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VinTageBuch

Der kleine Mönch im Alltag

Madeleine Delbrêls spirituelle Merksätze, neu kommentiert von Anselm Grün

Madeleine Delbrêls humorvolle Merksätze über den kleinen Mönch, ausgewählt und kommentiert von Anselm Grün: Inhalt, Themen und Autoren der Herder-Ausgabe.

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Eintrag vom 19. Jan. 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Der kleine Mönch im Alltag: Madeleine Delbrêls spirituelle Merksätze, neu kommentiert von Anselm Grün

„O Gott, wenn du überall bist, wie kommt es dann, dass ich so oft anderswo bin?“ Die Frage stellt der kleine Mönch, eine Figur der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl, und in ihr steckt fast das ganze Buch. Man lacht kurz. Dann fällt einem die letzte Andacht ein, bei der die Gedanken schon beim Einkaufszettel waren.

„Der kleine Mönch im Alltag“ erschien am 9. Dezember 2019 im Verlag Herder, wenige Wochen vor dem 75. Geburtstag des Benediktinerpaters Anselm Grün. Grün hat Delbrêls Merksätze ausgewählt, neu gefasst und zu jedem einen eigenen Kommentar geschrieben. Die Zeichnungen stammen von Sabine Hanel. Die gebundene Ausgabe hat 128 Seiten und trägt die ISBN 978-3451386947.

Wer der kleine Mönch ist

Ein Ordensmann mit Kutte und Chorgebet ist er nicht. Delbrêl hat ihn als erdachten Gefährten angelegt, der sich mit den gewöhnlichen Schwierigkeiten eines Christenlebens herumschlägt: mit Gebeten, die im Kopf woanders landen, mit Terminen, die sich stapeln, mit einem Nachbarn, der zuverlässig zur falschen Zeit klingelt. Seine Sätze sind selten länger als zwei Zeilen. Belehrend werden sie nie, denn meistens ertappt sich der kleine Mönch selbst, bevor er einem anderen etwas vorhält.

Anselm Grün beschreibt das in seinem Vorwort so: „Der kleine Mönch wird so zur humorvollen Identifikationsfigur für jeden Christen, der mitten in der Welt, in der Gemeinschaft der Familie, einer Pfarrei, einer Firma, einer Gruppe geistlich leben möchte.“ Das Kloster ist bei Delbrêl also eher eine innere Haltung als eine Adresse.

Die Aphorismen rund um diese Figur finden seit mehr als 50 Jahren ihre Leserinnen und Leser.

Die Themen: Zeitnot, Neid, Gebet und Gespräch

Die Auswahl kreist um das, was sich im Alltag gläubiger Menschen immer wieder querstellt. Da ist die Zeitnot, die dem Gebet die Minuten stiehlt. Da ist der Neid auf jemanden, dem scheinbar alles leichter von der Hand geht. Gespräche geraten zu Monologen, und die Gelassenheit, die man sich am Morgen vornimmt, ist spätestens beim ersten Ärger im Straßenverkehr wieder dahin. Der kleine Mönch kennt all das aus eigener Erfahrung, und gerade deshalb glaubt man ihm.

Aufgebaut ist das Buch locker. Die Merksätze stehen für sich, begleitet von Sabine Hanels Illustrationen und von Grüns Deutungen, die den jeweiligen Gedanken in die Gegenwart holen. Grün setzt die Pointen in Beziehung zu dem, was Menschen heute beschäftigt, und lässt ihnen trotzdem ihre Leichtigkeit. Das ist die eigentliche Leistung dieser Ausgabe, denn ein Aphorismus, dem man drei Seiten Auslegung hinterherschiebt, verliert schnell seinen Witz.

Du kannst das Buch von vorn nach hinten lesen. Klüger ist es, jeden Tag nur einen Merksatz aufzuschlagen.

Die Verbindung von Humor und spiritueller Tiefe wirkt dabei nicht wie eine Zuckerschicht über einer strengen Lehre. Wer über die eigene Unvollkommenheit lachen kann, spricht ehrlicher mit Gott – auf diesen Gedanken laufen viele der Sprüche hinaus.

Madeleine Delbrêl: Sozialarbeiterin und Mystikerin in Ivry

Madeleine Delbrêl lebte von 1904 bis 1964. In ihrer Jugend verstand sie sich als Atheistin, mit etwa zwanzig Jahren fand sie zum christlichen Glauben. Beruflich wurde sie Sozialarbeiterin und zog in den Pariser Arbeitervorort Ivry-sur-Seine, eine Stadt, die über Jahrzehnte kommunistisch regiert wurde. Dort gründete sie mit anderen Frauen eine Lebensgemeinschaft, die nicht hinter Klostermauern, sondern mitten in der Nachbarschaft lebte.

Aus dieser Erfahrung schrieb sie über Gebet, Glaube und Gemeinschaft in einer Umgebung, die mit Religion wenig anfangen konnte. Heute gilt sie als Vordenkerin des Zweiten Vatikanischen Konzils und als moderne Mystikerin. 2018 erkannte Papst Franziskus ihr den heroischen Tugendgrad zu, seither trägt sie den Titel „ehrwürdige Dienerin Gottes“.

Der kleine Mönch passt zu diesem Leben. Wer den Glauben auf der Straße und im Treppenhaus lebt, braucht Sätze, die in eine Manteltasche passen.

Anselm Grün, der Kommentator aus Münsterschwarzach

Anselm Grün, Jahrgang 1945, ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in Unterfranken und promovierter Theologe. Über Jahrzehnte war er als Cellerar für die Wirtschaft der Abtei verantwortlich. Daneben arbeitet er als geistlicher Begleiter und leitet Kurse zu Meditation, Fasten und Kontemplation sowie zur tiefenpsychologischen Auslegung von Träumen. Seine Bücher über Spiritualität und Lebenskunst liegen in mehr als 30 Sprachen vor, und monatlich verschickt er den „einfach leben“-Brief an seine Leserinnen und Leser.

von Gipfeln und Tälern des Lebens

Im Herder-Programm jener Monate finden sich weitere Titel mit seinem Namen. „Nimm dir Zeit fürs Glück“ und „Das große Buch vom wahren Glück“ hat Anton Lichtenauer herausgegeben.

Nimm dir Zeit fürs Glück

Das große Buch vom wahren Glück

„Das kleine Buch vom Helfen“ entstand gemeinsam mit Hsin-Ju Wu, der Geschenkband „Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit“ mit Fotografien von Rolf Blesch.

Das kleine Buch vom Helfen

Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit

Für Februar 2020 kündigte der Verlag „Liebe ist die einzige Revolution“ an, ein Gemeinschaftsbuch von Grün, dem Neurobiologen Gerald Hüther und Maik Hosang mit dem Untertitel „Drei Impulse für Ko-Kreativität und Potenzialentfaltung“.

Liebe ist die einzige Revolution

Wer Grüns Gedanken lieber auf dem Schreibtisch stehen hat als im Regal, fand für 2020 außerdem den Postkartenkalender „Quellen der Kraft“, einen Tischkalender, dessen Karten sich einzeln herausnehmen und verschicken lassen.

Quellen Der Kraft

Fragen zu Der kleine Mönch im Alltag: Madeleine Delbrêls spirituelle Merksätze, neu kommentiert

Wer hat „Der kleine Mönch im Alltag“ geschrieben?

Die Merksätze stammen von der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl (1904–1964). Der Benediktiner Anselm Grün hat sie ausgewählt, für die Gegenwart gedeutet und jeden mit einem Kommentar versehen. Die Illustrationen zeichnete Sabine Hanel.

Worum geht es in dem Buch?

Eine fiktive Mönchsfigur ringt mit den Tücken des christlichen Alltags: Hektik und Gelassenheit, Gebet und Gespräch, Zeitnot, Neid und das Miteinander. Die Sprüche sind kurz, augenzwinkernd und nie anklagend. Grüns Kommentare führen jeden Gedanken ein Stück weiter.

Wann und wo ist die Ausgabe erschienen?

Das Buch kam am 9. Dezember 2019 im Verlag Herder heraus, als gebundene Ausgabe mit 128 Seiten und der ISBN 978-3451386947. Anlass war der 75. Geburtstag von Anselm Grün im Januar 2020.

Wer war Madeleine Delbrêl?

Delbrêl verstand sich in ihrer Jugend als Atheistin und wandte sich mit etwa zwanzig Jahren dem christlichen Glauben zu. Sie arbeitete als Sozialarbeiterin im Pariser Arbeitervorort Ivry und gründete dort eine Lebensgemeinschaft. Ihre Schriften über Gebet und Glauben in einer säkularen Umgebung gelten als Vorarbeit für das Zweite Vatikanische Konzil.

Für wen eignet sich der kleine Mönch im Alltag?

Anselm Grün nennt die Figur eine Identifikationsfigur für alle, die mitten in Familie, Pfarrei, Firma oder Gruppe geistlich leben wollen. Ein Klosterleben setzt das Buch nicht voraus. Wer wenig Zeit hat, kann es in kleinen Portionen lesen, ein Spruch pro Tag genügt.