ein Einblick in eine Szene, die sonst entweder belächelt oder verklärt wird.
Dass der Band ein kulturgeschichtliches Nachwort hat, ist sinnvoll, denn diese Szene ist keine Erfindung der Esoterikwelle. Das Besprechen von Krankheiten mit überlieferten Formeln, das Gesundbeten und das Handauflegen gehören seit Jahrhunderten zur Volksmedizin des deutschsprachigen Raums, lange bevor es Krankenkassen, Hausärzte oder Heilpraktiker gab. In vielen ländlichen Gegenden wurde dieses Wissen innerhalb von Familien weitergegeben.
Auffällig ist ein Befund, der sich durch viele Porträts zieht. Die Heilerinnen und Heiler sehen sich nicht in Konkurrenz oder im Widerspruch zur Medizin, sondern verstehen sich als unterstützendes, alternatives Angebot.
Der Film von Andreas Geiger
Das Buch ist aus einem Dokumentarfilm hervorgegangen. Andreas Geigers „Die Gabe zu heilen“ kam 2017 in ausgewählte Kinos und begleitet in 102 Minuten fünf Heilerinnen und Heiler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei ihrer Arbeit. Geiger hat nach eigener Aussage bewusst Menschen ausgewählt, die er für glaubwürdig hielt, statt einen weiteren Film über Scharlatane zu drehen. Später erschien der Film auch auf DVD, mit zusätzlichem Material.
Zum Film erschien zunächst ein Begleitbuch im Verlag Klöpfer & Meyer, die Herder-Ausgabe folgte. Wer den Film gesehen hat, findet im Buch mehr Raum für die einzelnen Lebensgeschichten und für die Frage, woher die Menschen ihre Überzeugung nehmen. Wenn du schon eine feste Meinung zum Thema hast, wird das Buch sie vermutlich nicht umstoßen, aber es macht sie genauer.
Was Heiler dürfen und was nicht
In Deutschland ist die Heilkunde eigentlich Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten; das Heilpraktikergesetz, das diese Grenze zieht, stammt aus dem Jahr 1939 und gilt in seinen Grundzügen bis heute. Für Geistheiler hat das Bundesverfassungsgericht mit einem Beschluss vom 2. März 2004 eine Ausnahme bestätigt: Wer ausschließlich durch Handauflegen oder vergleichbare rituelle Handlungen arbeitet, keine Diagnosen stellt und nicht den Eindruck einer medizinischen Behandlung erweckt, braucht keine Heilpraktikererlaubnis. Das Gericht verglich solche Tätigkeiten eher mit Krankensalbung oder Gebet als mit ärztlicher Hilfe. Geistheiler müssen ihre Klienten allerdings darauf hinweisen, dass ihre Arbeit keinen Arztbesuch ersetzt.
Eine Wirkung, die über Zuwendung, Entspannung und die Erwartung der Behandelten hinausgeht, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Das Buch behauptet das auch nicht.
Seriöse Heilerinnen und Heiler finden
Wenn du dich nach der Lektüre selbst an eine Heilerin oder einen Heiler wenden willst, gibt es zwei bekannte Anlaufstellen. Der Dachverband Geistiges Heilen e.V., kurz DGH, bietet auf seiner Website eine Suche nach Mitgliedern im Umkreis des eigenen Wohnorts an. Viele dieser Mitglieder haben zusätzlich eine anerkannte heilkundliche Ausbildung, etwa als Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeut.
Die IVH, eine Einrichtung der Stiftung Auswege, entstand 2005 mit dem Ziel, in der Heilerszene die seriösen Anbieter herauszufiltern. Empfohlen werden nur Heiler, die ein aufwendiges Verfahren zur Beurteilung, Auswahl und laufenden Überprüfung durchlaufen haben und einen Ehrenkodex anerkennen. Eine Garantie für Wirksamkeit ist auch das nicht, wohl aber ein gewisser Schutz vor den gröbsten Auswüchsen der Szene.
Vor einer Behandlung lohnt in jedem Fall ein Gespräch über Methode, Ablauf und Kosten. Und wer ernsthaft krank ist, lässt die ärztliche Behandlung weiterlaufen, auch wenn er zusätzlich eine Heilerin aufsucht. Weitere Biografien und Sachbücher zu Gesundheit und Lebensfragen stehen in der Rubrik Bücher.
Fragen zu Die Gabe zu heilen
Worum geht es in Die Gabe zu heilen?
Das Buch porträtiert zwölf Heilerinnen und Heiler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, auf dem Land und in der Stadt. Es fragt, wie diese Menschen arbeiten, wie sie sich selbst verstehen und warum Kranke zu ihnen kommen. Die Autoren nähern sich dem Thema sachlich und ohne Wunderversprechen.
Wer hat das Buch geschrieben?
Andreas Geiger, der den gleichnamigen Dokumentarfilm gedreht hat, und Annette Maria Rieger. Das kulturgeschichtliche Nachwort stammt von Matthias Badura, die Porträtfotos von Stanislav Krupar. Die broschierte Ausgabe mit 240 Seiten erschien im Oktober 2018 im Verlag Herder.
Gibt es einen Film zu Die Gabe zu heilen?
Ja. Andreas Geigers Dokumentarfilm lief 2017 in ausgewählten Kinos und begleitet fünf Heilerinnen und Heiler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Buch erweitert den Kreis auf zwölf Porträts.
Brauchen Geistheiler in Deutschland eine Heilpraktikererlaubnis?
Nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 2. März 2004 nicht, sofern sie etwa durch Handauflegen arbeiten, keine Diagnosen stellen und keinen Eindruck ärztlicher Behandlung erwecken. Sie müssen ihre Klienten darauf hinweisen, dass ihre Tätigkeit keinen Arztbesuch ersetzt.
Wie findet man seriöse Heilerinnen und Heiler?
Der Dachverband Geistiges Heilen bietet eine Suche nach Mitgliedern in der Nähe des Wohnorts an, die IVH der Stiftung Auswege empfiehlt nur Heiler, die ein Prüfverfahren durchlaufen und einen Ehrenkodex anerkannt haben. Vor einer Behandlung lohnt ein Gespräch über Methode, Ablauf und Kosten.
Ist die Wirkung von Geistheilung wissenschaftlich belegt?
Eine Wirkung, die über Zuwendung, Entspannung und die Erwartung der Behandelten hinausgeht, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Die im Buch porträtierten Heiler verstehen sich selbst nicht als Ersatz für die Medizin, sondern als ergänzendes Angebot.