Film Das Tribunal
Bruce Willis, Colin Farrell und ein Mordprozess im Kriegsgefangenenlager nach dem Roman von John Katzenbach
Der Film Das Tribunal von Gregory Hoblit: Besetzung mit Bruce Willis und Colin Farrell, Buchvorlage von John Katzenbach und das reale Stalag VI A.
Ein amerikanisches Kriegsgericht mitten in einem deutschen Kriegsgefangenenlager, geduldet vom Lagerkommandanten: Das ist die Versuchsanordnung von Gregory Hoblits „Hart’s War“ aus dem Jahr 2002. Der Film Das Tribunal, so der deutsche Titel, kam am 30. Mai 2002 in die deutschen Kinos, gut drei Monate nach dem Start in den USA. Das Drehbuch schrieben Billy Ray und Terry George nach einem Roman von John Katzenbach.
Auf dem Plakat stand Bruce Willis ganz oben. Die Geschichte gehört aber Colin Farrell.
Die Handlung: ein Mordprozess im Stalag VI A
Winter 1944, Ardennenoffensive. Lieutenant Thomas Hart gerät in Gefangenschaft und landet im Stalag VI A bei Hemer. Dort führt Colonel William McNamara die amerikanischen Gefangenen, ein Offizier, der seine eigenen Pläne verfolgt.
Als zwei schwarze Piloten ins Lager kommen, Lieutenant Lincoln Scott und Lieutenant Lamar Archer, schlägt ihnen offener Rassismus entgegen, vor allem von Staff Sergeant Vic Bedford. Archer wird hingerichtet, kurz darauf wird Bedford ermordet aufgefunden, und Scott steht unter Mordverdacht. McNamara setzt ein Kriegsgericht nach amerikanischem Recht durch, Lagerkommandant Oberst Werner Visser lässt es zu, und Hart soll den Angeklagten verteidigen.
Mehr sei nicht verraten, nur so viel: Der Prozess dient nicht allein der Wahrheitsfindung. McNamara braucht ihn als Ablenkung für einen Plan, der einer nahen Munitionsfabrik gilt.
Das Tribunal Besetzung: Bruce Willis im Kriegsfilm
Bruce Willis spielt McNamara mit versteinerter Miene und wenig Text, was der Rolle gut bekommt. Colin Farrell ist Hart, Terrence Howard der angeklagte Scott, Cole Hauser der Sergeant Bedford. Der rumänische Schauspieler Marcel Iureș gibt den Kommandanten Visser, Linus Roache Captain Peter Ross, Vicellous Reon Shannon den Piloten Archer. In einer kleinen Rolle als Corporal Guidry ist ein junger Sam Worthington zu sehen, Jahre vor „Avatar“.
Für Willis blieb Das Tribunal kein Einzelfall. 2003 trug er in Antoine Fuquas „Tränen der Sonne“ erneut Uniform, diesmal als Anführer einer Navy-Seals-Einheit in Nigeria.
Das Tribunal als Buch: John Katzenbach und sein Vater
John Katzenbachs Roman „Hart’s War“ erschien 1999 und liegt auf Deutsch unter dem Titel „Das Tribunal“ vor. Die Idee kam aus der eigenen Familie. Sein Vater Nicholas Katzenbach, später Justizminister unter Lyndon B. Johnson, verbrachte als Navigator mehr als zwei Jahre in italienischen und deutschen Kriegsgefangenenlagern, darunter das Stalag Luft III, aus dem 1944 die „Große Flucht“ gelang. Als der Sohn fragte, ob es im Lager je ein Verbrechen gegeben habe, verneinte der Vater im Wesentlichen. John Katzenbach erfand den Mord trotzdem und verlegte die Handlung in ein fiktives Stalag Luft 13.
Der Film ersetzte dieses erfundene Lager durch einen realen Namen. Das ist der Punkt, an dem man stutzen sollte.
Das echte Stalag VI A in Hemer
Das Stammlager VI A im westfälischen Hemer wurde im Herbst 1939 eröffnet und zählte zu den größten Kriegsgefangenenlagern im Deutschen Reich. Zuerst kamen Franzosen und Belgier, ab Juni 1941 sowjetische Gefangene, in sehr großer Zahl. Etwa 23.500 Menschen starben dort, die meisten von ihnen Rotarmisten, an Seuchen und Unterernährung. Amerikanische Soldaten saßen in Hemer nie ein. Sie kamen am 13. April 1945 als Befreier, mit der 7. US-Panzerdivision, und fanden 22.000 Gefangene vor, 9.000 davon schwer krank.
Wenn du den Film Das Tribunal kennst, lohnt es sich, diese Zahlen einmal daneben zu legen. Als Gerichtsdrama funktioniert der Film ordentlich, als Bild eines deutschen Lagers verfehlt er gerade die Menschen, die dort tatsächlich gestorben sind.
Die Kritik war geteilt. Die Filmbewertungsstelle vergab das Prädikat „besonders wertvoll“, in der Zeitschrift Cinema war dagegen von einem lahmen Propagandafilm die Rede. Gedreht in den Barrandov-Studios in Prag, kostete der Film rund 70 Millionen Dollar und spielte weltweit etwa 33 Millionen ein. Weitere Kriegs- und Gerichtsfilme findest du unter Filme und in der Übersicht der 2000er Jahre.
In Hemer erinnert heute eine Informations- und Gedenkstätte an das Lager, mit einem Geschichtsraum im ehemaligen Block 3.
Fragen zu Film Das Tribunal: Bruce Willis, Colin Farrell und ein Mordprozess im Kriegsgefangenenlager nach dem Roman
Wer spielt im Film Das Tribunal mit?
Bruce Willis spielt Colonel William McNamara, Colin Farrell Lieutenant Thomas Hart und Terrence Howard den angeklagten Lieutenant Lincoln Scott. Dazu kommen Cole Hauser, Marcel Iureș als deutscher Lagerkommandant, Linus Roache, Vicellous Reon Shannon und in einer frühen Rolle Sam Worthington.
Auf welchem Buch beruht Das Tribunal?
Vorlage ist John Katzenbachs Roman „Hart's War“ von 1999, der auf Deutsch ebenfalls unter dem Titel „Das Tribunal“ erschienen ist. Katzenbach ließ sich von der Kriegsgefangenschaft seines Vaters Nicholas Katzenbach anregen, der unter anderem im Stalag Luft III saß.
Gab es das Lager Stalag VI A wirklich?
Ja, in Hemer in Westfalen. Amerikanische Soldaten waren dort allerdings nie inhaftiert; das Lager hielt vor allem französische, belgische und ab 1941 sowjetische Gefangene, von denen rund 23.500 starben. Befreit wurde es am 13. April 1945 von der 7. US-Panzerdivision.
Wo wurde Das Tribunal gedreht?
In den Barrandov-Studios in Prag. Das Budget lag bei rund 70 Millionen Dollar, weltweit spielte der Film etwa 33 Millionen Dollar ein.